Wochenende, 31. März / 1. April:

Die Deutsche Bundesbank akzeptiert Bankanleihen von den finanzschwachen Euroländern Griechenland, Portugal und Irland nicht mehr als Sicherheit.

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Der spanische Ökonom Juan Ramón Rallo spricht sich für ein radikales Sparprogramm aus. "Es geht nicht darum, jeden Prozentpunkt Wachstum auf Teufel komm raus herauszuholen, sondern darum, Spanien vor der Insolvenz zu retten", sagte er im Interview mit der "WirtschaftsWoche".

Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Walter Wittmann droht uns ein verheerender Finanz-Tsunami. Eine kurz- bis mittelfristige Lösung der Schuldenkrise sei nicht mehr möglich, sagte er im DAF-Interview. "Der Zeitpunkt wurde verpasst".

Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel muss Griechenland noch drastische Maßnahmen zum Abbau seines Schuldenberges ergreifen. Allerdings habe das Land die Chance, seine Krise zu bewältigen.

Neben der Aufstockung des Rettungsschirms auf 800 Milliarden Euro haben die Euro-Staaten beschlossen, weitere 150 Milliarden Euro in den IWF einzuzahlen. Auf Deutschland entfallen etwa 40,5 Milliarden Euro.

EZB-Ratsmitglied Marko Kranjec ist sich nicht sicher, ob die Krise vorbei ist. "Ich persönlich sehe noch kein Licht am Ende des Tunnels", sagte er im Interview mit der Tageszeitung "Delo".

Bundeskanzlerin Merkel ist zuversichtlich, dass Spanien sein Haushaltsdefizit wie mit der EU vereinbart einhalten wird. "Ich bin optimistisch, dass alle ihre Verpflichtungen erfüllen", sagte sie der tschechischen Zeitung "Lidové Noviny".

Die Grünen fordern eine Abgabe auf private Nettovermögen von über 1 Million Euro zur Finanzierung der Milliardenkosten der Griechenland-Umschuldung, wie der finanzpolitische Sprecher Gerhard Schick im Reuters-Interview sagte. Die Vermögensabgabe mit einem Satz von 1,5 Prozent soll 10 Milliarden Euro pro Jahr bringen.

Der deutsche Steuerzahler haftet durch die Aufstockung des Rettungsschirms mittlerweile mit rund 400 Milliarden Euro - Anleihekäufe der EZB und Target-Salden noch nicht mit einberechnet. Ursprünglich wurde versprochen, der deutsche Steuerzahler hafte maximal mit 211 Milliarden Euro.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Haushaltsdisziplin in der EU in Zukunft durch Expertengremien kontrollieren lassen.

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erwartet kein baldiges Ende der Eurokrise. "Man muss befürchten, dass die Leistungsbilanzdefizite noch längere Zeit erhalten bleiben und sich die Schuldenkrise der Südländer erneut verschärft", schreibt er in einem Gastbeitrag für die "WirtschaftsWoche".

Montag, 2. April:

Einige Großbanken wollen offenbar möglichst früh mit der Rückzahlung der Milliarden aus den beiden EZB-Tendern beginnen. Unicredit, BNP Paribas, Societe Generale und La Caixa bereiten sich laut "Financial Times" darauf vor, bereits nach Ablauf der zwölf Monate langen Sperrfrist ein Drittel der geliehenen Summe zurückzuerstatten.

Nach einem Bericht von Focus Online erwartet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in diesem Jahr in den öffentlichen Haushalten eine Defizitquote von 0,9 Prozent des BIP.

Beteiligung an griechischem Anleihetausch offiziellen Angaben zufolge inzwischen bei 97 Prozent.

Die spanische Regierung erwartet 2012 eine Staatsverschuldung gemessen am BIP von 79,8 Prozent.

Dienstag, 3. April:

DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann spricht sich gegen einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone aus. "Ein Austritt [...] könnte in eine Abwärtsspirale mit unkalkulierbaren Risiken für die ganze Euro-Zone münden", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Nomura-Volkswirt Jens Søndergaard sieht die Gefahr, "dass wir auch in Portugal einen Schuldenschnitt sehen werden", was zu Panik an den Märkten führen dürfte. Die Schuldenlast nehme dramatisch schnell zu, sagte er im Interview mit der "Welt". Er appelliert deshalb an die Finanzminister der Euro-Zone, das Land weiter zu unterstützen.

