Anleihen
Der Neu-Ankömmling am Rentenmarkt lässt sich leicht von der Vielfalt der Begriffe abschrecken: Doch ob Rentenpapier, Obligation, Anleihe, Schuldverschreibung oder "Bond" – jede Bezeichnung betont lediglich einen anderen Aspekt desselben Prinzips. Legt der Begriff "Rente" Wert auf die Regelmäßigkeit der Zinszahlungen, betont "Anleihe" den Vorgang des Geldverleihs, und "Obligation" drückt die Verpflichtung des Kreditnehmers zur Zinszahlung aus. Zusammengefasst werden die Bezeichnungen unter dem Oberbegriff "festverzinsliche Wertpapiere".
Das Prinzip ist einfach: "E" benötigt Kapital, "G" hat Kapital. Also begibt E eine Anleihe – er wird zum Emittent – während G Geld in dieser Anleihe anlegt und dadurch zum Gläubiger von E wird. Als Emittent kommt dabei ebenso ein Staat, eine Bank oder ein Unternehmen als auch eine Organisation oder sonstige Körperschaft infrage. Geldgeber kann grundsätzlich jeder sein, der Geld zinstragend anlegen möchte, also Banken, Versicherungen, Fonds, Unternehmen, oder Privatanleger. Für die Vergabe des Geldes erhält der Geldgeber vom Emittent festgelegte Zinszahlungen. Nach Ablauf einer festgesetzten Zeitspanne – der Laufzeit – zahlt der Kreditnehmer den ausstehenden Betrag zurück.
Unterschied zur Aktien
Für den Emittenten ist die Kapitalaufnahme über eine Anleihe eine Fremdkapitalfinanzierung. Im Gegensatz dazu verschafft sich ein Unternehmen mit einer Aktienemission Eigenkapital. Die Ausgabe einer Anleihe begründet also ein Gläubiger-Schuldner-Verhältnis. Der Emittent der Anleihe wird zum Schuldner, der Kapitalgeber zum Gläubiger. Der Anleihengläubiger hat als Fremdkapitalgeber das verbriefte Recht auf Zahlung der Zinsen und Rückzahlung des Darlehens am Laufzeit-Ende. Doch verzichtet er auf Mitbestimmungsrechte. Das unterscheidet ihn vom Aktionär, der durch den Kauf einer Aktie zum Mitinhaber wird, mit Stimmrecht auf der jährlichen Hauptversammlung und der vollen Teilhabe sowohl am Unternehmensgewinn und -verlust in Form von Dividendenzahlungen und Kursgewinnen oder Kursverlusten. Dagegen sind die regelmäßigen Zinszahlungen einer "normalen" Anleihe unabhängig von der Ertragslage des Emittenten.
Der Anleiheninhaber hat selbst bei einer Pleite des Schuldners einen rechtlichen Anspruch auf die verbliebenen Vermögenswerte. Die Kehrseite der Medaille: Zwar ist er im Fall der Zahlungsunfähigkeit wesentlich besser geschützt als der Aktionär, dafür ist aber sein Gewinnpotenzial ebenfalls begrenzt, da er nicht am Unternehmensgewinn beteiligt ist. Über die festen Zinszahlungen und die feststehende Höhe der Rückzahlung hinaus ist kein ertragsabhängiger Gewinn möglich.
Anleihenprospekt und Zinskupons
Ursprünglich wurden Anleihen in Form von Urkunden gehandelt, die aus dem Anleihenbogen und einzelnen Zinskupons bestanden. Im Bogen war unter anderem festgelegt, wann die Rückzahlung fällig wird, welche eventuellen Sonderklauseln gelten und wie viel Kapital aufgenommen wird. Die einzelnen Zinsabschnitte waren als Kupons dem Zinsbogen beigefügt, sie wurden bei Fälligkeit abgetrennt und eingelöst. Heute wechseln in aller Regel keine Urkunden mehr den Besitzer. Im Rahmen einer "Globalurkunde" werden meist die Bedingungen festgehalten. Der Anleihenprospekt kann jedoch von Interessierten eingesehen oder angefordert werden.
