FRANKFURT (Dow Jones) - Gut vom Kurseinbruch am Vortag erholt sind die europäischen Aktienbörsen am Mittwoch aus dem Handel gegangen. Sämtliche Branchen bis auf den Versorgersektor schlossen im Plus. Vor allem die gebeutelten Konjunktur- und Finanzwerte konnten sich erholen. Die Konjunkturdaten aus der Euro-Zone überzeugten jedoch nicht. Händler sehen den Markt weiter gefangen im Spannungsfeld zwischen dem griechischen Schuldenschnitt für Privatgläubiger und Sorgen um die Konjunktur. Der Euro-Stoxx-50 legte um 0,7 Prozent oder 17 auf 2.461 Zähler zu - der Stoxx-50 um 0,3 Prozent bzw 7 auf 2.446 Punkte.
Unsicherheit über Höhe der Beteiligung am Griechenschnitt belastet
Belastend wirkte die Unsicherheit über die Beteiligung der Privatgläubiger am Schuldenschnitt für Griechenland. Bisherige Hochrechnungen über die Mitglieder des Bankenverbands IFF deuten eine Beteiligung von 40 Prozent an, nötig wären aber mindestens 66 Prozent. Die griechische Regierung geht nach ihrer eigenen Kalkulation von einer Annahmequote zwischen 75 und 80 Prozent aus. "Bis die Entscheidung am Donnerstag fällt, muss der Markt aber mit der Unsicherheit leben", sagte ein Händler. Der Markt dürfte bis zur endgültigen Bekanntgabe "je nach vermeldeten Prozenten" der Gläubigerbeteiligung handeln. Für eine Erholung bei Aktien und Euro sorgte daher am Abend ein Bloomberg-Bericht, wonach die Quote schon bei 58 Prozent liegen soll. Bankentitel legten um 1,1 Prozent zu, der Versicherungssektor erholte sich um 0,6 Prozent.
Stützend auf den Sektor wirkten auch die guten Zahlen der Admiral Group: Der britische Versicherer konnte mit seinem Vorsteuergewinn von 299 Millionen Pfund Sterling die Prognose überbieten. Die Analysten von BoA-Merrill Lynch lobten die Anhebung der Dividende um elf Prozent: "Dies ist ein positives Signal für die künftige Ergebnisentwicklung". Admiral haussierten in London um 10 Prozent auf 1.144 Pence. Auch Societe Generale und UniCredit ragten mit 3,4 und 3,1 Prozent Plus unter den Finanzgewinnern hervor.
Konjunkturdaten aus Europa enttäuschen - US-Arbeitsmarkt überzeugt
Schwache Konjunkturdaten aus Euro-Land gaben indes wenig Anreize zum Kauf. So fielen in Deutschland die Auftragseingänge im Januar, obwohl hier mit einer Steigerung gerechnet worden war. In Spanien sank die Industrieproduktion im Januar deutlich stärker als erwartet. Umgekehrt überzeugte der ADP-Arbeitsmarktbericht aus den USA. Mit 216.000 neugeschaffenen Stellen im Privatsektor deutete er weiter auf eine Erholung im US-Arbeitsmarkt. Der ADP-Bericht gilt als wichtiger Indikator für den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung am Freitag. Auch die US-Produktivität im vierten Quartal wurde hochrevidiert.
Marktbreite Erholung - Käufe in Konjunkturzyklikern
Die am Vortag gerupften Konjunkturzykliker erholten sich etwas. "Nach Verlusten von teilweise 7 Prozent gestern sollte die aktuelle Erholung aber nicht als Bodenbildung überbewertet werden", warnte ein Händler jedoch bereits am Mittag. Rohstoffaktien legten im Schnitt um 0,6 Prozent zu, Automobilwerte um 1,1 Prozent. Für die konjunkturnahen Chemie- und Industriewerte ging es im Schnitt um je 1,1 Prozent nach oben.
Luxusgüter bauen auf China
An der Pariser Börse gehörten daneben die Aktien von LVMH und PPR zu den Favoriten. Händler verwiesen auf den Bericht einer chinesischen Zeitung, wonach das Land die Zölle auf Luxusgüter vermindern will. Zudem hoben die Analysten von Goldman Sachs zahlreiche Kursziele im Sektor an , sie sehen ein deutliches Aufwärtspotenzial für Anteilsscheine von Luxusgüterherstellern. LVMH stiegen um 1,1 Prozent auf 125,95 Euro, PPR um 2,1 Prozent auf 126,70 Euro.
Danone profitierten ebenso von einer Kurszielerhöhung durch Goldman Sachs und legten 1,9 Prozent auf 51,55 Euro zu. Auch bei Nestle, Unilever und Diageo wurden die Ziele erhöht. Die optisch hohen Kursverluste von je rund 2 Prozent bei CRH und B.A.T. waren nur auf Dividendenausschüttungen zurückzuführen.
Europäische Schlussstände von Mittwoch, den 7. März 2012:
===
Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2460,77 17,25 +0,7% 6,2
Stoxx-50 2446,01 7,36 +0,3% 3,2
Stoxx-600 260,11 1,65 +0,6% 6,4
Frankfurt XETRA-DAX 6671,11 38,00 +0,6% 13,1
London FTSE-100 5791,41 25,61 +0,4% 4,0
Paris CAC-40 3392,33 29,77 +0,9% 7,4
Amsterdam AEX
319,64 2,11 +0,7% 2,3
Athen ATHEX-20 305,88 -3,77 -1,2% 15,5
Brüssel BEL-20 2239,96 30,07 +1,4% 7,5
Budapest BUX 18511,92 -103,60 -0,6% 9,1
Helsinki OMXH-25 2187,48 38,60 +1,8% 12,6
Istanbul NAT30 71992,03 463,05 +0,6% 16,7
Kopenhagen OMXC-20 446,43 2,75 +0,6% 14,5
Madrid IBEX-35 8161,80 -4,80 -0,1% -4,7
Mailand FTSE-MIB 16398,89 180,83 +1,1% 8,7
Moskau RTS 1677,21 0,73 +0,0% 21,4
Oslo OBX 384,28 4,80 +1,3% 7,5
Prag PX 990,10 1,30 +0,1% 8,7
Stockholm OMXS-30 1062,64 5,07 +0,5% 7,6
Warschau WIG-20 2265,61 16,05 +0,7% 5,6
Wien ATX 2126,72 15,78 +0,7% 12,4
Zürich SMI
6102,54 55,01 +0,9% 2,8
===
DJG/mod/flf
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.



