Ist es etwa an der Zeit, unsere vorsichtige Einschätzung des DAX® über Bord zu werfen? In der letzten Woche hatten die Bären einige Chancen, die ultimative Unterstützungszone aus dem Aufwärtstrend seit September 2011 (akt. bei 6.538 Punkten), dem Fukushima-Tief sowie dem Oktoberhoch 2011 bei 6.483/31 Punkten zu unterschreiten. Auf dieser Basis haben sich aber zuletzt einige „hammer“-ähnliche Candles ausgebildet, die auf Nachfrageüberhänge im Bereich von rund 6.400 Punkten schließen lassen. Eine technische Aufwärtsreaktion stößt bei 6.613 Punkten (Tief vom März) auf eine erste Hürde. Wirklich massive Gegenwehr ist aber erst im Bereich des Widerstandsbündels aus der 38-Tages-Linie (akt. bei 6.786 Punkten) und den verschiedenen Hochpunkten bei 6.813/76 Punkten zu erwarten. Wenngleich sich die kurzfristigen Perspektiven aufgrund des ausbleibenden Rutsches unter die o. g. Kernunterstützungen verbessert haben, gilt es, eben diese auch weiter auf dem Radar zu haben, denn ein „verspätetes Break“ würde das Pendel schnell wieder zugunsten der Bären ausschlagen lassen, zumal die Vorgaben den DAX® heute bereits wieder in diese Richtung drücken dürften.

Euro-BUND-Future (weekly): Trendkanal nach oben verlassen
Zum Wochenende erreichte der Euro-BUND-Future mit 143,09 erneut ein neues Allzeithoch. Aus Sicht des langfristigen Wochencharts hat das Zinsbarometer damit zuletzt den Basisaufwärtstrendkanal seit Sommer 2008 (obere Begrenzung akt. bei 141,08) nach oben verlassen. Der ehemalige Aufwärtstrend seit April (akt. bei 143,43) kann nun auf der Oberseite noch als Widerstand herangeführt werden, bevor die 161,8%-Fibonacci-Projektion der Märzkorrektur (143,76) nahezu die letzte sinnvoll herleitbare Anlaufmarke definiert. Grundsätzlich ist der Ausbruch aus einem Trendkanal nach oben ein konstruktives Anzeichen, weshalb mit einer Fortsetzung der jüngsten Rekordjagd weiter zu rechnen ist. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille! So müssen die Bullen die erneute Trenddynamisierung jeden Tag auf´s Neue bestätigen. Schließlich wäre ein Rückfall in den alten Trendkanal das Signal dafür, dass der Euro-BUND-Future zuvor nach oben übertrieben hat. Damit ermöglicht es die gegenwärtige Konstellation, den Stopp für bestehende Longpositionen auf die o. g. Kanalbegrenzung anzuheben, denn ein entsprechendes Rebreak dürfte zumindest das Schließen der Kurslücke von Mitte April bei 139,45/38 nach sich ziehen.

EUR/USD (daily): 1,30 USD weiter von essentieller Bedeutung
Nachdem die gesamte Kursaktivität des bisherigen Jahresverlaufs beim Euro im Vergleich zum US-Dollar als „bearishe“ Flagge (siehe Chart) interpretiert werden muss und zudem die Schlüsselunterstützungen zwischen 1,3002 USD und 1,2973 USD preisgegeben wurden, halten die Bären das Zepter weiter fest in ihrer Hand (siehe „Daily Trading“ vom 7. Mai). Per Saldo sollten Anleger deshalb zumindest ein Ausloten des langfristigen Aufwärtstrends seit Juli 2001 (akt. bei 1,2819 USD) einkalkulieren. Das rechnerische Abschlagspotential – abgeleitet aus der oben beschriebenen Flagge – lässt sogar einen Bruch dieser Trendlinie sowie ein Wiedersehen mit dem bisherigen Jahrestief bei 1,2623 USD befürchten. Allerdings haben die Auflösung der mehrmonatigen Schiebezone zwischen 1,35 USD und 1,30 USD bzw. die eng beieinander liegenden Bollinger Bänder (bisher) nur in überschaubarem Ausmaß den erwarteten Vola-Impuls nach sich gezogen. Da zudem RSI und Stochastik bereits ihre unteren Extremzonen erreicht haben, sollten Anleger die Gelegenheit nutzen, um die Absicherung für bestehende EUR-Shortengagements auf das Niveau der o. g. Unterstützungen bei 1,30 USD nachzuziehen. Schließlich würde eine Rückeroberung der ehemaligen Bastion den größten Druck von der Einheitswährung nehmen.

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