VON HERBERT RUDE
FRANKFURT--Die Kurse an Europas Börsen sind am Mittwoch überwiegend etwas zurückgekommen. Der DAX hielt sich mit einem geringen Abschlag von nur 2 Punkten relativ gut, der Euro-Stoxx-50 gab um 0,3 Prozent auf 2.432 Punkte nach.
Etwas getrübt wurde die Stimmung von den spanischen Anleihen, deren Renditen wieder stiegen. Besonders mit den zweijährigen Renditen ging es nach oben, aber auch die Rendite zehnjähriger Staatspapiere stieg um 3 Basispunkte auf 6,81 Prozent. Damit liegt sie nur noch knapp unter der als kritisch geltenden Schwelle von 7 Prozent. Die Madrider Börse gab um 0,8 Prozent nach auf 7.150 Punkte.
Der Druck kam aber auch über den Euro, der mit 1,2360 US-Dollar gehandelt wird und so deutlich unter die Marke von 1,24 US-Dollar zurückgefallen ist. Die Risikobereitschaft der Anleger litt etwas unter neuen Konjunkturprognosen. Die Bank of England hat ihre Wachstumsprognose gesenkt, und die französische Zentralbank erwartet nun sogar ein wenn auch geringes BIP-Minus im dritten Quartal. Marktexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank bleibt auch wegen der Euro-Krise skeptisch für die Gemeinschaftswährung. In Griechenland zeichne sich neues Ungemach ab, betont er mit Verweis auf Berichte, nach denen der IWF keine weiteren Hilfen leisten wolle, bevor die europäischen Staaten Athen weitere Schulden erlassen.
Den tendenziell wieder steigenden Renditen in der Peripherie stehen einmal mehr niedrigere Renditen bei Bundesanleihen gegenüber. Diese gaben um 5 Basispunkte auf 1,43 Prozent nach. Die Aufstockung der zehnjährigen Bundesanleihe ist gut verlaufen. "Die jüngst gestiegene Rendite hat für eine gute Nachfrage bei lang laufenden Bundesanleihen gesorgt", so Annalisa Piazza, Volkswirtin bei Newedge. Interesse dürfte vor allem von Investoren gekommen sein, die mit erneuten Risiken in der Eurozone rechneten und den sicheren Hafen deutscher Anleihen suchten.
Defensive Wachstumsaktien gesucht
Noch spricht aber vieles eher für eine Verschnaufpause an den Börsen als für ein Ende der Sommerrally. "Die Hinweise auf weitere Maßnahmen der EZB und der Federal Reserve in den letzten Wochen sind noch frisch im Gedächtnis der Anleger", bemerkt Analyst Anthony Lam von Credit Agricole.
Generell gesucht waren Rohstoff-Aktien, deren Sektorindex im Stoxx um 1,5 Prozent stieg. Mehr und mehr Analysten erwarten den nächsten Schub in der Rohstoff-Hausse. Daneben wurde der Markt vom Trend hin zu defensiven Wachstumsaktien gestützt, also konjunkturabhängigen Aktien, bei denen die Anleger an stetiges wenn auch vergleichsweise langsames Wachstum glauben. Im Bereich der Nahrungsmittel- und Getränkehersteller stiegen die Brauerei-Aktien von AB Inbev auf ein neues Allzeit-Hoch. Bei den Herstellern technischer Gase stiegen Air Liquide ebenfalls auf einen neuen Höchststand, und am deutschen Markt legten auch die Papiere des Konkurrenten Linde mit einem Plus von 1,5 Prozent auf 124,90 Euro deutlich zu.
Stärkster Verlierer am deutschen Markt waren Lufthansa, belastet von einem möglichen Streik und schwachen Sektorvorgaben. Die Aktie verlor 3,0 Prozent auf 9,95 Euro. Die Beschäftigten in den Flugzeugkabinen wollen für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen streiken. Allerdings legen sie ihre Arbeit nicht sofort nieder, sondern warten erst noch den Ausgang der Tarifverhandlungen ab. Daneben hat Cathay Pacific sehr schwache Geschäftszahlen vorgelegt. Die Fluggesellschaft aus Hongkong wird von einer schwachen Nachfrage und hohen Treibstoffkosten belastet.
Europäische Schlussbörsen am Mittwoch, 8. August .=== . Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung . stand absolut in % seit . Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2432,28 -7,96 -0,3% 5,0 . Stoxx-50 2556,34 6,78 +0,3% 7,9 . Stoxx-600 269,20 0,40 +0,1% 10,1 Frankfurt XETRA-DAX 6966,15 -1,80 -0,0% 18,1 London FTSE-100 5845,92 4,68 +0,1% 5,0 Paris CAC-40 3438,26 -15,02 -0,4% 8,8 Amsterdam AEX 332,04 -2,28 -0,7% 6,3 Athen ATHEX-20 221,36 -4,47 -2,0% -16,4 Brüssel BEL-20 2340,44 -9,52 -0,4% 12,3 Budapest BUX 17906,08 135,54 +0,8% 5,5 Helsinki OMXH-25 2011,59 -9,90 -0,5% 3,6 Istanbul ISE NAT. 30 78844,50 -374,39 -0,5% 27,8 Kopenhagen OMXC-20 487,71 -1,14 -0,2% 25,1 Lissabon PSI 20 4835,74 -4,50 -0,1% -12,1 Madrid IBEX-35 7211,10 -60,90 -0,8% -16,5 Mailand FTSE-MIB 14665,30 9,66 +0,1% -2,8 Moskau RTS 1433,60 -10,28 -0,7% 3,7 Oslo OBX 397,36 -4,61 -1,1% 11,1 Prag PX 914,80 -3,10 -0,3% 0,4 Stockholm OMXS-30 1079,95 4,25 +0,4% 9,3 Warschau WIG-20 2269,33 2,80 +0,1% 5,8 Wien ATX 2052,97 2,47 +0,1% 8,5 Zürich SMI 6458,00 0,15 +0,0% 8,8 DEVISEN zuletzt '+/- % Mi, 8.25 Uhr Di, 17.40 Uhr EUR/USD 1,2364 -0,18% 1,2386 1,2425 EUR/JPY 96,9963 -0,09% 97,0831 97,7688 EUR/CHF 1,2012 -0,02% 1,2015 1,2015 USD/JPY 78,4470 0,06% 78,4000 78,6875 GBP/USD 1,5659 0,42% 1,5594 1,5655 === Kontakt zum Autor: herbert.rude@dowjones.com
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