Um Blasen an den Finanzmärkten zu bekämpfen, müssten die Notenbanken eigentlich die Zinsen erhöhen. EZB-Präsident Mario Draghi hat vor einigen Wochen jedoch klargestellt, dass er sich weigert, die Entwicklung an den Märkten bei Zinsentscheidungen zu berücksichtigen. Nun mehren sich die Warnungen vor den Folgen der Geldschwemme:

Anzeige

Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber hält die einseitige geldpolitische Orientierung der EZB an ihrem Inflationsziel von knapp 2% auf Sicht von zwei bis drei Jahren für bedenklich. "Meines Erachtens hat die Finanzkrise Zweifel daran geweckt, ob die Strategie der Inflationssteuerung überhaupt je tauglich war", so Weber in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Nach Ansicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer kann die strengere Regulierung von Banken und Finanzkrisen nur wenig ausrichten, um Finanzmarktblasen zu verhindern. Dies gelte vor allem dann, wenn die Zentralbank die Probleme durch die mit der Nullzinspolitik einhergehenden Fehlanreize selbst mit verursacht habe.

Mauricio Vargas, Fondsmanager bei Union Investment, hält das Konzept eines Inflationsziels der Notenbanken aktuell für "fragwürdig". Die faktisch viel zu laxe Geldpolitik habe an den Kapitalmärkten zu erheblichen Fehlallokationen geführt."

Vor einigen Wochen hatte der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bereits gefordert, dass der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nicht länger aufgeschoben werden sollte. Der Grund: Die niedrigen Zinsen sorgten für starke Übertreibungen an den Finanzmärkten.

Die Folgen der lockeren Geldpolitik sind unter anderem an den Anleihemärkten unübersehbar. Die Rendite von Staatsanleihen sind auf historische Tiefs gefallen. 10-jährige Bundesanleihen bringen Anlegern mittlerweile weniger als 1 Prozent. Die Rendite 2-jähriger Bundesanleihen liegt sogar im negativen Bereich. Auch in anderen EU-Ländern wie Belgien, Frankreich, Spanien, Italien und den Niederlanden sind die Renditen auf historische Tiefstände gefallen.

An den Immobilienmärkten sind in bevorzugten Regionen ebenfalls deutliche Anzeichen einer Blasenbildung erkennbar.

Ihr

Thomas Gansneder

Aktivieren Sie JavaScript oder installieren Sie einen aktuellen Browser um die Newsletter-Funktion nutzen zu können.