1. Der globale Wachstumspfad ähnelt in diesem Aufschwung einer Achterbahnfahrt. Nach einer durchaus kräftigen Wachstumsdynamik in den Wintermonaten schwächen sich nun zum dritten Mal in diesem Aufschwung die globalen Frühindikatoren der OECD wieder ab. Der von der OECD berechnete Frühindikator, der Composite Leading Indicator, ist im April zwar um 0,1 % weiter angestiegen und entsprach damit unse-ren Erwartungen. Allerdings wurde der Vormonat nach unten revidiert, sodass nun zwei Monate in Folge mit unterdurchschnittlicher Dynamik vorliegen. Dies hat sicherlich nichts mit einer akuten Wachstumskrise oder einer Rezession zu tun. Es deutet aber sehr wohl auf eine weniger schwungvolle Wachstumsdynamik in den Sommermonaten hin.

2. In den vergangenen Monaten signalisierten die Frühindikatoren der OECD für die Schwellenländer stets eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik. Fasst man die Frühindikatoren der Schwellenländer zu einem Indikator zusammen, dann stieg dieser Indikator im April um 0,5 % gegenüber dem Vormonat an. Dies ist der erste unterdurchschnittliche monatliche Indikatoranstieg seit Herbst vergangenen Jahres. Der Frühindi-kator der Industrieländer nahm zum dritten Mal in Folge unterdurchschnittlich um 0,1 % zu. Ermittelt man aus allen Länderindikatoren einen Gesamtindikator, dann ist dieser von uns berechnete Frühindikator für die Weltwirtschaft im April um 0,3 % angestiegen.
3. Die globalen Abschwächungstendenzen sind bislang nur wenig ausgeprägt. Dies bestätigt auch der Blick auf unser Quadranten-Schema (siehe Anhang): Für die überwiegende Mehrheit der Länder wer-den nach wie vor steigende Frühindikatoren ermittelt. Den stärksten Anstieg konnte einmal mehr der Frühindi-kator für China verbuchen. Zu den globalen Schlusslichtern gehören unverändert die PIIGS-Länder (Ausnahme: Irland). Fasst man die Frühindikatoren der PIIGS-Länder zusammen, dann ist dieser Indikator zum elften Mal in Folge um 0,2 % gegenüber dem Vormonat gesunken. In den vergangenen Monaten deutete sich hier zumin-dest eine relative Besserung an, weil die Schrumpfungsraten langsam abnahmen. Aufgrund von Abwärtsrevisi-onen ist nun keine relative Verbesserung mehr erkennbar. Zumindest ist bislang die von uns vor einem Monat befürchtete beschleunigte Abwärtsentwicklung in diesem Monat noch ausgeblieben.
4. Die häufige Abfolge von stärkeren und schwächeren globalen Wachstumsphasen ist ein Kennzei-chen dieses Aufschwungs. Sie kommen in so rascher Abfolge, dass mancher sich noch in einer Abschwä-chung wähnt, während die globale Wachstumsdynamik gerade eine Hochphase durchläuft, bevor sie erneut wieder zum Schwächeln neigt. Die nun erkennbar geringere Wachstumsdynamik der Frühindikatoren wäre normalerweise kein bedeutsames Warnsignal. Die anhaltende europäische Schuldenkrise könnte aber in den kommenden Monaten dazu beitragen, dass auch auf globaler Ebene wieder Rezessionsängste verstärkt auftre-ten. Bislang strafte die Weltwirtschaft den Unkenrufern stets Lügen, weil sie trotz mancher ausgedehnter Wachstumsdellen dann doch nicht in eine Rezession abrutschte. Wir gehen davon aus, dass auch dieses Mal der globale Aufschwung halten wird, wenngleich die Konjunkturängste in den kommenden Monaten wohl eher noch zu- als abnehmen werden.
Quelle: DekaBank



