Frankfurt (BoerseGo.de) - Der Skandal um manipulierte Zinssätze wird sich laut einem Pressebericht bereits im Halbjahresbericht der Deutschen Bank niederschlagen. Wie das "Handelsblatt" am Montag berichtet, ringen Vorstand und Aufsichtsrat nur noch um die Höhe der Rückstellungen. Es soll sich dabei um einen Betrag zwischen 300 Millionen und einer Milliarde US-Dollar drehen. Die Zeitung beruft sich auf Finanzkreise. Die Deutsche Bank will ihre Bilanz zu den ersten sechs Monaten 2012 am 31. Juli publizieren.

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Großbanken, darunter auch die Deutsch Bank, sollen versucht haben, Referenz-Zinssätze wie den Libor und den Euribor zu manipulieren. Die Sätze werden anhand von Meldungen der Banken erstellt und zeigen an, zu welchem Preis sich die Finanzinstitute in London beziehungsweise in der Euro-Zone untereinander Geld leihen können. Sie dienen insofern als wichtige Basis für Kredite an Unternehmen sowie für viele andere Finanzprodukte. Schätzungen zufolge hängen allein von dem in London ermittelten Libor insgesamt Produkte im Wert von 360 Billionen Dollar ab. Analysten von Morgan Stanley hatten errechnet, dass der Deutschen Bank Strafen über insgesamt 1,04 Milliarden Dollar drohen. Die Summe würde das Ergebnis der Bank 2013 und 2014 jeweils um fünf Prozent belasten.

Außerdem könnte auf den Deutschen Branchenprimus Schadensersatzforderungen von privaten Klägern in Milliardenhöhe zukommen. So hat sich die Frankfurter Privatbank Metzler bereits einer Sammelklage in den USA angeschlossen. Ein denkbar schlechter Start für das neue Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Zwar gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass die Konzernspitze in die Manipulationsversuche verwickelt war. Demnach wusste auch der Ex-Investmentbankchef Jain nichts vom Fehlverhalten seiner Mitarbeiter. Dennoch erhöht sich der Druck auf die Spitze. Die Deutsche Bank hatte sich wegen der Manipulationsversuche bereits im vergangenen Jahr von zwei Händlern getrennt.