Neu mit Index-Tabelle
Von Thomas Leppert
FRANKFURT--Nachdem der deutsche Aktienmarkt die längste Zeit des Tages deutlich im Plus notierte, setzte US-Notenbank-Chef Ben Bernanke am Nachmittag den entscheidenden Impuls. Er enttäuschte die Hoffnungen des Marktes auf weitere geldpolitische Maßnahmen, woraufhin der DAX nahezu den gesamten vorherigen Gewinn wieder abgab - zeitweise notierte er sogar im Minus. Auch den Euro schickte Bernanke auf Talfahrt. Am Ende des Tages notierte der DAX mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 6.578 Punkten. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 108,2 (Vortag: 99,1) Millionen Aktien im Wert von rund 2,23 Milliarden Euro.
Entscheidend für die Kapitalmärkte waren die Aussagen von Fed-Präsident Ben Bernanke zu einer weiteren Geldmengenausweitung und der Zinspolitik. Bernanke zeichnete vor dem Bankenausschuss ein düsteres Bild der größten Volkswirtschaft der Welt. Das Wirtschaftswachstum habe sich abgeschwächt, die Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt seien "frustrierend langsam" und das Vertrauen der Verbraucher bleibe relativ niedrig.
Obwohl Bernanke einen eher negativen Ton anschlug, machte er keinerlei Andeutungen, ob die US-Zentralbank eine dritte Runde quantitativer Lockerungen einläuten wird. Die Aussagen von Bernanke wurden im Handel dahingehend interpretiert, dass die Notenpresse nicht so schnell angeworfen wird. Dies bedeutet für den Aktienmarkt, dass ein erhoffter Nachfrageimpuls zunächst ausbleibt. Damit setzten an den Aktienmärkten die Verkäufe ein. Da keine frischen Dollar gedruckt werden, wertet das der Devisenmarkt positiv für den Greenback.
Zudem erteilte Bernanke einer Zinssenkung im August die Absage. Ein Marktakteur ging allerdings noch weiter. "Bernanke wird alles versuchen, um eine Zinssenkung im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in den USA zu umgehen", erwartet er. Auch die Absage an eine Zinssenkung stärkte den Greenback. Der Euro beendete den Handel in Europa mit Kursen von 1,2215 zum Dollar. Am Mittag notierte die Gemeinschaftswährung zum Dollar dagegen noch rund einen Eurocent höher.
Ein eher enttäuschender ZEW-Index wurde dagegen am Vormittag schnell abgehakt. Die Lage war unerwartet schlecht beurteilt worden, der Ausblick hat ziemlich genau die Prognose getroffen. Trotzdem sollte der Indikator nicht ganz beiseite gewischt werden. "Neben der schwachen Nachfrage aus der Eurozone nach deutschen Exportgütern belastet es die deutsche Konjunktur, dass die Wachstumsdynamik in weiteren wichtigen Partnerländern abnimmt", kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
Den Tagesgewinner im DAX stellte die Aktie von K&S, die mit einem Plus von 1,5 Prozent auf 38,56 Euro schloss. Für die Aktie gab es zwei gute Kaufgründe. Zum einen gab es besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen des Wettbewerbers Mosaic. Zum anderen wirkten sich die aktuellen Preissteigerungen bei Agrar-Rohstoffen positiv auf den Düngemittelhersteller aus. Die Aktie von Bayer schloss mit einem Plus von 1 Prozent bei 58,17 Euro, nachdem die Analysten der Deutschen Bank ihr Kursziel auf 63 Euro angehoben haben.
Die Märkte in Europa bleiben die Sorgenkinder der Automobilindustrie: Während die meisten Weltregionen im Juni deutliche Absatzsteigerungen verzeichnet haben, konnten die Autohersteller in Europa mit 1,25 Millionen Fahrzeugen 1,7 Prozent weniger Käufer für den Erwerb eines Neuwagens gewinnen. Immerhin lässt der Abwärtstrend in Europa nach, denn in den ersten sechs Monaten lag das Minus bei den Absatzzahlen noch bei 6,3 Prozent. Gut hat sich die Lage dabei für VW entwickelt. Die Aktie stieg um 0,4 Prozent.
Im MDAX lieferten sich Vossloh und Rhön-Kinikum ein Kopf an Kopf-Rennen um den Tagesgewinn. Bei Vossloh stützte zum einen die Meldung, dass China zum Ankurbeln der Konjunktur unter anderem Investitionen in die Eisenbahnen plant. Zum anderen hatte der Großaktionär Heinz Hermann Thiel seine Beteiligung aufgestockt und die Schwelle von 20 Prozent überschritten. Die Aktie beendete den Handel mit einem Plus von 2,7 Prozent. Der Klinikbetreiber profitierte dagegen von der erwarteten Konsolidierung im Sektor. Die Aktie gewann 2,4 Prozent auf 16,80 Euro.
Schlechte Nachrichten gab es von Deutz. Das Geschäft mit Lkw-Motoren und mit Motoren für Baumaschinen entwickelt sich schwächer als geplant. "Unerwartet kommt die Gewinnwarnung allerdings nicht", sagte ein Analyst. Nach entsprechenden Aussagen von Caterpillar oder der Gewinnwarnung von Cummins sei der Markt darauf vorbereitet gewesen. Die Aktie beschloss den Tag mit einem Minus von 1 Prozent bei 3,42 Euro.
Für die Aktie von Solarworld scheint es momentan nur eine Frage der Zeit, bis die Aktie zu den sogenannten Penny-Stocks gezählt werden kann. Während die Politik über die Zukunft der Solarförderung debattiert, schrumpft an der Börse die Marktkapitalisierung des ehemaligen Primus der Branche. Während die Aktie von Solarworld vor knapp einem Jahr bei 8,45 Euro notierte, schloss sie mit einem Minus von drei Prozent bei 1,11 Euro.
INDEX zuletzt +/- % DAX 6.577,64 +0,18% DAX-Future 6.597,00 +0,59% XDAX 6.592,21 +0,56% MDAX 10.649,83 -0,05% TecDAX 755,46 +0,03% SDAX 4.948,44 +0,79% Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com DJG/thl/reh
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