Devisen
Der Handel von Devisen gilt neben dem von Futures, Options und auch CFDs als Königsdisziplin des Tradings. Er bietet professionellen Marktteilnehmern, zunehmend auch Retail Investoren (Privatanlegern), eine Reihe enorm potenter Möglichkeiten für das Trading und Investieren.
Grundlagen
- Die FOREX (Devisenmarkt) ist größter Finanzmarkt und bietet damit größte Liquidität. Das tägliche Handelsvolumen beläuft sich auf 1,9 Billionen US-Dollar (Stand Mai 2006). Gerade in den "major crosses" lassen sich innerhalb kürzester Zeit sehr große Volumina bewegen. Dies ist ein ganz wesentlicher Vorteil für Marktteilnehmer, die größere Postionen sehr schnell bewegen müssen. Ein Fondsmanager, der einen klassischen Aktienfonds managt, benötigt für die Abwicklung größerer Transaktionen selbst bei hochkapitalisierten Aktien mehrere Wochen. Ein solches Problem hat ein im Devisenmarkt tätiger Hedgefunds definitiv nicht.
- Enorme Hebelwirkung. Devisen werden auf Margin gehandelt. Deshalb bietet der Devisenhandel sehr hohe Hebelmöglichkeiten. Sie können mit einem relativ geringen Eigenkapitaleinsatz große Volumina bewegen. Anders ausgedrückt, der Hebel ermöglicht Ihnen an Devisenkursbewegungen überproportional zu profitieren. Bis zu 200er Hebel und mehr sind möglich. Das heißt, dass Sie mit einem Eigenkapitaleinsatz von 1.000 US-$ eine Devisenposition von 200.000 US-$ bewegen können. Für das Halten von Übernachtpositionen fallen Finanzierungsgebühren an, die sich an den Basiszinssätzen der einzelnen Währungen orientieren. Nicht dass beim Laien Mißverständnisse bzgl. der Bewertung dieser Finanzierungsgebühren auftreten. Auch Knock-Out-Produkte (Hebelzertifikate) beinhalten in ihrem Preis diese Finanzierungsgebühren. Wie bei allen gehebelten Tradingvehikeln sei aber auch hier sofort der Warnhinweis angebracht, dass die volle Hebelwirkung im realen Handel nicht voll ausgeschöpft werden sollte. Läuft der Trade nämlich gegen Sie, werden auch die Verluste gehebelt. Den effektiven Hebel justieren Sie über die Marginhinterlegung.
- Profitieren an steigenden und fallenden Kursen gleichermaßen. Long und short. Hauptsache der Markt bewegt sich.
- Präzise Orderausführung in Realtime. In der Regel ist die Order sofort mit dem Knopfdruck im Markt und ausgeführt. Devisenmärkte sind von der Effizienz mit denen der Futures vergleichbar. Es gibt sonst keine effizienteren Märkte. Insofern sind alle Facetten professionellen Tradings möglich. Angefangen von Scalptrading über Swingtrading bis hin zum Positionstrading.
- Kein Gap-Risiko im Wochenverlauf. Devisen werden von Montag bis Freitag täglich 24 Stunden rund um die Uhr ohne Unterbrechung gehandelt. Es gibt keinen Tagesschlußkurs. Wenn Sie mögen, handeln Sie auch nachts.
- Harter Wettbewerb unter den FOREX-Brokern führt dazu, dass sehr geringe oder meist gar keine Kommissionen und Gebühren pro Trade anfallen. Market Maker und Broker verdienen hauptsächlich am Spread.
- Viele FOREX-Broker bieten dem Kunden die Möglichkeit, zunächst ein Demo-Konto zu eröffnen. Mit diesem Demo-Konto kann der Devisenhandel simuliert werden. Der Kunde bekommt ein Gefühl für die Eigenart dieses Handels und lernt Vorteile und mögliche Schwierigkeiten kennen.
- Die meisten FOREX-Broker bieten die Eröffnung von Small- oder Mini-Accounts an. Es handelt sich um Konten mit einer relativ geringen Mindesteinlage. Die Mindesteinlage beträgt in der Regel zwischen 1.000 und 5.000 US-$.
Die Vorteile des direkten Devisenhandels liegen auf der Hand. Aufgrund der enormen Liquidität an der FOREX lassen sich innerhalb kürzester Zeit sehr hohe Volumina bewegen. Eine sehr schnelle Orderausführung ist gewährleistet. Transaktionen werden in der Regel in Realtime ausgeführt. Es läßt sich an fallenden und steigenden Kursen profitieren und durch den Handel auf Margin sind extrem hohe Hebelmöglichkeiten gegeben. Mit geringem Kapitaleinsatz lassen sich demzufolge größere Volumina bewegen. Es gibt im Wochenverlauf kein Gap-Risiko, da der Devisenhandel von Montag bis Freitag rund um die Uhr ohne Unterbrechung handeln.
Zu beachten ist, dass das Repertoir der zu handelnden Devisenpaare recht überschaubar ist und dass das charttechnische Trading von Devisen sich schwierig gestaltet. Ähnlich wie im FDAX wimmelt es bei den Currencies nur so von charttechnischen Fallen.
Bei der Wahl eines Market Makers bzw. Brokers für den Devisenhandel gilt es Folgendes zu beachten.