| Anleihen | Aktien |
|---|---|
| ... verbriefen Gläubigerrechte | ... verbriefen Inhaberrechte |
| ... dienen Fremdkapitalaufnahme | ... dienen Eigenkapitalaufnahme |
| ... begründen kein Mitspracherecht | ... begründen Mitspracherechte |
| ... sind Geldwertpapiere | ... sind Sachwertpapiere |
| ... haben feste Laufzeit | ... haben unbegrenzte Laufzeit |
| ... verbriefen Zinsansprüche | ... verbriefen Gewinnbeteiligung |
| ... Zinsansprüche sind unabhängig | ... Aktionär nimmt am Verlust von Geschäftslage des Unternehmens teil |
Stückelung
Ebenfalls im Prospekt festgelegt ist die Stückelung der Anleihe. Unter Stückelung versteht man die kleinste Einheit, in die das Gesamtvolumen einer begebenen Anleihe – manchmal mehrere Milliarden Euro – unterteilt wird. Die Stückelung kann von unter zehn bis über 10000 Euro schwanken.
Anleihenarten
Es gibt zahlreiche unterschiedliche Anleihearten, die sich nach mehreren Kriterien einordnen lassen: Nach den unterschiedlichen Emittenten unterscheidet man in Papiere wie Staats- oder Unternehmensanleihen, nach der Art der Verzinsung in fest- und variabelverzinsliche; Nach der Laufzeit in lang-, mittel-, und kurzlaufende Papiere oder nach dem Risikograd der Anlage in konservative und spekulative Anleihen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Einteilungen die sich nach der jeweiligen Fragestellung richten.
Emittenten, Händler und Investoren
Der Handel von festverzinslichen Wertpapieren unterscheidet sich stark vom Aktienhandel: Zur wichtigsten Ausstattung eines Rentenhändlers gehört auch heute noch das Telefon. Im Gegensatz zum Aktienmarkt läuft am Rentenmarkt noch immer der weitaus größte Teil des Umsatzes außerbörslich ab. In den Handelsräumen der großen Banken werden auf Anfrage Kurse gestellt und Käufe und Verkäufe sowohl im eigenen Namen als auch im Kundenauftrag getätigt. Die Geschäfte werden telefonisch oder über elektronische Handelssysteme abgewickelt. Die so zustande kommenden Preise werden von Nachrichtendiensten wie Bloomberg und Reuters publiziert.
Vorteile durch Börsennotiz
Für den Privatanleger brachten die letzten Jahre insofern einen wesentlichen Fortschritt, als ein immer größerer Teil der Zinspapiere auch an der Börse eingeführt wird. Eine der wichtigsten Gründe für die Hinwendung zur Börse ist, dass zahlreiche Großanleger wie Fondsgesellschaften täglich ihre Bestände bewerten müssen, was durch die Börsennotierung ermöglicht wird. Ein Listing bedeutet zwar nicht unbedingt höhere Liquidität, doch werden die an der Börse gestellten Kurse weitreichend publiziert und etwa auf den Homepages von Discountbrokern und Finanzportalen veröffentlicht. So schafft die Börsennotiz zumindest ein höheres Maß an Transparenz.
Die Umsätze in einzelnen Papieren können von Börse zu Börse stark schwanken. Bundeswertpapiere werden an allen deutschen Börsen notiert, während Unternehmensanleihen oft nur an wenigen Handelsplätzen eingeführt werden. Doch selbst bei Papieren, die an einer Börse notiert sind, finden sich in der Regel die höchsten Umsätze zwischen den Banken unter Umgehung der Börse. Wichtige Börsen für Rentenanleger sind zudem die Auslandsbörsen Luxemburg, London, aber auch die Swiss Exchange in Zürich. Hier werden zahlreiche international emittierte Anleihen gelistet und gehandelt.
