FRANKFURT--Die europäischen Börsen liegen am Freitagmittag leicht im Minus. Grund für die Abgaben sind enttäuschende Konjunkturdaten aus China. Am Devisenmarkt gibt der Euro unter Schwankungen zum Dollar weiter nach und liegt deutlicher unter 1,23 Dollar. Am Anleihemarkt ist wieder der sichere Hafen gesucht, die Renditen deutscher Anleihen sinken, während sie bei spanischen und italienischen Papieren leicht steigen.
Der DAX verliert 0,5 Prozent auf 6.929 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gibt um 0,7 Prozent auf 2.419 Stellen nach. Händler machen aber keine Abwärtsdynamik aus. "Wir haben in den letzten Tagen gleich mehrere Ausbrüche nach unten versucht, die alle gescheitert sind", zeigt sich ein Marktteilnehmer gelassen.
Ein Stimmungsdämpfer zum Wochenende kommt aus China. Die chinesischen Exporte lagen im Juli nur um 1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, während Ökonomen ein Plus von 8 Prozent prognostiziert hatten. Auch die Importe stiegen weniger stark als prognostiziert. Daneben hat das Wachstum des Kreditvolumens im Reich der Mitte die Erwartungen verfehlt. "Konsensmeinung ist, dass wir die Tiefs beim chinesischen Wachstum bereits gesehen haben, und dass die Nachfrage im dritten und vierten Quartal wieder anziehen wird", sagt Chris Weston, Stratege bei IG Markets. Die Zahlen ließen daran allerdings Zweifel aufkommen.
Gesucht sind nach einigen schwächeren Tagen wieder deutsche Staatsanleihen. Am Markt mache sich Ernüchterung breit, was die Hoffnung auf Hilfsmaßnahmen für angeschlagene Euro-Länder durch die Europäische Zentralbank angehe, heißt es. Schließlich müssten die entsprechenden Kandidaten erst die Unterstützungsmechanismen in Anspruch nehmen und damit bereit sein, Auflagen zu akzeptieren, bevor die EZB zum Handeln bereit sei.
Der Euro dümpelt mit 1,2270 Dollar im Bereich des Vortagestiefs. Die chinesischen Daten sorgen für eine wieder höhere Risikoscheu, was die Gemeinschaftswährung belastet.
Spitzenreiter im DAX ist die Aktie von ThyssenKrupp. Gute Zahlen sorgen für ein Plus von 5,6 Prozent auf 16,53 Euro. "Die Ertragsentwicklung ist nicht so schlecht wie befürchtet", sagt Analyst Michael Broeker von Steubing. Ebenfalls positiv sei die Reduzierung der Finanzschulden. Abstufungen mehrerer Analysten lassen dagegen die Commerzbank-Aktie um 2,2 Prozent auf 1,20 Euro fallen.
Im MDAX sind die Papiere von Hannover Rück das Schlusslicht. Die Gewinnentwicklung des Rückversicherers hat die Erwartungen der Analysten verfehlt. Der Ausblick sei zudem sehr konservativ gehalten, merkt Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research an. Die Aktie rutscht um 3,4 Prozent auf 47,80 Euro ab.
Als negatives Signal für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland wertet ein Händler das deutliche Minus beim Flughafenbetreiber Fraport im Frachtgeschäft. Bereits am Donnerstag hatten die Verkehrszahlen der Lufthansa darauf hingedeutet, dass einem steigenden Passagieraufkommen ein Minus im Frachtgeschäft gegenübersteht. Die Fraport-Aktie gibt um 0,8 Prozent auf 44,64 Euro nach.
Etwas besser sieht es bei Rheinmetall aus. Markus Turnwald von der DZ Bank bezeichnet die Zahlen des Rüstungskonzerns als solide. Die Aktie zieht um 1,3 Prozent auf 39,68 Euro an. Bechtle erfüllten indes nicht ganz die hohen Erwartungen, die Anleger an die Solidität schwäbischer Unternehmen stellen. "Der Gewinn ist im zweiten Quartal schwächer als erwartet ausgefallen", moniert Analyst Thorsten Reigber von der DZ-Bank. Die Aktie des TecDAX-Unternehmens verliert 3,7 Prozent auf 30,25 Euro.
Im Stoxx-50-Index fällt die Barclays-Aktie mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 2,710 Pfund ins Auge. Die britische Großbank bekommt nach dem Libor-Skandal eine neue Führung. Am 1. November wird David Walker das Amt des Chairman antreten und Marcus Agius ablösen, der nur noch ein Chairman auf Abruf war, nachdem die Affäre um Manipulationen auf dem Interbankenmarkt Anfang Juli die Bank erschüttert und unter anderem den langjährigen CEO Bob Diamond den Job gekostet hatte.
INDEX Stand +-% Euro-Stoxx-50 2.419,12 -0,74% Stoxx-50 2.555,06 -0,40% DAX 6.928,94 -0,52% FTSE 5.836,79 -0,25% CAC 3.426,88 -0,86% EUREX Stand +-Ticks Bund-Future 143,46 +65 DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8.23 Uhr Do, 17.56 Uhr EUR/USD 1,2270 -0,22% 1,2297 1,2274 EUR/JPY 96,2564 -0,35% 96,5917 96,5040 EUR/CHF 1,2009 -0,01% 1,2011 1,2010 USD/JPY 78,4550 -0,10% 78,5350 78,6450 GBP/USD 1,5605 -0,12% 1,5623 1,5619
Kontakt zum Autor: Kontakt zum Autor: michael.fuchs@dowjones.com
DJG/mif/gos
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.



