Wall Street: Das Schlimmste eingepreist?
Samstag 01.11.2008, 00:41 Uhr
New York (BoerseGo.de) - Schlechte Daten, gute Kurse, lautete die heutige Formel an der Wall Street. Heute war es übrigens das erste mal in diesem Monat, dass die Wall Street an zwei aufeinander folgenden Börsentagen im Plus schloss. Die Kursgewinne überraschen nur auf den ersten Blick. Seit Halloween 2007 hat die Wall Street - gemessen am repräsentativen S&P 500 - 37 Prozent verloren. Damit hat die Börse bereits schon eine deftige Rezession eingepreist. Die bisher bekannten Zahlen (im 3. Quartal schrumpfte die US-Wirtschaft um 0,3 Prozent) sind zwar schlimm, aber nicht schlimm genug, um die Panik, die in den vergangenen Wochen herrschte zu rechtfertigen, hieß anscheinend die Devise. Nur so ist die Rallye diese Woche zu erklären.
Die heute kurz vor oder nach vor Börsenstart gemeldeten Konjunkturdaten - obwohl unschön - trugen daher eher zur Beruhigung bei: Im September stiegen die Einkommen der privaten Haushalte (also der Verbraucher) gegenüber dem Vormonat um 0.2 Prozent (Konsens: plus 0,1 Prozent,August: plus 0,4 Prozent). Die Ausgaben der privaten Haushalte (also der Konsum) schrumpften dagegen um 0,3 Prozent (Konsens: minus 0.2 Prozent, August: Stagnation). Wirklich überraschend war der Rückgang des Verbrauchs aber nicht, da er in den bereits gestern gemeldeten Rückgang der Verbraucherausgaben vom 3. Quartal enthalten waren.
Der Chicago Einkaufsmanagerindex, der die Industrieaktivität im Ballungsgebiet abbildet, brach im Oktober auf 37.8 ein (Konsens: 48.0 , September 56.7). Werte unter 50 bedeuten zwar, dass die Industrie schrumpft. Da der Index aber durch eine Umfrage ermittelt wird, handelt es sich um einen Stimmungsindikator - und dass die Stimmung in ein tiefes Loch gefallen ist, weiß man inzwischen.
Auftauende Kreditmärkte
Der Kursverfall war aber natürlich von der Angst getrieben: alles wird noch viel schlimmer. Tatsächlich mehren sich jetzt aber die Anzeichen, dass sich die Lage wieder bessert. Besonders wichtig: Die Kreditkrise, die die Weltwirtschaft derzeit bedroht und die Aktienkurse in den Keller schickte, entspannt sich. Das zeigen nicht nur die sinkenden Zinsen am Geldmarkt (am Londoner Interbankenmarkt fiel heute der Satz den fünfzehnten Tag in Folge), sondern auch bei Unternehmensanleihen (Commercial Papers). Der Zins für diese Commercial Papers sank heute auf den niedrigsten Stand seit 4 Jahren, berichtete Bloomberg.
Das bedeutet, das gegenseitige extreme Misstrauen unter den Banken - ausgelöst durch den Bankrott der Lehman Brothers - schmilzt weiter ab und ihre Bereitschaft, sich gegenseitig - und damit auch dem Rest der Wirtschaft - Geld zu leihen wächst. Damit dürfte auch die Geldversorgung der restlichen Wirtschaft wieder auftauen und die Kreditklemme (Credit Squeeze), die Handel und Wandel derzeit bremst, abschmelzen. Heute erklärte etwa JP Morgan, die größte US-Bank, die vor zwei Wochen 25 Milliarden Dollar Staatsgelder erhalten hatte, sie überprüfe ihre Immobilienkredite und zeigte sich bereit, Zinsen und Tilgungsraten ihrer Eigenheimschuldner zu senken. Wenn das Beispiel Schule macht - und dafür spricht die Entspannung an den Geldmärkten - sollte eine Erholung des angeschlagenen US-Eigenheimmarktes starten.
Konjunkturprogramm: Rohstoffverbilligung
Eine Entspannung gab es bereits an einer anderen Front, nämlich durch die inzwischen erfolgte drastische Korrektur bei den Rohstoffpreisen (der Benzinpreis etwa fiel in den USA von vorübergehend 5 Dollar wieder unter die 2,50 Dollar zurück). Der Preisrückgang bei Öl, Lebensmittel und Industriemetallen entlastet Verbraucher und Unternehmen und wirkt daher wie eine Steuersenkung -also als ein zusätzliches Konjunkturprogramm. General Motors erklärte am Mittwoche jedenfalls, man habe das Gefühl, der Boden des wirtschaftlichen Abschwung sei jetzt erreicht.
