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ETF-Produktinnovationen
Seit den letzten drei Jahren findet die Thematik um die Exchange Traded Funds eine immer größere Beachtung in der Investorenszene. Vor allem institutionelle Anleger sorgen für ein permanent steigendes Anlagevolumen. Vor allem das Interesse an neuen Indizes steigt ständig. Der Markt sei weit von der Sättigungsgrenze entfernt. Vor allem auf Seiten institutioneller Investoren bestehe großes Interesse an neuen Messlatten. Weltweit investierten die Anleger immer mehr Gelder passiv in Aktien und Anleihen, kaufen also beispielsweise Indexfonds (ETFs). Durch neue Indizes und entsprechende derivative Investmentprodukte auf diese Indizes sei der Finanzwelt eine bessere Feinsteuerung der Anlagestrategien möglich. Mit innovativen Produktideen auf Anlageklassen wie Immobilien, Renten oder Gold kann jetzt nahezu jeder Risikograd mit ETFs abgedeckt werden.
Der europäische ETF-Markt ist zwar wesentlich später gestartet und befindet sich, im Vergleich zu den USA, noch in der Aufbauphase. Bereits nach den ersten drei Jahren ist jedoch eine dynamischere Entwicklung als in den USA, dem Mutterland der ETFs, zu beobachten. Eine Tatsache, die in den kommenden Jahren vor allem eines erwarten lässt: stark anhaltendes Wachstum, untermauert mit immer mehr Produktneuheiten. Produktlancierungen auf Basis der wichtigsten nationalen und europäischen Indizes sind weitgehend abgeschlossen. In Folgeschritten wird die Produktpalette derzeit um weitere ETFs auf andere Basiswerte ergänzt.
Die seit Januar 2006 neu emittierten Papiere schließen große Lücken in der bisherigen ETF-Produktpalette. Finanzhäuser bieten verstärkt Titel für exotische Märkte und spezielle Investmentansätze an. Rohstoffe, Emerging Markets, Branchen und Strategien sind die bestimmenden Themen. Vor allem die langfristig guten Aussichten der Schwellenländer führen zu einer Flut an neuen Papieren.
Alle weltweiten Nachwuchsbörsen bildet beispielsweise der iShares MSCI Emerging Markets von Barclays Global Investors ab. Der ETF investiert in 36 Länder von Argentinien bis Venezuela. Wer gezielt auf einzelne Aktienmärkte setzten möchte, kauft Länder-ETFs auf Korea oder Taiwan. Auch Brasilien und China finden sich im Angebot: Der Lyxor ETF China Enterprises bildet den HSCI-Index nach. Er spiegelt die Entwicklung der wichtigsten chinesischen Unternehmen wider, die an der Börse Hongkong gehandelt werden.
Auch das Angebot an Branchenfonds wächst kontinuierlich. So lanciert die Indexchange AG zahlreiche Produkte auf Branchenindizes aus der Dow-Jones-Familie. Das Spektrum reicht vom Energiesektor über Technologiewerte bis zu Nahrungsmitteln – drei Bereiche, die potenzial aufweisen. Diese Papiere kaufen nicht einzelne Aktien, um den Index abzubilden, sondern nutzen dazu Derivate. Der Clou: Dividenden werden nicht ausgeschüttet, sondern in steuerfreie Kursgewinne umgewandelt, wenn Anleger die Papiere länger als ein Jahr halten.
Weitere Innovationen stehen vor der Einführung. So plant ETF-Anbieter Barclays Global Investors neue Produkte auf einzelne Rohstoffe, wie z. B. Silber, aufzulegen. Nachfolgendes Kapitel gibt einen Überblick über die neuestenel Produktentwicklungen der ETF-Branche per November 2006.
