• Griechische Tragödie hält Börsen weiter in Atem

    Freitag 11.05.2012, 13:58 Uhr
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    DJ MARKT-AUSBLICK/Griechische Tragödie hält Börsen weiter in Atem

    Von Thomas Leppert 
    DOW JONES NEWSWIRES 
     
    

    FRANKFURT (Dow Jones) - Griechenland wird auch in der kommenden Woche die Schlagzeilen beherrschen. Eine Frage ist, ob sich die gewählten Parteien zu einer politischen Verantwortung zusammenraufen - oder es zu Neuwahlen kommt. Ganz gleich welchen Weg Griechenland kurzfristig einschlagen wird, Volkswirte gehen zunehmend davon aus, dass Griechenland in zwölf Monaten dem Euroraum nicht mehr angehört. Bis dahin werden Nachrichten aus Griechenland die Risikobereitschaft der Investoren weiter beeinflussen. Auch für kommende Woche ist zu befürchten, dass zaghafte Erholungen am Aktienmarkt von Investoren dafür genutzt werden, das Risiko zu minimieren - und Aktien zu verkaufen.

    Die Chancen stehen nicht schlecht, dass den Griechen Neuwahlen erspart bleiben. Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Pasok-Partei von Evangelos Venizelos, die Nea Dimokratia sowie die Demokratische Linke (Dimar) zusammenschließen. Zusammen kommen sie auf 168 Sitze innerhalb des 300 Sitze großen griechischen Parlamentes. Ansonsten wird es schwierig - Neuwahlen würden ansonsten für Mitte Juni anstehen. Neuesten Umfragen zu Folge würde dann allerdings die linksradikale Syriza um Parteichef Alexis Tsipras die stärkste Partei stellen. Tsipras kündigte diese Woche bereits für den Fall einer Regierungsübernahme ein "Rückzahlungsmoratorium" für griechische Schulden an.

    Während es in Griechenland ums Überleben geht, trübt sich das wirtschaftliche Umfeld für ganz Europa ein. Es ist zu befürchten, dass sich der Euroraum im ersten Quartal in einer Rezession befindet. So rechnet die Commerzbank damit, dass die Wirtschaftsleistung in Spanien um 0,3 Prozent gesunken ist, in Italien sogar um 0,7 Prozent. Deutschland dürfte sich der Entwicklung entziehen und immerhin noch mit einem Wachstum von 0,2 Prozent aufwarten. Für die gesamte Eurozone dürfte unter dem Strich nur ein kleines Minus von 0,2 Prozent herauskommen. Damit dürften die politischen Rufe lauter werden, dass Spardiktat zu beenden und ein Wachstumsprogramm auf den Weg zu bringen.

    Am Dienstag wird die Finanzwelt und ganz Europa erneut den Nachrichten aus Griechenland lauschen. An diesem Tag ist eine griechische Staatsanleihe nach englischem Recht mit einem Volumen von 436 Millionen Euro fällig. Insgesamt stehen noch Anleihen nach internationalem Recht mit einem Volumen von 29 Milliarden Euro aus. Unter die Zwangsumschuldung waren dagegen nur die griechischen Staatsanleihen nach nationalem Recht gefallen. Die große Frage wird sein, ob Griechenland die Anleihe an die Gläubiger zu 100 Prozent zurückzahlen wird. Sollte Griechenland nicht zahlen, dürfte dieser Zahlungsausfall die Gerichte für eine lange Zeit beschäftigen.

    Aber es gibt noch mehr Klippen am europäischen Markt für Staatsanleihen, die in der kommenden Woche umschifft werden müssen. Insgesamt steht ein Emissionsvolumen von rund 22 Milliarden Euro auf der Agenda - auf der anderen Seite allerdings kaum Rückzahlungen. Am Mittwoch stockt zum Beispiel Deutschland die zehnjährige Anleihe mit einem Zins von 1,75 Prozent um 5 Milliarden Euro auf. Bundesanleihen gelten weiterhin als einer der sicheren Häfen in den unsicheren Zeiten. Anleger sind momentan bereit, ihr Geld dem Schuldner Deutschland zu einem Zinstief von 1,5 Prozent für zehn Jahre zu leihen - und damit einen realen Zinsverlust hinzunehmen.

    Unter anderem zapfen aber auch Italien und Spanien den Kapitalmarkt an, um ihre Haushalte zu finanzieren. Am Montag kommt zunächst Italien mit Laufzeit bis zu 13 Jahren und einem Volumen von bis zu 5,25 Milliarden Euro. Am Donnerstag folgt dann Spanien mit Anleihen mit Laufzeiten von fünf und zehn Jahren. Dabei rentieren die zehnjährigen spanischen Staatsanleihen aktuell nahe der kritischen Marke von 6 Prozent. Im Vorfeld der letzten Auktionen war zu erkennen, dass die Renditen nochmals anzogen. Sollte dies erneut der Fall sein, dürfte der Abgabedruck auf den Euro wie auch auf die Aktienmärkte zunehmen.

    Freitag ist Facebook-Tag. Facebook startet sein Börsenleben an der Nasdaq - der US-Börse für Technologie-Werte. In einem ersten Schritt sollen 337,4 Millionen Aktien an institutionelle Investoren und Privatanleger verkauft werden. Bei einer Platzierung am oberen Ende der Spanne von 25 bis 28 Dollar je Aktie würden Mark Zuckerberg und den Geldgebern der ersten Stunde 11.800.000.000 Dollar in die Kassen gespült. Bisher haben nur wenige Unternehmen bei Börsengängen die 10-Milliarden-Dollar-Marke geknackt. Dabei handelte es sich um Visa, die 2008 bei ihrem Börsengang 19,7 Milliarden Dollar erlöste, General Motors mit 18,1 Milliarden Dollar vor zwei Jahren und AT&T Wireless mit 10,6 Milliarden Dollar.

    An der Nasdaq kann die Bewertung des Unternehmens schnell über die magische 100-Milliarden-Dollar-Marke schießen. Denn es fehlt nicht an Analystenkommentaren, die der Aktie rosige Zeiten vorhersagen. So liegt des Kursziel von Wall Street Analysten Arvind Bhatia von Sterne Agee bei 45 Dollar. Er erwartet, dass Facebook wie Google vor zwölf Jahren den globalen Anzeigenmarkt verändern wird.

    Allerdings gibt es auch vorsichtige Stimmen. Wenn Facebook mit der Geschwindigkeit des vergangenen Jahres weiter wächst, nämlich mit einem Gewinnzuwachs um 65 Prozent, wären eine Börsenbewertung von 100 Milliarden Dollar noch immer das 36-fache des erwarteten Gewinns für 2013. Ob dies gerechtfertigt ist, muss jeder Investor für sich entscheiden.

     
    -Von Thomas Leppert, Dow Jones Newswires; 
     +49 (0)69 29725 221, thomas.leppert@dowjones.com 
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