Wo ist der Sitz des Brokers? Wie und wo sind die Einlagen gesichert? Wie stabil läuft die Trading Software? Wie komfortabel ist die Trading Software? Wieviele Währungspaare werden zum Handel angeboten? Wie sind die Spreads? Werden Spreads konstant (fest) gehalten? Letzteres ist ein ganz wichtiger Punkt. Ist der FOREX Broker direkt als Market Maker aktiv oder werden die Orders an einen anderen Market Maker weitergeleitet? Letzteres wäre inakzeptabel u.a. wegen klar langsamerer Orderausführung und Ausführung zu schlechteren Preisen.
Umsatzvolumen
Alles US-Dollar oder was? Diese an eine deutsche Jogurt-Werbung angelehnte Frage ist durchaus berechtigt. Schließlich dominiert der US-Dollar (ISO-Kürzel: USD) den Devisenhandel. Heute werden etwa 65 Prozent aller Devisenmarkt-Transaktionen in USD abgerechnet. Und der Markt ist riesig: Weltweit werden täglich Devisen im Volumen von etwa 1.800 Milliarden USD gehandelt. Bei rund 260 Handelstagen im Jahr ergibt sich eine gigantische Summe von 468.000 Milliarden USD. Im Vergleich dazu betrug das amerikanische Bruttoinlandsprodukt in 2003 nur 11.000 Milliarden USD. Wie eine Karawane machen sich die Händler innerhalb von 24 Stunden in Sydney auf, um über Tokio/Singapur nach Frankfurt/ London und New York sowie der amerikanischen Westküste schließlich wieder in Sydney zu landen. Dabei ist die Reise rund um den Globus nur einen Mausklick entfernt, sind sie doch mit ihren Rechnern in den hoch technisierten und stark vernetzten Trading-Systemen in jedem Moment am Markt präsent. Durch so genannte "Overnight-Orders" besteht die Möglichkeit, bei Veränderungen am Devisenmarkt in der Nacht, umgehend mit entsprechenden Käufen oder Verkäufen zu reagieren. Zentral- und Geschäftsbanken, Großkonzerne, Fonds, Versicherungen und andere Finanzintermediäre sowie millionenschwere Spekulanten sind die Marktteilnehmer. Da sich der Devisenhandel über die gesamte Welt erstreckt, entzieht er sich ähnlich des Internets weitgehend der Kontrolle einzelner Staaten. Es herrscht der so genannte Freiverkehrshandel.
Aber keine Regel ohne Ausnahme: Das kommunistische China zum Beispiel koppelt die eigene Währung Renminbi (Yuan) seit 1995 an einen festgeschriebenen Wechselkurs zum USD. Zwar sichert der künstlich auf niedrigem Niveau gehaltene Yuan die Exportfähigkeit chinesischer Unternehmen und somit die wirtschaftliche Stärke des Landes, verpflichtet jedoch die Zentralbank zu Interventionen, wenn der Kurs zu stark schwankt.
Die große Futures-Händlerlegende Jesse Livermore, der in den zwanziger Jahren mit Weizen-Kontrakten Millionen gemacht und mit Sojabohnen-Futures alles wieder verloren hat, verschickte die Aufträge an seinen Broker teils noch per Post. Noch vor 25 Jahren warteten Händler und Broker jeden Nachmittag gespannt in ihren Büros auf ihre so genannten Tapes, um aktuelle Kurse zu erfahren. Orders gingen per Fernschreiber und Telefon raus. Dann kamen die so genannten Wire-Systeme, die immerhin schon Direktverbindungen zu den Börsenplätzen ermöglichten. Aber erst mit dem Siegeszug der New Economy in den späten neunziger Jahren kamen Finanzportale und elektronische Handels-Plattformen ins Spiel. Ein grenzenloses Internet sowie eine perfekte Software sorgen heute dafür, dass Händler Kauf- und Verkaufsaufträge an ihren falls nötig auch mobilen Rechnern zur Echtzeit-Ausführung direkt platzieren und interaktiv kommunizieren können.
Wer oder was bewegt den Devisenhandel?
Unter dem Strich gibt es drei Gruppen, die das Geschehen an den Devisenmärkten maßgeblich bestimmen: Spekulanten, Hedger und Interventionisten. Der größte Spekulant war zweifellos Jesse Livermore, dessen Nachfolge gegen Ende des 20. Jahrhunderts George Soros angetreten hat. Dazu kommen noch die mittlerweile gewichtige Gruppe der Hedge-Fonds sowie ein Millionenheer von Kleinspekulanten. Allen geht es darum, Gelegenheiten an den Devisenmärkten zu ihrem Vorteil auszunutzen, kurzum Gewinne zu erzielen. Dabei werden Sie werden oft kritisiert, scheinbar auf Kosten anderer verdienen zu wollen. Fakt ist jedoch, dass eigentlich nur Schwachstellen, die ohnehin vorhanden sind und andere zu verantworten haben, durch solche Akteure ausgenutzt werden und sich hierdurch sogar eine wünschenswerte Marktbereinigung ergibt.
Schwächelt zum Beispiel der US-Dollar und ein Spekulant verdient daran, dann stehen dahinter volkswirtschaftliche Versäumnisse der US-Wirtschaft. Ein Ungleichgewicht, das die Märkte früher oder später korrigiert hätten. Ein guter Spekulant nimmt diese Entwicklung vorweg und verdient mit seiner Einschätzung Geld – oder er verliert es, wenn sie sich als falsch herausstellt.
