Frankfurt (BoerseGo.de) – In den USA haben einige Anbieter ihr Angebot an Leveraged ETFs vom Markt genommen. In Deutschland wird das Angebot dagegen aufgestockt. In Deutschland gibt es seit Dienstag acht ETFs mit einem Hebel: ETF Securities hat gleich vier Hebel-ETFs an die Börse gebracht und damit das Angebot an diesen Strategieprodukten verdoppelt. Leveraged ETFs sind Produkte, die einen Index nachbilden und mit einem Hebel ausgestattet sind. Ein Hebel verstärkt den Kursverlauf des Basiswerts: Liegt der Hebel zum Beispiel bei einem DAX-ETF bei zwei und steigt der DAX zum Beispiel um zehn Punkte, steigt Leveraged ETF doppelt so hoch wie der Leitindex. Fällt der DAX, verdoppelt sich entsprechend der Kursabstieg und damit auch der Verlust für den Anleger.

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    Der neue ETFS DAX 2X Short (WKN: A0X9AA) von ETF Securities profitiert in doppelter Höhe von fallenden DAX-Kursen. Klettert der DAX, steigt der ETFS DAX 2X Long (WKN: A0X899) zwei Mal so schnell. Auch der Dow Jones Euro STOXX 50 hat ein neues ETF-Paar für beide Kursrichtungen mit doppelter Wirkung – den ETFS DJ Euro STOXX 50 Double Short (WKN: A0X9AC) und den ETFS DJ Euro STOXX 50 Double Leverage (WKN: A0X9AB). Für die Short-Hebel ETFs fallen bei ETF Securities Managementgebühren in Höhe von 0,60 Prozent an, für die andere Richtung werden pro Jahr 0,40 Prozent fällig. Bisher gab es in Deutschland nur auf den DAX sowie den steigenden und fallenden Dow Jones Euro STOXX 50 Hebel-ETFs.
    Hebel-ETFs haben in den USA einen schweren Stand

    Tim Harvey Europa-Vertriebschef von ETF Securities führt als Grund für die vier Neuemissionen das Wachstum der gehebelten Index-Fonds in Nordamerika ins Feld. In den USA hätten diese 40 Milliarden an neuem Geld erwirtschaftet. Allerdings hat in den USA Broker-Aufsicht FINRA (Financial Industry Regulatory Authority) erst im Juli vor den Strategie-ETFs mit einem Hebel gewarnt und damit dem Wachstum ein Ende gemacht. Short- und gehebelte ETFs, die täglich zurück gesetzt würden, seien vor allem in volatilen Märkten nicht für ein längeres Investment von Privat-Anlegern geeignet. Erst später schwächte die Behörde ihre Warnung ab und räumte ein, dass diese Produkte für kurzfristig orientierte Anlagen sehr wohl für den routinierten Investor ihren Zweck erfüllten. Dennoch, die ursprüngliche FINRA-Warnung zeigte Folgen, die auch beziffert werden können. Short- und Hebel-ETFs verloren im Juli 1,9 Milliarden Dollar an Vermögen, wie aus dem SPDR ETF Snapshot für Juli hervorgeht. Damit sei diese ETF-Sparte die einzige von insgesamt zwölf Kategorien, die verlor. Wie Trim Tab Investment Research bekannt gab, lagen die Nettoabflüsse von gehebelten ETFs allein bei 1,56 Milliarden Dollar. Im Juni hätten sie noch ein dickes Plus in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar verbucht. Zwei Anbieter zogen nach den Vermögensverlusten sofort ihre Konsequenzen: Erst stoppte UBS den Verkauf von gehebelten Indexfonds in den USA. Dann zog sich Morgan Stanley dort aus dieser Produktsparte zurück.

    Warum nur bringt ETF Securities nur einen Monat nach den Einbrüchen in den USA gleich vier neue ETFs mit Hebel in Deutschland plus zwei neue in Rest-Europa auf den Markt? Die Antwort von Harvey: In den USA gebe es keinen starken Derivatemarkt. In Deutschland dagegen sehr wohl. Hebelprodukte sind hier zu Lande schon seit Jahren etabliert. Wie die Umsatzliste von Scoach täglich zeigt werden in Deutschland Knock-Out-Produkte mit zweistelligen Hebeln regelmäßig stark gehandelt. Die neuen Hebel-Indexfonds von ETF Securities haben, wie alle anderen Leveraged ETFs in Deutschland, einen Hebel von zwei, was moderat ist. Ein Blick auf die Umsatz- und Gewinnliste der Börse Stuttgart zeigt, dass gehebelte ETFs in Deutschland ihren Markt haben. An zweiter Stelle der umsatzstärksten ETFs lag am Dienstag der Lyxor ETF LevDAX (WKN: LYX0AD) mit einer Managementgebühr von 0,40 Prozent. Auf Platz neun der Gewinnerliste war der SGAM ETF Lev. DJ Euro STOXX 50 (WKN: A0LBBA), der um 2,36 Prozent zulegen konnte. Dieses Produkt hat eine jährliche Managementgebühr in Höhe von 0,60 Prozent. Deutschland ist eben nicht Nordamerika – und die von der FINRA angestoßene Diskussion wurde von den deutschen Regulierungsbehörden zudem nicht aufgegriffen.