Die heutigen Konjunkturdaten waren bei der Bodensuche allerdings keine große Hilfe. Die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen verbesserten sich auf zwar 461.000 (Vorwoche: 477.000, Konsenserwartung: 470.000), die gleichzeitig gemeldete Industrieproduktion vom September enttäuschte aber mit einem Rückgang um 2,8% (der stärkste Rückgang seit 1974). Die Agenturen wiesen allerdings auf Sondereffekte hin, die die Zahlen verzerrten. Dazu zählte der Streik bei Boeing, der dort zu Produktionsausfällen führte. Außerdem wurde die Industrieproduktion durch die Hurricanes Gustav und Ike gestört. Die Wirbelstürme hatten den Output um 2,25 Prozentpunkte gesenkt, der Streik um 0,5 Prozentpunkte, rechnete der Infodienst Briefing.com vor. Belastend wirkte sich auch Rückgang des Minen-Outputs um 7,8% aus. Dort machte sich der Preisverfall bei den Rohstoffen (Kohle, Metalle) bemerkbar.
Schrecken aus Philadelphia
Einen Schrecken jagte der um 10:00 Uhr US-Ostküstenzeit (16:00 Uhr MEZ) veröffentlichte Stimmungsindex der Philadelphia Fed vom Oktober ein. Das bei Managern aus der Industrie in dieser Region ermittelte Umfrageergebnis brach scharf ein, nämlich auf minus 37,5 (September: plus 3,8). Die Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf minus 10,0 gerechnet. Werte deutlich unter Null bedeuten, dass die Industrie im Ballungsgebiet kräftig schrumpft.
James B. Bullard, Präsident und CEO der Federal Reserve Bank of St. Louis, erklärte heute, dass er für das dritte Quartal, dessen Wachstumsrate Ende des Monats gemeldet wird, entweder Stagnation oder einen leichten Rückgang erwartet. Verantwortlich dafür sei aber nicht die Finanzkrise, sondern der noch bis August (also bis zur Quartalsmitte) erfolgte scharfe Anstieg der Öl- und anderer Rohstoffpreise in Kombination mit einem schwachen Arbeitsmarkt. Beides führte zu den krottenschlechten Einzelhandelsumsätzen, die gestern noch für Angst und schrecken gesorgt hatten. Der inzwischen begonnene Rückgang bei den Rohstoffpreisen könne daher den negativen Impuls wieder mildern, hieß es.
Das Inflationsgespenst verzieht sich
Das zeigen auch die heute bereits vor Börsenbeginn gemeldeten Inflationszahlen. Der Anstieg der Verbraucherpreise im September signalisiert die die ersten Anzeichen der Entspannung am Rohstoffmarkt. Die Verbraucherpreise blieben gegenüber dem Vormonat unverändert (August: minus 0,1%) und stiegen gegenüber dem Vorjahr um 4,9% (August: plus 5,4%). Die Kernrate - also ohne die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise - stieg im September um 0,1% gegenüber dem Vormonat (August: plus 0,2%) und um 2,5% gegenüber dem Vorjahr (August: plus 2,5%). Da die Rohstoffpreise seither kräftig gefallen sind und die preistreibenden Effekte der Wirbelstürme auslaufen, dürfte die Inflationsrate im Oktober deutlich zurückgehen. Das wiederum entlastet Verbraucher und Unternehmen und wirkt wie eine Steuersenkung, also als ein zusätzliches Konjunkturprogramm.-
Die späte Rallye wurde daher heute auch vom Ölpreis angeregt, der unter die 70-Dollar -Marke fiel und sich gegenüber seinem Hoch vom Juli (147 Dollar) inzwischen mehr als halbierte. Das beflügelte Airlines und andere Transportwerte sowie den Einzelhandel, dessen Kunden mehr Geld zum Einkaufen bleibt.
Tauwetter auf dem Kreditmarkt
Gestützt wurde der Aktienmarkt auch von einer - wenn auch nur zögerlichen - Entspannung am Interbankenmarkt. Dort beginnen die Zinssenkungen der Notenbanken und die zahlreichen Rettugnspakete für die Banken allmählich zu wirken. Der Geldmarktsatz, also der Zins zu dem sich die Banken gegenseitig beleihen, geht endlich wieder zurück. Damit scheinen die eingefrorenen Kreditmärkte, das Lebenselixier der Wirtschaft, allmählich wieder aufzutauen.
Stützend wirkte auch die Tatsache, dass der Aktienmarkt - gemessen am repräsentativen S&P 500 - derzeit etwa das elffache der für das Gesamtjahr geschätzten Unternehmensgewinne kostet. Das ist der niedrigste Stand seit Juni 1985.
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| MINI Short Zertifikat | Put | RBS | 4,52 | 4,53 | 1.833,00 | 2,33 | 1,00 |