Nach einer Umfrage unter rund 850 institutionellen Investoren werden die europäischen Banken auch in den kommenden Jahren noch auf die großzügige Bereitstellung von Krediten der EZB angewiesen sein (Handelsblatt).

Nach Einschätzung der Troika wird die Wirtschaft in Portugal im laufenden Jahr stärker schrumpfen als geplant. Die Kontrolleure von EU, EZB und IWF bescheinigen dem Land jedoch spürbare Fortschritte bei den Reformen.

Nach Einschätzung des Beratergremiums Conseil Superieur des Finances muss Belgien bis 2015 zusätzliche 11,3 Milliarden Euro einsparen, wie die Zeitung "L'Echo" berichtet.

Die Experten der Citigroup rechnen weiterhin nicht mit einer Umstrukturierung der spanischen Schulden. Sie schließen jedoch nicht aus, dass das Land Hilfen von EU, EZB und IWF in Anspruch nehmen könnte.

Troika-Report: In Portugal könnten tiefgreifendere Arbeitsmarktreformen nötig werden +++ Portugiesische Banken werden sich anstrengen müssen, um den Rekapitalisierungsbedarf in 2012 decken zu können +++ Staatsverschuldung wird 2013 bei 115 Prozent des BIP erwartet.

Das italienische Industrieministerium schließt weitere Haushaltskürzungen aus +++ Sparmaßnahmen alleine generieren kein Wachstum.

Nach Einschätzung des Haushaltsberatungsausschusses muss Irland zusätzliche Maßnahmen im Volumen von 400 Millionen Euro ergreifen, um im laufenden Jahr das vereinbarte Haushaltsziel zu erreichen.

Bill Gross, Mitgründer des größten Anleihehändlers Pimco: In Portugal wird ebenfalls ein Haircut notwendig werden.

Sparprogramm der spanischen Regierung: Die Sozialausgaben werden um 4,3 Prozent gesenkt, die Ausgaben für Infrastruktur-Projekte und für Forschung um über 20 Prozent. Die Neuverschuldung soll in diesem Jahr auf 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduziert werden.

IWF-Präsidentin Lagarde: Sollte die europäische Wirtschaft erneut ins Wanken geraten, besteht auch für die USA eine erhöhte Gefahr +++ Die Mittel des IWF sollten aufgestockt werden.

Fitch sieht die Situation in Griechenland trotz Schuldenschnitt weiterhin kritisch. Die Ratingagentur erwartet einen Anstieg der Verschuldung auf 170 Prozent des BIP bis Ende 2013, bevor es ab 2014 zu einer Reduktion kommen soll.

Mittwoch, 4. April:

Die Zinsen für die Staatsschulden belasten den spanischen Haushalt im Jahr 2012 voraussichtlich mit 29 Milliarden Euro. Das sind 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr und 16,4 Prozent des gesamten Haushalts. Zum Vergleich dazu sind für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst knapp 27,5 Milliarden Euro und für Arbeitslose 28 Milliarden Euro vorgesehen.

Nach Ansicht von US-Ökonom Nouriel Roubini müssen die hochverschuldeten Peripheriestaaten wie Portugal, Irland, Italien, Griechenland oder Spanien ihren Bankrott erklären und den Euro aufgeben. "Die Länder der Eurozone stecken in einer nicht funktionierenden Ehe und es ist Zeit für eine Scheidung", schreibt er in einem Gastbeitrag in der "Financial Times".

Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker geht davon aus, dass der Euro die aktuelle Krise überstehen wird. "Der Euro wird mich überdauern, denn ich werde nicht ewig leben. Der Euro wird genau das machen", sagte er nach einem Bericht des österreichischen Rundfunks ORF.

