New York (BoerseGo.de) - Die Wall Street profitierte heute gleich von 3 positiven Überraschungen, die über einen Ausrutscher hinweg trösteten. Das regte zu einer Fortsetzung des seit Tagen anhaltenden Zwischenspurts an. Aber alles der Reihe nach:

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    Rückkehr der Verbraucher

    Die US-Einzelhändler lieferten heute die Überraschung des Tages. Schneestürme hin oder her, die amerikanischen Ladenketten& Kaufhäuser fuhren im Februar den stärksten Umsatzanstieg seit mindestens November 2007 ein, also einen Monat bevor die jüngste Rezession begann.
    Insgesamt steigerten die Shop-Betreiber, einschließlich Luxusanbieter wie Nordstrom, Mittelklasse-Kaufhausbetreiber wie Macy's und Discounter wie Target, die Umsätze (in Läden, die länger als 1 Jahr geöffnet sind, also ohne Neueröffnungen & Zukäufe) um 3,7% gegenüber Vorjahr, berichtete die Verbandsorganisation International Council of Shopping Centers (ICSC). Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt ein von Thomson Reuters ermittelter Einzelhandels-Umsatzindex, der im Februar um 4% kletterte. Das sei der größte Anstieg seit Februar 2005, berichtete Reuters. Dreiviertel der dort erfassten Einzelhändler schlugen heute die Erwartungen. „Ich bin überrascht über die Breite der starken Entwicklung“, kommentierte Mike Niemira, Chief Economist bei ICSC und bezog sich dabei auf die Stärke der Luxushändler, die mit den Discountern Schritt halten konnten. Damit wurde die Befürchtung widerlegt, dass der Konsum, das Herz der Wirtschaft, wegen der Arbeitslosigkeit nicht in die Gänge kommt.

    Ermutigend wirkten auch die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen, die um rund 30.000 auf 469.000 zurück ging, trotz neuer Blizzards an der US-Ostküste. Die heutigen Daten bestätigen den seit vergangenem Sommer anhaltenden Abwärtstrend bei den Arbeitslosenmeldungen, kommentierte der Infodienst Bespoke. Beim morgigen Arbeitsmarktreport vom Februar steht die Erholungsthese allerdings wieder auf dem Prüfstand. Erwartet werden laut Bloomberg 65.000 gestrichene Jobs - wegen des verlängerten Winters - und ein Anstieg der Arbeitslosenrate von 9,7 auf 9,8.

    Motor der Gewinnsteigerungen

    Eine positive Überraschung gab es auch bei der Revision der Produktivität in Q4. Diese Zahl wurde von plus 6,2% auf plus 6,9% korrigiert. Das ist der größte Anstieg seit 2002 und bedeutet, dass die Effizienz - und damit die Profitabilität- der Unternehmen kräftig wächst. Also eine Voraussetzung für kräftig steigende Unternehmens-Gewinne & inflationsfreies Wirtschaftswachstum. Der Anstieg der Produktivität spiegelte sich daher in einem starken Rückgang der Lohnstückkosten wider. Diese Größe wurde von minus 4,4% auf minus 5,9% revidiert.

    Die im Laufe des Börsenhandel gemeldete Auftragseingänge der Industrie fielen im Rahmen der Erwartungen aus (plus 1,7%).Der Ausrutscher des Tages war die Zahl der noch nicht abgeschlossenen („schwebenden“) Eigenheimverkäufe. Dieser Wert fiel - wegen des anhaltenden Winters - im Januar um 7,6%. Da der Winter aber über kurz oder lang zu Ende geht, störte der Ausrutscher wenig.

    Der Russell 2000, der kleinere und riskantere Unternehmen erfasst, stieg 0,49%. Dort belebten anscheinend die zahlreichen Ladenketten. Der konjunktursensible Transportindex gewann 0,29%. Die - als defensiv geltenden - Versorger legten 0,17% zu.
    Der Bankenindex avancierte 0,15%.
    Der Chip-Index verbesserte sich 0,05%.

    Der Ölsektor verbilligte 0,57%. Die Eigenheimbauer litten unter den fallenden „schwebenden“ Eigenheimverkäufen und büßten 0,54% ein.

    Dow wieder im grünen Bereich für 2010
    Der Dow Jones Industrial Average plus 0,46 Prozent auf 10.444 Punkte. Damit bügelte das Blue Chip Barometer wieder die Verluste seit Jahresanfang aus und kehrte für 2010 in den grünen Bereich zurück. Die beiden anderen großen Barometer schreiben bereits seit Montag wieder grün.
    Der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 plus 0,37 Prozent auf 1.122 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index plus 0,51 Prozent auf 2.292 Punkte.