Erster ETF auf Bundes-Langläufer
Der deutsche Anbieter Indexchange hat im Oktober 2005 eine neue Anleihe-ETFs aufgelegt: den Fonds "eb.rexx Government Germany 10,5+ EX" (DE000A0D8Q31), der auf den entsprechenden Rentenindex gemünzt ist. Der Renten-ETF bildet das Segment der größten und liquidesten deutschen Staatsanleihen ab, welche Benchmarkcharakter in Europa genießen. Für den Index qualifizieren sich nur Staatsanleihen mit einem ausstehenden Volumen von mind. 4 Mrd. Euro und einer Restlaufzeit ab 10.5 Jahren.
Der eb.rexx® Government Germany 10.5+EX umfasst derzeit acht Titel mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von über 24 Jahren und einem durchschnittlichen Kupon von 5,5 Prozent. Der Fonds schüttet die Zinserträge aus, so dass Anleger auch in den Genuss hoher laufender Erträge im Vergleich zum übrigen Rentenmarkt kommen. Auch bei der Gesamtperformance hat dieses Laufzeitensegment in den vergangenen drei Jahren die kurz- und mittelfristigen Anlagebereiche deutlich hinter sich gelassen. Durch seine Fondskonzeption ist der eb.rexx® Government Germany 10.5+EX besonders für den Erwerb in das gebundene Vermögen von Versicherungsunternehmen geeignet.
Auch andere Gesellschaften erweitern ständig ihr Angebot im Bereich Renten. Beispiel Barclays Global Investors (BGI): Die Gesellschaft hat über ihre Tochterfirma iShares 3 Renten-ETFs auf den Markt erbracht. Einer davon, dem iShares EUR Inflation Linked Bond, umfasst inflationsgebundene Anleihen. Zwei Corporate Bond-ETF: Einmal der iBoxx Euro Liquid Corporate ETF liegt der iBoxx Liquid Corporate-Index zu Grunde. Er umfasst 40 Euro-Unternehmensanleihen, die eine gute Bonität im Investment-Grade-Bereich (AAA bis BBB-) aufweisen müssen.
Und der iShares USD Corporate Bond, mit dem Anlageziel, den Anlegern unter Berücksichtigung sowohl der Kapitalrenditen als auch der Ertragsrenditen eine Gesamtrendite zu bieten, welche die Rendite des Marktes für US-Dollar-Anleihen mit Investment-Grade Qualität abbildet.
Immobilien-ETFs
Anleger können den weltweiten Markt für Immobilienaktien künftig über ETFs abbilden. Insbesondere bietet hier als erste ETF-Gesellschaft die Indexchange, Tochter der HypoVereinsbank aus München, drei ETFs an: der Dow Jones STOXX 600 Real EstateEX für den europäischen Immobilienmarkt, der Dow Jones STOXX Americas 600 Real EstateEX für den amerikanischen und kanadischen Immobilienmarkt und der Dow Jones STOXX Asia Pacific 600 Real EstateEX für Australien, Hong Kong, Japan, Neuseeland und Singapur. Mit ihnen stehen dem Anleger erstmals ETFs auf weltweite Immobilienaktien zur Verfügung.
| ETF-Name | ISIN | Verwaltungsvergütung | ETF-Währung |
|---|---|---|---|
| Dow Jones STOXX 600 Real Estate EX | DE000A0H0751 | 0,45 % p.a. | EUR |
| Dow Jones STOXX Americas 600 Real Estate EX | DE000A0H0769 | 0,70 % p.a. | EUR |
| Dow Jones STOXX Asia Pacific 600 Real Estate EX | DE000A0H0777 | 0,70 % | EUR |
Der Begriff Immobilienaktien umfasst REITs (Real Estate Investment Trusts), non-REITs und LPTs (Listed Property Trusts). Mit ETFs auf Immobilienaktien können insbesondere deutsche Anleger in die bewährte Anlageklasse "Immobilien" bei geringen Handelskosten investieren.
Gerade die im Anlageuniversum der drei neuen Fonds enthaltenen REITs bieten den Anlegern besondere Vorteile: Die neuen ETFs bilden in REITs die effektivste Anlageform für Immobilien ab. Damit sind sie anderen Investitionsmöglichkeiten in Immobilien deutlich überlegen. Dies gilt für Transparenz, Liquidität und Performance. Der Grund liegt insbesondere darin, dass für REITs aufgrund ihrer Börsennotierung umfassende Veröffentlichungspflichten gelten. Zudem können Anleger den Wert ihres Immobilienbesitzes ständig am Börsenwert ablesen und über den Börsenhandel jederzeit umschichten. Veränderungen des Wertes von offenen Immobilienfonds werden dagegen zeitversetzt durch eine unabhängige Instanz festgelegt.
