Mit Wasserstoff auf Wachstumskurs
Lange galt Elektromobilität als die zukunftsweisende Technologie schlechthin, um den Straßenverkehr umweltfreundlicher zu gestalten. Beim Genfer Autosalon, einer der wichtigsten Branchenmessen des Automobilsektors, stellte sich in diesem Jahr jedoch Ernüchterung hinsichtlich der Durchsetzbarkeit dieser Technologie ein. Die Hannover Messe, die Ende April stattfand, zeigte Alternativen: Brennstoffzellen-Fahrzeuge, betrieben mit grünem Wasserstoff. Ein Hersteller dieses Kraftstoffs ist die Linde AG. Was 1874 in München mit dem Bau einer Kühlmaschine für eine österreichische Brauerei begann, hat sich zu einem bedeutenden DAX®-Konzern mit rund 50.500 Mitarbeitern gemausert. Linde ist heute die weltweite Nummer zwei nach Air Liquide im Gas und Engineering-Geschäft und in mehr als 100 Ländern vertreten.
Starke Zahlen bestätigen Erfolgskurs
Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 belegen, dass der Konzern auf Erfolgskurs ist: Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 7,1 Prozent auf gut 13,7 Milliarden Euro. Das operative Konzernergebnis wuchs sogar überproportional um 9,7 Prozent und liegt jetzt bei mehr als 3,2 Milliarden Euro. Den Großteil des Gewinns erzielte mit gut 3 Milliarden Euro der Geschäftsbereich Gases Division. In der Engineering Division, deren Tätigkeitsschwerpunkte im Bau von Olefin-, Erdgas-, Luftzerlegungs- sowie Wasserstoff- und Synthesegasanlagen liegen, stehen die Zeichen ebenfalls auf Wachstum. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um 12,2 Prozent und liegt nun bei 304 Millionen Euro. Das gute Ergebnis ist Resultat des Einsparprogramms „High Performance Organisation“ (HPO). Mit HPO zielt Linde darauf ab, im Zeitraum von 2009 bis Ende 2012 die Bruttokosten um bis zu 800 Millionen Euro zu senken. Ein Ziel, das realistisch erscheint, wurden doch in den vergangenen drei Jahren bereits Kostensenkungen von 620 Millionen Euro realisiert, unter anderem durch nachhaltige Prozessoptimierungen und Produktivitätssteigerungen.
Positiv wirkt sich das erfolgreiche Geschäftsjahr 2011 auch auf die Aktionäre aus: Die Dividende wurde um 13,6 Prozent auf 2,50 Euro je Aktie angehoben. Auch der Blick in die Zukunft kann Anleger positiv stimmen. Analysten von Macquarie Equities Research geben für die kommenden zwölf Monate ein Kursziel von 150 Euro an. Aktuell steht die Aktie bei 119,10 Euro (Stand: 13. Juni 2012). Erreicht werden soll eine weitere Steigerung des Konzernergebnisses durch ein verstärktes Engagement in den Geschäftsbereichen Energie und Umwelt sowie Gesundheit und eine weiterhin starke Ausrichtung auf die aufstrebenden Volkswirtschaften.
Quelle: HypoVereinsbank onemarkets Magazin, Juni 2012.
Grüner Wasserstoff –Treibstoff der Zukunft
Ein Beispiel, das zeigt, wie Lindes Ausrichtung auf die Bereiche Energie und Umwelt aussehen kann, ist der grüne Wasserstoff, mit dem Linde auf der Hannover MesseBrennstoffzellenfahrzeuge betankte. „Grün“ ist der Kraftstoff, weil er aus Nebenprodukten der Biodieselherstellung gewonnen wird. Als Basis des Treibstoffs dient Rohglycerin, das einen hohen Wasserstoffgehalt aufweist. Die Vorteile: Rohglycerin ist wirtschaftlich verarbeitbar, ganzjährig verfügbar und steht nicht in Konkurrenz zur Produktion von Lebensmitteln. Gefördert wird das Projekt vom Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP), das vom Bundesverkehrsministerium und Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufen wurde. Hergestellt wird der Wasserstoff am Linde-Standort in Leuna in Sachsen-Anhalt. Pünktlich zur Eröffnung der Hannover Messe erhielt der grüne Wasserstoff ein TÜV-Zertifikat, womit er nun zur Versorgung von Brennstoffzellenfahrzeugen in ganz Deutschland zur Verfügung steht. Linde arbeitet im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP) mit Automobilherstellern wie Volkswagen oder Toyota zusammen, um die Brennstoffzellentechnologie voranzutreiben. Für die kommenden drei Jahre plant Linde, gemeinsam mit Daimler Wasserstofftankstellen in Berlin und Hamburg sowie 20 zusätzliche Servicestationen zu errichten. Das würde einen entscheidenden Schritt für den Durchbruch des Wasserstoffantriebs bedeuten. Sollte sich die Technologie als zukunftsweisend herausstellen, würde Linde umfassend profitieren: Denn der Konzern ist nicht nur der weltgrößte Hersteller von Wasserstoffanlagen, sondern verfügt auch über die gesamte Produktionskette für den Einsatz von Wasserstoff als Energieträger – von der Erzeugung bis zur Betankung.
