• Trading - Wann soll man aufhören?

    Mittwoch 04.11.2009, 21:32 Uhr
    - +
    Damit meine ich nicht das Traden allgemein, sondern das Profit-Target. Wann soll man im Gewinn, und wann im Verlust, aufhören? Meine Strategie ist im großen und ganzen profitabel. Mein Ziel sind 10 (Dax) Punkte pro Tag und 50 Punkte die Woche.

    Im Ausbildungsservice stellte mir ein Trader die folgende Frage. Im Folgenden auch meine Antwort darauf.

    http://www.godmode-trader.de/Premium/Coaching/Ausbildung-und-Seminare

    Sehr geehrter Herr Berteit,

    wann soll man aufhören??

    Damit meine ich nicht das Traden allgemein, sondern das Profit-Target. Wann soll man im Gewinn, und wann im Verlust, aufhören?

    Meine Strategie ist im großen und ganzen profitabel. Mein Ziel sind 10 (Dax) Punkte pro Tag und 50 Punkte die Woche. SL meist bei 5 Punkten. Nun kommt folgendes häufiger vor und ich frage mich wie Sie und andere erfolgreiche Trader das händeln? Dazu eine typische Begebenheit:

    Montag: gut vorbereitet, der Tag kann kommen.
    - 1.Trade: 5 Punkte Verlust - naja.
    - 2. Trade: setup gut - Einstieg. Läuft sofort in den Gewinn, 3R verdient, läuft weiter, SL nachgezogen auf +3R, dann +6R, dann +9R, dann ausgestoppt. WOW, keine 20min und fast schon den Wochensoll eingefahren. Soll ich jetzt schon aufhören?? und den Rest der Woche Urlaub machen? Erstmal Pause. Läuft gut heut, also weiter.
    - 3. Trade: mit -1R ausgestoppt
    - 4. Trade: wieder ausgestoppt
    - 5. Trade: endlich, läuft ins plus, +2R -> noch 5 Punkte!! Der Markt dreht, SL auf -3 Punkte nachgezogen, ausgestoppt. Markt dreht wieder (ursprünglicher SL nicht erreicht!!), schießt nach oben – wären wieder +4R geworden. Ich hör (frustriert) auf.

    Dienstag: heut läuft es so lala, bin mit ± Null raus. Hab am Montag ja schon 3Tage reingefahren, da macht dieser Tag ja nichts.

    Mittwoch: Heut gelingt gar nichts!! Nach 5 Trades, allesamt mit -1R ausgestoppt, ich bin sauer! Hätt ich Montag doch nur nach dem 2. Trade aufgehört!!

    Donnerstag: heut geht’s besser. 10 Punkte gemacht. War zäh. Ich hör auf.

    Freitag:
    - 1. Trade ins Minus, dann mit dem
    - 2. Trade +3R gemacht. 10 Punkte verdient! Im Wochensoll stehen jetzt aber nur +27 Punkte, ganze 23 zu wenig!! Vielleicht wird’s nächste Woche ja wieder besser.

    So, oder so ähnlich, geht’s mir häufiger. Mit den ersten Trades schon ein Vielfaches des Tagessoll eingefahren, weitergemacht, um dann am Tagessoll aufzuhören. Wie machen Sie das? Hören Sie Montag schon auf und machen den Rest der Woche Urlaub? Hätten Sie nach dem 2. Trade den PC ausgeschaltet? Wie gesagt, insgesamt ist die Strategie profitabel. Könnte aber wohl noch viel mehr rausholen, wenn mir solche Sachen nicht immer wieder passieren. Dann werde ich immer hektischer, gehe (immer öfter) viel zu früh/spät in den Trade, etc., sprich ich mache dann viel leichter unüberlegte, vorschnelle Trades, die meist im Verlust enden. Andererseits, wenns gut läuft, überkommt mich der Übermut/Gier, und ich kann dann schlecht aufhören. Wie machen die guten/erfolgreichen Trader das? Gibt es da ein Rezept? Und was ist wenns mal die ersten Tage garnicht läuft, wenn ein Mittwoch gleich 2mal hintereinander kommt, man die Woche also schon mit -50Punkten startet? Klar, weitermachen, aber hätte man nicht schon eher aufhören sollen?? Statt 5 Trades nur 3 Trades? Oder solange weitermachen bis man entweder ± Null oder im Plus ist??

