New York (BoerseGo.de) – Ein verkorkster Auftakt der Earnings Season schickt die US-Börsen in rotes Terrain. Der US-Aluminiumkonzern Alcoa berichtet für das erste Quartal aufgrund hoher Rohstoffpreise und des schwachen Dollars einen Gewinneinbruch von über 50 Prozent. Chiphersteller Advanced Micro Devices reduziert für das erste Quartal seine Umsatzprognose und plant einen Stellenabbau von zehn Prozent. Zusätzlichen Druck auf die Halbleiterbranche löst eine Gewinnwarnung des Chipmaschinenausrüsters Novellus Systems aus.
Die durch die Hypothekenkrise angeschlagene US-Bank Washington Mutual lässt deutlich Federn mit einem Minus von knapp über zehn Prozent, nachdem das Management für das erste Quartal infolge milliardenschwerer Wertberichtigungen einen deutlich höheren Verlust in Aussicht stellt und die Dividendenausschüttung drastisch reduziert. Positiv ist, dass sich die US-Bank durch eine Kapitalerhöhung insgesamt sieben Milliarden Dollar verschafft. Geldgeber sind die Beteiligungsfirma TPG und andere Investoren.
Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bleibt die internationale Kreditkrise trotz den jüngsten Liquiditätsspritzen seitens der Zentralbanken eine ernste Bedrohung für das Wirtschaftswachstum. Der IWF beziffert den möglichen Schaden aus der Kredit- und Hypothekenkrise auf bis zu 945 Milliarden Dollar. Wenn man den Schätzungen des Instituts Glauben schenkt, ist unter Berücksichtigung der aktuellen Wertberichtigungen in Höhe von 232 Milliarden Dollar eine weitere hohe Abschreibungswelle im Anrollen.
Auch aktuelle Daten vom Häusermarkt geben wenig Anlass zur Euphorie. Gemäß der National Association of Realtors ist die Anzahl der anstehenden Hausverkäufe im Februar um 1,9 Prozent gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit Gründung dieses Index aus dem Jahre 2001 gefallen. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum verliert der Index 21,4 Prozent. Bei den „Pending Home Sales“ handelt es sich um Hausverkäufe, die zwar unterschrieben, aber noch nicht abgewickelt sind. Die Zahlen belegen, dass die Krise am US-Immobilienmarkt noch lange nicht ausgestanden ist. Der Grund für die gesunkenen Zahlen sind verschärftere Kreditbedingungen und zurückhaltende US-Konsumenten.
Das Protokoll der letzten März-Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank legt offen, dass viele der zwölf Mitglieder für die erste Jahreshälfte ein Schrumpfen der US-Wirtschaft für wahrscheinlich halten. Einige Ausschussmitglieder halten sogar einen länger anhaltenden, heftigen Abschwung der US-Wirtschaft für möglich. Trotz der jüngsten enttäuschenden Inflationsdaten rechnet die US-Notenbank allerdings mit sich abschwächenden Inflationstendenzen für die zweite Jahreshälfte und das kommende Jahr, obwohl die Unsicherheit über eine Langfristprognose gestiegen ist. Weiter macht die US-Notenbank deutlich, dass Zinssenkungen alleine die aktuellen Probleme nicht lösen können.
Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Mai fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 56 Cents auf 108,53 Dollar. Händler begründen den Preisrückgang für das schwarze Öl mit dem stärkeren US-Dollar und weiter gestiegenen US-Öllagerbeständen. Zusätzlich geht das US- Energieministeriums davon aus, dass die stark angezogenen Ölpreise und die abkühlende US-Wirtschaft in diesem Sommer das erste Mal in den letzten siebzehn Jahren zu einer sinkenden Nachfrage nach Benzin führen wird. Der Preis für die Feinunze Gold fällt um 8,80 Dollar und notiert zum Handelsschluss bei 918,00 Dollar. Der Goldpreis korrigiert, nachdem der US-Dollar den zweiten Tag in Folge angestiegen ist und Marktteilnehmer über eine anhaltende Wiedererstarkung des Greenbacks spekulieren. Silber verbilligt sich um 41,2 Cents auf 17,71 Dollar.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Minus von 0,29 Prozent auf 12576 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 0,51 Prozent auf 1365 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt 0,68 Prozent auf 2348 Punkte nach. Sieger im Dow ist die Aktie der DuPont mit einem Plus von 0,95 Prozent auf 49,46 Dollar. Bei den Techs überzeugt Citrix Systems mit einem Plus von 7,45 Prozent auf 33,14 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,20 Milliarden Aktien den Besitzer. 1307 Werte legten zu, 1807 gaben nach. An der Nasdaq gab es bei Umsätzen von 1,65 Milliarden Aktien 1214 Gewinner und 1660 Verlierer.
