FRANKFURT (Dow Jones) - Die nicht enden wollende Flut schlechter Nachrichten zur Lage in der Eurozone und die zunehmende Angst vor einem Auseinanderbrechen des Gemeinsamen Währungsgebiets hat Europas Börsen mit neuerlichen Verlusten in den Freitag starten lassen. Im frühen Geschäft gegen 10.35 Uhr MESZ erholen sich die Indizes aber wieder etwas. Der Euro-Stoxx verliert 0,4 Prozent auf 2.139 Punkte, für den DAX geht es um 0,6 Prozent auf 6.273 Punkte nach unten. Seit ihren Jahreshochs haben die Kursbarometer damit rund 19 respektive 13 Prozent verloren. Stärker als der Gesamtmarkt geben zyklische Papiere nach, Automobilwerte verbilligen sich im Schnitt um 2,4 Prozent, Grundstoffaktien um 1,7 Prozent.
Für die neuerliche Panikattacke an den Aktienbörsen gibt es gleich zwei Auslöser: So hat Fitch die Bonität Griechenlands von "B-" auf "CCC" herabgestuft. Vor allem das Wahlergebnis vom 6. Mai gebe Anlass zur Sorge, argumentiert die Ratingagentur. Noch dazu hat der Konkurrent Moody's die Kreditwürdigkeit von gleich 16 spanischen Banken gesenkt. Dessen ungeachtet steigen BBVA in Madrid um 2,8 Prozent auf 4,90 Euro, Santander um 2,4 Prozent auf 4,55 Euro. Der Tageszeitung Cinco Dias zufolge wollen die Kreditinstitute des Landes den Regulierer dazu bewegen, zeitlich befristet das Wetten auf fallende Kurse von Bankaktien zu untersagen.
Weiter keine Krisenstrategie
"All diese Beispiele zeigen, wie groß die Angriffsfläche mittlerweile ist. Zu wirklich schlechten Meldungen gesellen sich Gerüchte oder Halbwahrheiten. Ist es mal nicht Griechenland, dann halt Spanien oder ein anderes Mitgliedsland, das im Fokus steht", sagt Lutz Karpowitz, Devisenanalyst von der Commerzbank. Die Crux sei das anhaltende Fehlen einer generellen Strategie zur Bekämpfung der Krise.
"Das ist so eine Art chinesischer Wasserfolter. Die Hiobsbotschaften tröpfeln immer weiter herein", sagt Seth Setrakian, einer der Leiter des US-Aktiengeschäfts bei First New York Securities. Dies werde vor allem viele Fonds dazu bringen, zu kapitulieren. Allerdings machen Börsianern zufolge auch Spekulationen auf eine konzertierte Aktion der Notenbanken zur Stabilisierung der Lage die Runde. "Das hat dafür gesorgt, dass sich Euro-Stoxx und DAX etwas von den Anfangsverlusten erholt haben", so ein Aktienhändler.
Umfrage aus Athen sorgt für etwas Entspannung
Als Silberstreifen werten Marktteilnehmer auch, dass einer Umfrage zufolge erstmals seit dem jüngsten Urnengang in Hellas wieder die konservative Nea Dimokratia in der Wählergunst vor der linksradikalen Syriza-Partei liegt. "Das ist eine gute Nachricht, weil sie signalisiert, dass die Griechen zunehmend verstehen, dass die nächste Wahl auch eine Entscheidung über die Zusammenarbeit mit den Geberländern ist. Allerdings liegt die Betonung auf 'eine' gute Nachricht", so Karpowitz.
Auch der Euro macht wieder etwas vom zuvor zum Dollar preisgegebenen Territorium gut und die als sicherer Hafen geltenden deutschen Bund-Futures fallen leicht vom am Morgen markierten neuen Allzeithoch bei 144,06 Prozent zurück. Auch die Renditen der Staatsanleihen aus der Peripherie des Euroraums sinken leicht, für zehnjährige spanische Schuldtitel geht es um 2 Basispunkte auf 6,24 Prozent nach unten, für die italienischen Pendants um 3 Basispunkte auf 5,77 Prozent.
Solarworld nach Sanktionen gegen China-Module gesucht
Auch am deutschen Aktienmarkt sind vor allem die Automobilwerte "Brief": Volkswagen geben um 1,8 Prozent auf 128,45 Euro nach, BMW um 1,4 Prozent auf 61,81 Euro. Deutsche Bank und Commerzbank ziehen hingegen im Kielwasser der spanischen Kreditinstitute um 1,4 respektive 0,6 Prozent an. In der zweiten Reihe springen Solarworld um 15,9 Prozent auf 1,77 Euro nach oben. Das US-Handelsministerium hat die Anti-Dumping-Zölle gegen chinesische Solarmodule drastisch erhöht und damit einer von Solarworld mitinitiierten Klage stattgegeben. Allerdings habe die Entscheidung das Risiko eines Gegenschlags durch die chinesische Regierung erhöht, sagt equinet-Analyst Stefan Freudenreich. Noch dazu seien die Chinesen nicht unvorbereitet gewesen und hätten Fertigungsschritte bereits nach Taiwan verlagert. Mit der Euphorie über den Facebook-Börsengang gewinnen Xing 2,5 Prozent auf 46,55 Euro.
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