• Sarkozy ganz plötzlich gestorben...

    Freitag 13.01.2012, 16:20 Uhr
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    Nun ist es also passsiert: Frankreich wird seine Top-Bonitätsnote verlieren. Die Rating-Agentur Standard & Poor´s hat angekündigt, dass man dem Land die Bestnote "AAA" entziehen werde. Vor einiger Zeit soll Frankreichs Staatschef Sarkozy gesagt haben: "Wenn das passiert, dann bin ich tot." Auch der schillernde Sarkozy sollte allmählich bemerkt haben, dass man seine Äußerungen in diesen Tagen mit Bedacht wählen sollte. Sie können einen schneller einholen als einem lieb ist.

    Und natürlich kam die Herabstufung "rein zufällig" nur wenige Stunden, nachdem es in Europa nach so etwas wie Entspannung ausgesehen hatte:  Die Halbierung der Zinsen bei kurzfristigen italienischen Geldmarktpapieren und eine erfolgreiche Emission spanischer Anleihen hatten zunächst für Erleichterung gesorgt. Die Börsianer in Europa hatten den Sekt schon kalt gestellt, als ihnen Standard & Poor´s in die Parade fuhr: Die Rating-Agentur senkte auch für Italien den Daumen ganz ordentlich, nämlich gleich um zwei Stufen auf BBB+. 

    Das Erstaunlichste daran ist, dass es unsere Politiker entgegen aller Beteuerungen bislang nicht geschafft haben, den Einfluss der Rating-Agenturen zu beschneiden. Tatsächlich gilt die Entwicklung der Zinsen in Italien als Schicksalsfrage für die gesamte Eurozone. Sollte Rom nicht mehr in der Lage sein, sich am Markt frisches Geld zu besorgen, was jetzt sehr wahrscheinlich der Fall sein wird, dann ist auch der Euro-Rettungsschirm nutzlos: Für eine langfristige Unterstützung Italiens ist er schlicht und ergreifend zu klein. Die viertgrößte Volkswirtschaft Europas sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als 1.800 Milliarden Euro, das sind fast 120 Prozent der Wirtschaftsleistung. Vor diesem Hintergrund ist die jetzt erfolgte Herabstufung, sagen wir mal, ein durchaus ernst zu nehmendes Problem...

    Und es geht ja nicht nur um Italien, was den Strategen bei Standard & Poor´s natürlich nicht entgangen ist: Mit den Herabstufungen auf breiter Front wird nun auch der Euro-Rettungfonds EFSF seine Bestnote verlieren.

    Crash beim Gold?

    Ein Leser fragte uns in dieser Woche etwas besorgt, ob man denn beim Gold nicht aussteigen solle. Der Chart sehe doch verdächtig nach einem bevorstehenden Crash aus, das jedenfalls habe ein Journalistenkollege behauptet. Und dann sei da ja noch die Schwäche bei den Minenwerten...

    Was die Minenwerte angeht, haben wir dazu in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs ausführlich Stellung genommen.

    Sehen wir uns also noch den Goldpreis an. Die folgende Abbildung zeigt die Entwicklung der vergangenen drei Jahre. Einen bevorstehenden Crash kann ich da beim besten Willen nicht erkennen. Auffallend ist vielmehr, dass der Goldpreis den jüngsten Einbruch unter den gleitenden 50-Wochen-Durchschnitt (blaue Linie) sehr überzeugend wieder ausgebügelt hat. Das bedeutet, dass die alten Muster auch weiterhin gültig sind: Schwäche beim Gold wird umgehend mit steigender Nachfrage beantwortet.



    Und fragen wir uns doch selbst einmal: Wenn die Finanzkrise mit den Herabstufungen einiger der größten europäischen Volkswirtschaften in die nächste Runde geht, wie wahrscheinlich ist es dann, dass Notenbanken und institutionelle Anleger ausgerechnet jetzt ihre Goldbestände abstoßen? Die Antwort darauf mag sich jeder selbst geben...

    Dass die Kuh noch lange nicht vom Eis ist, das zeigen im Übrigen auch einige Konjunkturdaten. So haben die Zahlen aus dem verarbeitenden Gewerbe in Deutschland das Vorkrisenniveau zwar wieder erreicht (hellblaue Linie in der folgenden Grafik). Gesamteuropa hinkt da aber noch recht deutlich hinterher (rote Linie).


    Bei Gelegenheit sollten die Anleger auch einmal einen Blick auf den Baltic Dry Index werfen. Dieser misst das Frachtaufkommen auf den wichtigsten Schifffahrtslinien der Weltmeere und gilt deshalb als wichtiger Frühindikator für die weltweite Konjunkturentwicklung.

    Die jüngste Talfahrt kann man mit Fug und Recht als dramatischen Absturz bezeichnen: Seit Oktober vergangenen Jahres hat sich der Index nahezu halbiert. Eine wichtige Unterstützungszone bei 1.250 Punkten, auf die wir die Leser des Antizyklischen Börsenbriefs in dieser Woche ausdrücklich hingewiesen hatten, wurde mit frappierender Leichtigkeit unterschritten. Die folgende Grafik zeigt das, achten Sie auf die waagrechte rote Linie.