Die Hedger – zu Deutsch: Absicherer – haben in der Regel keine Gewinnabsichten. Ihnen geht es um die Absicherung des Währungsrisikos. Das heißt, sie kaufen heute schon die Währung, die sie morgen benötigen. Das Motiv ist klar: Den heutigen Preis kennen sie, mit dem können sie kalkulieren. Wie sich der Preis im Zeitablauf ändert, ist hingegen nur schwer zu prognostizieren. Ein Beispiel verdeutlicht den Mechanismus: Ein Exporteur, der eine Maschine für 100.000 US-Dollar in die USA verkauft hat, aber erst in sechs Monaten den Rechnungsbetrag in US-Dollar erhält, sieht sich einem Wechselkursrisiko ausgesetzt und läuft bei einem Wertverlust des US-Dollar Gefahr, Geld zu verlieren. Die Unsicherheit besteht im Grunde darin, dass nicht genau abschätzbar ist, welchen Euro-Gegenwert 100.000 US-Dollar in sechs Monaten haben.
Beispiel: Absicherung eines USD-Aktiendepots
Wie groß die Auswirkungen von Wechselkurs-schwankungen sind, veranschaulicht folgendes Beispiel: Ein Anleger – nennen wir ihn einmal Benjamin Cash – will 100.000 Euro in US-Aktien investieren. Für diese Summe bekommt er Anfang 2002 bei einem EUR/USD-Wechselkurs von 0,90, das heißt 90 Cent pro Euro, knapp 90.000 USD, die er in New York anlegt.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt sind die Kurse der Aktien um etwa fünf Prozent gestiegen. Der Wert seines Depots beträgt knapp 95.000 USD und der erfreute Anleger entschließt sich, zu verkaufen. Doch der Greenback hat dem Investor einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Denn der Wert des USD ist inzwischen gesunken und er muss nun 1,12 USD pro Euro bezahlen. Beim Rücktausch erhält Benjamin Cash für seinen Depotwert von 94.500 USD, also nur etwas mehr als 84.800 Euro zurück. Von 100.000 Euro hat er somit 15.200 Euro oder über 15 Prozent seines Startkapitals in den Sand gesetzt. Der Kursverlust des Greenback hat den Anleger trotz des Aktiengewinns ins Minus gerissen. Aber schon mit einer kleinen Spekulation am Devisenmarkt hätte sich unser Benjamin Cash absichern und für sein Depot trotz der Währungsverluste einen ordentlichen Ertrag realisieren können.
Zuletzt seien die Interventionisten genannt. Zu ihnen zählen Zentral- und Notenbanken, die weder Gewinn- noch Absicherungsstrategien verfolgen. Sie tätigen Währungskäufe oder -verkäufe aus volkswirtschaftlicher Motivation heraus und versuchen den Kurs der eigenen Währung in die eine oder andere für sie günstige Richtung zu bewegen. Grundsätzlich haben Notenbanken mehrere Möglichkeiten, Wechselkurse in die von ihnen gewünschte Richtung zu dirigieren.
Das schwächste Mittel ist die verbale Intervention, die so genannte "Moral Suasion". Bestes Beispiel ist die Europäische Zentralbank (EZB), die sich dieses Mittels gerne bedient. Zu Beginn 2004 beklagte die EZB öffentlich ein zu hohes EUR/USD-Verhältnis und forderte sogar den Chef der US-Notenbank Alan Greenspan über die Presse auf, seiner Währung zumindest verbal den Rücken zu stärken. Soweit die Theorie, bei der ein Faktor allerdings bewusst ausgeblendet wird. Um die Wirkung der verbalen Intervention zu messen, werden die restlichen Parameter als konstant angenommen. Und genau das funktioniert in der Realität eben nicht. Dort ändern sich alle Einflussgrößen permanent.
Drehen die Notenbanken an der Zinsschraube, entspricht dies einer etwas härteren Gangart. Direkten Einfluss auf die Wechselkurse nehmen sie über diesen Weg jedoch nicht, indirekten hingegen schon. Die Erklärung ist einfach: Fallen die Zinsen in einem Land, sinkt die Rendite und Kapitalanlagen werden weniger lukrativ und die entsprechende Währung unattraktiver. Das Prinzip dahinter lässt sich schnell am Beispiel einer US-Staatanleihe verdeutlichen. Um einen solchen Bond zu kaufen, muss die eigene Währung in Dollar getauscht werden, denn die US-Staatsanleihen notieren in ihrer Heimatwährung. Der Dollar-Kauf führt zu höheren Kursen. Fällt jetzt aber das Zinsniveau, steigen die Preise der Anleihen und werden damit für ausländische Investoren doppelt uninteressant. Der Grund: Hohe Anleihekurse und gleichzeitig fallende oder zumindest niedrige Zinsen sind nicht sexy. Dies führt nun dazu, dass weniger Dollar auf den Devisenmärkten nachgefragt werden, um sie in Bonds zu stecken, da das Kapital sich in der Regel die lukrativste Verwendung sucht. Die Folge in dem Beispiel ist klar, der Kurs des Dollar sinkt.