    Dow Jones Average: Auf den Spuren des „White Rabbits“?
    Tops:

    Der Top des Dow war Walt Disney mit plus 2,9 Prozent auf 32,57 Dollar.BofA/Merrill Lynch beförderte den Konsum-Titel von Neutral auf Buy und schraubte das Kursziel von $33 auf $42. Dort setzt man auf den Erfolg der konzerneigenen Hollywood-Studios. Gute Geschäfte erwartet die Investmenttochter der Bank of America von den erhofften Blockbustern „Alice In Wonderland“ und „Toy Story 3“.

    Boeing plus 1,7 Prozent auf 65,55 Dollar. Die UBS beförderte den Airbus-Rivalen von Sell auf Neutral. Die Schweizer scheinen sich allmählich mit dem KGV des Flugzeugbauers anzufreunden.

    American Express plus 1,6 Prozent auf 38,89 Dollar. Der Kreditkartenanbieter schien von den guten einzelhandels-Zahlen zu profitieren. Immerhin bezahlen viele Amerikaner ihre Einkäufe mit Karte.

    Coca-Cola plus 1,0 Prozent auf 54,47 Dollar. Der Getränkekonzern wird von der UBS angeregt. Der Schweizer hievten das Konsumpapier von Neutral auf Buy. Die Bank lobte das solide globale Umsatzwachstum, das sich im mittleren einstelligen prozentualen Bereich (also bei rund 5%) bewegt.

    Flops:

    Der Flop war nachrichtenlos McDonald`s mit minus 0,3 Prozent auf 63,43 Dollar.

    S&P 500: Renaissance der Ladenketten

    Tops:

    Die Einzelhändler waren heute stark gefragt, dank der starken Februar-Umsätze:

    Abercrombie & Fitch plus 14,6 Prozent auf 41,52 Dollar. Der Fashionhändler für Teenies zählt zur Mehrheit der US-Einzelhändler, die heute wesentlich bessere Februar-Umsätze meldete als erwartet. Der Teenie-Ausstatter steigerte seinen Umsatz (in Läden, die länger als 1 Jahr eröffnet sind) um 5%, erwartet wurde dagegen ein Rückgag um 7,1%.

    Aeropostale plus 6,5 Prozent auf 37,51 Dollar. Der via Postversand arbeitende Bekleidungshändler steigerte seinen Februar-Umsatz um 7,0%, mehr als erwartet. Außerdem gibt es ein Aktiensplit in Relation 3-für-2 , wirksam am 5. März.

    Zumiez plus 10 Prozent auf 17,62 Dollar. Die Ladenkette für Outdoor-Bekleidung und coole Sachen wie Skateboards, Snowboards, Sonnenbrillen und vieles mehr, meldete bereits gestern Abend für den Februar einen Umsatzanstieg um 11,2%, weit mehr als erwartet. Die Analysten, die wie üblich reagieren statt agieren, passten ihre Urteile wieder mal den gelieferten Daten an, wie bereits schon im Januar als der Einzelhändler ebenfalls überraschende Umsatzzuwächse aus dem Ärmel schüttelte. Der Broker Piper Jaffray beförderte heute den Konsum-Titel von Neutral auf Overweight. Caris & Company bekräftigte das Urteil Above Average (angehoben im Januar) und hob sein Kursziel von $17 auf $19.

    Urban Outfitters plus 2,8 Prozent auf 34,34 Dollar. Der Fashionhändler verkündete heute bessere Quartalszahlen (bis ende Januar) plus Februar-Umsätze als erwartet. Der Broker Brean Murray reagierte sofort und lupfte sein Kursziel von $40 auf $45.

    Family Dollar Stores plus 8,1 Prozent auf Dollar. Die Discount-Kette hob ihren Gewinnausblick für das laufende Quartal an

    Foot Locker plus 5,2 Prozent auf 13,68 Dollar. Der Sportschuh-Verkäufer verkündete ein Aktienrückkaufsprogramm

    Der Wal-Mart Rivale Target plus 2,4 Prozent auf 52,94 Dollar

    Del Monte Foods plus 7,8 Prozent auf 13,46 Dollar. Der Dosenobst-Anbieter meldete einen geringeren Gewinnrückgang als befürchtet und verbesserte seinen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr.

