I. Morgan, könntest Du mir Dein Leben vor der Börse beschreiben?
Ich war und bin immer noch ein total normaler Typ, war nicht auf einem College und hatte auch keine Erfahrung Kundengelder zu verwalten. Der erste Kontakt mit den Märkten war Liebe auf den ersten Blick, von Anfang an wusste ich dass ich den für mich das Richtige gefunden hatte.
II. Wann und wie hast Du mit dem Trading angefangen? Welche Märkte hast Du anfangs gehandelt?
Meine ersten Erfahrungen begannen 1997 mit einem 2 – Tages Seminar, das den Teilnehmern eine einfache Outbreakstrategie beibringen sollte – behandelt wurde das Trading mit dem Futures des Schweizer Franken. Es war eine einfache Methode, die Zeit damals war aber auch eine andere.. Ein paar Jahre später besuchte ich dasselbe Seminar nochmals, der Erfolg stellte sich aber nicht ein. Zu diesem Zeitpunkt kam ich das erste Mal mit dem mini Kontrakt des S&P 500 in Kontakt – grundsätzlich war ich von den Möglichkeiten des Tradings begeistert und war von der Möglichkeit angetan, nur für mich anstatt nur für andere zu arbeiten. Ich wollte mein eigener Chef sein. Meiner Ansicht nach war und ist Trading der beste Weg, dieses Ziel zu erreichen.
III. Was waren Deine ersten Eindrücke über den Handel?
Hmm. Die Börsen sind der Ort, an denen Vermögen gemacht, aber auch vernichtet warden. Ich hatte immer die Theorie, dass man um viel Geld verdienen zu können an dem Ort sein muss wo sich das grosse Geld befindet. Man muss sich den Big Boys anschliessen und versuchen, dies zu seinen Vorteil zu nutzen. Die Futures Märkte sind definitiv der Ort, wo sich das grosse Geld befindet.
IV. Warst Du von Anfang an erfolgreich?
Nein, Ieider nicht. Ich handelte in der ersten Zeit immer kleine Konten und war über mehrere Jahre nicht in der Lage Geld zu verdienen. Es dauere eine recht lange Zeit und eine Menge an Veruche, um einen funktionierenden Ansatz zu finden. Noch länger dauerte es meinen eigenen Tradingstil an meine Erfahrungen anzupassen, ich musste erst Vertrauen in meine Forschundsergebnisse entwickeln.
V. Warst Du von Beginn an ein jemand mit einem mechanischen Ansatz? Was sind für Dich die entscheidenden Gründe einen solchen Ansatz zu bevorzugen?
Ich habe immer nur eine mechanische Heransgehensweise benutzt. Ich mag es, wenn fest definierte Regeln Trades entweder zulassen oder eben nicht. Ich sehe darin Vorteile gegenüber anderen Möglichkeiten. Bei den wenigen Trades, die ich selbst ohne festes Regelwerk getätigt habe fühlte ich mich mit dem Druck nicht wohl, die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit treffen zu müssen. Dies ist der Grund, warum von Anfang an einen systematischen Ansatz bevorzugt habe. Nachdem ich gelernt hatte zu programmieren war ich dann in der Lage, die Systeme zu automatisieren und die Emotionen komplett aus meinem Handel fernzuhalten.
VI. Kannst Du uns die wichtigsten Punkte nennen, um ein erfolgreicher Systemhändler zu werden?
- Überprüfe Deine Ergebnisse immer mehrfach – Ich habe sehr viele gute Systeme erstellt, nur um nach weiteren Tests festzustellen, dass diese nach Slippage und Gebühren nicht erfolgreich sein würden.
- Rechne immer eine ausreichende Slippage mit ein – im Live Handel wird diese immer höher sein als im Backtest. Daher unbedingt ein ausreichendes Polster einplanen!
- Sample und out of sample Tests – dies ist extrem wichtig. Man kann das perfekte System erstellen, dies muss aber unbedingt Out of Sample getestet werden und die Resultate dann verglichen werden.
- Für Dein erstes erfolgreiches System ist es zwingend notwendig, das automatisierte System ein halbes Jahr live zu verfolgen, um etwaige Probleme völlig ausschliessen zu können. Ich brauchte recht lange, um mein erstes System dann völlig ohne Kontrolle laufen zu lassen. Dies ist auch ein recht wichtiger Punkt.
- Realistsche Erwartungen – wenn Du in der Lage bist ein System zu entwickeln mit einem Edge, das konstant drei – bis fünftausend Dollar pro Kontrakt und Jahr verdient hast Du ein großartiges System.