Banken und Brokerhäuser
Banken treten am Zinsmarkt gleich in mehreren Funktionen auf. Da Geldverdienen zum ureigensten Tätigkeitsfeld einer Bank gehört wundert es kaum, dass Banken am Renten- oder "Fixed-Income-Markt" vor allem Geschäfte für sich selbst in Ertragsabsicht abschließen. In diesem Eigenhandel kaufen und verkaufen die Handelsabteilungen auf eigene Rechnung und eigenes Risiko. Im Kundenhandel betätigen sich die Banken im Interesse ihrer Kunden, wenn sie Papiere kaufen, abstoßen, oder im eigenen Bestand halten. Wenn gar eine konkrete Anfrage des Kunden hinter der Order steht, handelt es sich um Kommissionshandel: In diesem Fall geht die Bank kein eigenes Risiko ein. Nicht zum eigentlichen Handel zählt die Mitwirkung der Banken bei der Emission einer Anleihe. Hier schließen sich meist mehrere Institute zu einem Konsortium zusammen, dass eine Anleihenplatzierung von der Idee bis zur Markteinführung plant und begleitet.
Auch die Broker mischen am Rentenmarkt mit. Broker sind lizenzierte Gesellschaften, die im eigenen Namen Geschäfte eingehen und dazu auch Preise stellen dürfen. Hinter ihren Geschäften steht jedoch in der Regel eine entsprechende Kundenorder. Brokergesellschaften stellen permanent Preise für die von ihnen gehandelten Papiere. Damit sind auch ihre Preise teils eine gute Informationsbasis für den Privat-Anleger.
Kleinanleger und Großumsetzer
Die Zusammensetzung der Strukturen und der Volumina im Handel zeigt klar: Der private Anleger ist hier wirklich "Kleinanleger" und zwar unabhängig davon, ob seine Order 1000 oder 100000 Euro beträgt. Den Markt dominieren die institutionellen Anleger. Dazu gehören neben den Banken vor allem die großen Vermögensverwalter wie Versicherungen oder Fondsgesellschaften. Allein die Allianz verwaltet ein Gesamtportfolio von mehr als einer Billion Euro, die großen Versicherern halten stets rund 80 bis 90 Prozent des gemanagten Portfolios in Renten. Die Privaten stellen hier ganz klar auch für die Emittenten eine Randgruppe dar, die nicht gesondert umworben wird. Roadshows – die Werbeveranstaltungen vor der Einführung einer Anleihe – finden meist vor dem Kreis institutioneller Anleger statt. Werbeaktionen im Fernsehen, wie sie die Telekom mit dem Schauspieler Manfred Krug vor jeder neuen Aktienplatzierung startete sind bei Anleihen undenkbar, und das obwohl die Telekom zu den größten Schuldnern am deutschen Anleihenmarkt zählt.
Der Rentenmarkt in Zahlen
Gibt man im Nachrichtensystem Bloomberg den Suchbegriff für Anleihen der Deutschen Bank ein, erhält man fast 2300 Treffer. Sicher eine Ausnahme. Und doch: Der internationale Rentenmarkt bietet eine unüberblickbare Anzahl von Emittenten. Von denen haben die meisten aber gleich mehrere Papiere mit unterschiedlichen Konditionen und Laufzeiten emittiert. Um diesen Moloch zu ordnen, werden verschiedene Kategorisierungen angewandt: Emittent, Wertpapierart, Währung, Art des Kupons, Laufzeit, Rating sind die wichtigsten davon.
Euro- und Euro-Eurobonds
Für Anleger sind vor allem Papiere aus globalen und internationalen Emissionen relevant. Solche international gehandelte Anleihen wurden bereits lange vor der Planung des Euro als Euro-Bonds bezeichnet, gleichgültig, ob sie auf Dollar, Yen oder Mark lauteten. Die Einführung des Euros als gemeinsame europäische Währung stiftete daher einige Verwirrung. Heute werden auch Papiere, die auf Euro lauten, gemeinhin Euro-Bonds genannt, obwohl es richtig Euro-Euro-Anleihe heißen müsste.
