Wall Street Closing: Der Konsummotor springt wieder an
Rückkehr der Verbraucher
Die US-Einzelhändler lieferten heute die Überraschung des Tages. Schneestürme hin oder her, die amerikanischen Ladenketten& Kaufhäuser fuhren im Februar den stärksten Umsatzanstieg seit mindestens November 2007 ein, also einen Monat bevor die jüngste Rezession begann.
Insgesamt steigerten die Shop-Betreiber, einschließlich Luxusanbieter wie Nordstrom, Mittelklasse-Kaufhausbetreiber wie Macy's und Discounter wie Target, die Umsätze (in Läden, die länger als 1 Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen & Zukäufe) um 3,7% gegenüber Vorjahr, berichtete die Verbandsorganisation International Council of Shopping Centers (ICSC). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt ein von Thomson Reuters ermittelter Einzelhandels-Umsatzindex, der im Februar um 4% kletterte. Das sei der größte Anstieg seit Februar 2005, berichtete Reuters. Dreiviertel der dort erfassten Einzelhändler schlugen heute die Erwartungen. „Ich bin überrascht über die Breite der starken Entwicklung“, kommentierte Mike Niemira, Chief Economist bei ICSC und bezog sich dabei auf die Stärke der Luxushändler, die mit den Discountern Schritt halten konnten. Damit wurde die Befürchtung widerlegt, dass der Konsum, das Herz der Wirtschaft, wegen der Arbeitslosigkeit nicht in die Gänge kommt.
Ermutigend wirkten auch die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen, die um rund 30.000 auf 469.000 zurück ging, trotz neuer Blizzards an der US-Ostküste. Die heutigen Daten bestätigen den seit vergangenem Sommer anhaltenden Abwärtstrend bei den Arbeitslosenmeldungen, kommentierte der Infodienst Bespoke. Beim morgigen Arbeitsmarktreport vom Februar steht die Erholungsthese allerdings wieder auf dem Prüfstand. Erwartet werden laut Bloomberg 65.000 gestrichene Jobs - wegen des verlängerten Winters - und ein Anstieg der Arbeitslosenrate von 9,7 auf 9,8.
Motor der Gewinnsteigerungen
Eine positive Überraschung gab es auch bei der Revision der Produktivität in Q4. Diese Zahl wurde von plus 6,2% auf plus 6,9% korrigiert. Das ist der größte Anstieg seit 2002 und bedeutet, dass die Effizienz - und damit die Profitabilität- der Unternehmen kräftig wächst. Also eine Voraussetzung für kräftig steigende Unternehmens-Gewinne & inflationsfreies Wirtschaftswachstum. Der Anstieg der Produktivität spiegelte sich daher in einem starken Rückgang der Lohnstückkosten wider. Diese Größe wurde von minus 4,4% auf minus 5,9% revidiert.
Die im Laufe des Börsenhandel gemeldete Auftragseingänge der Industrie fielen im Rahmen der Erwartungen aus (plus 1,7%).Der Ausrutscher des Tages war die Zahl der noch nicht abgeschlossenen („schwebenden“) Eigenheimverkäufe. Dieser Wert fiel - wegen des anhaltenden Winters - im Januar um 7,6%. Da der Winter aber über kurz oder lang zu Ende geht, störte der Ausrutscher wenig.
Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, stieg 0,49%. Dort belebten anscheinend die zahlreichen Ladenketten. Der konjunktursensible Transportindex gewann 0,29%. Die - als defensiv geltenden - Versorger legten 0,17% zu.
Der Bankenindex avancierte 0,15%.
Der Chip-Index verbesserte sich 0,05%.
Der Ölsektor verbilligte 0,57%. Die Eigenheimbauer litten unter den fallenden „schwebenden“ Eigenheimverkäufen und büßten 0,54% ein.
Dow wieder im grünen Bereich für 2010
Der Dow Jones Industrial Average plus 0,46 Prozent auf 10.444 Punkte. Damit bügelte das Blue Chip Barometer wieder die Verluste seit Jahresanfang aus und kehrte für 2010 in den grünen Bereich zurück. Die beiden anderen großen Barometer schreiben bereits seit Montag wieder grün.
Der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 plus 0,37 Prozent auf 1.122 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index plus 0,51 Prozent auf 2.292 Punkte.
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