FRANKFURT (Dow Jones) - Wieder einmal belastet die europäische Schuldenkrise die Märkte. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Spaniens um gleich zwei Stufen heruntergenommen und den Ausblick auf negativ belassen. S&P hat nun das niedrigste Rating der drei großen Agenturen. "Mit weiteren Herabstufungen ist also zu rechnen", merkt die BHF Bank an. Am Markt wartet man nun gespannt auf die nächste Anleihe-Aktion eines europäischen Sorgenkinds. "Die erste Nagelprobe wird die Auktion italienischer Staatsanleihen", sagt ein Händler. Die Regierung will am Vormittag unter anderem fünf- und zehnjährige Papiere an den Mann bringen. Der DAX gibt um 0,5 Prozent auf 6.705 Punkte nach, der Euro-Stoxx-50 büßt 1,1 Prozent auf 2.298 Punkte ein.
Vor der S&P-Abstufung hatte es noch gut ausgesehen: Die niederländische Regierung hat nun doch eine Mehrheit für einen Spar-Haushalt erreicht und von den US-Börsen gibt es ordentliche Vorgaben. Zudem hat Samsung Rekordergebnisse vorgelegt. Wichtige Konjunkturdaten stehen ebenfalls an. Am Nachmittag gibt es Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum im ersten Quartal. Volkswirte rechnen mit einer Abschwächung des Wachstums auf 2,6 Prozent von 3,0 Prozent im vierten Quartal 2011.
Der Euro ist unter Druck gekommen und reagiert damit ebenfalls auf die Abstufung Spaniens. Aktuell liegt er bei 1,3172 Dollar. "Die Abstufung könnte das fragile Sentiment in der Eurozone belasten", sagt ein Analyst. Der Yen ist nach der Ausweitung der Anleihenkäufe durch die Notenbank um 5 Billionen Yen kurzzeitig unter Druck geraten, hat die Kursverluste jedoch wieder aufgeholt. Das Volumen der Käufe bewegt sich am unter Ende der Erwartungen. Eine Befragung von Nomura hatte ergeben, dass 30 Prozent der Marktteilnehmer mindestens 10 Billionen Yen erwartet hatten.
Profiteure sind wieder einmal die deutschen Anleihen. Zehnjährige Papiere werfen nur noch 1,66 Prozent Rendite ab, und am Terminmarkt steigt der Bund-Future auf neue Rekordstände. Damit werden die Anleihen ihrem Status als "sicherer Hafen" einmal mehr gerecht.
BASF: Besser als sämtliche Prognosen
Der Chemiekonzern BASF hat sich im ersten Quartal gut geschlagen. Getrieben vom florierenden Öl- und Gasgeschäft sowie Pflanzenschutz wurden die Analystenerwartungen übertroffen. Die Prognose für 2012 bekräftigte das Unternehmen. Die Analysten der DZ Bank haben ihre Kaufempfehlung bestätigt und gestehen der Aktie einen fairen Wert von 74 Euro zu. Nach dem Motto "Sell on good news" gibt die Aktie um 2,3 Prozent auf 63,51 Euro nach.
Daimler startet flott ins Jahr
Gute Zahlen gibt es auch aus dem Autobereich. Daimler hat trotz massiver Investitionen in das Geschäft zum Jahresauftakt einen Gewinnzuwachs erreicht. Nach Steuern blieben knapp 1,42 Milliarden Euro - ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Sämtliche Kennziffern lagen leicht über den Erwartungen. Jürgen Pieper, Analyst von Metzler, empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 48 Euro zum Kauf. Daimler verlieren in dem schwachen Gesamtmarkt zwei Prozent auf 41,80 Euro. Das mag auch daran liegen, dass die Schwaben die glänzende Geschäftsentwicklung von VW nicht erreicht haben.
Spaniens Abstufung lastet vor allem auf Bankenwerten
Bankenaktien geraten wegen der Abstufung Spaniens unter Druck. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Senkung des Ratings um gleich zwei Stufen an dem Sektor spurlos vorübergeht", sagt ein Händler. Neben den spanischen Banken, für die S&P weiteren Hilfsbedarf durch die Regierung prognostiziert, geben erneut französische und italienische Bankenaktien nach. So verlieren BNP 3,6 Prozent auf 29,50 Euro, während Santander um 2,9 Prozent auf 4,61 Euro zurückfallen. "Die spanischen Banken hatten mit Hilfe der beiden Dreijahrestender der EZB massiv in spanische Staatsanleihen investiert und dürften schon jetzt einen rechnerischen Bewertungsverlust auf diese Neueinkäufe eingefahren haben", merkt ein Marktteilnehmer an.
Die Aktie der Deutschen Börse steckt die schwachen Quartalszahlen recht gut weg, denn der Kurs hat zuvor schon deutlich nachgegeben. "Zudem könnten bei weiter fallenden Kursen Dividendenkäufe einsetzen", meint ein Händler. Die Deutsche Börse schüttet für das vergangene Jahr inklusive Sonderdividende 3,30 Euro je Aktie aus. Mit 0,9 Prozent halten sich die Abschläge in Grenzen.
Frohe Kunde aus Frankreich
Französische Unternehmen haben gute Nachrichten parat. Sanofi hat seinen Gewinn zum Jahresauftakt kräftig gesteigert. Der Pharmakonzern profitierte dabei von besseren Absätzen in den USA und den Schwellenländern. Auch die erstmalige Berücksichtigung von Genzyme in der Bilanz half. Die Franzosen hatten den US-Biotechnologiekonzern im vergangenen Jahr übernommen. Die Aktie klettert um 1,8 Prozent auf 57,80 Euro.
Vinci setzen ihre Aufwärtsbewegung fort. Nach einem starken Auftragseingang im ersten Quartal rechnet der Baukonzern für 2012 mit einer leichten Steigerung des Umsatzes statt mit einer Stagnation. "Der Umsatz lag in den ersten drei Monaten um knapp 6 Prozent über der Konsensschätzung von Analysten", sagt ein Händler. Angesichts der Belastungen durch die Schuldenkrise sei das ein gutes Ergebnis. Die Aktie zieht um 2,4 Prozent auf 34,93 Euro an.
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