Das stärkste Mittel, die Wechselkurse zu beeinflussen, ist sicher die direkte Intervention am Devisenmarkt, wie es derzeit besonders die asiatischen Notenbanken tun. Die Devisenreserven, die Länder wie China und Japan mittlerweile angehäuft haben, betragen über 1.000 Milliarden US-Dollar. Beispiel Japan: Allein für Interventionen im Jahr 2004 steht die gigantische Summe von 140.000 Milliarden Yen, umgerechnet 1.300 Milliarden Dollar, zur Verfügung. Auf bis zu acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts darf das Defizit so in der japanischen Leistungsbilanz anschwellen. Berühmt sind auch die Pfund-Stützungskäufe der Bank of England (BoE) Ende der achtziger Jahre. Festzuhalten ist, dass die Notenbanken für diese Strategien Gegenparteien brauchen, die sich unter anderem aus Spekulanten und Hedgern zusammensetzen.
Insgesamt machen im System freier Währungen kurzfristige Devisenspekulationen einen Großteil der Gesamtmarkttransaktionen aus. Dies hat zur Folge, dass Notenbank-Interventionen an Bedeutung verlieren und internationale Spekulanten mehr und mehr die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Strukturen beeinflussen.
Faktoren für Devisenmarktbewegungen
Die Kursentwicklung bei Devisen wird nach dem allseits bekannten ökonomischen Prinzip von Angebot und Nachfrage bestimmt. Solange das Angebot höher ist als die Nachfrage, sinkt der Kurs. Je tiefer der Preis allerdings ist, desto attraktiver wird der Markt für Käufer. Bis auf einem bestimmten Kursniveau die Nachfrage das Angebot wieder übersteigt. Nun beginnt die Währung zu klettern. Dieses Spiel wiederholt sich immer wieder – zumindest in der Theorie. Die Folge: Der Kurs bewegt sich in Wellen. Profis bezeichnen dieses Auf und Ab als Volatilität oder Schwankungsbreite.
Wie lässt sich nun feststellen, ob der aktuelle Kurs billig – und damit eine günstige Kaufgelegenheit – oder teuer – und damit eine gute Verkaufsgelegenheit – ist? Die Antwort klingt kompliziert, ist es aber bei genauem Hinsehen nicht: Der Kurs muss sich unterhalb oder oberhalb eines bestimmten Gleichgewichts befinden. Aus der Wissenschaft kommen zwei mögliche Erklärungsansätze, wann dies der Fall sein kann:
Die Kaufkraftparitäten-Theorie, der älteste der internationalen Ansätze, geht davon aus, dass zwei Währungen sich im Gleichgewicht befinden, wenn man die gleichen Waren und Dienstleistungen für den jeweiligen Gegenwert dieser Währungen erhalten kann. Der Kaufkraftparitäten-Theorie zu Grunde liegt das Gesetz des internationalen Preisausgleichs ("Law of One Price“). Ein Kaufkraftverlust (Inflation) führt damit zu einer Abwertung der betroffenen Währung, eine stärkere Kaufkraft (Deflation) entsprechend zu einer Aufwertung. Es lassen sich die absolute und die relative Kaufkraftparitäten-Theorie unterscheiden: Die absolute erklärt den Wert der Währung aus dem Verhältnis der absoluten Preisniveaus der entsprechen Länder. Eine Modifikation dieses Ansatzes führt zur Kaufkraftparitäten-Theorie. Demnach ergibt sich der Wert der Währung aus den Preisniveauänderungen zweier Länder zueinander.
Allerdings ist die Paritätsbeziehung in der Realität nicht immer erfüllt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass verschiedene lokale Bedingungen und Bedürfnisse einzelner Währungsregionen nicht die Bildung eines einheitlichen Warenkorbs ermöglichen. Und somit lässt sich auch keine absolute Vergleichsgröße festlegen. Ferner sind nicht alle Güter und Dienstleistungen international handelbar. Ökonomisch ergibt sich daraus keine Notwendigkeit zu übereinstimmenden Preisen. Im Allgemeinen passt sich der Wert einer Währung aufgrund der Trägheit der Märkte nur langfristig an die Entwicklung der Inflationsrate an. Durch Spekulation kann der Kurs auch kurz- und mittelfristig von seinem fundamentalen Wert erheblich abweichen. Im Fachjargon heißt dies „Overshooting“. Weiterhin vernachlässigt die Theorie Beschaffungs-, Transport- und Zollkosten sowie die Kauf- und Verbrauchsgewohnheiten der Konsumenten in einzelnen Ländern, die niedrigere Preise in anderen Währungsregionen wieder ausgleichen können.
