Wir sehen etwas Neues an den Märkten: Gold steigt, während Aktien fallen. Begründend kann man dafür mehrere Argumente ins Feld führen.

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Erstens lieferte der Xetra-DAX in dieser Woche ein Verkaufssignal (mehr dazu hier) mit einem Ziel bei unter

10.000 Punkten. China hat auch theoretisch weiteres Abwärtspotenzial, und zwar kräftig von 40% (mehr dazu hier).

Zweitens: Man sagt ja oft, Janet Yellen wird bald die Zinsen anheben. Oder Janet Yellen wird dies und das tun. Das ist aber nicht richtig, es ist nicht Yellens Entscheidung, an den Zinsen herumzuschrauben. Dahinter steht der Offenmarktausschuss, das sind quasi die zwölf Apostel der amerikanischen Geldpolitik. Sie entscheiden gemeinsam. Und sie waren sich bei ihrer letzten Zusammenkunft am 28. und 29. Juli alles andere als einig darüber, was im September zu tun sei.

Auch wenn Bill Gross und sein ehemaliger Arbeitgeber, die Allianz-Tochter PIMCO, in dieser Woche nach der Veröffentlichung des FOMC-Protokolls meinten, die Zinserhöhung werde sicher im September kommen, stellt der Markt sich auf das Gegenteil ein: Nämlich eben kein Zinsschritt im September.

Die Börsen in China sind in dieser Woche eingebrochen, nachdem bekannt wurde, dass Chinas Regierung ihre geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen noch einmal kräftig ausgeweitet hatte. Das wurde dahingehend gedeutet, dass etwas mit Chinas Wirtschaft nicht stimmen könne, wenn die so arg da rummachen. Die Kurse an der Wall Street gingen gestern in die Knie, weil eine Verschiebung der Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik das gleiche bedeuten würde, eben dass mit der US-Wirtschaft etwas nicht stimmt.

Drittens die Reaktion an den Rentenmärkten. Entsprechend reagierten die Rentenmärkte mit sinkenden Zinsen, es findet eine Flucht in Sicherheit statt, das fördert jetzt auch das Gold, in dem Hedgefonds massiv short sind, die werden jetzt abgeschossen, das dürfte die Aufwärtsbewegung beschleunigen, gerade weil jetzt der Widerstand bei 1233 durch ist, jetzt ist 50 Dollar Platz nach oben.

Viertens nehmen die Inflationserwartungen ab und steigen nicht, daher sind sinkende Nominalzinsen gleichbedeutend mit sinkenden Realzinsen, und das ist stark bullisch für Goldpreis. In einer gestern veröffentlichten Fondsmanager-Umfrage der Bank of America wurde Gold das erste Mal seit 2009 wieder als unterbewertet bezeichnet.

Dass es mit den Inflationserwartungen nicht wirklich nach oben geht zeigen zum einen die gestern veröffentlichten US-Verbraucherdaten, die in der um Nahrung und Energie bereinigten Kernrate nur 0,1% stiegen, was aufs Jahr gerechnet +1,8% sind, und das untersteigt das Inflationsziel der US-Notenbank von 2%. Die Inflationserwartungen für die Jahre 2020 bis 2025, ein Indikator der von der US-Notenbank engmaschig beobachtet wird, unterschritt zu Wochenbeginn ebenfalls die 2%-Grenze. Und da der Preis für US-Öl gestern um 4,5% auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2009 rutschte müsste man schon sehr mutig sein, wenn man hier noch von Inflationsgefahren spräche.

Fünftens: Der sinkende Ölpreis erzeugt Kostendeflation: Das alles erzeugt gewisse Spannungen an den Märkten. Die Äußerungen von Ivan Glasenberg spielen dabei eine große Rolle. Der 58 jährige ist CEO von Glencore, einem der ganz großen Fische im Bereich des weltweiten Rohstoffhandels. Er meinte gestern, dass China in Wirklichkeit noch viel schwächer dastehe, als die Märkte meinen würden. Niemand von uns, so Glasenberg, könne gerade einschätzen, was in China passiere. Derjenige, der wisse, was in China gerade los sei, müsse erst noch gefunden werden. Glasenberg geht davon aus, dass regelrechte Angriffe von Leerverkäufern auf den Kupferpreis gefahren würden, der Grund für die zuletzt unter 5000 Dollar gesunkenen Kupferpreise seien aggressive Leerverkäufer. Der physische Kupferhandel rechtfertige in keinster Weise, wo die Kupferpreise gerade gehandelt würden, sagt Glasenberg.

Glencore ist heute an der Börse mit 20 Milliarden USD bewertet, die Schulden des Unternehmens liegen bei 29,6 Milliarden USD, die Rohstofflager könne man mit 17 Milliarden USD bewerten. Das ist alles nicht mehr so stabil, vor vier Jahren war Glencore an der Börse noch mehr als das dreifache wert. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen für Glencore gehen durch die Decke. Das gleiche gilt auch für die Noble Group, ein weiteres Unternehmen, das man kaum kennt, das aber für den Großteil des physischen Rohstoffhandels in Asien verantwortlich ist. Die CDS-Spreads für die Noble-Schulden stehen höher als 2009, dem Zusammenbruch von Lehman Brothers.

Waren die QE-Maßnahmen der US-Notenbank damit alle wirkungslos? Das ist die Meinung des Vizepräsidenten der amerikanischen lokalen Notenbank von St. Louis, Stephen Williamson. Er schrieb in einem Aufsatz, der gestern erschien, dass es seines Wissens niemandem bislang gelungen sei, eine Verbindung zwischen QE-Programmen und dem damit beabsichtigten Ziel einer Verbesserung der Realwirtschaft oder der Erreichung der Inflationsziele herzustellen. Dies sei akademisch nicht gelungen. Vielmehr scheine das Inflationsziel von 2% trotz einer massiven Fed-Bilanz von über 4,5 Billionen USD in immer weitere Ferne zu rücken. Die Schweiz und Japan, deren Zentralbanken noch größere Bilanzen aufgebläht hätten, würden sogar noch tiefere Inflationsraten ausweisen. Williamson meint, dass das einzige Ergebnis der Politik sein könnte, dass die Fed dauerhaft in ihrer Nullzinspolitik gefangen bleiben wird. Vielmehr hätten die in die Zukunft gerichteten Ausblicke der US-Notenbank ihre eigene Geldpolitik betreffend eher zu noch mehr Verwirrung gesorgt, anstatt zu einer Klärung der nächsten Schritte zu führen.

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