Von Thomas Leppert
FRANKFURT--Dem schwachen globalen Wachstum kann sich der Aktienmarkt momentan nicht entziehen. Gespannt schauen die Investoren daher auf China, das am Freitagmorgen die Wachstumsrate für das zweite Quartal veröffentlicht. Sollte das Wachstum unterhalb der 2012er Vorgabe von 7,5 Prozent ausfallen, dürfte wohl eine weitere Verkaufswelle über die Börsen gehen. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,8 Prozent auf 2.228 Punkte nach unten, der DAX beendete den Handel mit einem Abschlag von 0,5 Prozent bei 6.419,35 Punkten
Es ist vor allem die Sorge, dass das globale Wirtschaftswachstum nicht wieder ins Rollen kommt. Daher zeigten sich einige Marktteilnehmer auch davon enttäuscht, als die US-Notenbank am Vorabend kein klares Signal für eine weitere Runde der Geldmengenausweitung lieferte. Denn darauf warten viele Investoren, die momentan der Entwicklung an der Börsen noch von der Seitenlinie aus zuschauen. Nun dürften sie weiter mit dem Einstieg abwarten.
Andere Notenbanken lieferten dagegen, um der heimischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. So hat die brasilianische Notenbank die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf nun 8 Prozent gesenkt, auch die Notenbank von Südkorea überraschte mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte auf nun 3 Prozent. Beide Notenbanken verwiesen darauf, dass das schwache globale wirtschaftliche Umfeld einen negativen Effekt auf die Exporte des Landes hätte und zu dem Schritt geführt habe.
"Die Eurozone ist in der Rezession, in den USA zeichnet sich eine Abschwächung ab und in den Schwellenländern ist ebenfalls eine geringere Dynamik zu verzeichnen" stuft Thomas Gitzel, Volkswirt der VP Bank, die aktuelle Lage ein. Die Bekämpfung der Schuldenkrise werde vor dem Hintergrund einer an Kontur gewinnenden globalen wirtschaftlichen Abkühlung schwieriger.
Euro fällt unter 1,22 zum Dollar
Der Euro kennt in dieser Umgebung nur einen Weg: nach unten. So fiel die europäische Gemeinschaftswährung erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 1,22 Dollar. Im Tief sackte sie bis auf 1,2167 Dollar ab. Die "griechische Situation" oder die "Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts" über den ESM sind für Ian Stannard, Währungsstratege bei Morgan Stanley, die Belastungsfaktoren. Angesichts solcher Hypotheken sei kein Raum für Gewinne der europäischen Gemeinschaftswährung in den nächsten Wochen.
SAP entzieht sich schwachem Sektortrend
Nach überraschend vorgelegten Zahlen legte die Aktie von SAP um 2,6 Prozent auf 47,50 Euro zu. Das Ergebnis überraschte um so mehr, da Wettbewerber wie Informatica und Infosys jüngst mit Gewinnwarnungen aufwarteten. "Das dürfte einige auf dem falschen Fuß erwischt haben", so ein Händler. Die Analysten der DZ-Bank loben die Entwicklung im zweiten Quartal. SAP habe darauf verwiesen, dass die Bereiche HANA, Mobile und Cloud ausgezeichnete Ergebnisse ausgewiesen hätten. Dies zeige, dass das Unternehmen mit seiner aktuellen Strategie gut aufgestellt sei.
Dentsu will global werben - Aegis das Objekt der Begierde
Der japanische Werbekonzern Dentsu lässt sich von der immer schwächer werdenden Konjunktur in Europa nicht abschrecken. Das Tokioter Unternehmen legt 3,16 Milliarden Britische Pfund auf den Tisch und kauft dafür das britische Medienunternehmen Aegis. Die Japaner wollen durch den Zukauf in einer Liga mit Medien- und Werbekonzernen wie WPP, Publicis oder Omnicom spielen. Die Aktionäre von Aegis freuen sich über die Vision von Dentsu, die Aktie schloss mit einem Plus von 45 Prozent bei 235,30 britischen Pence.
Airbus sammelt in Farnborough Aufträge
Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat auf der Luftfahrtmesse im englischen Farnborough seine Auftragsbücher gut gefüllt. Die EADS-Tochter sammelte Bestellungen für 115 Flugzeuge mit einem Gesamtvolumen von 16,9 Milliarden US-Dollar ein. Die Aufträge spiegeln die starke Nachfrage für die neuen, spritsparenden Versionen der A-320 und A-330-Maschinen. Ihr Volumen kommt allerdings kaum an die Rekordauftragssumme von 72,2 Milliarden Euro heran, die Airbus im vergangenen Jahr auf der Luftfahrtschau in Paris eingesammelt hatte. Die Aktie schloss mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 26,79 Euro.
Südzucker verdient mit Rüben viel Geld
Südzucker-Papiere stiegen nach Vorlage der Zahlen auf ein Allzeithoch bei 28,74 Euro. Wer in Deutschland in Agrarrohstoffe investieren will, kommt an Südzucker kaum vorbei. Während die Zuckerrüben noch in der Erde schlummern, brummt das Geschäft. Neben Zucker hat das Unternehmen noch die Freiberger Pizzen im Angebot. Aber auch die Beteiligungen an Crop Energies und der österreichischen Agrana entwickeln sich vielversprechend.
Europäische Schlussbörsen vom Donnerstag, 12. Juli .=== . Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung . stand absolut in % seit . Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2228,01 -18,22 -0,8% -3,8 . Stoxx-50 2411,04 -25,09 -1,0% 1,8 . Stoxx-600 252,89 -2,70 -1,1% 3,4 Frankfurt XETRA-DAX 6419,35 -34,50 -0,5% 8,8 London FTSE-100 5608,25 -56,23 -1,0% 0,7 Paris CAC-40 3135,18 -22,07 -0,7% -0,8 Amsterdam AEX 311,42 -1,13 -0,4% -0,3 Athen ATHEX-20 217,33 -1,07 -0,5% -18,0 Brüssel BEL-20 2197,90 -18,42 -0,8% 5,5 Budapest BUX 16979,17 -329,94 -1,9% 0,0 Helsinki OMXH-25 1872,14 -17,37 -0,9% -3,6 Istanbul NAT30 74426,00 1394,97 +1,9% 20,6 Kopenhagen OMXC-20 459,11 -1,29 -0,3% 17,7 Lissabon PSI 20 4797,68 -0,84 -0,0% -12,7 Madrid IBEX-35 6805,90 -175,80 -2,6% -22,6 Mailand FTSE-MIB 13583,82 -277,60 -2,0% -10,0 Moskau RTS 1347,07 -1,70 -0,1% -2,5 Oslo OBX 376,26 -4,29 -1,1% 5,2 Prag PX 896,90 -10,00 -1,1% -1,6 Stockholm OMXS-30 1013,72 -12,40 -1,2% 2,6 Warschau WIG-20 2153,90 -67,25 -3,0% 0,4 Wien ATX 1934,36 -25,98 -1,3% 2,3 Zürich SMI 6147,57 -27,18 -0,4% 3,6 DEVISEN zuletzt '+/- % Do, 8.34 Uhr Mi, 17.55 Uhr EUR/USD 1,2198 -0,32% 1,2237 1,2244 EUR/JPY 96,6997 -0,48% 97,1639 97,5807 EUR/CHF 1,2009 -0,01% 1,2010 1,2008 USD/JPY 79,2750 -0,17% 79,4100 79,7050 GBP/USD 1,5423 -0,45% 1,5493 1,5528 .=== Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com
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