Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

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Gold fungiert seit Jahresbeginn als Absicherung gegen a) durch Regierungen verursachte Risiken sowie b) das Risiko eines schwächer werdenden USD, jedoch nicht mehr als Absicherung gegen Inflation. Diesen, durch entsprechende strategische Erwägungen entstandenen taktischen Long-Positionen im Gold folgen nun vermehrt Trader, die sich von der dynamischen Kursentwicklung anlocken lassen. Im Chart spielt für die taktischen Long-Trader 1375 USD/Unze eine bedeutende Rolle. Nimmt der Schwung ab und deutet sich Schwäche an, kann es wie im September vor einem Jahr zu einer erneuten Wende nach unten kommen. Fraglich bleibt, ob die Krise um Russland dauerhaft ist, das gleiche gilt für den Zweifel am Drosselungskurs der US-Notenbank. Die aktuelle Phase lässt keine klare Prognosen zu – wir befinden uns an den großen Märkten in einem trendlosen Bereich, der DAX läuft seitwärts, der S&P 500 Index lieferte zwar vor einer Woche ein neues Allzeithoch und damit ein neues Kaufsignal aus Trendfolgesicht, es fehlt aber an direkten Anschlusskäufen. Seitwärtsbewegungen unter Unsicherheit lassen vor allem die Aussage zu, dass es derzeit keine Aussage gibt: Die Märkte konsolidieren, in den USA ist diese Konsolidierung aufwärts gerichtet, am DAX ist es klarer zu sehen: Es geht ohne Richtung volatil auf und ab. Das dürfte anhalten. Die Märkte müssen das Medikament Fed-Liquidität langsam absetzen, und beginnen, sich wieder von Konjunktur, Makrodaten und Firmenergebnissen zu ernähren. Dieser Prozess ist begleitet von Zweifel und Unsicherheit – die große Frage ist, ob dieser Zweifel und diese Unsicherheit in letzter Instanz genügen werden, um neue kräftige Kaufsignale für Gold zu generieren. Das Edelmetall nimmt damit im aktuellen Umfeld eine wichtige Rolle als EKG ein: Es zeichnet die Summe der elektrischen Aktivitäten aller Herzmuskelfasern der zentralbankgemachten Wirtschaftserholung auf. Steigt es jetzt zu stark, können wir uns auf eine wilde Zeit an der Börse gefasst machen. Auch wenn die Zentralbanken immer wieder sagen, sie hätten den Defibrillator in Reichweite, wäre die Notwendigkeit seines erneuten Einsatzes ein klarer Rückschritt für die Weltwirtschaft.

Herzliche Grüße aus München
Jochen Stanzl