• EZB zieht erneut riesige Geldspritze für die Banken auf

    Freitag 24.02.2012, 18:54 Uhr
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    Von Andreas Plecko 
    DOW JONES NEWSWIRES 
    

    FRANKFURT (Dow Jones) - Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht erneut eine gigantische Geldspritze für die Banken auf und setzt damit zum zweiten Mal ihre bislang schärfste Waffe im Kampf gegen Schuldenkrise und Kreditklemme ein. Am Dienstag dürfen die Kreditinstitute des Euroraums bei der EZB ihren Kapitalbedarf anmelden, am Mittwoch wird dann der Geldsegen auf die Bankhäuser niedergehen. Zu einem historisch niedrigen Zinssatz können sich die Banken bei der EZB für drei Jahre mit Geld in beliebiger Höhe eindecken. Die Banken zahlen nach Fälligkeit einen Zins, der dem durchschnittlich während der Laufzeit herrschenden EZB-Leitzins entspricht. Derzeit liegt der Leitzins bei 1,00 Prozent.

    Im Dezember hatten 523 Institute eine Summe von 489 Milliarden Euro abgerufen. Der Nettoeffekt war jedoch geringer, weil viele Banken kurzfristige EZB-Kredite durch das dreijährige Geschäft ersetzten. Analysten kalkulierten, dass dieser Nettoeffekt bei gut 200 Milliarden Euro lag. Gleichwohl führte diese Geldflut zu einer deutlichen Entspannung bei Staatsanleihen in der Peripherie der Eurozone und löste eine Rallye an den Aktienmärkten aus.

    Viele Banken dürften sich diese äußerst seltene Gelegenheit, langfristig Geld zu einem konkurrenzlos günstigen Zinssatz aufzunehmen, nicht entgehen lassen: Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen rechnen im Schnitt mit einer Geldaufnahme von 450 Milliarden Euro. Die Prognosen liegen jedoch weit auseinander: Das untere Ende beträgt 250 Milliarden, die höchste Schätzung reicht bis 750 Milliarden Euro.

    "Der Ansturm der Banken könnte angesichts der attraktiven Margen, die am Euro-Rentenmarkt zuletzt erzielbar waren, sogar höher ausfallen als die geschätzten 300 bis 500 Milliarden", sagt Helaba-Volkswirt Ulf Krauss. "Selbst Institute, die nicht zwingend auf Liquidität angewiesen sind, dürften versucht sein, sich ein Stück des Kuchens zu sichern."

    Das dreijährige Kreditgeschäft mit der EZB ist für die Banken deshalb so verlockend, weil damit fast risikolos Gewinne in beträchtlichem Umfang gemacht werden können: Die Institute bekommen das Geld zu rund einem Prozent und können damit italienische oder spanische Staatsanleihen kaufen, die derzeit über fünf Prozent abwerfen. Auf diese Weise werden die Staatsanleihen der südeuropäischen Länder stabilisiert, ein von der EZB durchaus erwünschter Effekt. Zudem können die Geldhäuser die Staatstitel als Sicherheit für neue Kredite bei der EZB hinterlegen.

    EZB-Präsident Mario Draghi hat die Finanzbranche ausdrücklich ermuntert, die Kreditlinie ohne falsche Scheu in Anspruch zu nehmen. Der Gebrauch der Billigkredite - im Fachjargon Tender genannt - sei mit keinem Stigma verbunden, versicherte der Währungshüter. Vor Ausbruch der Finanzkrise galt es als Makel, wenn sich Banken in großem Umfang bei der Zentralbank mit Geld versorgen mussten. Doch die Zeiten haben sich geändert: Das gegenseitige Misstrauen der Banken ist zu einem Dauerzustand geworden, der Interbankenmarkt bleibt eingefroren, vor allem Institute in Südeuropa sind ausgeschlossen.

    Stand im Dezember zur Zeit des ersten Dreijahrestenders noch die europäische Schuldenkrise im Zentrum der Aufmerksamkeit, dürfte die EZB derzeit besonders das Risiko einer Kreditklemme im Blick haben. Denn die europäischen Banken kämpfen nicht nur mit Liquiditätsproblemen, sondern müssen bis zur Jahresmitte auch über 100 Milliarden Euro zur Stärkung ihrer Kapitalbasis aufbringen.

    Die Kapitalerhöhung der italienischen Großbank UniCredit, die zu Anfang des Jahres nur zu einem hohen Abschlag im Markt untergebracht werden konnte, hatte gezeigt, dass das Einwerben zusätzlichen Eigenkapitals schwierig geworden ist. Es besteht daher die Gefahr, dass die Geldhäuser ihre Bilanzen stärker schrumpfen und dazu auch ihr Kreditgeschäft zurückfahren, was die ohnehin schwächelnde Wirtschaft im Euroraum weiter belasten würde.

    Händler sehen den Aktienmarkt in der nächsten Woche im Bann des Dreijahrestenders: "Sollten nur 250 Milliarden Euro zusammenkommen, dann geht der DAX in die Tiefe, wird es deutlich mehr als die Prognose von 500 Milliarden Euro, dann gibt es Kurspotenzial nach oben", meint ein Marktakteur.

    Zwar hat mit EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny ein prominenter Geldpolitiker andeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen dritten Dreijahrestender nicht sehr hoch ist. "Ich glaube, die allgemeine Stimmung im Zentralbankrat ist so, dass wir sehr angemessene Maßnahmen beschlossen haben. Ich persönlich sehe nicht, dass wir einen weiteren Dreijahrestender brauchen", sagte der österreichische Währungshüter.

    Manche Experten halten aber in der Zukunft eine Wiederholung für durchaus möglich, wenngleich die EZB die Liquiditätsflut zunächst erst einmal etwas eindämmen dürfte. "Immerhin umgibt dieses Instrument, nachdem es maßgeblich zur Entspannung der Euro-Schuldenkrise beigetragen hat, nun eine Art Erfolgsaura", sagt Helaba-Ökonom Krauss.

    Der Kurs der EZB ist nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Kritiker werfen der Zentralbank vor, mit der Geldflut, mit der sie die Finanzmärkte stabilisiere, schaffe sie zugleich die Voraussetzungen für den nächsten Abschwung. So könnte ein Teil der Liquidität in die Rohstoffmärkte und insbesondere in den Ölmarkt fließen und damit die Kosten für die Produktionswirtschaft in die Höhe treiben. Die EZB wandele auf den Pfaden der US-Zentralbank, die alle Schwierigkeiten mit einer Liquititätsflut zudecke und immer neue Kursblasen schaffe, deren Platzen dann große Katastrophen auslösten.

    -Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, 
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