• Wall Street: Dow-Reversal macht Mut

    Dienstag 18.03.2008, 00:32 Uhr
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    New York (BoerseGo.de) – „Es muss wohl lichterloh brennen, wenn die US-Notenbank Fed nun schon am Sonntag Feuerwehr spielen muss“, dachten sich viele Anleger und verkauften  zu Handelsbeginn panikartig ihre Papiere. Zum ersten Mal seit 30 Jahren wird die Fed wieder an einem Wochenende tätig, indem sie den Diskontsatz um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent senkt. Der Diskontzins ist jener Zins, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank kurzfristig Geld leihen können, falls ihnen das im Handel mit anderen Banken nicht gelingt. Zusätzlich bietet die Fed im Rahmen eines Sonderkreditprogramms sogenannten Primärhändlern an, sich für mindestens sechs Monate Geld zum Diskontsatz direkt von der Fed zu beschaffen. Das Einschreiten der Fed erfolgte kurz nachdem die vor dem finanziellen Zusammenbruch  stehende US-Investmentbank  Bear Stearns von der drittgrößten US-Bank J.P. Morgan zum Schleuderpreis von 2,00 Dollar pro Aktie übernommen wird. Börsianer befürchteten, dass dies erst der Anfang einer Pleitewelle im Finanzsektor sein könnte und die Kreditkrise ihr nächstes Opfer bald finden wird, Lehman Brothers könnte Spekulationen zufolge bereits der nächste Kandidat sein.

    Auch von der Konjunkturfront gab es wenig Ermutigendes. So stürzte die Aktivität des produzierenden Gewerbes im Großraum New York im März auf ein Rekordtief von minus 22,2 Punkte ein. Auch der Rückgang der US-Industrieproduktion fällt im Februar mit einem Rückgang von 0,5 Prozent deutlicher als von den Volkswirten erwartet aus . Um so überraschender die Tatsache, dass sich die Märkte im Handelsverlauf deutlich von ihren Tiefsständen lösen konnten. Der Dow klettert vom Tagestief von minus 193 Punkten bis auf ein Plus von 125 Punkten kurz vor Handelsschluss, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten und immerhin noch ein Plus von 21 Zählern gerettet werden konnte. Das Zugpferd der Rallye und der große Gewinner im Dow war die Aktie von J.P. Morgan, nachdem Händler die Übernahme von Bear Sterans als durchaus positiv einschätzten. Das entschlossene Handeln der Fed ermutigte auch einige Schnäppchenjäger, sich mit einigen ausgebombten Qualitätstiteln einzudecken. Gemäß dem Chef-Strategen  Ken Tower vom Investmenthaus Covered Bridge Tactical könnten sich die Märkte kurz vor einer Bodenbildung befinden, nachdem trotz der Hiobsbotschaften ein Sell-off an den US-Börsen ausblieb. Gespannt richten sich die Blicke der Börsianer auf die US-Notenbanksitzung am Dienstag. Die Händler an der Terminbörse in Chicago sehen im Zuge der jüngsten Marktturbulenzen in den USA mittlerweile eine Chance von 86 Prozent, dass die Federal Reserve den Leitzins um 100 Basispunkte  auf 2,0 Prozent senken wird.


    Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendet den Handel mit einem Plus von 0,18 Prozent auf 11972 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verliert 0,90 Prozent  auf 1276 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verliert 1,60 Prozent auf 2177 Punkte. Sieger im Dow ist die Aktie von J.P. Morgan mit einem Plus von 10,29 Prozent auf 40,30 Dollar. Bei den Techs erkämpft sich  VeriSign ein Plus von 1,36 Prozent auf 33,36 Dollar. An der New York Stock Exchange wechselten 1,96 Milliarden Aktien den Besitzer. 555 Werte legten zu, 2632 gaben nach. An der Nasdaq gab es  bei Umsätzen von 2,37 Milliarden Aktien 728 Gewinner und 2221 Verlierer.