Die Zinsparitäten-Theorie basiert auf der Überlegung, dass Investoren ihr Geld stets dort investieren, wo es die höchste Rendite erwirtschaftet. Der Gedanke hinter dieser Theorie ist, dass im Inland angelegtes Kapital den gleichen Zinsertrag erwirtschaften muss wie eine Investition im Ausland, da sich ansonsten risikolose Arbitragemöglichkeiten ergäben. Ein Beispiel: Eine Zinssenkung macht für Anleger einen Wirtschaftsraum und damit seine Währung unattraktiver. Daher ziehen sie ihr Geld dort ab und legen es in einer ertragreicheren Währung an. In der Folge kommt es zu einem neuen Gleichgewicht, aber auf niedrigerem Niveau. Die durch die Zinssenkung betroffene Währung verliert an Wert. Im umgekehrten Fall wird eine Währung durch höhere Zinsen attraktiver und wertet auf. Es bildet sich ein neues Gleichgewicht, nur auf höherem Niveau. Voraussetzung für die Gültigkeit der Zinsparitäten-Theorie ist eine perfekte Substitution von Finanztiteln aus dem In- und Ausland sowie ein ungehinderter Kapitalfluss zwischen den jeweiligen Ländern. Weiterhin ist eine Veränderung des Zinsniveaus auch meist ein Indikator für den Gesundheitszustand, in dem sich eine Volkswirtschaft befindet. Nach dem Motto „Zinsen runter macht Geld preiswerter“, verlangen auch die Banken weniger Kreditzinsen von ihren Kunden, da sie sich selbst günstiger refinanzieren können. Fremdkapitalfinanzierte Investitionen rechnen sich zügiger, der Konjunkturmotor springt an. Anders herum funktioniert es analog.
Weitere Einflussfaktoren auf den Devisenmarkt sind die Inflationsrate, der Außenhandel, politische Ereignisse, Spekulation und die Aktivitäten der Noten- und Zentralbanken in Form von künstlichen Eingriffen. Aber auch die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Arbeitsmarkdaten bestimmen den Wert einer Währung.
Die Inflationsrate ist ein Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit eines Staates im Vergleich zu anderen Ländern. Ist beispielsweise der Preisauftrieb im Inland höher als im Ausland, so erleiden inländische Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten. Daraus resultiert ein Anstieg der inländischen Importe und somit eine stärkere Nachfrage nach fremder Währung, die daher entsprechend aufwertet. Liegt die Teuerung im Inland unter der im Ausland, verhält es sich genau umgekehrt.
In der Außenhandelsbilanz werden die Im- und Exporte eines Landes gegenübergestellt. Der sich daraus ergebende Saldo kann ausgeglichen, negativ (Importe > Exporte) wie im Konsumland USA oder positiv (Importe < Exporte) wie beim Exportweltmeister Deutschland sein. Im Fall eines Außenhandelsbilanz-Defizits steigt die Nachfrage nach fremder Währung, da die Ausgaben zur Finanzierung der Importe die Erträge aus den Exporten in fremder Währung übersteigen. Mittelbar hat dies einen Kursanstieg der betroffenen Währung zur Folge. Ein Überschuss in der Außenhandelsbilanz bewirkt hingegen ein Angebot an fremder Währung, das die Nachfrage übertrifft und somit zu einem sinkenden Kurs führt.
Rechnen Devisenspekulanten beispielsweise mit einer Aufwertung einer Währung gegenüber der anderen, dann steigt die Nachfrage hier ebenfalls. Spekulanten positionieren sich dem entsprechend und treiben dadurch den Kurs der Währung nach oben. Die Kraft, die hinter solch spekulativen Bewegungen steckt, sollten Anleger nicht unterschätzen.
Letztlich hängt das Verhalten der Marktteilnehmer im Devisenhandel nicht nur von der aktuellen Informationslage ab, sondern ganz entscheidend auch von den Erwartungen zur künftigen Entwicklung der Konjunktur. Diese wiederum wird auch von politischen Ereignissen maßgeblich beeinflusst. So kann beispielsweise der Wahlsieg einer bestimmten Partei, die für eine wirtschaftsfreundliche Politik bekannt ist, eine positive Einschätzung des Landes und damit auch der Wechselkursentwicklung nach sich ziehen.
Die Spielregeln am Kassamarkt
Valutierung
Valuta – dieser Begriff bedeutet schlicht Abrechnungstag. Doch immer schön der Reihe nach. Im Devisenhandel heißt der Tag des Geschäftsabschlusses Handelstag. Ein Handelstag ist immer ein Wochentag, niemals Samstag oder Sonntag. Fällt ein Bankfeiertag wie Heiligabend oder Silvester auf einen Wochentag, ist das ebenfalls kein Handelstag. Die Lieferung oder besser Wertstellung erfolgt in der Regel zwei Werktage später und wird Valuta genannt. Ist der Handelstag zum Beispiel ein Donnerstag, fällt die Valuta auf den kommenden Montag. Zu beachten ist, dass auch Bankfeiertage anderer Länder Einfluss auf die Valuta haben können. So könnte zum Beispiel der amerikanische Unabhängigkeitstag am 4. Juli die Valuta eines Geschäfts in EUR/GBP beeinflussen, obwohl der USD gar nicht involviert ist. Er dient allerdings als Verrechnungswährung
Quotierung der Währungspaare
Devisenhändler vergeuden ungern Zeit, daher lieben sie es einfach. So hat jede Währung ihre eigene dreistellige Buchstabenkombination – Verwechslungen sind ausgeschlossen! Bei den Währungspaaren steht die gehandelte Währung immer voran und heißt Basiswährung. Dahinter folgt die so genannte variable Währung, die den Gegenwert darstellt. Eine Quotierung USD/CHF 1,2500 bedeutet folglich, dass ein USD einen Gegenwert von 1,2500 CHF hat. Genau genommen werden aber in der Regel nicht ein, sondern zwei Kurse quotiert: der Geld- und der Briefkurs. Der Geldkurs ist für einen Händler auf der Nachfrageseite der Preis, zu dem er an den Anbietenden, den so genannten quotierenden Händler, verkauft. Der anbietende Händler wird im Fachjargon auch "Market Maker" genannt. Der Briefkurs ist dagegen der Kaufpreis, den der Nachfragende dem Market Maker zahlen muss. Der Market Maker handelt dabei stets zu dem für ihn günstigeren Kurs, der in der Regel aber dem "Inside Market", das heißt dem höchsten Geld- und niedrigsten Briefkurs entspricht.
