• Einfache Techniken und Prinzipien

    Montag 27.06.2011, 09:07 Uhr
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    Sehr geehrte Privatanleger,

    ich lese gerade ein Interview, das der Vater des Value Investing, Benjamin Graham, 1976 kurz vor seinem Tod gab.

    Als er zu seinem sehr umfangreichen Buch „Wertpapieranalyse“ befragt wurde, das erstmalig 1934 erschien und das als Bibel der Branche gilt antwortet er, dass er irgendwann das Interesse an den Details der Wertpapieranalyse verlor, denen er sich so viele Jahre so intensiv gewidmet hatte. Er wäre zu der Überzeugung gekommen, dass sie relativ unwichtig seien, was ihn in den Widerspruch zur Branche setzen würde.

    Nun habe er einige einfache Techniken und Prinzipien, die ebenfalls ausreichen würden. Man müsse aber den richtigen Charakter haben, um diese Prinzipien durchzuhalten. Auch Warren Buffett hat ja gesagt, dass Value Investing im Prinzip einfach sei, aber nicht einfach durchzuführen: „Value Investing is simple but not easy.“

    Graham würde nun oftmals Gruppen von Aktien kaufen, die einfachen Kriterien entsprächen, ohne sich groß um das einzelne Unternehmen zu kümmern. Das wichtigste davon ist die Gewinnrendite. (Kehrwert des KGV, also Gewinne pro Aktie geteilt durch Kurs.) Wenn diese mehr als zweimal so hoch wie die Anleihenrendite liege, würde er Aktien kaufen.

    Im Verlauf des Interviews äußert sich Graham noch zu seinem Net-Net-Prinzip, und dass es sehr schwer sei, Technologieunternehmen und langfristige Wachstumsunternehmen herauszusuchen. Er spricht dabei von den „neuen Xeroxes“. Es gebe keine zuverlässigen Möglichkeiten, das zu tun.

    Das stimmt. Für uns Value Investoren haben Wachstumsunternehmen andere Namen: Nestlé (WKN: A0Q4DC), Coca-Cola (WKN: 850663), Beiersdorf (WKN: 520000), American Express (WKN: 850226), Fielmann (WKN: 577220) oder Fuchs Petrolub (WKN: 579043). Das sind Unternehmen, von denen Sie zuverlässige Wachstumsraten deutlich über dem Bruttosozialprodukt erwarten können. Und diese Wachstumsraten sind belastbar. Sie sind nur nicht exorbitant.

    Ansonsten ist es sehr instruktiv, wie Graham immer wieder betont, dass es wichtig sei, die richtigen einfachen Prinzipien zu finden und anzuwenden.

    Und die Finanzmanager würden dies nicht tun. „Sie lernen nichts und sie vergessen alles. Ich habe keinerlei wie auch immer geartetes Vertrauen in die Wall-Street-Leute.“ Stattdessen müssen Investoren richtig und unabhängig denken. Sie müssen die richtigen Gedanken haben und sie müssen unabhängig denken, um diese auch durchzuhalten.

    Gute Investments wünscht,

    Ihr

    Prof. Dr. Max Otte

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