    Royal Caribbean plus 1,8 Prozent auf 28,94 Dollar. Goldman Sachs beförderte den Kreuzschifffahrt-Anbieter von Sell auf Neutral. Gründe dafür waren nicht zu erfahren. Anscheinend sieht die Bank das Tourismusgeschäft nicht mehr gar so pessimistisch angesichts der weltweiten Aufschwungs.

    AK Steel plus 6,8 Prozent auf 24,37 Dollar. Am Markt kursiert das Gerücht, der brasilianische Stahlproduzent Companhia Siderurgica Nacional (CSN) zeige ein Kaufinteresse an seinem nordamerikanischen Branchenkollegen.

    Nasdaq: Rückkehr der Spiele?

    Apple plus 0,7 Prozent auf 210,71 Dollar. Dort kursieren Gerüchte & Spekulationen zum iPad, dessen Verkaufsstart im März geplant ist. ThinkEquity-Analyst Vijay Rakesh berichtete, er höre, dass es bei der Produktion des neuen Geräts in Asien angeblich einige kleinere Verzögerungen gibt. Ähnliches verkündete bereits gestern Canaccord Adams-Analyst Peter Misek. Beide Analysten erklären, dass das Produktionsvolumen bei den iPad-Komponenten im März bislang niedrig sei, obwohl die Fertigung im Februar anlaufen sollte. Der Infodienst DigiTimes hatte allerdings gestern verkündet, es gäbe keine Produktionsverzögerungen beim iPad.

    Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, minus 1,2 Prozent auf 69,98 Dollar.
    Palm minus 4,9 Prozent auf 5,96 Dollar.

    Die Chip-Gruppe hinkte etwas nach, anscheinend Gewinnmitnahmen nach der Zwischen-Rally

    Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, plus 0,05 Prozent auf 364 Punkte.

    OmniVision Technologies plus 9,3 Prozent auf 15,53 Dollar. Das Unternehmen, das Image-Sensoren für Kamera-Handys herstellt, wurde beim Broker Robert W. Baird & Co. von neutral auf outperform befördert.

    Microsoft plus 0,6 Prozent auf 28,63 Dollar.

    Take-Two Interactive plus 11 Prozent auf 10,02 Dollar. Nicht nur die Q4-Zahlen, sondern auch der Ausblick des Video-Spiele-Anbieters überzeugten.

    Internet: Kontinuierlich wachsende Marktanteile
    Der E-Commerce wurde von den guten Einzelhandelsumsätzen angeregt:
    Das Online-Kaufhaus Amazon.com plus 2,1 Prozent auf 128,53 Dollar. Bereits am Montag hatte Piper Jaffray-Analyst Gene Munster der Aktie neuen Schwung verliehen. Munster erklärte der Markt solle sich nicht so sehr auf die -E-Book-Perspektiven (Kindle) fixieren, sondern auf die Aussichten des E-Commerce. Wie viele andere Analysten rechnet Munster mit kontinuierlich wachsenden Marktanteilen des Online-Handels.

    Der Rivale Ebay plus 1,2 Prozent auf 23,79 Dollar.

    Die Online-Videothek Netflix plus 0,7 Prozent auf 68,01 Dollar.

    Google plus 1,7 Prozent auf 554,59 Dollar. die Aktie zeigt seit Tagen relative Stärke ohne dass es dafür Nachrichten gibt.
    Yahoo plus 1,5 Prozent auf 15,81 Dollar.
    Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, plus 1,3 Prozent auf 523,78 Dollar.

    AOL (an der New York Stock Exchange notiert) plus 3,6 Prozent auf 25,40 Dollar. Möglicherweise Übernahmegerüchte

    Rohstoffe: Gegen den Greenback

    Öl: Dollar dämpft die Begeisterung

    New York (BoerseGo.de) - Das kämpft weiter mit der psychologisch bedeutenden Marke $80. Außerdem dämpfte heute der starke Dollar die Begeisterung. Der April-Kontrakt für Crude bröckelte an der New York Mercantile Exchange um 66 Cents und schloss auf 80,21 Dollar.

    Gold: Reaktion auf Dollarstärke

    Das Gold litt heute unter der Stärke des Dollars, der von guten US-Jobdaten und Einzelhandelsumsätzen profitierte. Der Gold-Kontrakt für April fiel heute an der New York Mercantile Exchange um 9,60 Dollar und schloss auf 1.133,70 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 1.131,75 Dollar.