• Zucker: Auf Achterbahnfahrt

    Donnerstag 07.07.2011, 09:00 Uhr
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    Europäischer Zucker war bisher ein einträgliches Geschäft. Bauern und Zuckerraffinerien konnten prima leben. Während der Zuckerkonsum der EU auf 16 Mio. Tonnen geschrumpft war, wurden mehr als 18 Mio. Tonnen subventioniert. Die Unterstützung pro Tonne wurde erhöht, wenn der Weltmarktpreis fiel und umgekehrt gesenkt, wenn er stieg. Wurde einmal über die EU-Quote hinaus produziert, so konnte die Überschussmenge auf das nächste Jahr übertragen werden und fiel dann vorrangig als erste Tranche in die neue Quote. Mit dieser Gewissheit konnte man also gefahrlos drauflos produzieren, um dann im neuen Jahr sogar eine vorrangige Behandlung zu erfahren. Außerdem wurden ehemalige Kolonien und andere besonders förderungswürdige Entwicklungsländer in die Begünstigung mit aufgenommen, so dass wir mit unseren Steuergeldern vielen Rüben- und Zuckerrohrbauern zu sehr auskömmlichem Einkommen verhalfen.

    Wie sich jetzt zeigt, war das eigentlich nicht nötig. Es behinderte zumindest den Einfallsreichtum einer ganzen Industrie. Denn erstens führten Überproduktion und gleichzeitige Subvention zu sinkenden Weltmarktpreisen und damit wieder zu höheren Subventionen. Zweitens scheinen sich die Kapazitäten schon bei Ankündigung einer Änderung sehr schnell anzupassen, und niemand spricht von Ertragsrück gängen. Es werden eben einfach nur Grenzanbieter eliminiert, indem man ihnen die Aufgabe ihrer Quoten versilbert. Drittens steigt die weltweite Nachfrage nach Zucker mit dem kräftigen Wohlstandswachstum der Schwellenländer wieder deutlich an, so dass schon deshalb ein auskömmliches Einkommen der Zuckerrüben bauern gesichert sein sollte.

    Auch das Fehlen der europäischen Überschussmengen führt zu besseren Preisen. Zucker wird aber aus einem ganz anderen Grund noch zusätzlich boomen: Mehr und mehr Rüben und Zuckerrohr werden inzwischen zu Ethanol verarbeitet, das als Benzin - bei mischung bereits in Südamerika reißenden Absatz findet. In Brasilien fahren inzwischen nahezu alle Autos mit Gasohol, einer 50/50 Mischung von Benzin und Ethanol. Auch andere Mischungen, sogar bis zu 100% Ethanol sind möglich. Hierfür werden dort auch die entsprechenden Motoren gebaut, die sich in Europa eben wegen der langjährigen Subventionstradition und der dadurch verursachten Verteuerung des Zuckers einfach nicht lohnten.

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