• Risk Rally zu Jahresstart: Selektiv, aber gut

    Freitag 13.01.2012, 11:38 Uhr
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    Die Anzeichen für eine Stabilisierung der konjunkturellen Aktivität in China und den USA hat seit Jahresbeginn zu einer selektiven, aber guten Rally in Risikoassets geführt. Interessant anzumerken ist, dass Hedgefonds sich in der letzten Woche des alten Jahres massiv in Rohstoffen positionierten.

    Wie man aus den Handelsbüchern der amerikanischen Terminbörsen herauslesen kann stiegen die Positionen so stark wie seit 18 Monaten nicht mehr.

    Einige Rohstoffe, wie Kupfer oder Gold, marschieren kerzengerade nach oben. Auch wir haben uns long positioniert und am 4. Januar im Blog einen Call auf Kupfer aufgenommen, der mittlerweile satt mit 45% im Plus liegt. Dem Halbedelmetall gelang in der vergangenen Woche ein charttechnischer Ausbruch:

    http://charting.godmode-trader.de/i/34921

    Zu einem „unmittelbaren Halt“ der Aufwärtsbewegung kam es bei Weizen . Der Preis drehte nach unten – gemeinsam mit Mais und Soja – nachdem das US-Landwirtschaftsministerium überraschend vermeldete, dass die Getreidevorräte der USA nicht wie erwartet bei lediglich 750 Millionen Bushels sondern bei üppigen 844 Millionen Bushels liegen. Der Weizenpreis rutschte am Donnerstag dynamisch ab. Wir halten an unserer Short-Position auf Weizen mit Ziel 5,15 Dollar fest. Die Position liegt jetzt 19% im Plus.

    http://charting.godmode-trader.de/i/34938

    Gleichzeitig stehen die Chancen gut für eine Bodenbildung bei Düngemittelaktien. Wie oben bereits deutlich wurde ist es unübersehbar: Agrarrohstoffe sind in einer angespannten Lage. Auch Nebensächliches führt zu Preissprüngen. Trotzdem ist doch eines klar: Große landwirtschaftliche Betriebe können sich an den Terminbörsen in den Herbstkontrakten Preise sichern, die zwar nicht mehr so hoch liegen, wie vor einem Jahr, aber immer noch 50% höher sind wie vor zwei Jahren. Nach den Missernten in eben diesen vergangenen zwei Jahren sind die Lagerbestände weltweit auf kritische Niveaus gesunken und liegen bei unter 20% der Jahresnachfrage. Es ist also oberste Priorität, die Lagerbestände wieder aufzufüllen. So erwägt etwa die chinesische Führung, die staatlichen Abnahmepreise für Reis und Weizen zu erhöhen. Also werden Landwirte – schon im eigenen Interesse der Gewinnmaximierung – ihre Anbauflächen maximieren. Nun gilt, dass Anbauflächen korrelieren mit Düngemittelpreisen und damit ist es schlüssig, wenn man charttechnisch die aktuelle Entwicklung etwa beim kanadischen Düngemittelhersteller Potash Corp. als Bodenbildung interpretiert:

    Wir haben im Blog die Aktie von Potash Corp. mit engem Stopp aufgenommen und rechnen mit steigenden Kursen. Zu den Kursgewinnen gesellen sich nun auch Währungsgewinne wegen dem starken Dollar.

    Spannendes ereignet sich unterdessen bei der Baumwolle . Wer die Notierungen hier beobachtet hat, der weiß, dass der Baumwollpreis im vergangenen Jahr über 220 Cents stieg – das war der höchste Preis seit 1850, als noch Sklaven auf den Feldern Amerikas arbeiteten. Die Gründe für den Anstieg sind zwar „künstlich“: Kurz gesagt mussten sich Abnehmer doppelt eindecken, da ihre Lieferanten streikten und höhere Preise verlangten. Die doppelte Nachfrage war aber nur heiße Luft, und die Preise sind bis Dezember wieder auf ca. 85 Cents eingebrochen. Technisch versierte Leser werden bei dem folgenden Baumwoll-Chart aber große Augen bekommen. Achten Sie auf die horizontale schwarze Linie im unteren Teil des Charts – und achten Sie auch auf die Zeitspanne, die dieser Chart abdeckt:

    Hier zu sehen ist Baumwolle seit Anfang der 1970er Jahre. Die Preise hatten einen natürlichen „Deckel“ bei 85 Cents. Produzenten und Abnehmer konnten sich an diesem Preis orientieren. 2011 kam der „Ausbruch“ – die Preise stiegen darüber hinaus an. Jetzt erfolgt der „Retest“ – bei einem solchen „Retest“ können ehemalige Widerstände zu neuen Unterstützungen werden. Das Morning-Star-Muster deutet bereits darauf hin. Nun sind diese Candlestick-Muster eigentlich wertlos, wenn sie irgendwo in im Nirvana auftreten. Aussagekräftig werden Candlestick-Muster immer erst, wenn sie in Verbindung mit wichtigen Chartmarken auftreten. Und hier haben wir einen ehemaligen Widerstand, der mindestens vierzig Jahre Bestand hatte (länger gehen meine Charts nicht). Dieser Widerstand könnte zur Unterstützung werden. Spannend! Wir beobachten die Baumwolle nun engmaschig im Blog und werden vielleicht eine Long-Position eröffnen. Es ist wahrscheinlich, dass die Baumwolle dauerhaft teuer bleibt und noch teurer werden wird. Oder die 85-Cents-Marke wird nach unten gebrochen und der ganze Spuk hat ein Ende. Wir werden es sehen.

    Autor: Jochen Stanzl, Chefredakteur Rohstoff-Report

    Der Rohstoff-Report ist eine Publikation der BörseGo AG

    "Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert."

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