Bund und Länder können dieses und nächstes Jahr auf deutlich höhere Steuereinnahmen hoffen als bei der letzten Schätzung erwartet. Berechnungen des DIW Berlin für das "Handelsblatt" zeigen, dass der Staat dieses Jahr 596,7 Milliarden Euro und im kommenden Jahr 622,1 Milliarden Euro einnehmen dürfte. Das wären 4,7 Milliarden Euro bzw. fast 9 Milliarden Euro mehr als bisher angenommen.

Nach den Worten des griechischen Finanzministers Venizelos ist kein drittes Hilfspaket notwendig, wenn die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden.

Japan hat erneut EFSF-Papiere gekauft. Bei der Auktion am Dienstag hat sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt einen Anteil von 4,5 Prozent der Papiere im Volumen von 90 Millionen Euro gesichert. Japan besitzt nun 12 Prozent aller bisher begebenen EFSF-Papiere.

Italien: Haushaltsdefizit 2011 beträgt 3,8 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Spanien platziert Anleihen im Gesamtvolumen von 2,59 Milliarden Euro und muss dafür einen wieder deutlich höheren Zins zahlen. Zudem wurde das Platzierungsziel von 3,5 Milliarden Euro verfehlt. Rendite für 10-jährige spanische Staatsanleihen steigt nach der Auktion auf 5,509 Prozent.

EU-Währungskommissar Olli Rehn schließt weitere Hilfen für Portugal nicht aus. Die EU sollte bereit sein, irgendwann in der Zukunft mehr Hilfen für das Land zur Verfügung zu stellen, sagte er laut Reuters dem finnischen Sender MTV3. "Von EU-Seite wäre es klug, auf eine Art von Brücke für Portugal vorbereitet zu sein, wenn das Land an die Finanzmärkte zurückkehrt".

Regierungssprecher: Einstellung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Eurobonds hat sich nicht geändert.

Kreise: Die Österreichische Nationalbank akzeptiert keine staatlich garantierten Bankanleihen aus Griechenland, Irland und Portugal mehr als Sicherheiten.

Portugal: Nach Überprüfung der Wirtschaftsdaten hat der IWF die nächste Kredittranche in Höhe von 5,17 Milliarden Euro freigegeben.

Donnerstag, 5. April:

Griechenland verlängert Umtauschfrist für die nach internationalem Recht begebenen Staatsanleihen im Volumen von 20 Milliarden Euro erneut. Sie läuft jetzt bis zum 20. April.

Die Deutsche Bank beurteilt die Entwicklung der Weltwirtschaft optimistischer als Ende vergangenen Jahres. Aufgrund der eingeleiteten Maßnahmen sei die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass die Krise im Euroraum in einer Katastrophe ende.

Fünf Banken drohen offenbar an den verschärften Kapitalanforderungen der EU-Branchenaufsicht EBA zu scheitern. Es gebe einige Institute die Probleme haben, einen nachvollziehbaren Kapitalisierungsplan vorzulegen, sagte eine mit den Beratungen der EBA vertraute Person zur FTD.

Die Chefvolkswirte von Deutscher Bank, DekaBank und Commerzbank sind überzeugt, dass die Geldflut an den Märkten zu steigenden Verbraucherpreisen führen wird, wie sie im Gespräch mit dem "Handelsblatt" erklärten.

Renditeaufschlag von 10-jährigen spanischen Staatsanleihen gegenüber Bundespapieren steigt um 10 auf 400 Basispunkte und damit auf den höchsten Stand seit November 2011. Spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren rentieren mit 5,77 Prozent, das sind 12 Basispunkte mehr als am Vortag.

IWF: Die Hauptgefahr für die angestrebte Neuverschuldung Portugals stellt die Rezession dar +++ Verschuldungsziele aber immer noch erreichbar +++ Eine Rückkehr Portugals an den Kapitalmarkt könnte bereits 2013 möglich sein.

Spanien: Laut dem Wirtschaftsminister können die Zinsaufschläge für das Land nicht über einen längeren Zeitraum bewältigt werden +++ Eine Szenario für eine zwangsweise Rettung Spaniens durch die EU liege nicht auf dem Tisch.

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