Mit Margenbringer Homecare im Aufwind
Nicht nur mit Neuigkeiten aus dem Bereich Energie und Umwelt machtLinde Schlagzeilen. Auch der Zukauf der kontinentaleuropäischen Sparte „Häusliche Pflege“ vom US-Konkurrenten Air Products ließ Anleger und Analysten aufhorchen. Linde gab den Kauf zwar bereits Anfang des Jahres bekannt, die Wettbewerbshüter der Kommission der Europäischen Union gaben jedoch erst Mitte April grünes Licht. Der Konzern ließ sich den Zukauf 590 Millionen Euro kosten – ein angemessener Preis, wie Vorstandschef Reitzle im Manager Magazin betont. Man dürfe den Preis nicht im Verhältnis zum Umsatz von 210 Millionen sehen, sondern müsse die Marge mitberücksichtigen, die im Homecare-Geschäft über der im Konzern üblichen Gewinnspanne von 27,5 Prozent liege. Der Konzern erhofft sich somit starke Zuwächse im Homecare-Geschäft, bei dem es vor allem um die ambulante Versorgung von Patienten mit Sauerstoff geht. Lindes Ziel ist es, in Europa zu einem führenden Anbieter von Beatmungstherapien außerhalb von Krankenhäusern aufzusteigen. Das Kerngeschäft der Linde AG in der Gesundheitssparte liegt in der Versorgung von Kliniken mit medizinischen Gasen. Der Zukauf der Homecare-Sparte von Air Products ist ein wichtiger Schritt in der Wachstumsstrategie, mit der neue Geschäftsfelder im Bereich medizinische Gase erschlossen werden sollen. Zudem plant Linde im Bereich Gesundheit, durch regionale Expansion in den Schwellenländern sowohl im Kerngeschäft als auch in neuen Geschäftsfeldern wie Homecare weiteres Wachstum zu generieren. Der Konzern geht davon aus, dass der Markt für medizinische Gase im Zeitraum vom 2010 bis 2020 um etwa 5,4 Milliarden Euro wachsen wird, circa 1,2 Milliarden Euro dürften davon auf Schwellenländer entfallen. Die demografische Entwicklung und die immer älter werdende Bevölkerung in weiten Teilen der Welt sprechen dafür, dass im Gesundheitsbereich auch in Zukunft Aussichten auf Wachstum bestehen.
Marktführer in Schwellenländern
Schwellenländer spielen in Lindes Wachstumsstrategie eine bedeutende Rolle. Der Konzern tätigt einen Großteil seines Investitionsaufwandes in den Emerging Markets – mit Erfolg: In vier von fünf Wachstumsmärkten ist Linde bereits Marktführer, wie Analysten von Macquarie feststellen. Da der Marktanteil ein entscheidender Faktor sei, um hohe Gewinnspannen zu erzielen, folgern die Experten, dass der Konzern seine Position weiter ausbauen werde. Bereits heute erzielt Linde 35 Prozent des Gasumsatzes in Schwellenländern. In China ist Linde Marktführer – hier stieg der Gaseumsatz im vergangenen Jahr um 14,3 Prozent. Vergleichsweise schwach aufgestellt ist Linde hingegen in Amerika. Wie aus einem Bericht des Handelsblatts hervorgeht, erzielt der Konzern dort nur etwa 20 Prozent seines Umsatzes, obwohl 30 Prozent des Marktes auf Nordamerika entfallen. Nicht nur der große Wachstumsmarkt Asien, sondern auch der von vielen Unternehmen vernachlässigte Kontinent Afrika ist für Linde wichtig. Der Konzern ist dort in 17 Ländern mit insgesamt mehr als 4.000 Mitarbeitern vertreten. Das Engagement des Konzern auf dem Kontinent reicht zurück bis ins Jahr 1927. Heute macht Linde in Afrika als führender Anbieter von Industriegasen jährlich einen Umsatz von etwa 600 Millionen Euro. Der Umsatz beim Bau von Industrieanlagen verdoppelte sich im Zeitaum von 2010 bis 2011 auf 173 Millionen Euro, wie die Financial Times Deutschland (FTD) berichtete. Das Afrika-Erfolgsrezept des Unternehmens lautet Markt- und Kundennähe. „Afrika ist in jeder Hinsicht extremer als Europa. Das fängt beim Wetter an und geht über den Verkehr bis hin zur Kriminalität“, erklärte Linde-Manager Harald Ranke in der FTD. „Wer wirtschaftlich erfolgreich sein will, der braucht vor allem ein gutes Netzwerk und den Austausch mit Experten vor Ort.“ Linde setze deshalb auf Mitarbeiter, die mit den lokalen Märkten vertraut sind, erläutert der 48-Jährige, der selbst für Linde in Südafrika tätig war. Für das erfolgreiche Afrika-Geschäft erhielt Linde kürzlich den „Best of European Business“-Award, der von der internationalen Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants vergeben wird.
Investieren mit Discount-Zertifikaten
Für Anleger, die an das Wachstumspotenzial der Linde AG glauben, sind Discount-Zertifikate ein interessantes Investment. Ein Discount-Zertifikat, das sich auf die Aktie der Linde AG bezieht, kostet zum Beispiel 112,50 Euro während die Aktie selbst zum gleichen Zeitpunkt bei 118,94 Euro notiert (Stand: 13. Juni 2012). Dieser Rabatt gegenüber dem Direktkauf der Aktie hat seinen Grund: Discount-Zertifikate sind mit einem sogenannten Cap ausgestattet. Das ist eine Höchstgrenze, bis zu der Anleger von einem Kursanstieg profitieren können. Notiert die Linde-Aktie am Laufzeitende des Zertifikates oberhalb des Caps von 125 Euro, erhalten Anleger dennoch nur den maximalen Rückzahlungsbetrag. Anleger sollten bedenken, dass Discount-Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind. Bei einer Insolvenz der Emittentin droht ein Verlust bis hin zum Totalverlust.
Weitere Infos: www.onemarkets.de

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