Eine wahre Revolution erfuhr der Rentenmarkt durch die Einführung des Euros Anfang 1999. Die gemeinsame Währung ließ einen europäischen Rentenmarkt entstehen: einen transparenten Markt mit einheitlichem Zinsniveau, in dem sich die Akteure ohne Währungsrisiken oder Kapitalverkehrsbeschränkungen bewegen. Die Emittenten stehen dadurch einer immens gewachsenen Nachfrage gegenüber und für die Anleger wurden Anleihen europaweit vergleichbar. Der Euro ist heute hinter dem US-Dollar die zweitwichtigste Währung am internationalen Rentenmarkt.
Die wichtigsten Währungen
Der internationale Rentenmarkt wird von drei Währungen dominiert: dem US-Dollar, dem Euro, und dem japanischen Yen. Auch zahlreiche Emittenten aus anderen Währungsräumen nutzen die günstigen Zinskonditionen und die Markttiefe (Volumen) und -breite (Produktvielfalt) in diesen Währungen, um ihre Schulden darin aufzunehmen. Neben diesen international bedeutsamen Währungen spielen Papiere in Drittwährungen eine untergeordnete Rolle. Viele Emissionen in international weniger bedeutenden Währungen werden zudem nur an den nationalen Märkten gehandelt. So sind zahlreiche als sogenannte „domestic-issues“ emittierte Papiere deutschen Privatanlegern gar nicht zugänglich. Das ist nichts ungewöhnliches: Auch die deutschen Bundesschatzbriefe können umgekehrt nur von Inländern erworben werden.
Die größten Emittenten
Der Dollarraum wird nicht nur von Kapitalsuchenden aus anderen Währungsräume häufig genutzt. Besonders US-Unternehmen präsentieren sich anders als die europäischen Firmen schon seit langem als bedeutende Kreditnehmer an ihrem heimischen Markt.
Unter den Emittenten am internationalen Rentenmarkt spielen die Banken eine herausragende Rolle. Eine Sonderstellung unter den Emittenten von Industrieanleihen nehmen die Telecomkonzerne ein, die durch ihre massive Mittelaufnahme seit Ende der neunziger Jahre maßgeblich dazu beitrugen, dass auch in Europa ein bedeutender Markt für Unternehmensanleihen entstand. 2002 kam den Staaten dagegen eine recht geringe Bedeutung unter den internationalen Emittenten zu, da in den Jahren zuvor die meisten Regierungen ihre Neuverschuldung deutlich senkten. Diese Entwicklung dürfte wegen der Steuersenkungen in den USA und den konjunkturbedingt schwindenden Steuereinnahmen in Europa nur eine temporäre Erscheinung gewesen sein. Für Anleger sind auch die internationalen Organisationen wie Weltbank oder Osteuropabank ein sehr wichtiger Emittentenkreis. Sie besitzen meist eine hervorragende Bonität und begeben auf Grund ihres weltweiten Tätigkeitsfeldes liquide Anleihen in zahlreichen verschiedenen Währungen.
Der Rentenmarkt im Euro-Raum
Der europäische Rentenmarkt ist seit der Einführung des Euros auch für Schuldner aus dem Ausland zunehmend attraktiv geworden. Von 1470 Milliarden Euro, die hier 2002 aufgenommen wurden, floss zwar der überwiegende Anteil an Emittenten aus dem gemeinsamen Währungsgebiet, doch auch Kapitalsuchende aus den USA oder Asien bedienten sich der neuen Währung, um Anleihen zu begeben.
