• MÄRKTE EUROPA/Klares Nord-Süd-Gefälle an Europas Börsen

    Montag 16.07.2012, 18:41 Uhr
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    Von Thomas Leppert

    Selten war ein so klares Nord-Süd-Gefälle an den europäischen Börsen zu beobachten. Während die Indizes in Helsinki, Amsterdam und Brüssel deutlich zulegten, schlossen die Börsen in Madrid, Lissabon und Mailand im Minus. "Die Anleger sind auf der Suche nach Sicherheit und schichten vor Beginn der Berichtssaison um", sagte ein Aktienstratege. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die südeuropäischen Unternehmen deutlich unter der Rezession in ihren Heimatländern leiden werden. Der Euro-Stoxx-50 schloss mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 2.552 Punkten. Der DAX ging nach einer Schlussrally mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent bei 6.566 Punkten aus dem Handel.

    Dabei verdüstern sich die Konjunkturaussichten weltweit. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum für das laufende und das kommende Jahr leicht gesenkt. In einer Aktualisierung seines Frühjahrsausblicks rechnet der IWF jetzt mit einem globalen Wachstum von 3,5 Prozent für 2012 und 3,9 Prozent für 2013. Im April hatte der Währungsfonds noch 3,6 Prozent beziehungsweise 4,1 Prozent vorausgesagt. "In den vergangenen drei Monaten hat die weltweite Erholung, die von Beginn an nicht stark gewesen ist, Zeichen einer weiteren Schwäche gezeigt", schreiben die IWF-Volkswirte.

    Immer stärker in den Blick rücken die Unternehmenszahlen aus den USA. Dort hat die erste 'heiße' Berichtswoche begonnen. "In dieser Woche berichten 92 Unternehmen des S&P-500-Index oder 28 Prozent seiner Börsenkapitalisierung", sagt Jim Reid von der Deutschen Bank in London. Dann muss sich zeigen wie sehr die globale Konjunkturschwäche die Unternehmensgewinne drückt. Im Laufe der Woche lassen sich unter anderen die Finanzkonzerne Citigroup, Goldman Sachs, American Express und Morgan Stanley in die Bücher schauen. Auch Schwergewichte aus der Industrie wie Intel, Johnson & Johnson, IBM und General Electric legen im Verlauf der Woche Geschäftszahlen vor. Am Mittag legte bereits die Citigroup Zahlen vor, die wie die Zahlen von J.P Morgan und Wells Fargo positiv überraschten.

    Schwacher US-Konsum dämpft Wachstumshoffnung

    Belastet wurden die Aktienmärkte von schwachen US-Daten. "Der deutliche Rückgang der Einzelhandelsumsätze im Juni um 0,5% überrascht", sagte Bernd Hartmann, Leiter Research bei der VP Bank. Ein Anstieg der Autoverkäufe hatte eine leichte Zunahme der Umsätze erwarten lassen. Eine geringere Zunahme des Einkommens und die erneute Schwäche am Arbeitsmarkt dürften die Konsumenten vorübergehen zu mehr Zurückhaltung zwingen. Der private Konsum, der im ersten Quartal hauptverantwortlich für das solide Wachstum war, drohe im zweiten Quartal zu enttäuschen. Alternative Wachstumstreiber seien nicht in Sicht. "Die USA müssen sich zunehmend mit dem Gedanken an eine leichte Wachstumsdelle anfreunden", sagte Hartmann.

    Bankenverluste dürften bald alle Gläubiger treffen

    Aber auch die Schuldenkrise verschwindet nicht von der Agenda. In der EU müssen möglicherweise in Zukunft auch Inhaber vorrangiger Anleihen für die Verluste angeschlagener Banken gerade stehen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, hat die Europäische Zentralbank hinter den Kulissen längst einen scharfen Kurswechsel vorgenommen: Ihr Präsident Mario Draghi will, dass alle Gläubiger spanischer Banken anfallende Verluste tragen und nicht nur die Inhaber nachrangiger Anleihen und Vorzugsaktien belastet werden.

    In Folge verloren die Aktien der spanischen und italienischen Banken überdurchschnittlich. Die Aktien der Banco Santander sanken um 3,3 Prozent, die der BBVA um 3,1 Prozent und UniCredit um 2,2 Prozent. Mit einem Minus von 0,5 Prozent stellten die Banken den schwächsten Sektor in Europa.

