Was kostet die Welt? Investoren stürzen sich auf Ackerland
Die Kosten für den Großeinkauf erscheinen moderat, selbst wenn die teils sehr geringen Bodenpreise in Afrika und Südamerika in Rechnung gestellt werden. Das IFPRI geht von 20-30 Milliarden US-Dollar aus, die für Kauf oder langfristige Pacht aufgewendet wurden. Das würde im günstigsten Fall gerade einmal 1000 US-Dollar pro Hektar ausmachen. Eine einfache Rechnung veranschaulicht, wie billig die Transaktionen tatsächlich waren: Die gesamte Landfläche der Erde beträgt etwa 14,89 Milliarden Hektar. Würde man für jeden Hektar nur 1.000 Dollar ansetzen, wäre ein Betrag von 14,89 Billionen Dollar fällig. Darin sind unproduktive Standorte wie Steppen, Wüsten, Hochgebirge und Permafrostböden enthalten. Auf dieser Preisbasis hätte das Bruttoinlandsprodukt der EU im Jahr 2009 von mehr als 16 Billionen US-Dollar ausgereicht, um die gesamte Landfläche der Erde unter Kontrolle zu bringen. Auch wenn das Beispiel stark überzogen ist, veranschaulicht es klar warum unter Investoren eine regelrechte Jagd auf fruchtbaren Boden entbrannt ist: Langfristig betrachtet erscheint die Anlageklasse derzeit spottbillig.
Das gilt umso mehr, als der Produktionsfaktor Boden beständig knapper wird, jedoch immer mehr Menschen ernährt werden müssen. Denn um dem Wachstum der Weltbevölkerung Rechnung zu tragen, muss die globale Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent gesteigert werden (OECD – FAO Agricultural Outlook 2009 – 2018). Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fast die Problematik in einem Diskussionspapier zusammen: „Anhaltendes Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, und damit einhergehende fortschreitende Flächenversiegelung sowie Klimawandel, Desertifikation und großflächige Erosion erhöhen den Druck auf Boden und damit verbundene natürliche Ressourcen. Zusätzlich verstärkt sich die Konkurrenz um knappes Agrarland durch steigende Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie nach Biomasse zur stofflichen und energetischen Nutzung vornehmlich im fortdauernden Wachstums- und Entwicklungsprozess der Industrie- und Schwellenländer.“
Sieht man einmal von den häufig auftretenden vielfältigen sozialen und ethischen Problemen von Landinvestitionen in Schwellenländern ab, erscheint ein langfristiges Engagement durchaus vielversprechend. Allerdings bestehen für Privatinvestoren kaum Möglichkeiten, ohne drastischen Aufwand an der Entwicklung zu partizipieren. Auch wenn der überwiegende Teil der Transaktionen von Privatunternehmen getätigt wird, ist das nur sehr bedingt ein Zeichen für tatsächliches privatwirtschaftliches Engagement: Häufig streifen sich Staatsfonds oder ausländische Regierungen ein „privates“ Gewand über, um politische Widerstände besser umgehen zu können. Eine Alternative für Privatinvestoren bieten Investmentfonds und einzelne Aktiengesellschaften, die sich auf den Ankauf und die Nutzung von Agrarflächen spezialisiert haben. Dabei ist zu beachten, dass es zwar viele so genannte „Agrarfonds“ gibt, die wenigsten davon jedoch direkt als Farmer tätig sind. Vielmehr erwerben die meisten lediglich Anteile an börsennotierten Gesellschaften, die direkt oder indirekt im Agrobusiness tätig sind, wie beispielsweise die Titel von Landmaschinen,- Chemie- oder Düngemittelherstellern.
Zu den wenigen Ausnahmen gehören beispielsweise die Fonds der „AGRARinvest“-Familie des Beteiligungshauses Aquila, die schwerpunktmäßig in Farmen in Neuseeland und Südamerika investieren. Auch die australische Investmentbankbank Macquarie offeriert mit dem Macquarie9: Agrar DirektInvest, der in australische Agrarbetriebe, Grund und Boden sowie in die für die Bewirtschaftung erforderlichen Wasserrechte investiert, eine direkte Beteiligung am Agrarsektor. Anleger sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die von den Fondsgesellschaften in Aussicht gestellten beachtlichen Renditen nicht garantiert sind. Sowohl die angesetzten Wertsteigerungskomponenten als auch der angepeilte Cashflow aus der Vermarktung der Erzeugnisse sind Marktschwankungen unterworfen. Darüber hinaus sind teilweise hohe Gebühren und versteckte Kosten zu schultern. Dennoch kann eine Beteiligung zum Zweck der Depotdiversifikation durchaus sinnvoll sein.
Im Bereich der Einzeltitel bietet sich vor allem die schwedische Gesellschaft Black Earth Farming Ltd. (BEF) (ISIN: SE0001882291) als Investment an. Das Unternehmen erwirbt, entwickelt und betreibt Agrarprojekte vornehmlich in der russischen Schwarzerderegion. Schwarzerde ist ein leistungsfähiger und stabiler Boden, und wird deshalb intensiv für den Ackerbau genutzt. Die Bodenfruchtbarkeit beruht auf einem stabilen Gefüge und guter Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit sowie günstigen pH-Werten und einem reichen Bodenleben. Zum Ende des letzten Jahres kontrollierte die Gesellschaft 330.000 Hektar des Bodens, von denen 183.000 Hektar bereits bewirtschaftet werden. Sowohl die bewirtschaftete Fläche als auch das Flächenportfolio sollen zukünftig sukzessive ausgeweitet werden. Für Anleger mit langjährigem Horizont könnte die Aktie eine interessante Möglichkeit sein, sich verhältnismäßig günstig einen Anteil an den knapper werdenden hochwertigen Agrarflächen der Welt zu sichern.
Wer dagegen die Risiken ausländischer Investition scheut, kann bei der Suche nach Agrarbeteiligungen in der EU beispielsweise auf die deutsche KTG Agrar AG (ISIN: DE000A0DN1J4) setzen. Die Gruppe vereint unter dem Dach der KTG Agrar AG mit Sitz in Hamburg mehr als 30 Betriebsgesellschaften. Insgesamt bewirtschaftet das Unternehmen derzeit eine Fläche von mehr als 30.000 Hektar in Deutschland und Litauen. Die Kernkompetenz ist der ökologische und konventionelle Anbau von Marktfrüchten, insbesondere von Getreide, Mais und Raps sowie deren Vermarktung. Ein Teil der Agrarrohstoffe wird zur Strom- und Wärmeproduktion in eigenen Biogasanlagen eingesetzt. Nach eigenen Angaben handelt es sich um einen der führenden Agrarbetriebe Europas, der damit auch von den hohen Subventionen der EU profitiert.
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