• Was kostet die Welt? Investoren stürzen sich auf Ackerland

    Freitag 16.07.2010, 10:16 Uhr
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    Gegenwärtig leben rund 6,8 Milliarden Menschen auf der Erde. Jede Stunde werden mehr als 15.000 Babys geboren. Jahr für Jahr ergibt sich ein Bevölkerungszuwachs von rund 80 Millionen Erdenbürgern. Das entspricht annähernd der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung nach Schätzungen der Vereinten Nationen um etwa 2,5 Milliarden zulegen. Diese Entwicklung hat drastische Folgen: Das verfügbare Ackerland pro Kopf nimmt mit jeder Sekunde ab, während die Anforderungen an die Lebensmittelproduktion steigen. Schreibt man den Trend fort, entfällt nach 600 Jahre auf jeden Menschen gerade noch einmal ein Quadratmeter fruchtbares Ackerland.

    Selbst wenn es sich dabei um ein Extrembeispiel handelt, ändert das nichts an der fundamentalen Problematik: Der Rohstoff Ackerboden ist zum knappen Gut geworden, um das sich Investoren mittlerweile regelrecht reißen. Vor allem institutionelle Anleger wie Banken und Staatsfonds kaufen seit einigen Jahren rund um den Globus Agrarflächen auf. Aber auch das Interesse der Privatanleger wächst, schließlich bieten Investitionen eine ganze Reihe wesentlicher Vorteile. Grundsätzlich zeichnet sich die Anlageklasse durch hohe Wertstabilität und geringe Korrelation mit anderen Anlageinstrumenten wie Aktien oder Anleihen aus. Diese Annahmen werden beispielsweise von einer Studie der Credit Suisse zur Entwicklung des nordamerikanischen Agrarlandmarktes untermauert. Demnach wiesen die Preise für Ackerland im Zeitraum von 1992 bis 2009 eine Schwankung von 6,2 % auf, während der als Vergleichsindex gewählte S&P 500 mit 16,5 % deutlich stärkere Ausschläge verzeichnete. Das ist umso bezeichnender, als die Performance nicht zwangsläufig unter der niedrigen Volatilität leiden muss: Während es der S&P 500 lediglich auf einen durchschnittliche annualisierte Rendite von 7,7 % brachte, war mit Ackerland eine Rendite von 11,3 % erzielbar.

    Allerdings sollte beachtet werden, dass die Renditekennzahlen maßgeblich von der aktiven Bewirtschaftung abhängen. Etwa zwei Drittel der Einnahmen stammen aus der Vermarktung von Anbauprodukten, nur ein Drittel geht auf das Konto von Landwertsteigerungen. Wird die Agrarfläche lediglich verpachtet, fallen die Erträge niedriger aus. Als groben Richtwert für die Höhe von Pachterträgen lassen sich 2-3 % pro Jahr heranziehen, wodurch sich in vorliegendem Beispiel im schlechtesten Fall eine Rendite von rund 5,8 % pro Jahr ergeben hätte. Angesichts der hohen Wertstabilität handelt es sich dabei noch immer um ein durchaus respektables Ergebnis. Vor allem dann, wenn die geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen in Betracht gezogen wird: Diese liegt laut Studie historisch betrachtet lediglich bei 0,05 bis 0,35. Anlagen in landwirtschaftliche Nutzflächen wären über die letzten beiden Jahrzehnte eine gute Beimischung für die meisten Depots gewesen, schlussfolgert Credit Suisse Analyst Retho Menthgetti.

    Die Tendenz zur Landnahme durch Investoren wird sich in Zukunft wohl noch beschleunigen, vor allem da die Renditebetrachtung nur einen Teil der Gleichung ausmachen. Nicht zuletzt seit der Explosion der Nahrungsmittelpreise im Jahr 2008 stehen für viele Staaten und deren Fonds verstärkt politische und strategische Zielsetzungen im Vordergrund. Die langfristige Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit Nahrungsmitteln stellt viele Volkswirtschaften vor große Herausforderungen. Das gilt sowohl für boomende ostasiatische Schwellenländer wie China, als auch für die ölreichen, aber wasserarmen Staaten des Nahen Ostens. Daneben spielt die Produktion von Biokraftstoffen eine immer größere Rolle. Experten rechnen deshalb einhellig mit weiteren Landkäufen internationaler Investoren. Alleine in den letzen drei Jahren haben internationale Investoren nach Schätzungen des unabhängigen „International Food Policy Research Insitute“ (IFPRI) 15-20 Millionen Hektar Agrarland unter ihre Kontrolle gebracht. Das entspricht selbst im niedrigsten Fall deutlich mehr als der dreifachen Staatsfläche der Schweiz. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um produktiv nutzbares Agrarland, was nur für einen Teil jeglicher Staatsflächen gilt.

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