Zahlreiche Meldungen trugen heute dazu bei, die ohnehin schon angeschlagene Stimmung weiter zu vermiesen. Wenig Gnade fanden die heutigen Konjunkturdaten, die noch schlechter ausfielen als befürchtet. Die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen verschlimmerten sich auf 497.000 (Vorwoche: 496.000, Konsenserwartung: 475.000).
Die Auftragseingänge der US-Industrie sanken im August um 4,0%. Der von Bloomberg ermittelte Konsens hatte nur einen Rückgang um 3,0% in Aussicht gestellt. (Juli: plus 0,7%). Schliesst man die volatilen Aufträge für Transportgüter (minus 9,1%) aus, fielen die Aufträge um 3,3%. Die dadurch wieder angeregten Rezessionsängste schickten besonders die konjunktursensiblen Transportwerte in den Süden, trotz merklich billigerem Öl.
Schaden richtete auch Senator Harry Reich (Demokraten) an. Der Politiker behauptete bereits gestern, ein großer Versicherer stünde kurz vor dem Bankrott, ohne allerdings einen Namen zu nennen. Kein Wunder, dass heute bei den Versicherungs-Titeln eine Verkaufspanik entstand, die den Assekuranzpapieren zweistellige prozentuale Verluste einbrachte.
Finanzielles „Pearl Harbor"?
Warren Buffett trug heute ebenfalls zur schlechten Stimmung bei. „Die US-Wirtschaft erlebt jetzt ihr ökonomisches „Pearl Harbor", erklärte heute der Multimilliardär auf einem US-TV-Kanal und spielte damit auf den Angriff Japans auf Hawai an, der dann den Krieg zwischen den USA und Nippon veranlasste (2. Weltkrieg). „Er habe als Erwachsener noch nie erlebt, dass die Menschen sich derart ökonomisch so fürchten wie jetzt“. Daher müsse die Regierung sofort reagieren. Sollte der Rettungsplan für die Banken nicht bald durchgehen, greifen die Probleme der Banken (Wall Street) auf die allgemeine Wirtschaft (Main Street), befürchtet der Investoren-Guru. Ganz will man diesen Pessimismus dem Großinvestor aber nicht abnehmen. Gestern noch zeigte Buffett Optimismus und stieg bei General Electric ein und vergangene Woche bei Goldman Sachs. In beiden Fällen mit mehreren Milliarden Dollar. Vielleicht ist das Ganze nur ein Zweckpessimismus um den Politikern bald die erhofften 700 Milliarden Dollar abzulocken
Ausgerechnet von Alan Greenspan, von dem man in jüngster Zeit eher pessimistische Töne gewohnt ist, gab es heute einen bemerkenswert optimistischen Kommentar. „Wir durchleben zwar eine Finanzkrise, wie sie nur einmal im Jahrhundert vorkommt, die Wirtschaft wird sich aber eher früher als später erholen“, sagte der Ex-Notenbankchef in einer Rede an der Georgetown University in Washington, berichtet Bloomberg. „Die Finanzmärkte sind derzeit eingefroren, weil das Vertrauen in Banken, Fonds und andere Finanzkonzerne verlogen gegangen ist“. Das Vertrauen erhole sich aber wieder und die Investoren kehrten dann wieder zögernd zurück. Das geschehe dann, wenn die wirtschaftliche Erholung einsetzt. „Ich vermute, das geschieht eher früher als später“, erklärte der frühere Geldpolitiker.
Gegenseitiges Misstrauen
Positive Kommentar gingen aber in der heutigen Verkaufspanik unter. Das gegenseitige Misstrauen der Banken trieb den 3--Monats-Geldmarktsatz, also den Zins, zu dem sich die Banken gegenseitig beleihen, auf den höchsten Stand seit Januar. Dadurch stiegen wiederum die Kreditkosten für den Rest der Wirtschaft und bremsen somit die Konjunktur weiter ab.
Verschlimmert wurde das Ganze anscheinend wieder durch Zwangsliquidierungen von Hedgefonds. Immer mehr der gigantischen Finanzkonstruktionen stecken wegen dem Vertrauensverlust in Schwierigkeiten und müssen jetzt verkaufen, um Liquidität zu beschaffen. Der Goldman Sachs Hedge Fund VIP Index, der die von den Hedgefonds favorisierten Aktien erfasst, fiel jedenfalls 6,4% und damit überdurchschnittlich stark.
Der Dow Jones Industrial Average verlor 3,22 Prozent auf 10.482 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 sank 4,03 Prozent auf 1.114 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index rutschte 4,48 Prozent auf 1.976 Punkte.
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