Kommende Woche fällt zumindest ein weiterer Belastungsfaktor weg, nämlich der nervende US-Wahlkampf. Egal wer gewinnt, die Börse hat einen Unsicherheitsfaktor weniger.
Die heute kurz vor oder nach vor Börsenstart gemeldeten Konjunkturdaten - obwohl unschön - trugen daher eher zur Beruhigung bei: Im September stiegen die Einkommen der privaten Haushalte (also der Verbraucher) gegenüber dem Vormonat um 0.2 Prozent (Konsens: plus 0,1 Prozent,August: plus 0,4 Prozent). Die Ausgaben der privaten Haushalte (also der Konsum) schrumpften dagegen um 0,3 Prozent (Konsens: minus 0.2 Prozent, August: Stagnation). Wirklich überraschend war der Rückgang des Verbrauchs aber nicht, da er in den bereits gestern gemeldeten Rückgang der Verbraucherausgaben vom 3. Quartal enthalten waren.
Der Chicago Einkaufsmanagerindex, der die Industrieaktivität im Ballungsgebiet abbildet, brach im Oktober auf 37.8 ein (Konsens: 48.0 , September 56.7). Werte unter 50 bedeuten zwar, dass die Industrie schrumpft. Da der Index aber durch eine Umfrage ermittelt wird, handelt es sich um einen Stimmungsindikator - und dass die Stimmung in ein tiefes Loch gefallen ist, weiß man inzwischen.
Auftauende Kreditmärkte
Der Kursverfall war aber natürlich von der Angst getrieben: alles wird noch viel schlimmer. Tatsächlich mehren sich jetzt aber die Anzeichen, dass sich die Lage wieder bessert. Besonders wichtig: Die Kreditkrise, die die Weltwirtschaft derzeit bedroht und die Aktienkurse in den Keller schickte, entspannt sich. Das zeigen nicht nur die sinkenden Zinsen am Geldmarkt (am Londoner Interbankenmarkt fiel heute der Satz den fünfzehnten Tag in Folge), sondern auch bei Unternehmensanleihen (Commercial Papers). Der Zins für diese Commercial Papers sank heute auf den niedrigsten Stand seit 4 Jahren, berichtete Bloomberg.
Das bedeutet, das gegenseitige extreme Misstrauen unter den Banken - ausgelöst durch den Bankrott der Lehman Brothers - schmilzt weiter ab und ihre Bereitschaft, sich gegenseitig - und damit auch dem Rest der Wirtschaft - Geld zu leihen wächst. Damit dürfte auch die Geldversorgung der restlichen Wirtschaft wieder auftauen und die Kreditklemme (Credit Squeeze), die Handel und Wandel derzeit bremst, abschmelzen. Heute erklärte etwa JP Morgan, die größte US-Bank, die vor zwei Wochen 25 Milliarden Dollar Staatsgelder erhalten hatte, sie überprüfe ihre Immobilienkredite und zeigte sich bereit, Zinsen und Tilgungsraten ihrer Eigenheimschuldner zu senken. Wenn das Beispiel Schule macht - und dafür spricht die Entspannung an den Geldmärkten - sollte eine Erholung des angeschlagenen US-Eigenheimmarktes starten.
Konjunkturprogramm: Rohstoffverbilligung
Eine Entspannung gab es bereits an einer anderen Front, nämlich durch die inzwischen erfolgte drastische Korrektur bei den Rohstoffpreisen (der Benzinpreis etwa fiel in den USA von vorübergehend 5 Dollar wieder unter die 2,50 Dollar zurück). Der Preisrückgang bei Öl, Lebensmittel und Industriemetallen entlastet Verbraucher und Unternehmen und wirkt daher wie eine Steuersenkung -also als ein zusätzliches Konjunkturprogramm. General Motors erklärte am Mittwoche jedenfalls, man habe das Gefühl, der Boden des wirtschaftlichen Abschwung sei jetzt erreicht.
Kommende Woche fällt zumindest ein weiterer Belastungsfaktor weg, nämlich der nervende US-Wahlkampf. Egal wer gewinnt, die Börse hat einen Unsicherheitsfaktor weniger.
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