FRANKFURT (Dow Jones) - Die jüngsten Umfrageergebnise vor den Abstimmungen in Athen und Dublin haben Europas Börsen auf breiter Front mit Gewinnen in den Pfingstmontag starten lassen. Der Euro-Stoxx-50 steigt um 0,8 Prozent auf 2.179 Punkte, für den DAX geht es um 1,2 Prozent auf 6.417 Punkte nach oben. "Man hat den Eindruck, dass der Aktien- und Devisenmarkt zu einer Art Derivat auf die Parlamentswahlen in Griechenland geworden ist", sagt Chris Weston von IG Markets. Entgegen dem Gesamtmarkt brechen Bankia in Spanien um gut 20 Prozent ein, nachdem die Sanierung des Kreditinstituts deutlich teurer als bislang gedacht wird.
Den Prognosen aus Hellas zufolge hat die Nea Dimkoratia in der Wählergunst wieder die Nase vorn. Anders als das linksgerichtete Syriza-Bündnis unterstützt die bürgerliche Partei das mit der Troika aus EU, EZB und IWF ausgehandelte Sparpaket. Befeuert wird die "Risiko-an-Stimmung" auch von jüngsten Umfragen, nach denen sich die Iren bei dem anstehenden Referendum für den europäischen Fiskalpakt aussprechen werden. Wie Portugal ist das wie Spanien unter einem maroden Bankensektor leidende Land bereits unter den Rettungsschirm von EU und IWF geschlüpft.
Bereits an den meisten asiatischen Börsen sorgte diese Mischung für steigende Kurse und auch die Futures auf die US-Aktienindizes notieren am Pfingstmontagmorgen klar im Plus. Wie bei solchen Großwetterlagen üblich, zieht auch der Euro an und steigt zum Greenback im Tageshoch auf 1,2626 Dollar. Am Freitag wurde die Gemeinschaftswährung im Tagestief noch mit 1,2516 Dollar gehandelt.
Spanien wird zur Achillesferse
Die als sicherer Hafen geltenden deutschen Bund-Futures zeigen sich im frühen Geschäft hingegen etwas leichter, der Kontrakt mit Fälligkeit im Juni verliert 16 Ticks auf 144,19 Prozent. "Diese Konstellation kann sich aber mit jeder neuen Meldung um 180 Grad drehen. Der Markt hat keine eigene Richtung, sondern wird nur von Schlagzeilen getrieben", sagt ein Börsianer.
Gegen den Trend verliert in Madrid der IBEX 0,3 Prozent auf 6.524 Punkte, kein anderer wichtiger Index notiert europaweit im Minus. Neben den Hellenen entwickeln sich in den vergangenen Tagen immer mehr die Spanier zur Achillesferse des Euroraums. So wird die Rettung der angeschlagenen Bankia immer teurer, sie soll jetzt 19 Milliarden Euro kosten. Ursprünglich hatte die spanische Regierung 5 Milliarden Euro angesetzt, anschließend 15 Milliarden Euro.
Damit wäre diese Rettungsaktion die größte in der Geschichte des Landes und entspräche der doppelten Summe, die die Iberer bislang in die Sanierung ihres Bankensystems gesteckt haben. Bankia, die am Freitag ausgesetzt waren, werden erstmals nach dem Bekanntwerden des tatsächlichen Hilfsbedarfs wieder gehandelt und brechen um 22,3 Prozent auf 1,22 Euro ein. Noch dazu hat die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Bonität von fünf spanischen Kreditinstituten herabgestuft.
Europas Banken sind mit einem Plus von im Mittel 0,2 Prozent dann auch klarer Underperformer, nur der Index der defensiven Versorger entwickelt sich mit einem Abschlag von 0,2 Prozent noch schlechter. Gesucht sind hingegen die Zykliker, Grundstoffwerte steigen im Schnitt um 1,8 Prozent, der Index der Automobilaktien zieht um 1,6 Prozent an.
Keine Impulse von Wall Street
Die Impulse von der Konjunkturseite dürften im Verlauf des Tages überschaubar bleiben. Denn auf einer eh dünnen Agenda makroökonomischer Kennziffern findet sich am Vormittag lediglich der italienische Geschäftsklimaindex. Für Mai erwarten die Kapitalmärkte einen Rückgang auf 88,7 von 89,5 Punkten im April. Auch die Weltleitbörse an Wall Street wird keine Akzente setzen, dort bleiben die Handelstische wegen des "Memorial Day" unbesetzt. Auch in Österreich und der Schweiz sind die Börsen wegen des Pfingstmontags geschlossen.
Nachrichten zu Einzelwerten muss man ansonsten suchen wie weiland Diogenes mit der Laterne. Im frühen Geschäft fallen in der zweiten Reihe allerdings Hochtief auf, für die es um 2,3 Prozent auf 37,43 Euro nach oben geht. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat sich Finanzvorstand Peter Sassenfeld optimistisch für das zweite Quartal gezeigt. "Mit 50 Milliarden Euro haben wir nun einen Rekord-Auftragsbestand, der uns Beschäftigung für rund zwei Jahre sichert", erklärte der Manager.
Deutsche Wohnen geben um 0,1 Prozent auf 11,96 Euro nach. Das Immobilienunternehmen baut den Bestand an Wohnungen deutlich aus und übernimmt von der Barclays Bank rund 23.500 Wohneinheiten. Der Transaktion liegt ein Enterprise Value von 1,235 Milliarden Euro zugrunde, der Kauf soll sowohl mit Eigen- als auch mit Fremdkapital finanziert werden.
=== DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Fr, 18.00 Uhr EUR/USD 1,2590 +0,1% 1,2571 1,2517 EUR/JPY 99,9506 -0,2% 100,1243 99,7082 EUR/CHF 1,2030 +0,1% 1,2021 1,2006 USD/JPY 79,3950 -0,3% 79,6690 79,6425 GBP/USD 1,5701 +0,1% 1,5680 1,5648 ===
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