    Mit freundlichen Grüßen

    ....

    Meine Antwort sieht wie folgt aus.

    Guten Tag Herr...,

    Zunächst einmal gratuliere ich Ihnen, denn die erste Hürde haben Sie genommen. Sie haben eine erfolgreiche Strategie gefunden, die anscheinend zu Ihnen passt und damit eine Basis fürs Trading geschaffen. Nun können die nächsten Schritte folgen.

    Als erstes sollten Sie sich fragen, ob es rein von der Systematik her Sinn macht, die Strategie zu verfeinern. Eine Kernfrage die Sie sich stellen müssen lautet bspw.: ist es besser, nur an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten zu handeln? Sie wissen, dass Ihre Strategie auch mit den "Fehlern" profitabel ist. Jetzt gilt es aber noch herauszufinden, wie die Strategie "tickt".
    Versuchen Sie systematische Fehler zu finden, wobei Sie nun nicht mehr am Einstiegssignal, Ausstiegssignal etc. feilen sollten. Ich meine damit vielmehr, dass Sie sich Handelszeiten zuwenden oder vielleicht einmal ihren Drawdown untersuchen. Eine Frage dabei wäre bspw. "Was sind typische Tradeabfolgen?". Das Stichwort dafür heißt Equitytrading, was ich bereits in einem ausführlichen Artikel innerhalb des Ausbildungsservice vorgestellt habe.

    Den zweite Punkt der jetzt eine wichtige Rolle spielt, haben Sie ebenfalls bereits angesprochen. Die Psychologie. Sie müssen jetzt herausfinden, wie viele der "Fehler" durch "unsachgemäße Anwendung" der eigenen Strategie entstanden sind. Sie sagten bereits, dass Sie bspw. an Tagen an denen es gut ging, übermütig werden. In der Regel kosten diese Aktionen Geld. Angst, Gier etc. sind schlechte Begleiter in Sachen Trading und diese können Sie nur durch viel Übung reduzieren.
    Dabei ist es wichtig ein Feedback zu bekommen. Machen Sie also immer einen Vergleich in dem Sinn, was Sie verdient hätten, wenn Sie Ihre Emotion besser in den Griff bekommen hätten. Je intensiver Sie ein solches Feedback erhalten, desto schneller wird sich der Erfolg einstellen (aber Achtung, die Chance perfekt zu werden ist relativ klein, Fehler gehören dazu). Sich nur schnell vorzurechnen, was passiert wäre wenn, ist zwar schon mehr als gar nichts, aber auch noch kein intensives Feedback. Traden Sie den kompletten Tag aber ohne diese Fehler nach (Sie wissen ja, was Sie wo und wie falsch gemacht haben), dann erhalten Sie ein sehr intensives Feedback und das führt schneller dazu, die Fehler auch im realen Handel zu vermeiden.