Spread
Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs beziehungsweise zwischen Geld und Brief wird als Spread bezeichnet. Der Spread beinhaltet gleichzeitig die Gebühr des Market Maker für die Transaktionsabwicklung im Auftrag des Kunden. Je nach Liquidität des jeweiligen Währungspaares kann diese Spanne unterschiedlich groß sein. Dabei gilt: Je liquider die Währung, desto geringer der Spread.
Pips und Big Figure
Pips oder auch Punkte werden die letzten beiden Stellen der nach dem Komma meist vierstelligen Kursquotierung genannt. Prominenteste Währung, die nur auf zwei Stellen noch dem Komma quotiert wird, ist der Yen. 100 Pips bezeichnen Händler als Big Figure. Verändert sich der Kurs EUR/USD beispielsweise von 1,2510 auf 1,2527, so ist er um 17 Pips gestiegen. Ein Absinken von 1,2527 auf 1,2427 wäre dagegen ein Fall um eine Big Figure. Typisch Börse: Von Händlern werden häufig nur die Pips einer Quotierung genannt, während der Rest – die aktuelle Big Figure – als gemeinhin bekannt vorausgesetzt wird. Sie sehen, auch beim Sprechen lässt sich Zeit einsparen!
Long / Short / Flat
Erwartet ein Händler bei einer Währung steigende Notierungen, so kauft er diese Währung. Ein positives Guthaben in einer Währung bezeichnet man als Long-Position. Geht er aber von fallenden Kursen aus, so verkauft er die Währung. Bei einer Verbindlichkeit – also einem negativen Bestand in dieser Währung – spricht man von einer Short-Position. Ist der Saldo aus Käufen und Verkäufen in einer Währung dagegen ausgeglichen, so ist der Händler Flat.
Crossrates und Majors
In der Regel werden alle Währungen gegen den US-Dollar verrechnet. Der Greenback dient quasi als offizielle Verrechnungswährung. Das hat folgenden Vorteil: Der Kurs zweier Nicht-Dollar-Währungen kann aus den jeweiligen Quotierungen zum US-Dollar exakt ermittelt werden und heißt Crossrate. Auf diese Weise können fortlaufende Notierungen gewährleistet und auch illiquide Währungspaare problemlos gehandelt werden. Der Grad an Illiquidität spielt dabei keine Rolle, da gegenüber dem US-Dollar ständig ein Kurs gestellt wird. Dabei werden die Quotierungen aus dem US-Dollar (USD) und den anderen großen Währungen wie Euro (EUR), Yen (JPY), Schweizer Franken (CHF) und Britisches Pfund (GBP) als Majors bezeichnet. Dabei stehen die Majors in einer ständigen Wechselwirkung zueinander. Massive Verkäufe bei EUR/JPY können über die Crossrate auch EUR/USD belasten. Der US-Dollar ist nicht der Nabel der Welt.
Margin und Leverage
Da Devisenkurse häufig in überschaubaren Bandbreiten, die wie zuvor erwähnt als Volatilität bezeichnet wird, schwanken, bieten manche Market Maker den Akteuren die Möglichkeit, ihre Transaktionen ausführen zu dürfen, ohne die gesamte gehandelte Summe aufbringen zu müssen – also eine Art Devisenkredit. Nur das Risiko will der Market Maker über die Sicherheitshinterlegung abgedeckt wissen. Die Sicherheitsleistung, die so genannte Margin, ist Gewähr für den Market Maker, dass er als Gegenpart des Geschäfts nicht auf einer offenen Position sitzen bleibt und somit das finanzielle Risiko tragen muss. Läuft der Kurs in die falsche Richtung, so wird der Verlust aus der Margin gedeckt. Diese Marginanforderung beträgt je nach Währung und Makler nur ein bis zwei Prozent der gehandelten Summe – dies entspricht einem Hebel von 100 bzw. 50. Doch während bei Derivaten wie Optionen oder Futures eine Nachschusspflicht die Regel ist, existiert diese im Devisenhandel nicht nur unter bestimmten Bedingungen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der ein verheerendes Loch in der eigenen Kasse vermeiden helfen kann. So lange das eigene Guthaben über der vereinbarten Margin liegt, kann ein Investor ohne Probleme größere Verluste auch über längere Zeit aussitzen. Die Mindestsumme (meist als Prozentsatz der zu handelnden Summe notiert), die bei Handelsstart zur Verfügung stehen muss, heißt Initial Margin. Das Charmante: Mit geringerem finanziellem Aufwand kann insgesamt eine größere Summe am Markt bewegt werden. Die Hebelwirkung oder Leverage (Englisch: lever = Hebel) kommt an dieser Stelle ins Spiel und wirkt wie ein Turbo. Liegt der Akteur richtig, steigt sein Gewinn. Liegt er falsch, vergrößert sich leider auch sein Verlust.