Der Überblick über den Bondmarkt zeigt: Die Unterschiede zwischen Renten- und Aktienmarkt sind immens. Das Volumen ist am Rentenmarkt um ein Vielfaches größer, der „unsichtbare“ Handel über Telefon oder elektronische Handelssysteme beträgt ein Vielfaches des Börsenhandels. Verglichen mit dem Aktienmarkt ist der Rentenmarkt weitaus größer und komplexer. Zugleich bietet er dem Anleger mit seiner Vielfalt an Papieren aber auch weitreichende Möglichkeiten zur Diversifikation.
Kennzahlen
Wo sich alles um den Zins dreht, scheint logisch, dass es mehr als einen geben muss:
- Kuponzins: Er gibt die Höhe der regelmäßigen Zinszahlungen bezogen auf den Nennwert des Wertpapiers an.
- Marktzinsniveau: Das allgemeine Zinsniveau verändert sich in Abhängigkeit von Inflation und Wirtschaftswachstum.
- Rendite: Die letztlich entscheidende Größe jeder Anlage in festverzinsliche Wertpapiere ist die Effektivverzinsung. Sie setzt sich aus Kuponzins und Kursveränderungen über die Laufzeit zusammen.
- Anleihenkurs: Der Marktpreis des Papiers führt eine Angleichung der Anleihenrendite an das Marktzinsniveau herbei.
- Stückzinsen: Sie fallen bei Kauf und Verkauf zwischen zwei Zinsterminen an.
Zins-Kupon
Die Höhe und zeitliche Reihenfolge der Zinszahlungen wird durch den Zinskupon festgelegt. Die Zeiten, als die einzelnen Zinsverpflichtungen als Kupons an den Anleihenbogen angefügt waren, sind für die meisten Papiere vorbei, der Begriff Kuponzins hat sich aber gehalten. In der Regel werden die Kuponzinsen jährlich nachträglich gezahlt. Der Kuponzins bezieht sich immer auf den Nominalwert des Papiers: Beträgt der Zinskupon fünf Prozent, dann werden auf 100 Euro Nennwert der Anleihe jährlich fünf Euro an Zinsen gezahlt. Diese fünf Euro werden Jahr für Jahr gezahlt, auch wenn der Marktwert des Papiers vom Nennwert abweicht.
Kuponzins
Der Kupon- oder Nominalzins gibt die Höhe der regelmäßig ausgezahlten Zinsen in Prozent vom Nennwert des Wertpapiers an. Der Kuponzins bleibt auch dann konstant, wenn sich der Kurs der Anleihe ändert.
Marktzinsniveau und Anleihenkurs
Vom Nennwert, in der Regel 100 Prozent, unterscheidet man den Kurswert eines festverzinslichen Wertpapieres. Die meisten Anleihenarten sind Kursbewegungen unterworfen, die aus Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus resultieren. Denn der Zinssatz auf dem Rentenmarkt ist im Zeitablauf nicht konstant. Während das Marktzinsniveau in Phasen hoher oder ansteigender Inflation steigt, fällt es in Phasen rückläufiger Preissteigerungsraten.
Wenn das Zinsniveau ansteigt, wirkt sich das auch auf die ausstehenden Wertpapiere aus. Was geschieht etwa, wenn eine Anleihe mit fünf Jahren Restlaufzeit einen festen Zinskupon fünf Prozent hat, das aktuelle Marktzinsniveau für fünfjährige Kreditaufnahmen aber auf sechs Prozent steigt? Logisch, alle werden die Anleihe verkaufen und eine neue mit einem Sechs-Prozent-Kupon kaufen. Hier greift die Selbstregulierung des Marktes. Niemand will mehr die Anleihe mit dem Zinskupon von fünf Prozent haben. Und niemand würde mehr 100 Euro für das Papier bezahlen, obwohl der Schuldner in fünf Jahren 100 Euro zurückzahlen wird: Daher sinkt der Preis – der Anleihenkurs – auf 95,79 Euro.
