1. Die Inflationsrate der Eurozone ist im April um einen Zehntelprozentpunkt auf 2,6 % yoy gesunken. Dies entspricht der bereits Ende April von Eurostat gemeldeten Schnellschätzung. Im Wesentlichen geht die niedrigere Rate auf den Bereich der Energiegüter zurück. Vor allem Kraftstoffe (1,4 % mom) und Elektrizität (1,7 % mom) verteuerten sich im April zwar nochmals im Vergleich zum Vormonat. Die Preiserhöhungen waren jedoch geringer als im April 2011. Durch diesen Basiseffekt ging der Preisanstieg im Jahresvergleich weiter zurück auf 8,1 % mom. Energiegüter steuern damit noch 0,89 Prozentpunkte (PP) zur Gesamtinflationsrate bei (siehe untere Grafik). Im März waren es noch 0,94 PP. Ein ähnlicher Basiseffekt spielte sich bei Lebensmitteln ab. Deren Preise blieben im Monatsvergleich unverändert, wodurch sich die Jahresrate auf 2,7 % verringerte. Dies entlastete die Gesamtinflationsrate um 0,03 PP. Diese Basiseffekte lassen in den nächsten Monaten zunächst nach, sollten aber ab Herbst wieder deutlichen Abwärtsdruck auf die Inflationsraten ausüben. Anders als die EZB gehen wir davon aus, dass der Preisauftrieb noch in diesem Jahr unter die Marke von 2 % fallen wird.

2. Wenig Neues gab es demgegenüber bei der Kernrate (ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak). Diese blieb mit 1,6 % unverändert und bewegt sich schon seit Herbst letzten Jahres in engen Bahnen um diesen Wert. Im März hatten außergewöhnlich starke Preissteigerungen von Bekleidungsartikeln (16 % mom) zu einem leichten Anstieg der Kernrate geführt. Im April folgte hierauf nochmals ein Plus von 2,3 % mom bei Bekleidung und Schuhen, die Jahresrate ließ jedoch leicht auf 2,2 % nach. Wir sehen dies als Beleg dafür, dass die ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse in diesem Jahr (extrem kalter Februar, verregnetes Frühjahr) zu einer zeitlichen Verzögerung bei den im Frühjahr saisonal üblichen Preiserhöhungen von Bekleidungsartikeln geführt haben. Dieser Effekt dürfte sich in den nächsten Monaten relativieren und damit nochmals leichten Abwärtsdruck auf die Kerninflation ausüben.
3. Betrachtet man die Inflationsraten in den einzelnen Mitgliedsländern, zeigt sich weiterhin eine auffallende Heterogenität sowohl in den Niveaus als auch in der Tendenz. So fiel die Inflationsrate in zehn Mitgliedsländern. In den übrigen sieben Ländern stieg sie demgegenüber, wenn auch zumeist nur um wenige Zehntelprozentpunkte. Eine gemeinsame Triebfeder für die Inflationsrate in der gesamten Eurozone sind die oben beschriebenen Basiseffekte in den Bereichen Energie und Lebensmittel. Dagegen konzentrieren sich die starken Preisschwankungen bei Bekleidungsartikeln auf wenige Länder, vor allem Frankreich und Italien, und trugen dort im April zu sinkenden Inflationsraten bei. Aufwärtsdruck auf die Inflationsraten kommt demgegenüber weiterhin von administrierten Preisen und indirekten Steuern. Daten zu den um Steuereffekte bereinigten Verbraucherpreisindizes wurden in den vergangen Monaten nicht mehr veröffentlicht. Auffallende Bewegungen der Inflationsraten in einzelnen Ländern deuten jedoch darauf hin, dass indirekte Steuern und administrierte Preise eine zuletzt wieder größere Rolle gespielt haben. So nahm die Inflation in Spanien entgegen den Euroland-Trend im April um 0,2 PP zu. Starke Preissteigerungen waren dabei vor allem in den Bereichen Alkohol und Tabak sowie bei Versorgungsdienstleistungen zu verzeichnen. Ähnliches war in den vergangenen zwei Monaten in Italien zu beobachten, wo die Inflationsrate im März auf 3,8 % nach oben schnellte und im April nur geringfügig auf 3,7 % nachgab. Die Anhebungen indirekter Steuern und administrierter Preise könnten auch in den kommenden Monaten einen Rückgang der Inflationsraten in den Peripherieländern verhindern. Längerfristig sollten das schwache konjunkturelle Umfeld und die in diesen Ländern notwendigen wirtschaftlichen Anpassungsprozesse jedoch für längere Zeit zu einem sehr niedrigen Preisauftrieb führen.
Quelle: DekaBank



