FRANKFURT (Dow Jones) - Die europäischen Aktienmärkte legen am Mittwoch erneut zu und erholen sich damit weiter vom Kurssturz am Montag. Das ist vor allem den hervorragenden Quartalszahlen des Technologiekonzerns Apple zu verdanken. Der iPhone-Erfinder wies für das zweite Quartal einen Gewinn von 11,6 Milliarden US-Dollar aus. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Unternehmen damit seinen Überschuss fast verdoppelt. "Überraschend ist, dass Apple dank guter Verkäufe fast das Ergebnis aus dem Weihnachtsquartal erreicht hat", meint ein Marktteilnehmer. Der DAX gewinnt 0,7 Prozent auf 6.638 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 klettert um ebenfalls 0,7 Prozent auf 2.300 Punkte.
Ungebremst steigen werden die Aktienmärkte aber nicht. Die US-Notenbank tagt am Abend und davor halten sich die Marktteilnehmer gewöhnlich zurück. "Ich denke, dass der Aktienmarkt vor der Fed-Sitzung eine neutrale Haltung einnimmt", sagt ein Händler. Am Nachmittag wird noch der Auftragseingang langlebiger US-Wirtschaftsgüter für den Monat März mitgeteilt. Volkswirte erwarten einen Anstieg von zwei Prozent.
Dass an den Aktienmärkten von echter Beruhigung noch keine Rede sein kann, zeigen die Anleihen. Der Bund-Future gibt zwar weiter leicht nach, bewegt sich mit 140,35 Prozent aber weiter auf hohem Niveau. Das zeugt vom anhaltenden Vertrauen in deutsche Staatsanleihen. Die europäische Schuldenkrise beunruhigt die Anleger, hat doch der Kurssturz zu Wochenbeginn gezeigt, dass sie jederzeit aufflammen kann.
Ein ähnliches Bild zeichnet der Devisenmarkt. Der Euro bewegt sich mit Kursen knapp über 1,32 Dollar auf dem Niveau des späten Vortagesgeschäfts. Es kommt nun darauf an, wie die US-Notenbank sich zur Wirtschaft des Landes äußern wird. Nach Ansicht von Michael Carey von Credit Agricole stehen die Chancen auf weitere geldpolitische Lockerungen eher schlecht: "Es wird wohl kleinere Anpassungen der Wachstumsprognosen der Fed geben, vor allem wegen einer geringeren Arbeitslosigkeit und einer kurzfristig höheren Inflation. Wir glauben aber nicht, dass das ausreicht, um eine Änderung der Geldpolitik zu unterstellen", argumentiert der Stratege.
Siemens senkt die Prognosen und steigert den Kurs
Bei den Einzelwerten überraschen Siemens mit einem Anstieg von 1,7 Prozent auf 71,00 Euro, obwohl der Konzern die Gewinnprognose für 2012 gesenkt hat. Mit 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro liegt diese nun deutlich unter den bisher avisierten 6 Milliarden Euro. Der Industrie-Konzern ist mit der neuen Schätzung allerdings nur da angekommen, wo die Prognosen der Analysten schon waren. Damit fehlt der Überraschungseffekt, zumal das Unternehmen sich in den vergangenen Wochen eher zurückhaltend geäußert hatte und der Kurs bereits um 10 Prozent gefallen war.
Probleme bei der Anbindung von Windparks auf hoher See und der Umbau des Nokia-Gemeinschaftsunternehmens Nokia Siemens Networks habe die Gewinne im zweiten Quartal einbrechen lassen. "Im Energiebereich ist der Wurm drin", meint Analyst Heino Ruland von Ruland Research. Immerhin laufe das Industrie-Geschäft gut. Von "ordentlichen" Ergebnissen spricht ein Händler dagegen beim Konkurrenten ABB. "ABB hat in einem schwierigen ersten Quartal solide abgeschnitten", sagt der Marktteilnehmer. Die rückläufigen Margen signalisierten allerdings Preisdruck. Die Aktie gibt daher mit einem Abschlag von 3,5 Prozent deutlich nach.
Air Liquide überzeugt auf ganzer Linie
Im Chemiesektor profitieren Air Liquide von guten Umsätzen im ersten Quartal. "Die Zahlen sind stark. Sowohl der Gesamtumsatz als auch der Umsatz in der wichtigsten Sparte Gas & Services liegen noch über den höchsten Analystenschätzungen", so ein Händler. Die Nachfrage in den Emerging Markets habe sich zum Jahresanfang bei Air Liquide noch besser entwickelt als erwartet. Air Liquide ziehen um ein Prozent auf 96,62 Euro an, Linde sind mit einem Plus von 1 Prozent auf 125,35 Euro ebenfalls gefragt.
Salzgitter dreht an der Preisschraube
Kunden von Deutschlands zweitgrößtem Stahlkocher Salzgitter müssen sich auf höhere Stahlpreise einstellen. Im dritten Quartal dürften die Preise steigen, bekräftigte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann am Rande der Hannover-Messe. Wie stark er die Preise anheben will, sagte der Manager aber nicht. Die ersten drei Monate des laufenden Jahres bezeichnete er als schwierig. Einen Verlust für das erste Quartal wollte der Salzgitter-Chef nicht ausschließen. Nach den vorherigen Verlusten steigt der Titel um 1,7 Prozent auf 38,29 Euro.
Apple-Zahlen beflügeln den Technologiesektor
Von den guten Apple-Zahlen wird der gesamte Sektor der weltweiten Zulieferer beflügelt. In Asien zogen die Aktienkurse der Zulieferer für die Produktkette deutlich an. Am deutschen Aktienmarkt profitieren Dialog Semiconductors. Der TecDAX-Wert hatte zuletzt Verluste hinnehmen müssen, legt aber nun um 5,1 Prozent auf 17,23 Euro zu. Auch von Ericsson gibt es gute Nachrichten. Eine über den Erwartungen liegende Bruttomarge sei der entscheidende Aspekt im Erstquartalsbericht, sagt Odon De Laporte von Cheuvreux. Auf Jahressicht sei sie zwar zurückgegangen, im Vergleich zum Vorquartal jedoch gestiegen. "Sicher, der Bericht zeigt, dass die Geschäftsaktivität schwach ist, vor allem im Netzwerkgeschäft. Aber die Erholung der Bruttomarge ist definitiv eine Erleichterung", meint der Analyst. Die Aktie zieht um 3,6 Prozent auf 65,90 SEK an.
Puma bleibt von der Schuldenkrise nicht verschont
Die europäische Schuldenkrise hat nun auch den Sportartikelhersteller Puma erreicht. Zwar erzielte das Unternehmen im ersten Quartal insgesamt noch ein Umsatzplus von 6,1 Prozent, in der Region EMEA musste Puma jedoch Einbußen von 1,7 Prozent hinnehmen. Stagnierende Ausgaben in der Eurozone waren der Grund dafür. Zudem orderten Händler wegen des späten Wintereinbruchs die Frühjahrskollektionen später. "Da ist viel Produktion in die Lagerhaltung geflossen", meint ein Händler. Die Aktie hinkt dem MDAX mit nur 0,6 Prozent Anstieg hinterher.
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