Inflation vs. Deflation - das ist der große Kampf, der seit Jahren unter Ökonomen und an der Börse ausgefochten wird.

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Die inzwischen herrschende Meinung unter Meinungsmachern ist, dass die Eurozone hinsichtlich der Verbraucherpreise Deflationsgefahren ausgesetzt ist und das Zinsniveau deswegen niedrig gehalten werden muss, um die sagenumwobene deflationäre Abwärtsspirale aufzuhalten.(Ein Monstrum vor dem man sich fürchtet wie vor Nessie, das aber ebenso selten auftaucht.)

Dies bedingt zeitgleich eine historisch einmalige Begünstigung von Vermögenspreisblasen. Es ist schon grotesk: Deflation auf der einen führt zu Inflation auf der anderen Seite. Hypothekenkredite mit 10-jähriger Bindung bekommt man derzeit teilweise zu 1,7%...

Je länger die Ultraniedrigzinsphase dauert, desto mehr preisen die Marktteinehmer diesen Zustand ein. Das ist brandgefährlich, wesentlich gefährlicher als die von der EZB so gefürchteten langfristigen (angeblich zu niedrigen) Inflationserwartungen (die auf 1,7% p.a. gefallen sind).

Wird ein dauerhaft niedriger Zins von z.B. 2% eingepreist, der langfristig zu erwartende liegt aber mindestens beim Doppelten, so bedeutet das schlicht und ergreifend ein immenses Korrekturpotenzial bei Immobilien - das kann dann im Einzelfall bis zur Halbierung gehen.

Noch sind wir nicht so weit. Deswegen ist es auch immer noch sinnvoll, in ausgewählten Lagen Immobilien zu kaufen. Der niedrige Zins macht den höheren Kaufpreis nämlich immer noch mehr als wett.

Aber wenn die Preissteigerungen so weiter gehen, dann wird es richtig brenzlig. Dann werden schon kleine Zinssteigerungen zu empfindlichen Reaktionen bei den Hauspreisen führen.

Die Zentralbank macht sich dadurch zur Geisel. Sie will an so vielen Ecken für Ordnung sorgen, dass sie ganz einfach überfordert ist. Sie wird am Ende nicht mehr in der Lage sein, ihr ursprüngliches Mandat zu erfüllen, weil sie allen Interessen gleichzeitig dienen will oder meint dies tun zu müssen.

Inzwischen mehren sich die Kommentare, die ein dauerhaft sehr niedriges Zinsniveau voraussagen. Immer mehr Menschen sind auch in ihrer Meinung kompromittiert, weil sie mit drin stecken. Nehmen Sie einen Kredit auf, dann wissen Sie was ich meine. Dieser Zustand ist aber nicht haltbar. Die Zinsen müssen hoch - oder die Finanzstabilität wird auf andere Art bewahrt.

Aber die dafür vorgesehenen “makroprudentiellen Maßnahmen” sind überwiegend nur begrenzt tauglich. Dies sind z.B. Einschränkungen in der Kreditvergabe durch hohe Eigenkapitalanforderungen.

Das härteste Schwert ist der Zins. Er muss hoch, ob Draghi will oder nicht.

Ihr

Daniel Kühn

P.S.

Mein Kollege Jochen Stanzl veranstaltet in dieser Woche zwei Webinare - eines zu Gold, mit hochkarätigen Gästen wie Dr. Thorsten Polleit, dem Silberjungen und dem Goldmanipulationsexperten Dimitri Speck sowie ein Webinar mit André Tiedje, Harald Weygand und Rocco Gräfe, in dem es um den Ausblick auf das Börsenjahr 2015 geht.

Zum Webinar über Gold geht es hier lang, zum Webinar mit Gräfe, Tiedje und Weygand hier lang.

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