Beispiel: Leverage-Effekt ganz plastisch
Angenommen ein Auto kostet 50.000 Euro, dann würde ein Käufer für den Wagen sicher den vollen Betrag zahlen. Dagegen hat das Recht diesen Wagen für 50.000 Euro erwerben zu dürfen nur dann einen Wert, wenn es aussichtsreich erscheint, das Fahrzeug für mehr als 50.000 Euro weiter verkaufen zu können. Es geht praktisch nicht um den Bezug, sondern lediglich um die Wertsteigerung. Hat der Anleger 1.000 Euro für dieses Recht gezahlt und steigt der Wert des Autos auf 55.000 Euro, hat das Recht einen Wert von 5.000 Euro. Für 1.000 Euro Einsatz gibt es 5.000 Euro zurück – ein Gewinn von 4.000 Euro.
Reicht die hinterlegte Margin des Kunden nicht mehr aus um den Verlust abzudecken, hat der Market Maker zwei Möglichkeiten:
- Er fordert die benötigte Summe vom Kunden nach (Margincall). Zahlt dieser nicht, wird in aller Regel die Position aufgelöst. Und zwar zu dem dann anliegenden Kurs.
- Er vereinbart mit dem Kunden das Recht, ab einer bestimmten Grenze die Position eigenmächtig schließen zu dürfen. Sobald diese über das abgedeckte Risiko hinaus in den Verlust läuft, wird verkauft. Um den aktuellen Gewinn oder Verlust ständig und automatisch im Auge zu behalten, muss er daher eine Funktion zur Überwachung installieren – den so genannten Marginwatcher.
Kassa- vs. Terminkurs
Der Kassakurs, der auch "Spot Rate" oder nur "Spot" genannt wird, bildet die Basis bei Devisengeschäften, die von den beteiligten Akteuren mit üblicher Valuta sofort zu erfüllen ist. Wenn ein Devisengeschäft bereits heute vertraglich fixiert wird, der effektive Währungstransfer jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt, dann ist der Terminkurs relevant. Der Terminkurs, der auch als "Forward Rate" oder "Forward" bezeichnet wird, ist somit der heute vereinbarte Kurs zu dem ein Investor in der Zukunft kauft oder verkauft. Der Terminkurs berechnet sich aus dem Kassakurs plus dem Swapsatz. Ein positiver Swapsatz (Terminkurs > Kassakurs) heißt Report (Aufschlag) oder "Premium", einen negativen (Terminkurs < Kassakurs) nennt man in der Praxis Deport (Abschlag) oder "Discount". Dabei hängt die Höhe des Swapsatzes von der Zeitspanne zwischen der Vereinbarung des Terminkurses und dem Währungstransfer ab. Unter dem Strich drücken Terminkurse keine Erwartungen aus, sondern berücksichtigen aufgrund der Arbitragefreiheit nur die Zinsdifferenzen zwischen den beteiligten Währungen. Devisentermingeschäfte sind beidseitig verpflichtend und bieten dank fester Währungsparität eine verbindliche Kalkulationsbasis wie sie Exporteure häufig benötigen. In Zeiten eindeutiger Währungstrends ist die Devisen-Option als spekulativere Variante jedoch das probatere Mittel.
Psychologie des Devisenhandels
Wie sagte einst Sir Isaac Newton, ein leidenschaftlicher Börsenspekulant, der sein ganzes Vermögen mit Südsee-Geschäften um 1720 verloren hatte: "Die Bahn der Himmelskörper kann ich auf Zentimeter berechnen, jedoch nicht, wie eine verrückte Menschenmenge die Kurse in die Höhe oder Tiefe treiben kann." Gemeint hatte der größte Physiker der Welt damit, dass die Psychologie, sei es an der Börse oder im Devisenhandel, ein entscheidender Faktor ist. Immer dann, wenn an den Märkten besonders übertrieben wird, offenbaren sich extreme Verhaltensmuster wie kollektive Gier oder Panik. Der Mensch ist eben kein "Homo Oeconomicus", wie ihn die Wissenschaft gerne definiert, der immer streng rational handelt. Selbst wenn man hundert Hochbegabte in einem Raum zusammenpfercht, dann wird diese Masse nicht vom Verstand, sondern hauptsächlich von Emotionen gelenkt. Die Natur setzt dem Menschen zudem seine Grenzen: Aufgrund physischer und mentaler Beschränkungen kann dieser häufig nur bedingt rational handeln. Folgendes Bild illustriert das Gefühlsspektrum eines typischen Investors (Stufen 1 bis 19).
Die Fieberkurve des Anlegers: Psychologie pur
Durch das mittlerweile große Medienangebot werden die Anleger mit Informationen geradezu überflutet. Um diese Masse überhaupt verarbeiten zu können, bedienen wir uns meist unbewusst bestimmter gedanklicher Mechanismen. Gesteuert werden diese jedoch nicht von der Ratio, sondern von psychologischen Einflussfaktoren, denen jeder Mensch in ähnlicher Weise unterliegt.