     



    Die Versuchung ist groß, über solche Dinge einfach hinwegzusehen. Empfehlenswert ist das nicht: Womöglich deutet sich hier eine Schwäche der Weltwirtschaft an, die an den Aktienmärkten noch gar nicht erkannt wird. Wir erinnern uns: Es ist noch gar nicht lange her, da hatte der Baltic Dry Index mit einem scharfen Einbruch die Baisse von 2008 vorweggenommen...

    Doch da es noch nie einfach war an der Börse, ist die naheliegendste Schlussfolgerung hieraus auch keine Lösung: Alles verkaufen und erst einmal abwarten, das könnte sich nämlich ausgerechnet in einem Wahljahr des US-amerikanischen Präsidentschaftszyklus als großer Fehler erweisen. Insbesondere der DAX kann in solchen Phasen traditionell mit einem starken ersten Halbjahr punkten. Die folgende Grafik zeigt das:


     
    In der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in dieser Woche erschienen ist, haben wir noch ein paar andere Argumente zusammengetragen, die verdeutlichen, wie verzwickt die Lage gerade ist – und wir sagen unseren Lesern auch, was wir in dieser Situation tun würden.  

    https://ssl.godmode-trader.de/antizyklischerboersenbrief/anmeldung.php

    Der fliegende Präsident...

    Doch kein Wochenkommentar in diesen Tagen ohne das „alles beherrschende Thema“: Die Affäre um den Bundespräsidenten nimmt immer skurrilere Formen an. Praktisch im Stundentakt hagelt es neue Vorwürfe. Nicht auszudenken, was die Journalisten alles erreichen könnten, würden sie sich mit dem gleichen Eifer den wirklich wichtigen Themen zuwenden. Jetzt kommen die Flugmeilen unter die Lupe, die der Präsident während der vergangenen Jahre angesammelt hat.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/bundespraesident-unter-druck-wulff-machte-widerspruechliche-angaben-zu-bonusmeilen-nutzung-1.1256815

    Es wird immer offensichtlicher, dass das Ganze Methode hat: Abgesehen davon, dass Christian Wulff selbst alles unternimmt, oder besser gesagt unterlässt, um die Geschichte anzuheizen, nutzen die Medien jede Möglichkeit, weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Das wird nicht ohne Folgen bleiben.

    Vergangene Woche hatten wir vermutet, dass Wulff das erste Quartal politisch nicht überleben wird. Doch bis Ende März ist es noch lang und wenn nun sogar Comicmagazine den Bundespräsidenten aufs Korn nehmen, dann dürfte das mit dem Rücktritt noch etwas schneller gehen:

    Im „Enten-Kurier“ des Ehapa-Verlages, Herausgeber der Micky-Maus-Hefte, etwa heißt es, Hundepräsident Wuff (!) habe Berichte über die Finanzierung seiner Privathütte mit Anrufen unter anderem bei Kai Quiekmann, Chefredakteur des "Enten-Kurier", verhindern wollen. Eine längere Nachricht habe Wuff dabei auf den Anrufbeantworter der Zeitung gebellt und sich empört über die Recherchen gezeigt.
    Und Wuff will nicht zurücktreten:  "Wenn man nicht mehr bei Freunden übernachten darf, ohne am Morgen einen Knochen auf den Tisch zu legen, dann ist das schlecht", meint der Hundepräsident.

    Wofür wir ihm ausdrücklich zustimmen wollen, dem Hundepräsidenten Wuff...

    Nur einige wenige Kollegen setzen sich einmal kritisch mit der Treibjagd auf den Bundespräsidenten auseinander. Etwa Thomas Fricke von der Financial Times Deutschland, er schreibt:  

    „Wo sind die Wulff-Kritiker, die aufheulen, weil es Josef Ackermann und dem Rest der Banker klammheimlich gelungen ist, die eigene Krise zur Staatsschuldenkrise umzudefinieren - obwohl die Finanzbranchenmisere der Hauptgrund dafür ist, dass die Staatsschulden seit 2007 weltweit so krass gestiegen sind?“

    „Wie wäre es mit einer Untersuchungskommission dazu, warum die Kanzlerin eigentlich so schlechte Personalpolitik macht und immer Leute irgendwo hinschickt, die dann wieder zurücktreten“.


    Gemeint sind der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark und Ex-Bundesbankchef Axel Weber.

    http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kolumne-thomas-fricke-sinnlose-hatz-auf-wulff/60153853.html

    Ich würde mir wüschen, dass der Bundespräsident die einmalige Gelegenheit nutzt. Nie wieder würde er mit einer Rede größere Aufmerksamkeit erzielen als gerade jetzt. Er könnte den Menschen in Deutschland endlich die Wahrheit sagen. Aber eine andere „Wahrheit“, als diejenige, um die es den Medien gerade geht.

    Die Wahrheit nämlich über den Filz aus Geld, Medien und Politik in unserem Land. Anschließend sollte er zurücktreten. Denn verlieren kann er ohnehin nichts mehr, außer ein Amt, in dem ihn niemand mehr haben will...
     
    Was wir in diesem Jahr an den Börsen erwarten, das lesen Sie in der Januar-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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    Zum Autor:

    Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de

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