    Die Kosten, sich gegen den Kreditausfall dieser Schuldner abzusichern, verteuerten sich dagegen zum Wochenstart. Die Renditen der Peripherie-Staatsanleihen zogen in der Folge kräftige an. So stiegen die Renditen der spanischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren um 16 Basispunkte auf 6,73 Prozent, das Pendant aus Italien legte um fünf Basispunkte auf 6,08 Prozent zu.

    Gewinne verbuchten dagegen die Anleihen der Kernländer der Eurozone. Die unsichere Lage der Peripherie lässt Investoren in Staatspapiere der Kernzone fliehen. Bundesanleihen setzen den Ende Juni begonnenen starken Anstieg fort. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist auf 1,23 Prozent gefallen. Auch französische Staatsanleihen legen zu. "Der Run der Anleger auf Kernlandpapiere mit Renditeaufschlag hält an", sagt Benjamin Schröder von der Commerzbank.

    Peugeot trotz möglicher Staatshilfe im freien Fall

    Unter den Einzelaktien standen Peugeot unter Druck. Dabei half ihr auch nicht, dass die französische Regierung am 25. Juli einen Plan zur Unterstützung ihrer Automobilindustrie vorstellen will. Mit diesem seien auch Maßnahmen zur Ankurbelung des Autoabsatzes verbunden, sagte der französische Finanzminister Pierre Moscovici. Der französische Staatspräsident Francois Hollande hatte am Samstag die Restrukturierungspläne des angeschlagenen Automobilherstellers PSA Peugeot Citroen als inakzeptabel bezeichnet. Unter anderem sollen 8.000 Stellen gestrichen und eine Fabrik geschlossen werden. An der Börse ging der Abverkauf dennoch weiter. Die Aktie von Peogeot schloss mit einem Minus von 6,8 Prozent bei 6,04 Euro.

    Europäische Schlussindizes vom Montag, 16. Juli

    .            Index          Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
    .                              stand      absolut         in %          seit 
    .                                                               Jahresbeginn 
    Europa       Euro-Stoxx-50   2251,96        -7,13        -0,3%          -2,8 
    .            Stoxx-50        2440,90         1,11        +0,0%           3,0 
    .            Stoxx-600        256,73         0,47        +0,2%           5,0 
    Frankfurt    XETRA-DAX       6565,72         8,62        +0,1%          11,3 
    London       FTSE-100        5662,43        -3,70        -0,1%           1,7 
    Paris        CAC-40          3179,90        -0,91        -0,0%           0,6 
    Amsterdam    AEX
                                                                
                                                                        315,98         1,38        +0,4%           1,1 
    Athen        ATHEX-20         224,24        -1,89        -0,8%         -15, 
    Brüssel      BEL-20          2226,30         5,96        +0,3%           6,9 
    Budapest     BUX            17220,52       198,56        +1,2%           1,5 
    Helsinki     OMXH-25         1908,04        15,54        +0,8%          -1,7 
    Istanbul     NAT30          74426,00      1394,97        +1,9%          20,6 
    Kopenhagen   OMXC-20          466,25         5,14        +1,1%          19,6 
    Lissabon     PSI 20          4838,63       -26,53        -0,6%         -12,4 
    Madrid       IBEX-35         6664,60      -132,50        -2,0%         -23,8 
    Mailand      FTSE-MIB       13664,81       -49,87        -0,4%          -9,4 
    Moskau       RTS             1369,35        16,43        +1,2%          -0,9 
    Oslo         OBX              385,36         0,43        +0,1%           7,8 
    Prag         PX               901,40        -2,80        -0,3%          -1,1 
    Stockholm    OMXS-30         1037,80         6,86        +0,7%           5,1 
    Warschau     WIG-20          2188,92        -2,49        -0,1%           2,1 
    Wien         ATX             1962,65         1,84        +0,1%           3,8 
    Zürich       SMI
                                                                
                                                                       6195,61        13,80        +0,2%           4,4 
     
    DEVISEN  zuletzt   +/- %  Mo, 8.12 Uhr  Fr, 18.00 Uhr 
    EUR/USD
                                                                
                                                             1,2256   0,16%        1,2236         1,2232 
    EUR/JPY
                                                                
                                                            96,6187  -0,20%       96,8129        96,9056 
    EUR/CHF
                                                                
                                                             1,2011   0,01%        1,2010         1,2009 
    USD/JPY
                                                                
                                                            78,8320  -0,36%       79,1160        79,2150 
    GBP/USD   1,5627   0,35%        1,5572         1,5548 
    

    Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com

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