Der Kurs muss genau soweit sinken, bis der Nachteil des geringeren Zinskupons wieder ausgeglichen ist. Das ist dann der Fall, wenn der Kuponzins von fünf Prozent zuzüglich der Wertzuwächse bis zur Fälligkeit, also der Differenz zwischen Kaufpreis und Rücknahmepreis von 100 Euro, eine effektive jährliche Verzinsung von sechs Prozent ergeben.
Kurs
Der Kurs von festverzinslichen Wertpapieren wird in Prozent vom Nennwert angegeben. Bei 100 Prozent entspricht der Kurswert dem Nennwert. Der Kurs schwankt vor allem in Abhängigkeit von Veränderungen des Marktzinsniveaus.
Die Angleichung der effektiven Verzinsung des Wertpapiers an das Marktniveau wird also durch die Veränderung des Marktpreises der Anleihe herbeigeführt. Dieser wird in Prozent ausgedrückt. Bei 100 Prozent entspricht der Kurswert dem Nominalwert. In der Regel werden Anleihen zu 100 Prozent begeben und zu 100 Prozent zurückgezahlt. Dazwischen kann der Kurs allerdings in Abhängigkeit vom Marktzinsniveau deutlich schwanken.
Für den Kurs des Papiers gilt dabei folgende Faustregel:
- Übersteigt das Zinsniveau die Höhe des Zinskupons, sinkt der Kurs der Anleihe unter 100 Prozent.
- Sinkt das Zinsniveau unter den Kuponzins, steigt der Anleihenkurs über 100 Prozent.
- Die Anleihe notiert genau bei 100 Prozent (Nennwert), solange das Zinsniveau dem Kuponzins entspricht.
Rendite
Der effektive Zins wird Rendite genannt. Sie setzt sich zusammen aus dem Kuponzins und der Kursabweichung des Papiers vom Nennwert (100 Prozent). Notiert die Anleihe etwa beim Kauf bei 107 Prozent, ist ein Kursverlust von sieben Prozent über die restliche Laufzeit bis zur Fälligkeit zwangsläufig, genauso muss bei einem Papier, das bei 90 Prozent gehandelt wird, bis Fälligkeit ein Kursgewinn von zehn Prozent realisiert werden.
Der Ertrag eines Anleiheninvestments setzt sich also zusammen aus zwei Bestandteilen: Erstens den laufenden Zinszahlungen gemäß dem jährlich fälligen Kupon. Zweitens beeinflussen ständige Kursveränderungen während der Laufzeit die Rendite. Solche Kursveränderungen ergeben sich zum einen fast zwangsläufig, je näher die Fälligkeit rückt, zum anderen resultieren sie aus Veränderungen des allgemeinen Marktzinsniveaus.
Abbildung: Die Bestandteile der Rendite
Beispiel: Eine Anleihe im Nennwert von 100 Euro (100 Prozent) hat eine Restlaufzeit von vier Jahren und einen Zinskupon von 3,0 Prozent. Jedes Jahr werden also 3,0 Euro an Zinsen bezahlt. Das Marktzinsniveau für vierjährige Laufzeiten ist seit der Emission auf 8,0 Prozent gestiegen. Um die höhere Effektivverzinsung zu erreichen, sinkt der Kaufkurs soweit, dass die mit acht Prozent abdiskontierten Zinszahlungen gemeinsam mit dem abdiskontierten Kursgewinn bis zur Fälligkeit eine Rendite des eingesetzten Kapitals von 8,0 Prozent ergeben.
Die Rendite gibt die effektive jährliche Verzinsung eines Wertpapiers in Prozent vom Kaufkurs an. Sie setzt sich zusammen aus dem Kuponzins und der Abweichung des Kaufkurses vom Rückzahlungskurs. Die angegebene Rendite wird nur dann realisiert, wenn das Papier bis Fälligkeit gehalten wird.
