http://www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-wenn-die-euro-zone-auseinanderbricht/60136960.html
Mehr als Spekulationen sind die Äußerungen, die Sie in dem Artikel finden, natürlich nicht. Niemand kann heute wissen, was ein Zerfall
der Eurozone in der Realität bedeuten würde. Das muss man wissen, und man muss sich fast die Frage stellen, ob es aus antizyklischer Sicht nicht allmählich an der Zeit ist, die Fronten zu wechseln – wenn sogar reichweitenstarke Medien solche Themen aufgreifen.
Leider ist das nicht der Fall. Denn wie gesagt: Auch wenn die Probleme heute ganz offensichtlich sind – gelöst sind sie deshalb noch lange nicht. Doch in der vergangenen Woche gab es endlich wieder einmal Grund zum Feiern: In einer konzertierten Aktion verständigten sich die wichtigsten Notenbanken der Welt darauf, Dollarkredite für die Geschäftsbanken zu verbilligen. Was für ein Jubel! Praktisch aus dem Stand heraus wurde der DAX am Mittwochnachmittag um fast fünf Prozent nach oben katapultiert:
Ich möchte nicht wissen, wie viele Derivate es da nach dem vorangegangen „Ausflug“ in Richtung 5.400 Punkte „zerbröselt“ hat. Der Blick auf den Kursverlauf macht eines auch klar: Die Entscheidung der Notenbanken, massiv in die Märkte einzugreifen, kam zum denkbar günstigsten Zeitpunkt, Rettung in letzter Sekunde, sozusagen. Andernfalls würden wir uns heute wohl mit den 5.000 Punkten im DAX herumschlagen. Jetzt also 6.000 Punkte – und dazu die Frage im Raum stehend, ob es das jetzt gewesen ist.
Erinnern wir uns dazu an den Anfang der Geschichte. Sommer 2008. Mit eben jenen gerade gesehenen „konzertierten Aktionen“ greifen die Notenbanken in die Märkte ein und versprechen uns nach ihren erfolglosen Versuchen, die Krise damit zu beheben, dass es dergleichen nicht noch einmal geben werde – nachdem sie zuvor die Investmentbank Lehman Brothers in den Konkurs geschickt hatten.
Nun gibt es dergleichen also doch wieder – und auch das Gedächtnis der Menschen ist so erstaunlich kurz wie eh und je. Anders sind die Kurskapriolen an der Börse kaum zu erklären. Wie kann man denn erwarten, dass die alten Rezepte plötzlich von Erfolg gekrönt sein werden? Ein Schuldenproblem mit noch mehr Schulden beseitigen zu wollen, dieser Weg hatte sich doch ganz offensichtlich als Irrtum herausgestellt. Sollte man meinen. Ist aber anders. Deshalb wird jetzt gefeiert.
Doch was hat sich eigentlich geändert seit Sommer 2008? Die Finanzmarktaktivitäten der Banken sind heute genauso wenig transparent wie damals. Am Problem, dass einige dieser Finanzmonster viel zu groß sind, um gerettet zu werden, wurde nicht einmal ansatzweise gearbeitet. Der Berg an Derivaten in den Bankkbilanzen übersteigt die Weltwirtschaftsleistung mittlerweile in etwa um das Zehnfache. Genügend Sprengstoff also, um die Finanzkrise nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zu beleben.
Womöglich ist das sogar beabsichtigt. Denn vielleicht liegt Finanzminister Wolfgang Schäuble mit seiner Äußerung gar nicht so verkehrt: Die Krise komme der Politik eigentlich sehr gelegen. Sie sei der willkommene Anlass, die Einigung Europas zu vollenden. Fragt sich nur, auf wessen Kosten das passieren soll. Na raten Sie mal....
Mehr dazu in der Dezember-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in wenigen Tagen erscheint.
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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de



