London/ New York (BoerseGo.de) - Europäische Banken werden auch in drei Jahren noch auf die Bereitstellung von Krediten der Europäischen Zentralbank (EZB) zwingend angewiesen sein. Dies ist laut "Handelsblatt“ (HB) ein zentrales Ergebnis einer Umfrage unter rund 850 institutionellen Investoren auf einer Konferenz der US-Bank Morgan Stanley.

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Für 62 Prozent der Experten sind demnach im Sommer 2015 - nach dem Auslaufen des jüngsten Dreijahreskredits der EZB - neue Finanzierungshilfen seitens der Notenbank im Umfang zwischen 500 Milliarden und 1,5 Billionen notwendig. Dieses Resultat speist sich aus der Annahme, dass Griechenland in drei Jahren nicht mehr der Euro-Zone angehört und Portugal in diesem Zeitraum einen Schuldenschnitt bekommt.

Der am Montag veröffentlichte Pressebericht, demzufolge eine Reihe von Großbanken die EZB-Mittel bereits in den kommenden zwölf Monaten zumindest teilweise wieder zurückzahlen wolle, wurde laut HB in Finanzkreisen mit Vorbehalten aufgenommen. Nach Informationen der "Financial Times" bereiten sich unter anderem die italienische Unicredit, die französischen Institute BNP Paribas und Société Générale sowie La Caixa aus Spanien darauf vor, die ursprünglich auf drei Jahre angelegten EZB-Darlehen bereits vor Fälligkeit innerhalb der kommenden zwölf Monate zumindest teilweise zu tilgen. Das Blatt berief sich auf Aussagen eines Bankmanagers. In Finanzkreisen hieß es, man sei eher skeptisch, ob man bereits jetzt Aussagen zur frühzeitigen Rückzahlung treffen könne, schreibt nun das "Handelsblatt". "Es ist schon komisch, dass die Banken das jetzt entschieden haben sollen, es ist ja noch eine Weile hin bis zum ersten möglichen Rückzahlungstermin", zitierte die Zeitung Jens Kramer, Volkswirt bei der NordLB.

Die EZB hatte Mitte Dezember und Ende Februar eine Billion Euro in den Bankensektor geschleust, um den Interbankenmarkt zu unterstützen und eine Kreditklemme zu vermeiden. Die beiden Tender sind jeweils auf drei Jahre ausgelegt, die Verzinsung richtet sich nach dem jeweils aktuellen Leitzins, aktuell 1,00 Prozent.