Gehebelt Traden / Hoher Hebel gleich hoher Gewinn?
Hebelzertifikate gibt es mittlerweile mit den verschiedensten Bezeichnungen, das Prinzip ist aber bei allen relativ ähnlich. Sie bieten die Möglichkeit mit geringem Einsatz ein Vielfaches zu bewegen. Der Hebel sagt dabei letztlich aus, um ein Wievielfaches es sich dabei handelt. Wie auch im letzten Beispiel beschrieben, ist die Höhe des Hebels letztlich von untergeordneter Bedeutung. Darauf kommt es nicht an.
In vielen Fällen handeln die Marktteilnehmer besonders die Hebelzertifikate die einen möglichst hohen Hebel bieten. Es wird erwartet, so den maximal möglichen Gewinn zu erzielen. Der mögliche Verlust, wenn die Position nicht in die erwartete Richtung läuft steht dem aber in nichts nach. Bei jedem Trade ist es unter Berücksichtung des Moneymanagement sinnvoll das Risiko von Beginn an zu definieren und zu begrenzen. Mit dem Hebel hat dies noch nichts zu tun.
Sinnvoll ist es im Allgemeinen, sofern nicht bereits ähnliche Positionen bestehen, das Risiko in einer neu zu eröffnenden Tradingposition auf ca. 1 % zu begrenzen. Das bedeutet, wie auch im letzten Beispiel beschrieben, bei einem Depotvolumen von 30.000 Euro ein Risiko für diese Position von 300 Euro. Gehandelt werden soll beispielsweise die Aktie der Allianz wenn es zu einem Anstieg über 163,00 Euro kommt. Die Aktie bildete einen Rücksetzer auf eine bei 159,30 Euro liegende Unterstützung aus und könnte, die mit dem Überwinden von 161,90 Euro begonnene bullische Entwicklung fortsetzen. Wenn ein Einstieg bei 163,05 Euro erfolgen soll und der Stopp-Loss bei 158,90 Euro festgelegt wird bedeutet dies ein Risiko in einer einzelnen Aktie von 4,15 Euro. 300 Euro dürfen riskiert werden, so dass sich eine mögliche Stückzahl von 300,00 Euro / 4,15 Euro = ca. 72 Stück ergibt. Diese 72 Stück stellen beim Einstieg einen Gegenwert von ca. 11.740 Euro dar. Fast 40 % des Depotvolumens würden bereits für diesen Trade verbraucht werden, was wenig sinnvoll ist. Das verfügbare Kapital schrumpft deutlich und schränkt die weiteren Möglichkeiten ein. Das Tradesetup ist aber aussichtsreich bei hohem Potenzial im Vergleich zum Risiko. Die Position soll im Falle eines weiteren Anstieges eröffnet werden. Auf ein Hebelzertifikat kann in diesem Fall zurückgegriffen werden.
Hier bieten sich die verschiedensten Möglichkeiten einen Hebel zu wählen. Überschlägig gerechnet würde sich ein Hebel von 20 am Einstiegspunkt bieten wenn der Strikepreis bei ca. 155 Euro liegt. Bei einem Strikepreis von ca. 147 Euro würde sich ein Hebel von 10 im Zertifikat bieten und bei einem Strikepreis von ca. 130 Euro ein Hebel von 5. Ein hoher Hebel bedeutet eine größere Partizipation an der Kursbewegung. Steigt die Aktie weiter, dann wird sich das Hebelzertifikat mit dem Hebel von 20 viermal so stark entwickeln wie das Zertifikat mit einem Hebel von 5. Ein Anstieg der Aktie auf 180 Euro würde einen Gewinn von rund 10 % bedeuten. Investiert man nun in das Hebelzertifikat mit dem Hebel von 5 dann fallen für diesen Fall schon 50% Kursgewinn an, bei dem Zertifikat mit dem hohen 20er Hebel können sogar 200 % erzielt werden. Für den geplanten Trade ist diese Höhe des prozentualen Kursgewinnes aber nicht im Ansatz von Belang.
Der Trade basiert auf dem festgelegten Risiko. Dieses wurde mit 300 Euro berechnet und ist nicht veränderbar. Der Unterschied bei der Nutzung der Hebelzertifikate zeigt sich nur im gebundenen Kapital. Während für ein Direktinvestment 11.740 Euro nötig sind, ist bei einem Hebel von 5 nur ein fünftel aufzuwenden. 11.740 Euro / 5 = 2.348 Euro werden benötigt wenn auf das Hebelzertifikat mit dem Strikepreis bei ca. 130 Euro zurückgegriffen wird. Bei einem Hebele von 10 werden für den Trade nur noch 1.174 Euro benötigt. Das Hebelzertifikat mit einem Strikepreis von ca. 155 Euro und einem Hebel von 20 ermöglicht es sogar, den Kapitalbedarf auf 11.740 / 20 = 587 Euro zu reduzieren. Wenn der Stopp-Loss-Punkt anhand der Entwicklung des Basiswertes beachtet wird, nimmt der Trade in jedem Fall einen ähnlichen Ausgang. Gewinne und Verluste sind gleich, egal ob die Aktie selbst gekauft wurde oder ein Hebelzertifikat mit hohem oder niedrigem Hebel eingesetzt wird.
Der hohe Hebel bietet somit den Vorteil wenig Kapital zu binden. Das zur Verfügung stehende Kapital kann dann für weitere Tradinggelegenheiten verwendet oder zur Absicherung eingesetzt werden. Ebenso würde sich für das dargestellte Beispiel eine Positionserhöhung mit angepasstem Stopp anbieten wenn es über die 166,60 Euro geht. Kapital dafür ist genügend vorhanden. Das Zertifikat mit dem hohen Hebel bietet aber nicht nur Vorteile. Auf die Nachteile werde ich in einem kommenden Beitrag eingehen.
http://www.godmode-trader.de (Marko Strehk)