Zur Darstellung von komplexen Sachverhalten bedient sich der Mensch gerne Vereinfachungen, so genannter Heuristiken. Das, was ihm nicht in den Kram passt oder überflüssig erscheint, wird einfach aussortiert. Das Problem ist, dass wir hierbei subjektive, häufig nicht rationale Kriterien anlegen. Beispielsweise wird nach Auffälligkeit der Information, deren Verfügbarkeit oder Häufigkeit der Wiederholung selektiert.
Ein ebenfalls unter Anlegern weit verbreiteter Fehler ist das bekannte Verhalten, Verluste laufen zu lassen und Gewinne zu früh mitzunehmen. Die Psychologie hilft auch hier: Die Meisten bewerten ihr Engagement relativ zum Kaufkurs. Dabei tritt das Phänomen der abnehmenden Sensitivität bezüglich bestimmter Emotionen auf, beispielsweise Freude und Ärger. Dies bedeutet, dass je höher der bereits erzielte Gewinn ist, desto relativ weniger freuen wir uns über einen noch größeren Gewinn. Im Gegensatz dazu ärgern wir uns relativ weniger über einen noch höheren Verlust, je größer das bereits angefallene Minus ist – frei nach dem Motto "Jetzt ist es auch egal". Hinzu kommt, dass sich Anleger über anfängliche Verluste relativ mehr ärgern als sie sich über einen gleich hohen Gewinn freuen. Im Fachjargon heißt dies "Loss Aversion". Eine größere Risikobereitschaft, in Verlustphasen eher nachzukaufen als in der Gewinnzone, ist zudem ein mentaler und oftmals auch fataler Fehler für den eigenen Geldbeutel.
Auch über diese Psychofalle sollten sich Anleger im Klaren sein, denn viele kleine zu früh realisierte Gewinne können zu dem Phänomen der Kontrollillusion führen. Daraus entwickelt sich jedoch häufig der Verlust der Selbstkontrolle, das heißt zu hohe Einsätze, Überheblichkeit ("Overconfidence"), zu häufiges Handeln ("Overtrading") und eine zu große Risikobereitschaft, die dann nicht selten in einem Desaster enden.
Typische Kursverläufe in der Nähe von Unterstützungen und Widerständen lassen sich ebenfalls verhaltenspsychologisch erklären. In jedem Chart können lokale Hoch- und Tiefpunkte eingezeichnet werden. Dies zeigt, dass an speziellen Punkten offensichtlich eine Änderung der Marktstimmung eintritt – à la "Bis hierher und nicht weiter" – also das Gros der Akteure dieselbe Meinung teilt. Dieser Konsens kann eine Zeit lang anhalten, die Kurse schwanken um diesen Bereich. Damit erhöht sich aber auch sukzessive die Zahl derjenigen, die ihre Kaufkurse hier haben. Fällt die Notierung wieder, wird dieser Punkt bei einem Wiederanstieg des Kurses zu einem Widerstand durch die Verkäufe derjenigen, die froh sind, ihren Kaufkurs noch mal zu sehen. "Mit dem blauen Auge davongekommen", lautet dann der Tenor.
Nicht zuletzt unterliegen Profis wie Analysten und Fondsmanager den menschlichen Schwächen. In der Praxis versuchen viele instinktiv ihren persönlichen Ruf zu maximieren. Maßgeblich dabei ist, dass eine Beurteilung ihrer Fähigkeiten anhand der Qualität der Entscheidungen wegen möglicher anderer Faktoren nur ungenau ist. Aus diesem Grund besteht für sie der Anreiz, die Kollegen zu imitieren, um im Fall eines Misserfolgs nicht als einziger dumm dazustehen.
Lassen sich die Emotionen anhand von Indikatoren deuten? Sentiment- oder Trendfolgeindikatoren wie der MACD, der auf der Berechnung gleitender Durchschnitte basiert, spiegeln die Marktstimmung, also die Emotionen, wider. Beispielswiese liefert die so genannte "Crossover-Methode", das heißt, wenn sich ein kürzerer und längerer gleitender Durchschnitt schneiden, einen wertvollen Hinweis auf einen möglichen Stimmungswechsel. Darüber hinaus veranschaulichen die Analysen von FXresearch die Stimmung der Marktteilnehmer. Der FXsentiment Index zeigt das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten. Dabei wird im Rahmen einer Echtzeit-Umfrage die Stimmung der Marktteilnehmer für ein bestimmtes Währungspaar und des sich daraus ergebenden Marktverhaltens ermittelt. Idee dahinter: Die Teilnehmer stimmen entsprechend ihrer Positionierung ab, da alles andere wenig Sinn macht. Ebenso wie eine Bank wohl kaum eine Verkaufsempfehlung für eine Aktie ausspricht, wenn sie zur selben Zeit hier "long" ist.
Unter dem Strich ist der Devisenhandel vor allem ein Markt, der von der Einstellung in den Köpfen der Anleger dominiert wird. Hinzu kommt die beliebte Gerüchteküche. Zusammen ergibt dies eine hochinteressante Mixtur, macht die Kursprognose jedoch nicht einfacher. Für den weisen Investor gilt daher: Es sollte lediglich Kapital, bei dem auch ein Totalverlust verschmerzbar ist, für Devisengeschäfte eingesetzt werden. Deshalb auch die Finger weg von allen kreditfinanzierten Modellen!