American Express: Goldman Sachs empfiehlt zum Kauf
American Express Co. wird von Goldman Sachs von “neutral” auf “buy” heraufgestuft. Die Analysten machen in der Begründung ihrer höheren Sichtweise zu der Kreditkartengesellschaft auf einen Wendepunkt bei Aktien von Finanzkonzernen mit vergleichsweise geringen Abschreibungen aus Krediten aufmerksam. Dazu zähle auch American Express. Dies gelte auch für Unternehmen, in deren Bewertungen etwaige Kreditausfälle bereits zur Einpreisung gelangten. Die Aktie verliert 0,17 Prozent auf 46,47 Dollar.
Sechs Unternehmen mit Bestnoten
Es gibt gerade noch sechs Unternehmen, die sowohl von der Ratingagentur S&P wie auch vom Konkurrenten Moody’s mit dem Spitzenrating „AAA“ bewertet sind. Dazu zählen Automatic Data Processing , Berkshire Hathaway, GE , Johnson & Johnson, Exxon und Toyota . Bis auf Toyota haben all diese Unternehmen im letzen Jahr den S&P 500 Index outperformt. Diese Unternehmen profitieren vor allem von der internationalen Ausrichtung ihrer Geschäftsaktivitäten, wodurch sie die aktuelle Schwächephase in den USA durch starke Nachfrage in anderen Regionen wie China und Indien kompensieren können.
S&P 500: Gewinne sollen in Q1 zweistellig gesunken sein
Die Gewinne der Unternehmen im US-Leitindex S&P 500 sind gemäß dem von Bloomberg erhobenen Konsens im ersten Quartal 2008 gegenüber der Vergleichsperiode 2007 um durchschnittlich 11,3 Prozent gesunken. Der S&P 500 ist im bisherigen Jahresverlauf infolge des Kollapses am Hausmarkt und der Konjunkturschwäche um 6,5 Prozent gesunken.
US-Diätspezialist mit Kursexplosion
Der Anbieter von Diät- und Ernährungsprogrammen, Nutrisystems, erhöht für das erste Quartal seine Umsatzprognose von 203,46 Millionen auf 216 Millionen Dollar. Das Investmenthaus Scattergood erhöht daraufhin sein Rating von Market Perform auf Outperform mit Kursziel 30 Dollar. Gerade im Vorfeld der anstehenden Badesaison erwarten die Finanzexperten eine starke Nachfrage nach Diätprodukten. Das Unternehmen berichtet sein Quartalsergebnis am 24.April nach Marktschluss. Die Aktie gewinnt 24,43 Prozent auf 18,59 Dollar.
Credit Suisse positiv zu Coca-Cola
Das Investmenthaus Credit Suisse First Boston wiederholt sein Outperform Rating für den US-Softdrinkhersteller Coca-Cola. Den Finanzexperten zufolge profitiert das Unternehmen von dem schwachen Dollar und einigen Kurskatalysatoren in der zweiten Jahreshälfte wie den Olympischen Spielen, dem weltweiten Erfolg von Coca-Cola Zero und der möglichen Markteinführung von mit Vitamin angereicherte stillen Wassergetränken in Europa. Zusätzlich erhöht das Investmenthaus seine Gewinnprognose für das erste Quartal, die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten liegen aktuell bei einem Gewinn von 0,62 Dollar pro Aktie und einem Umsatz von 6,82 Milliarden Dollar. Die Aktie gewinnt 0,23 Dollar auf 60,51 Dollar.
Dell auf Wachtumskurs
CEO Michael Dell vom gleichnamigen Computerhersteller Dell prognostiziert für das Geschäftsjahr 2008 ein „gesundes“ Wachstum. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2007 ein Gewinnwachstum von 15 Prozent verbuchte, will der Unternehmenschef durch Kosteneinsparungsmaßnahmen und eine verstärkte Expansion in die schnell wachsenden Schwellenländer das Unternehmen weiter erfolgreich auf Wachstumskurs halten. Für das aktuelle erste Quartal bestätigt Michael Dell, eine Million eigener Aktien zurückzukaufen. Das Investmenthaus Caris & Company stuft die Aktie aktuell mit Average Rating und Kursziel 22 Dollar ein. Die Aktie verliert 1,20 Prozent auf 19,00 Dollar.




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