    Wie Sie sehen, gibt es kein Patentrezept in dem es heißt "hören Sie nach dem ersten großen Trade auf". Vielmehr gibt die eigene Strategie die Richtung vor und sagt Ihnen, wann es Sinn macht, nicht mehr zu traden.
    Eines konnte ich in den vergangenen Jahren jedoch bei sehr vielen Taktiken feststellen: Mehr Trades heißt nicht zwangsläufig mehr Gewinn - gerade dann nicht, wenn man auf Bewegungen aus ist. Es gibt im Dax (oder anderswo) nunmal nicht 100 größere Trendbewegungen am Tag und die Gefahr des Overtradings ist relativ hoch. Eine allgemeine Reduzierung der Tradeanzahl beim Trend- & Swingtrading ist oft eine gute Entscheidung. Beim Scalptrading hingegen bietet sich dies nicht unbedingt an.
    Ich und viele andere Trader die ich kenne, reduzieren Ihren Tradingtag von vornherein auf "wenige" Stunden. So liegt bspw. mein Hauptaugenmerk im Dax in der Zeit von 09 - 12 Uhr und erwische ich bereits zur Eröffnung eine volatile Phase, stelle ich das Trading auch nach 30 oder 60 Minuten ein bzw. werde deutlich vorsichtiger (kleine Positionsgrößen etc.). Auch auf der Gegenseite gehe ich ähnlich vor. Passiert in der Eröffnung nichts, läuft der Markt also mal nach oben, dann nach unten und dann wieder in die andere Richtung, ohne dass sich interessante Trends ausbilden, verfolge ich den Markt auch nicht mehr so intensiv oder aber, ich ändere meine Taktik. Ein ruhiger, wenig volatiler Markt muss anders angegangen werden als ein schneller Markt. In diesem Sinn kann ich auch nur empfehlen, mehrere Strategien anzuwenden. So könnten Sie bspw. in der Eröffnung auf Trends setzen, während Sie gegen Mittag Rangetrading betreiben. Bei diesem Vorgehen dürfen Sie natürlich nicht vergessen, dass ich im Minutenchart oder 5 Minutenchart handele. Für einen Trader auf Stundenbasis ist es sicher keine gute Entscheidung, den Tag so stark zu begrenzen.
    Allgemein sollten Ihre Verbesserungen natürlich auch mit Ihren Zielen einhergehen. Diesen Punkt dürfen Sie nicht vergessen. Ich liebe das Trading eben auch deshalb, weil es mir ermöglicht, zu arbeiten, wann ich will, wo ich will und wie lange ich will. Gerade auch für das Gut "Zeit" bin ich bereit, einen Teil an entgangenen Gewinnen zu opfern. Mir macht es also nichts aus, schon um 10.00 Uhr das Tradinghandtuch für den Tag zu werfen und damit Gefahr zu laufen, die ein oder andere gute Chance zu verpassen. Würde ich hochkonzentriert weitertraden, weiß ich, dass ich mehr verdienen könnte, aber das ist nicht mein Ziel. Ich bin in diesem Sinn kein reiner "Geldmaximierer", sondern maximiere meine Ziele (bei denen Geld nur ein Punkt ist). Wie groß der Einfluss solcher Faktoren auf den weiteren Weg ist, dürften Sie sich vorstellen können, denn wenn Sie ein "Geldmaximierer" sind, wird es Ihnen mit Sicherheit schwer fallen, Ihren Tradingtag zeitlich zu begrenzen. Sie werden dann immer wieder in Versuchung geführt, doch noch mal zu traden. Die Erweiterung Ihres Portfolios um eine zusätzliche Strategie ist da wesentlich effektiver als eine absolute Begrenzung der Tradingzeit - sofern Sie mental auch in der Lage sind, sehr lange zu traden. Sagt die Systematik für die aktuell vorhandene Strategie also, Sie sollten diese nur in der Zeit von 09 - 12 Uhr traden, weil Sie dort am besten funktioniert, dann brauchen Sie für die übrige Zeit eine alternative Strategie, die ebenfalls profitabel ist.


    Kurz noch einmal zusammengefasst:

    1. Suchen Sie mit Blick auf Tradingzeit / Tag eine Systematik ob es "rein auf dem Papier" Sinn macht, nur in der Zeit X zu traden oder nach dem X Trade für den Tag aufzuhören (Equitytrading)
    2. Üben Sie, um mental bedingte Fehler zu reduzieren
    3. Ihre Ziele bestimmen über die konkreten weiteren Schritte (Trading einstellen oder doch noch eine zweite Strategie...)


    Dies sind so meine ersten Gedanken zu diesem Thema und gerne können wir das Thema auch noch weiter vertiefen.

    Viel Erfolg
    Rene Berteit

    Rene Berteit - Technischer Analyst und Coach bei GodmodeTrader.de

    Ausbildung, Lernhilfe, Coaching von A bis Z in Sachen Charttechnischer Analyse und professionellem Trading finden Sie im Godmode Coaching Service : 
    http://www.godmode-trader.de/premium/ausbildung/

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