Rendite-Formeln
Die Rendite kann nicht direkt berechnet werden. Daher wird auf Näherungsverfahren zurückgegriffen. International üblich ist die Berechnung der Rendite nach dem Verfahren der Marktorganisation International Securities Market Association (ISMA), im deutschen Binnenhandel wird häufig die Renditeformel nach Moosmüller verwandt.
Bei beiden handelt es sich um dynamische Berechnungsmethoden. Im Unterschied zu statischen Methoden berücksichtigen sie die zeitliche Staffelung der Zinszahlungen durch eine entsprechende Abdiskontierung. Bei beiden Methoden werden die anfallenden Zinszahlungen und die Kapitalrückzahlung bei Fälligkeit auf den Gegenwartswert abgezinst. In einer Gleichung wird den abdiskontierten künftigen Erträgen der aktuelle Kurs zuzüglich aufgelaufener Stückzinsen gegenüber gestellt. Während bei der Methode nach ISMA unterjährig fällige Zinsen täglich und unabhängig von den Zahlungsterminen exponentiell abdiskontiert werden, verwendet die Moosmüller-Formel eine lineare Abdiskontierung, die den Zinseszinseffekt außer acht lässt.
Die Näherungsverfahren gehen allerdings beide von der Annahme aus, dass die fälligen Kuponzinsen stets zu demselben Prozentsatz wieder angelegt werden können. Wenn die Wiederanlage nur zu einem geringeren Zinssatz erfolgt, ist die tatsächliche Rendite natürlich geringer als die berechnete. Die tatsächliche Rendite steigt dagegen, wenn die Wiederanlage zu einem höheren Zinssatz erfolgt. Bei abdiskontierten Anleihen ohne regelmäßige Zinszahlung entsteht dieses Problem nicht.
Laufende Verzinsung
Die laufende Verzinsung ist ein relativ einfacher Ansatz: Im Gegensatz zur Rendite nach ISMA und Moosmüller lässt sich die laufende Verzinsung einfach berechnen.
Laufende Verzinsung = Kuponzins X (100 / Kaufkurs)
Sie gibt an, wie hoch der Kuponzins bezogen auf den Kaufkurs ist. Kursveränderungen bis zur Fälligkeit bleiben also unberücksichtigt.
Stückzinsen
Die Kuponzinsen werden zu festgelegten Zinsterminen bezahlt. Wird ein festverzinsliches Papier zwischen zwei Zinsterminen verkauft oder erworben, müssen die seit dem letzten Kupontermin aufgelaufenen Zinsansprüche dem Kurs zugeschlagen werden. Das geschieht erst beim Kauf der Anleihe. Der an der Börse gehandelte An- und Verkaufskurs gibt den Marktkurs ohne Stückzinsen an, den sogenannten "clean price". Aus diesem "sauberen" Preis wird durch Addition der angelaufenen Stückzinsen der "dirty price". Zur Berechnung der Stückzinsen wird die jährliche Zinszahlung durch 365 geteilt und mit der Anzahl der Tage seit der letzten Zinsfälligkeit multipliziert.
Vier Zinsen, die es zu merken gilt:
- Kupon- oder Nominalzins setzt die laufenden Zinszahlungen fest.
- Marktzinsniveau unterliegt volkswirtschaftlichen Einflüssen
- Rendite setzt sich zusammen aus laufenden Zinszahlungen und Kursveränderungen über die Laufzeit und gibt die Effektivverzinsung des Papiers an.
- Stückzinsen fallen bei unterjährigen An- und Verkäufen an
Neben Inflationserwartungen spielen am Kapitalmarkt aber auch Angebot und Nachfrage nach Krediten eine Rolle. Das wurde Anfang 2000 deutlich, als der damalige US-Präsident Bill Clinton angesichts enormer Haushaltsüberschüsse ankündigte, 30-jährige US-Staatsanleihen zurückzukaufen. Die Erwartung dieser Angebotsverknappung ließ die Zinsen langlaufender US-Treasuries abrupt sinken.
siehe auch
Rendite
Warum bringt eine Bundesanleihe, die in fünf Jahren fällig wird, 4,5 Prozent Rendite, eine ansonsten identische Anleihe eines Schwellenlands oder ein Unternehmensbond dagegen deutlich mehr? Die Höhe der effektiven Verzinsung hängt nicht allein vom Zinsniveau am Rentenmarkt ab, sondern auch von der Bonität des Anleihen-Schuldners.