- Einige Dinge sind unvermeidbar und können nicht vermieden werden. Einige Draw –Downs können nicht vermieden werden, und es gibt auch Zeiten in denen kein oder wenig Geld verdient wird. Meiner Ansicht nach sollte man das System dann aber nicht verwerfen,wenn man an die Methode glaubt. Die einzigste Möglichkeit Schwächen bei einem System zu minimieren ist Diversifikation, sprich man erstellt einen Korb von verschiedenen Ansätzen, die sich dann gegenseitig aushelfen.
- Plane Deine Systeme. Willst Du Profitziele benutzen? Wie gross muss ein Win-Trade sein, um die Verlierer auszugleichen. Wenn Du beispielsweise einen StopLoss mit 2 Punkten benutzt und ein festes Ziel von einem Punkt benötigst Du mindestens eine Treffferquote von 66 Prozent, um ein Break Even System nach Gebühren und Slippage zu bekommen. Wenn Dein System etwa 70 Prozent richtig liegt wandelt man hier auf recht dünnem Eis, wenn das System in einen Draw-Down geht. So ein System zu traden ist meiner Meinung nach recht schwierig, daher verfolgen meine Systeme andere Ansätze.
VII. Was war Dein erstes richtig gutes System? Kannst Du es ein wenig beschreiben? Läuft es noch?
Ja, natürlich erinnere ich mich (lacht). Tatsächlich war es so schlecht, dass ich die Einstiegssignale umdrehte, die Kauforders wurden Verkauforders. Die Folge des Ganzen war mein erstes nachhaltig erfolgreiches System. Nach einer zufälligen Fehleingabe bei des Zeithorizonts entdeckte ich dann das wahre Potenzial des Systems und des Ansatzes. Mein Battalion System als auch dessen Variationen Archer und Saturn basieren auf dieser Systematik. Diese Systeme sind immer noch aktiv, 2008 war sogar das bisher beste Jahr für diese Systeme – was mich einerseits sehr freut und natürlich die Substanz des Ansatzes zeigt. Dieser funktioniert auch bei anderen Märkten wie den FDAX, FESX, Russell oder den Mini Dow.
Basisansatz der Systeme sind mehrere gleitende Durchschnitte, die dem Markt hinterherhinken und somit ein schöner Weg sind die momentane Lage des Marktes zu bestimmen. Nachdem die Märkte ein wenig seitwärts gelaufen sind, um zu konsolidieren entsteht ein brauchbares Risk-Reward Ratio. Diese momentane geringere Volatilität wird idealerweise genutzt, um größere Bewegungen mitzunehmen.
VIII. Was ist Dein bevorzugter Tradingstil als Systemtrader? Intraday oder Swing?
Ich wünschte ich könnte ein Swing System programmieren, aber bisher hatte ich in diesem Gebiet noch keinen Erfolg. Nach so vielen Jahren aktiven Handels an den Börsen ziehe ich es immer noch vor, keine Übernachtpositionen zu halten – daher würde ich wohl auch nicht zum Swingtrader werden, selbst wenn ich ein gutes Swingsystem zur Verfügung hätte. Ich mag es immer noch, Ausbrüche zu traden. Mein erstes System Battalion macht einen guten Job während starken Trends nicht zu traden, wenn die Volatilität meist sehr hoch ist. Vielmehr nutzt dieses System die nachfolgende Konsolidierung, um Einstiege für eine Fortsetzung der Bewegung zu finden und den folgenden Ausbruch dann mitzunehmen.
IX. IErinnerst Du Dich noch an Deinen besten und Deinen schlechtesten Trade? Viele Trader merken sich solche besonderen “Erlebnisse”….
Mein schlechtester Trade war am Anfang meiner Tradingkarriere, die Richtung der Merktbewegung hatte ich zwar richtig eingeschätzt, allerdings war mein Trading trotzdem einfach miserable. Ich war auf fallende Kurse eingestellt und war daher short positioniert, allerdings war ich mit zu vielen Kontrakten im Markt für mein damaliges Konto und bekam Angst, als der Markt ein oder zwei Punnkte gegen mich life. Der grosse Fehler war, dass ich denselben Trade einige Male mit demselben Resultat wiederholte und mehr oder weniger mein Konto mit dem “einen” Trade an die Wand gefahren habe. Es war das einzige Mal, dass ich Geld mit short Positionen in einem fallenden Markt verlor, da ich immer zu früh die Positionen schloss. Dies zeigte mir deutlich auf, dass ich unbedingt meinen Regeln befolgen musste und nicht während eines Trades improvisieren sollte. Ein Freund von mir sagt mir immer: plan your trade than trade your plan.
