Frankfurt (BoerseGo.de) - Der Tag hatte am deutschen Aktienmarkt noch gut begonnen. Am frühen Nachmittag tauchte die Stimmung aber wieder unter Null. Verantwortlich dafür war wohl eine Kaltfront aus Schottland. Die Royal Bank of Scotland meldete einen Verlust von 28 Milliarden Pfund Sterling für das Geschäftsjahr 2008. Der größte Verlust der britischen Unternehmensgeschichte. Es ist kaum anzunehmen, dass die Queen darüber „amused“ war. Damit verpuffte der positive Effekt, den heute früh noch ein umfangreiches britisches Paket zur Absicherung der Banken auf der Insel ausgestrahlt hatte. Die Stimmung wurde zusätzlich durch eine schmerzliche Produktionskürzung bei BASF belastet. Die Ludwigshafener berichteten, dass ihr Geschäft im Dezember deutlich eingebrochen sei. Die Nachfrage habe sich auch in der ersten Januarhälfte nicht belebt, hieß es. Weil die Produkte des breit aufgestellten Chemieriesen in zahlreichen Branchen gebraucht werden, gilt er als wichtiges Konjunkturbarometer. Allerdings fehlte heute der Einfluss der Wall Street. Die US-Märkte sind heute wegen des Martin Luther King Gedächtnistags geschlossen. Der Xetra-DAX schloss mit einem Verlust von 1,15 Prozent auf 4.316 Punkten.

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    Ausgerechnet die Pennystocks von Infineon boten heute ein Kontrastprogramm zum abrutschenden Gesamtmarkt. Dort sprang der Börsenkurs um 15,6 Prozent auf 0,82 Euro. Bei dem Halbleiterkonzern kehrt anscheint wieder die Hoffnung zurück, dass es für die angezählte Chip-Tochter Qimonda doch noch eine Rettung gibt.
    Gegen den Abwärtstrend bewegten sich auch die „Gesundheitspapiere“ Merck und Fresenius Medical Care. Krank werden die Leute auch in einer Rezession. Gekauft wurden auch die Aktien der Deutschen Telekom. Der Kommunikations-Versorger gilt auch als relativ konjunkturunabhängig. Wie es der Zufall will, sprach ausgerechnet die Royal Bank of Scotland eine Kaufempfehlung für RWE aus, deren Anteile heute ebenfalls zu den wenigen Gewinnern zählten.

    In Sippenhaft genommen

    Die Bankaktien wurde dagegen für die miesen Zahlen ihrer schottischen Branchenkollegen in Sippenhaft genommen. Am härtesten traf es die Deutsche Postbank. Dort belastet zusätzlich, dass der Aufkäufer Deutsche Bank die Übernahmekonditionen neu aushandelt. Die Deutsche Bank stand ebenfalls unter Druck. Das Finanzhaus stellte seinen Eigenhandel mit Wertpapieren wegen Misserfolgs weitgehend ein. Die Papiere der BASF wurden für den Einbruch der Geschäftsentwicklung abgestraft und verloren 4,55 Prozent auf 22,68 Euro.
    Im MDAX konnte sich Wincor Nixdorf deutlich vom Negativtrend absetzen. Der Hersteller von Geldautomaten, Rücknahmeanlagen für Pfandflaschen und anderen Technologien übertraf im Rahmen seiner heute präsentierten Quartalszahlen die Erwartungen. Gefragt waren auch die Papiere von Fresenius. Dort bekräftigte Merrill Lynch die Kaufempfehlung.
    Zu den wenigen Lichtblicken des TecDAX zählte MorphoSys. Der Biotechkonzern will seine Pipeline von Wirkstoffen schneller ausbauen.