FRANKFURT (Dow Jones) - Entgegen den vorbörslichen Indikationen geht es am Freitagvormittag an Europas Aktienmärkten kräftig nach oben. Ein Börsianer spricht von Eindeckungskäufen vor dem langen Wochenende: "Angesichts des schwachen Monats Mai dürften gerade Hedgefonds nicht gewillt sein, in diesem überverkauften Markt 'short' zu sein. Denn jede 'bullishe' Schlagzeile kann einen kräftigen Anstieg der Kurse bewirken". Zu Wochenbeginn wird nicht nur der Pfingstmontag begangen, sondern in den USA steht auch der "Memorial Day" auf der Agenda.
Ein anderer Händler argumentiert dann auch mit der Nachricht, dass die spanische Bankia mit zwei Staatsbanken verschmolzen werden soll. "Damit würde das angeschlagene Kreditinstitut aus dem Schussfeld der Märkte gezogen werden". Der Euro-Stoxx-50 zieht um 0,8 Prozent auf 2.174 Punkte an, der DAX legt um 1,0 Prozent auf 6.377 Punkte zu. Gesucht sind Versicherer, die im europäischen Schnitt um 1,3 Prozent anziehen, für Banken geht es im Mittel um 0,9 Prozent nach oben. An der Börse in Madrid steigen die Kurse um 0,9 Prozent, in Mailand um 1,0 Prozent.
Zinsen für Italien und Spanien sinken
Gleichzeitig sinken die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen aus Spanien und Italien. Beide Länder in der Peripherie des Euroraums gelten für den Fall eines Austritts Griechenlands aus dem Gemeinsamen Währungsgebiet als nächste Wackelkandidaten. Auch der Euro zieht zum Dollar an und erholt sich um 0,5 Prozent vom Tagestief.
Aus fundamentaler Sicht halten Analysten die Lage aber weiter für kritisch. "Sowohl der Euroraum-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe als auch der ifo-Geschäftsklimaindex streuten am Vortag noch einmal ordentlich Salz in die Wunde namens Staatsschuldenkrise", sagt Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Beide Indikatoren signalisierten, dass das Gemeinsame Währungsgebiet als Ganzes weiter schrumpfen werde und selbst dem bisherigen Zugpferd Deutschland die Puste ausgehe.
Deutsche Telekom bloß "optisch" unter Druck
Gegen den Trend verlieren Telekommunikationswerte europaweit durchschnittlich 0,7 Prozent. Einerseits sind die Short-Positionen in diesen defensiven Aktien in der Regel nicht besonders hoch, was den Eindeckungsbedarf in Grenzen hält. Andererseits leidet der Sektorindex unter den Verlusten beim Schwergewicht Deutsche Telekom, deren Papiere um 7,2 Prozent auf 8,23 Euro nachgeben. Allerdings ist der herbe Rücksetzer bloß "optischer" Natur, denn der Telekommunikationsdienstleister bringt am Freitag eine Dividende von 0,70 Euro je Aktie unter die Anleger. Gemessen am Schlusskurs des Vortags ist das ein Abschlag von 7,9 Prozent.
Für Siemens geht es hingegen um 2,1 Prozent auf 68,50 Euro nach oben. Die Analysten der Deutschen Bank sollen die Aktie Händlern zufolge zum "Kauf" empfohlen haben. SGL Carbon steigen um 1,5 Prozent auf 31,88 Euro. Der Platow Brief spekuliert, dass VW den Anteil am Hersteller von Carbon-Produkten aufstocken will.
DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Do, 18.00 Uhr EUR/USD 1,2591 +0,4% 1,2537 1,2583 EUR/JPY 100,2554 +0,5% 99,7717 100,0095 EUR/CHF 1,2024 +0,1% 1,2014 1,2025 USD/JPY 79,6200 +0,0% 79,5850 79,4800 GBP/USD 1,5674 +0,0% 1,5669 1,5697 DJG/jej/ros
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