X. Das Volumen, speziell in den eminis, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Spielt das Volumen in Deinem Ansatz eine Rolle?
An sich nicht. Das Volumen der Eminis ist sehr hoch und solange meine Orders geringer sind als das momentane Bid/Ask gibt es genug Volumen. Ich hoffe darauf, dass das Volumen weiter ansteigt, um weiter expandieren zu können. (Info: die Strategien sind mittlerweile für neue Kunden nicht mehr zugänglich, um Slippage zu vermeiden)
XI. Viele Systemtrader hatten während der geringeren Volatilität 2002/2003 zu kämpfen. Wie bereitest Du Deine Systeme auf solche Zeiten vor?
Meine Systeme kamen in dieser Zeit sehr gut zurecht. 2002 konnten die Systeme einige starke Bewegungen auf der Short Seite gut nutzen – 2003 stellten die geringen Handelsspannen wenig Probleme für meine Systeme dar. Tatsächlich war 2003 ein sehr langweiliges Jahr im Vergleich zu den Jahren davor.
XII. Was denkst Du – ist es möglich ein System zu bauen, das in fast allen Marktlagen erfolgreich ist?
Scalping Systeme haben die höchste Überlebensfähigkeit in den unterschiedlichsten Marktlagen, da diese nur einen kleinen Profit anstreben. Das niedrige Risk-Reward Ratio macht es meiner Meinung nach aber sehr schwierig, das System zu traden. Offen gesagt denke ich nicht, dass ich ein so universelles System erstellen könnte, das in jeder Marktlage erfolgreich ist. Ich ziehe es vor, nicht zu wenig oder nicht zu traden, wenn die Bedingungen am Markt gegen meine Systeme sind.
XIII. Kannst Du uns den Entwicklungsprozess beschreiben, wenn Du ein System erstellst? Wie kann man sich das vorstellen?
Bei mir ist es wirklich “Trial and Error” – nimm eine Idee und teste diese im Anschluss. Falls das System sehr schlecht ist drehe die Parameter um und teste erneut. Falls ein schlechtes System einige gute Eigenschaften hat versuche ich diese in meine bestehenden Systeme zu implementieren. Danach fahre ich weitere Tests.
XIV. CurveFitting oder Optimierung ist eines der umstrittensten Themen in der Entwicklerszene. Wie denkst Du darüber? Hältst Du Optimierungen für sinnvoll?
Ich bin der Meinung, dass es sinnvoll sein kann – falls es richtig gemacht wird..
XV. Diversifikation ist auch bei Systemen sinnvoll.. Wie viele Trading Models hast Du bisher entwickelt und hast Du eines, das Du bevorzugst?
Ich habe drei verschiedene Basismethoden.. Die erste basiert auf gleitende Durchschnitte, die zweite auf der Volatilität und die dritte auf Patterns. Die erste Methode ist wahrscheinlich meine bevorzugte, wahrscheinlich aufgrund der sehr guten Performance.
XVI. In den Zeiten der Finanzkrise ist die Volatilität teilweise extreme hoch. Änderst Du aufgrund dessen einige Parameter der Systeme?
Nein, die Systeme bleiben so, wie sie sind. Die hohe Volatilität senkt die Trefferqupte, andererseits sind die Chances sehr grosse Bewegungen mitzunehmen auch verbessert. Für mich ist dies in Ordnung.
XVII. Performen Deine Systeme anders in so extreme hochvolatilen Phasen?
Persönlich mag ich dieses Marktumfeld nicht sehr, da in diesem Marktumfeld mehr Trdes ausgestoppt werden. Andererseits sind die Profits höher,allerdings vergrößere ich in dieser extremen Zeit die Positionen nur ungern, so dass mir eine ruhige Zeit lieber ist.
XVIII. Angst&Gier… Was fällt Dir hierzu speziell ein?
Haha, da kenne ich sehr viele Geschichten. Das extremste Beispiel war einmal ein Kunde, der einen Profit von $200 mitgenommen hat aus Angst einen Verlust zu machen. Das Relutat dieses Trades waren ein Profit von $2000.
XIX. Wenn Du ein System entwickelst, wie hoch sollte der durchschnittliche Trade sein? (average Trade)
Ich möchte mindestens einen average Trade von $75 sehen. Bevorzugt über $100. like to see an average trade of $75 or greater if it’s consistent over time. I really prefer it to be over $100.00 per trade just to ensure there is enough room for slippage and commissions. I find that this often makes my systems trade less when I design them for that size trade.