Rating
Zu Recht wird der Renditespread oft als Zitterprämie bezeichnet: Denn Anleger müssen für eine höhere Rendite mit einem höheren Risiko bezahlen. Jeder Kaufentscheidung am Rentenmarkt geht eine Abwägung zwischen Rendite und Risiko voraus.
Liquidität
Am Markt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis: Damit der Markt aber funktioniert, müssen Anbieter und Kaufinteressierte auch zusammenkommen. Wer sich rasch von einem Investment trennen möchte, erlebt rasch, dass das nicht immer leicht ist: Auch bei Zinsanlagen nimmt die Liquidität eine wichtige Rolle ein.
Das magische Dreieck der Zinsanlage
Maximale Rendite, höchstmögliche Sicherheit, und weitestgehend Liquidität – diese ideale Zinsanlage sucht jeder. Doch diese drei Ziele lassen sich nicht gleichzeitig erreichen. Am ehesten lassen sich die Ziele Sicherheit und Liquidität gemeinsam erreichen.
Zinsstrukturkurve
Jede Anlageentscheidung am Rentenmarkt, wo im Gegensatz zum Aktienmarkt Papiere mit meist begrenzter Laufzeit zirkulieren, ist zwangsläufig eine Wahl für eine bestimmte Laufzeit.
Zinsstrategien
In einem normalen Konjunkturzyklus verschiebt sich die Zinskurve mit Beginn des Aufschwungs nach oben.
Rentenmarkt-Indizes
Wer kennt nicht die großen Aktienbarometer Dax, Dow Jones oder den Stoxx? Auch der Rentenmarkt hat seine Kursindizes. Auch wenn Rex, Pex oder Jex weit unbekannter sind. Sie eignen sich ebenso wie die Aktienindizes zur Analyse und zum Vergleich von Marktsegmenten und der Bewertung des eigenen Anlageerfolgs.
Anleihearten
Festzinsanleihen
Diese Papiere stellen den "Normalfall" für einen Rentenanleger dar. Bei Festzinsanleihen oder Anleihen mit fixem Zinskupon stehen bereits bei der Emission sämtliche Zinszahlungen in ihrer Höhe und Zeitpunkt fest.
Variabel-verzinsliche Anleihen
Neben Festzinsanleihen spielen auch Anleihen eine bedeutende Rolle, bei denen sich der gezahlte Zinssatz in Abhängigkeit von einer Referenzgröße verändert.
Staatsanleihen
Eine Anleihe begeben kann fast jeder: Für den Anleger ist die Frage, wem er eigentlich sein Geld leiht, eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Hier gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Man unterscheidet die beiden großen Gruppen Staatsanleihen und die Unternehmensanleihen.
Bundeswertpapiere
Die Prognose fiel für den deutschen Finanzminister niederschmetternd aus. Für die Neuverschuldung stehen dem Schuldner „Bund“ eine große Auswahl an Instrumenten zur Verfügung, von denen er regelmäßig Gebrauch macht.
Unternehmensanleihen
Seit der Einführung des Euro krempelt die Ära der Unternehmensanleihen den Rentenmarkt in Deutschland und Europa um. Sie brachte den Emittenten neue Finanzierungsquellen und erschloss Anlegern neue Möglichkeiten.
Pfandbriefe
Das größte Volumen am deutschen Rentenmarkt bringen nicht etwa Bundesanleihen auf: Pfandbriefe stellen mit mehr als 1000 Milliarden Euro an ausstehendem Volumen das größte Segment unter den deutschen Anleihenarten.







