Von MANUEL PRIEGO-THIMMEL
FRANKFURT--Nach den massiven Kursaufschlägen der vergangenen Handelstage kommt es an Europas Börsen zu ersten Ermüdungserscheinungen. Einige Anleger machen Kasse und bringen ihre Schäfchen ins Trockene. Die Stimmung im Handel ist aber weiter gut. Die Erholungsbewegung sei noch nicht zu Ende, heißt es. Die Anleger setzten weiter auf neue stimulierende Maßnahmen durch die Zentralbanken auf beiden Seiten des Atlantiks. Der Euro-Stoxx-50 verliert 0,2 Prozent auf 2.435 Punkte, für den DAX geht es um 0,2 Prozent auf 6.951 Stellen nach unten.
Ein negativer Impuls kommt von deutschen Handelsbilanzzahlen. Die Exporte sind im Juni um 1,5 Prozent gefallen, im Mai waren sie noch um 4,2 Prozent gestiegen. Die Analysten der Commerzbank sprechen von einer erneut schlechten Zahl. Am Dienstag hatten bereits die Auftragseingänge enttäuscht. Auch bei den noch anstehenden Daten zur Industrieproduktion wird mit eher schwachen Daten gerechnet.
Die schlechten Konjunkturdaten setzen die Börsen aber nicht wirklich unter Druck. "Die Hinweise auf weitere Maßnahmen der EZB und der Federal Reserve in den letzten Wochen sind noch frisch im Gedächtnis der Anleger", bemerkt Analyst Anthony Lam von Credit Agricole.
Ebenfalls im Blick steht die Aufstockung zehnjähriger Bundesanleihen in Deutschland. Mit der Entspannung an den Anleihemärkten der Peripherie war hier zuletzt ein deutlicher Renditeanstieg zu verzeichnen. Die Credit Agricole glaubt aber nicht, dass die Rendite nachhaltig über das Niveau von 1,50 Prozent steigen wird. Aktuell liegt sie bei 1,45 Prozent, ein Rückgang von 3 Basispunkten auf den Schluss vom Dienstag.
Die Erholungsbewegung im Euro ist derweil ins Stocken geraten. Die Einheitswährung notiert wieder unter der Marke von 1,24 Dollar. Marktexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank bleibt skeptisch für die Einheitswährung. In Griechenland zeichne sich neues Ungemach ab, betont er mit Verweis auf Berichte, nach denen der IWF keine weiteren Hilfen leisten wolle, bevor die europäischen Staaten Athen weitere Schulden erlassen.
Der erneuten Herabstufung des Ausblicks für Griechenland durch die Ratingagentur Standard & Poor's wird dagegen wenig Beachtung geschenkt. Sie sei eher mechanischer Natur angesichts der Drohung eines erneuten Schuldenschnitts.
Lufthansa für 9,99 Euro
Ein möglicher Streik und schwache Sektorvorgaben belasten im DAX die Aktie der Lufthansa. Die Aktie verliert 2,5 Prozent auf 9,99 Euro. Die Beschäftigten in den Flugzeugkabinen wollen für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen streiken. Allerdings legen sie ihre Arbeit nicht sofort nieder, sondern warten erst noch den Ausgang der Tarifverhandlungen ab. Daneben hat Cathay Pacific sehr schwache Geschäftszahlen vorgelegt. Die Fluggesellschaft aus Hongkong wird von einer schwachen Nachfrage und hohen Treibstoffkosten belastet.
Derweil läuft die Berichtssaison weiter auf vollen Touren. Als „insgesamt im erwarteten Rahmen" werten Händler die Zahlen von Brenntag . Der Ausblick sei dagegen "sehr vorsichtig" gehalten. Brenntag-Papiere verlieren 2,7 Prozent auf 89,96 Euro. Mit einem Minus von 4,3 Prozent auf 7,16 Euro verlieren die Titel von Klöckner & Co noch deutlicher. Der Stahlhändler hat eine Gewinnwarnung abgegeben. Allerdings sei dies vor allem auf Einmalbelastungen zurückzuführen, heißt es. Zudem hatte die Aktie am Dienstag im Vorfeld der Zahlen einen Satz um über 8 Prozent nach oben gemacht.
freenet legte bereits am Dienstagabend besser als erwartete Geschäftszahlen vor. Mit 41,6 Millionen Euro lag das Nettoergebnis fast 5 Millionen Euro über den Schätzungen der Analysten. Die freenet-Aktie verliert nach der guten Entwicklung der vergangenen Wochen aber wegen Gewinnmitnahmen 0,1 Prozent auf 12,32 Euro.
Axel-Springer-Titel geben nach Vorlage von Geschäftszahlen um 4 Prozent auf 35,67 Euro nach. Nach Einschätzung der Commerzbank zeigt die digitale Wachstumsstory Ermüdungserscheinungen.
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