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Staatsanleihen
Eine Anleihe begeben kann fast jeder: Für den Anleger ist die Frage, wem er eigentlich sein Geld leiht, eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Hier gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Man unterscheidet die beiden großen Gruppen Staatsanleihen und die Unternehmensanleihen.
Zu den Unternehmensanleihen werden auch die Bankschuldverscheibungen gezählt. Ob Staat oder Unternehmen hat aber noch nichts darüber zu sagen, ob der Schuldner riskant oder zuverlässig ist. So unterscheidet man zwischen den klassischen Staatsanleihen mit AAA-Rating wie den USA oder der Bundesrepublik Deutschland und den riskanteren Schwellenlandanleihen aus Ländern mit geringerem Renommee am Markt. Auch bei den Unternehmen sind alle Bonitätsklassen vertreten. Vom AAA-Emittenten über riskantere Emittenten. Sogar die Skandalfirma FlowTex wäre um ein Haar zum Emittent geworden – der badische Borhrgeräte-Hersteller, der auch eine Anleihe begeben wollte, bis sich kurz zuvor herausstellte, dass das Unternehmen nie auch nur einen einzigen Bohrer hergestellt hatte. Unter George Bush emittieren die USA fleißig Anleihen, um Steuersenkungen und ihren "Kampf gegen den Terror" zu finanzieren. Bis heute hat sich der Rentenmarkt seine Stellung als eine der wichtigsten Finanzierungsformen für Staatsdefizite bewahrt. Von einer Staaatsanleihe spricht man, wenn eine Emission der Kreditaufnahme eines Staatshaushalts dient. Als Emittent tritt in der Regel der Staat selbst, das Finanzministerium oder die Notenbank in Aktion. Daneben verfügen zahlreiche Staatshaushalte aber auch über Nebenhaushalte, die ebenfalls als Emittenten auftreten können. Unter diesen so genannten Parafisci unterscheidet man Emittenten mit und ohne explizite staatliche Garantie.
Staatsanleihen werden je nach der Bonität des Staates weiter unterschieden in nahezu risikofreie Anleihen hoher Bonität und in Schwellenlandanleihen – Bonds von Staaten, die sich noch nicht als erstklassige Schuldner am Kapitalmarkt etablieren konnten. Am deutschen Markt sind vor allem die Papiere der Bundesrepublik Deutschland richtungsweisend.
Die Top-Drei der Märkte
Im internationalen Vergleich sind die USA mit rund 50 Prozent des gesamten Umlaufvolumens an Staatsanleihen der wichtigste Emittent, gefolgt von Japan, das knapp 20 Prozent des Marktvolumens stellt. Deutschland bringt es auf weniger als die Hälfte des japanischen Umlaufvolumens. Sogar innerhalb der Europäischen Union (EU) ist Deutschland „nur“ die Nummer zwei: Das größte Volumen an ausstehenden Anleihen stellt hier Italien. Staaten wie USA, Japan und Deutschland emittieren ihre Anleihen ausschließlich eigener Währung. Damit isolieren sie ihre Schuldenlast von Auswirkungen, die Veränderungen des ausländischen Zinsniveaus und des Wechselkurses auslösen können.
In eigener Währung halten sie zudem die wichtige Benchmarkstellung. Unter Benchmark versteht man am Rentenmarkt jeweils diejenige Anleihe, die bei sonst gleichen Konditionen wie Währung, Laufzeit und Kupon die geringste Rendite bringt. Diese Stellung sichert ihrem Emittenten die günstigsten Finanzierungskonditionen. Benchmarkanleihen werden als Messlatte für andere Emittenten verwendet. Ein alter Grundsatz lautet: „Der Souverän ist immer der beste Schuldner in eigener Währung.“ Dies wird damit begründet, dass ein Staat letztlich in der Lage ist, seine eigene Währung zu produzieren und daher – theoretisch – immer liquide ist. Während diese Benchmark-Stellung für Staaten wie Japan oder die USA nicht infrage steht, hat Deutschland seit Einführung des Euros Konkurrenz durch andere Staaten bekommen. Bundesanleihen werden jedoch allgemein als Benchmark für Euroland verwendet, in den mittleren Laufzeiten haben großvolumige französische Staatsanleihen (OATs) diese Stellung teilweise übernommen.
National - International - Global
Staaten können ihre Papiere, wie auch andere Kreditnehmer, für inländische Schuldner vorbehalten, sie können diese aber auch einem weltweiten Investorenkreis zugängig machen. Eine ausschließlich im Inland begebene Anleihe, eine sogenannte „domestic issue“, ist für Nichtstaatsangehörige in aller Regel schwierig zu erwerben, da sie nur an lokalen Börsen gehandelt wird. In verschiedenen Ländern mit Kapitalverkehrsbeschränkungen kann dies gar unmöglich sein. Internationale oder Globale Emissionen können dagegen von Anlegern rund um den Globus erworben werden.
Bei der Ausstattung ihrer Anleihen sind Staaten bei Größen wie Kupon oder Laufzeit weitgehend frei. Die meisten Staaten emittieren von Fix-Kupon-Anleihen über Floater und Zero-Bonds Papiere aller Kuponarten und decken mit ihren Staatspapieren sämtliche Laufzeiten ab. Die maximalen Laufzeiten betragen in der Regel 30 Jahre.
Euro- und Euro-Eurobonds
Ein Eurobond ist nach genauer Definition eine Anleihe, die am internationalen Kapitalmarkt begeben und gleichzeitig in mehreren Ländern zum Verkauf angeboten wird. Als Emittenten kommen Staaten, Unternehmen oder internationale Organisationen infrage. Die Emissionswährung kann Euro, Dollar, Yen oder eine andere international bedeutende Währung sein. Eine internationale Anleihe, die auf Euro lautet, wird genau genommen als Euro-Eurobond bezeichnet.
Vorsicht mit dem Begriff Eurobond: Im Sprachgebrauch hat sich das Verständnis eingebürgert, bei einem Eurobond handele es sich um eine Anleihe, die auf Euro lautet – das ist genau genommen nicht korrekt: Als Euro-Emissionen wurden ursprünglich alle international begebenen Anleihen bezeichnet, also auch Dollar- und Yenpapiere, die an den internationalen Märkten gehandelt werden. Etwa im Vergleich zu einem nur für inländische Anleger erwerbbaren Papier. Korrekterweise müssten Anleihen, die aus einem Schwellenland stammen und zudem in Euro emittiert wurden, Euro-Euro-Anleihen genannt werden, was auch im Fachjargon noch vereinzelt der Fall ist.
Staatsanleihen sind heute noch immer die wichtigsten Papiere am Rentenmarkt, auch wenn Ende der neunziger Jahre im Zuge von Haushaltskonsolidierungen und hohen Steuereinnahmen manche Beobachter davon ausgingen, dass das Angebot an Staatsanleihen langfristig sinken würde. In den USA etwa entschied sich die Regierung Bill Clintons Ende der neunziger Jahre, die staatlichen Einnahmeüberschüsse zur Tilgung der Staatsverschuldung zu verwenden. Dies mündete gar in ein Rückkaufprogramm für langlaufende US-Treasuries.