    Der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fällt an der New Yorker Terminbörse Nymex um 4,58 Dollar auf einen Schlusstand von 105,62 Dollar. Händler begründen den deutlichen Preisrückgang mit Rezessionsängsten, die nach schwachen Konjunkturdaten verstärkt wurden. Der Preis für die Feinunze Gold fällt um 3,30 Dollar und notiert zu Handelsschluss bei 996,20 Dollar. Händler begründen den Kursrückgang mit Gewinnmitnahmen, nachdem das Edelmetall intraday bereits auf ein neues Rekordhoch von 1033,90 Dollar gestiegen ist.


    Neues Kursziel für US-Chemieriesen

    Die Analysten von Lehman Brothers reduzieren aufgrund der unsicheren Konjunkturlage und der hohen Preise für Energie und  Materialkosten ihre Gewinnschätzung für den US-Chemieriesen DuPont für das Geschäftsjahr 2008 von 3,53 Dollar auf 3,38 Dollar pro Aktie. Die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten für das Geschäftsjahr 2008 liegen bei 3,45 Dollar pro Aktie. Das Kursziel wird von 52 Dollar auf 45 Dollar gekürzt. Die Aktie verliert 2,46 Prozent auf 45,83 Dollar.


    Finanzexperte: Dow vor 1000-Punkte Rallye

    Der Leiter des Hedge-Fonds Traxis Partners und ehemaliger Chefstratege von Morgan Stanley, Barton Biggs, hält den aktuellen Ausverkauf an den US-Börsen für absolut übertrieben. In einem Interview mit dem  Börsensender Bloomberg prognostiziert Barton Biggs für den Dow eine Rallye von 1000 Punkten, die seiner Einschätzung zufolge  innerhalb der nächsten beiden Wochen starten könnte. Laut dem Finanzexperten stehen die weltweiten Aktienmärkte kurz vor einer Bodenbildung. Barton Biggs hat bereits letztes Jahr seinen guten Riecher unter Beweis gestellt, als er im März 2007 ebenfalls eine Bodenbildung und eine anschließende Kursrallye von 16 Prozent für die kommenden vier Monate ankündigte.


    US-Kabelspezialist mit Kurssprung

    Der Spezialist für Kabel- und Netzwerklösungen Houston Wire & Cable berichtet für das vierte Quartal einen im Rahmen der Erwartungen liegenden Gewinn von 0,33 Dollar pro Aktie. Der Umsatz steigt gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um 7,6 Prozent auf 89,2 Millionen Dollar, was knapp unter den Erwartungen von Wall Street von 90,0 Millionen Dollar liegt. Die Aktie gewinnt 9,41 Prozent auf 15,80 Dollar.


    US-Transportaktie profitiert von Geschäftsausblick

    Das US-Gütereisenbahnunternehmen CSX Corporation erhöht seine Gewinnprognose für das erste Quartal von 0,63 Dollar auf 0,70 bis 0,73 Dollar pro Aktie. Für das Geschäftsjahr 2008 korrigiert das Management seine Gewinnschätzung von 3,05 Dollar auf 3,36 bis 3,56 Dollar pro Aktie nach oben. Weiter hebt das Unternehmen seine Prognose für das jährliche Gewinnwachstum bis zum Jahr 2010 von ursprünglich 15 bis 17 Prozent auf 18 bis 21 Prozent an. Die Aktie gewinnt 4,77 Prozent auf 51,31 Dollar.


    Bank of America: Gewinnprognose deutlich gekürzt

    Die Investmentabteilung der Citigroup reduziert ihre Gewinnprognose für Bank of America für das Geschäftsjahr 2008 von 3,30 Dollar auf 0,20 Dollar pro Aktie. Für das Geschäftsjahr 2009 senken die Finanzexperten ihre Gewinnschätzung von 4,15 Dollar auf 0,25 Dollar pro Aktie. Das Kursziel wird von 42 Dollar auf 40 Dollar nach unten korrigiert. Für das aktuelle erste Quartal prognostiziert das Analystenhaus für die Bank of America einen Abschreibungsbedarf in Höhe von 2 Milliarden Dollar. Trotzdem geht die Aktie mit einem Plus von 0,75 Prozent auf 35,96 Dollar aus dem Handel.

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