• MÄRKTE EUROPA/Hoffnung auf mehr Wachstum in China treibt Kurse

    Dienstag 29.05.2012, 10:11 Uhr
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    FRANKFURT (Dow Jones) - Die Hoffnung auf ein Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung überlagert im frühen dienstäglichen Geschäft an den europäischen Aktienmärkten die Sorge um das spanische Finanzsystem. Gesucht sind dabei vor allem zyklische Papiere aus dem Grundstoff-, Automobil- und Chemiesektor. Der Euro-Stoxx-50 steigt um 1,0 Prozent auf 2.169 Punkte, für den DAX geht es um 1,2 Prozent auf 6.397 Punkte nach oben.

    Jedoch starteten die Indizes bereits zu Wochenbeginn mit Gewinnen, drehten - allerdings bei feiertagsbedingt dünnen Umsätzen - im Handelsverlauf dann aber ins Minus. Wiederholung trotzdem nicht ausgeschlossen. Denn nach wie vor sorgen sich die Börsianer um die sich rapide verschlechternden Refinanzierungsmöglichkeiten Spaniens. So stieg die Rendite zehnjähriger Schuldtitel der Iberer am Pfingstmontag auf 6,42 Prozent und näherte sich damit dem Niveau, das bereits Irland und Portugal unter den Rettungsschirm von EU und EZB zwang. Auch einen Tag später liegt sie noch bei 6,40 Prozent.

    Hoffnung auf Abwrackprämie in China

    Auf der anderen Seite verdichten sich die Anzeichen, dass Peking die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ankurbeln will. Die Ökonomen der Credit Suisse rechnen damit, dass die chinesische Regierung zur Stimulierung umgerechnet 315 Milliarden Dollar in die Hand nehmen wird. Damit wären die Investitionen etwa halb so hoch wie das Konjunkturprogramm aus dem Jahr 2008. Dabei dürfte Medienberichten zufolge das Instrument der Abwrackprämie wiederbelebt werden. Davon profitierten an den asiatischen Börsen nicht nur die Kurse chinesischer Hersteller wie Geely, Great Wall und Dongfeng, sondern auch die Aktienindizes in Zulieferländern wie Japan und Südkorea.

    Auch der Euro zieht etwas zum Greenback an und wechselt für 1,2566 Dollar den Besitzer. Im asiatisch geprägten Devisengeschäft notierte die Gemeinschaftswährung im Tagestief noch bei 1,2510 Dollar. Auch andere als riskant geltende Währungen wie der Australische und der Neuseeländische Dollar sind gefragt. Umgekehrt geht es für die als sicherer Hafen geltenden deutschen Bund-Futures nach unten, der Kontrakt mit Fälligkeit im Juni verliert 22 Ticks auf 144,09 Prozent.

    Zweifel an Spaniens Refinanzierungsfähigkeit

    Dessen ungeachtet entwickelt sich Spanien mehr und mehr zum Risiko für das Gemeinsame Währungsgebiet. Alleine um die angeschlagene Bankia, das drittgrößte Kreditinstitut des Landes, zu retten, muss die Regierung 19 Milliarden Euro aufbringen. Die Sanierung des gesamten Finanzsektors dürfte Ministerpräsident Mariano Rajoy gar 50 bis 60 Milliarden Euro kosten, mutmaßen die Analysten von Nomura. Gleichzeitig geben die Investoren den Iberern jedoch nur noch gegen horrende Zinsen Kredit. Um die Kosten zu senken, werde sich das Land womöglich beim Rettungsfonds EFSF bedienen, spekuliert El Mundo.

    "Natürlich bleibt aber Madrid dabei, dass es diese Maßnahmen stemmen kann, ohne selbst unter den Rettungsschirm zu schlüpfen", sagt Lutz Karpowitz, Devisenanalyst bei der Commerzbank. Allerdings habe der bisherige Verlauf der Staatsschuldenkrise eines gezeigt: "Wann immer ein Land behauptet hat, es ohne fremde Hilfe zu schaffen, ist das bisher schief gegangen".

    US-Verbrauchervertrauen auf der Agenda

    Mit den neuerlichen Refinanzierungsproblemen in der Peripherie des Gemeinsamen Währungsgebiets dürften die Börsianer mit Spannung den Verlauf der Auktion italienischer Schuldtitel am Vormittag verfolgen. Dabei will Rom sechsmonatige Schatzwechsel im Volumen von 8,5 Milliarden Euro unter die Anleger bringen. Kreditanalysten gehen allerdings davon aus, dass die Versteigerung angesichts des vergleichsweise geringen Volumens und des Mangels an anderen Auktionen im Euroraum in dieser Woche ohne Probleme über die Bühne gehen wird.

    Aus den USA sollte am Nachmittag die Veröffentlichung des vom Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board ermittelten Verbrauchervertrauens für neue Impulse sorgen. Ökonomen rechnen für Mai mit einem Indexstand von 69,8 nach 69,2 Punkten im Vormonat. Darüber hinaus steht der Case-Shiller-Hauspreisindex für 20 Städte auf der Agenda. Für März lautet der Volkswirtekonsens auf ein Minus von 2,7 Prozent binnen Jahresfrist.

    Analysten machen Kurse

    Gefragt sind im frühen Geschäft an den europäischen Börsen vor allem die konjunktursensitiven Aktien. Grundstoffwerte etwa ziehen im Mittel um 2,0 Prozent an, Automobilaktien um 1,7 Prozent. Im DAX geht es für VW dabei um 2,5 Prozent auf 132,15 Euro nach oben, BMW verteuern sich 2,4 Prozent 63,76 Euro. MAN ziehen gar um 2,8 Prozent an und sind damit bislang Tagesgewinner im deutschen Leitindex.

    In der zweiten Reihe machen vor allem Analystenumstufungen die Kurse: Gagfah fallen um 2,2 Prozent auf 6,88 Euro zurück, HSBC hat die Empfehlung die Papiere des Immobilienunternehmens auf "Neutral" von "Übergewichten" reduziert. Vossloh legen hingegen um 2,9 Prozent auf 69,77 Euro zu. Händler sprechen davon, dass Merrill Lynch die Aktien des Herstellers von Eisenbahninfrastruktur auf "Neutral" heraufgestuft haben, nachdem sie zuvor noch zum "Verkauf" geraten hätten.

    DEVISEN  zuletzt  +/- %  0.00 Uhr  Mo, 17.40 Uhr 
    EUR/USD   1,2559  +0,1%    1,2541         1,2538 
    EUR/JPY  99,7931  +0,1%   99,6784        99,6220 
    EUR/CHF   1,2021  +0,0%    1,2019         1,2019 
    USD/JPY  79,4800  -0,0%   79,4850        79,4520 
    GBP/USD   1,5700  +0,1%    1,5684         1,5681 
    

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