Weitere Produkte
Die Investmentgesellschaft Axa Investment Managers hat Anfang 2006 ein neuer Indexfonds an der Deutschen Börse zum Handel eingeführt: den Immobilienaktienfonds Easy ETF EPRA Eurozone. Der Easy ETF EPRA Eurozone basiert auf dem Index für Immobilienaktien FTSE EPRA NAREIT Eurozone. Er enthält derzeit 37 Immobilienunternehmen aus Euroland. Die Verwaltungsvergütung des Fonds liegt bei 0,45 Prozent im Jahr. Die Dividenden aus den Immobilienaktien fließen dem Anleger vierteljährlich zu.
In Europa ist noch einen Immobilien-ETFs vom Barclays Global Investment gelistet. Der iShare FTSE/EPRA European Property, welche die European Public Real Estate Association (EPRA) berechnet, beispielsweise den EPRA Europe, EPRA Europe ex UK, EPRA Eurozone und EPRA UK.
Darüber hinaus ist die Pariser Börse Euronext mit der EPRA und der National Association of Real Estate Investment Trusts (NAREIT) eine Kooperation eingegangen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist, Echtzeitdaten über die Wertentwicklung von Immobilien-Wertpapieren zu liefern und damit die Anlageklasse populärer zu machen. So kann die Anlegerwelt in Europa ab sofort in Echtzeit neben den bereits bekannten EPRA-Immobilienindizes auch den NAREIT-North American Index verfolgen, der die Wertentwicklung von 116 amerikanischen und kanadischen Immobilien-Wertpapieren (REITs) abbildet.
Auch hinsichtlich Performance bieten REITs ebenfalls Vorteile. Die Regelungen in den USA, an denen sich weltweit die Bestimmungen orientieren, verpflichten REITs, mindestens 75 Prozent ihres Gesellschaftskapitals in Immobilien zu investieren. Die Folge: Während REITs ihr Gesellschaftskapital fast vollständig in Immobilien anlegen, halten offene Immobilienfonds Mittel vor, um die Anteile ihrer Anleger gegebenenfalls zurücknehmen zu können. REITs haben daher in der Regel eine höhere Investitionsquote und profitieren damit stärker vom Wachstum der Märkte. Gleichzeitig weisen REITs hohe Dividendenrenditen auf. Denn die gesetzlichen Bestimmungen sehen vor, dass die Immobilienaktien einen Großteil ihrer Erträge an die Anleger ausschütten. Amerikanische REITs verzeichneten so seit 1973 jährliche Wertzuwächse von rund 14 Prozent.
Der größte Vorteil für den Anleger ist jedoch die Möglichkeit, sein Portfolio aus Risikogesichtspunkten noch breiter zu diversifizieren. Der Immobilienmarkt ist relativ unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung und damit auch von den Aktien- und Rentenmärkten. Deshalb ist auch die Renditeentwicklung von Immobilien-ETFs von den Kursschwankungen an diesen Märkten weitgehend abgekoppelt. Ihre Entwicklung verläuft weder mit Aktien- noch mit Rentenmärkten im Gleichschritt. Mit den ETFs auf Immobilienaktien in Amerika, Europa und Asien/Pazifik haben Anleger zudem die Möglichkeit, sich an der Entwicklung des jeweiligen Immobilienmarktes mit dem Erwerb von nur einem Wertpapier zu beteiligen und können Immobilientitel fortan wie Aktien über die Börse handeln.
GPR-Index "Deutscher Offener Immobilienfonds" über 5-Jahres-Zeitraum
Mit Immobilien-ETFs können private wie professionelle Anleger ihre Asset Allocation noch individueller gestalten und so ihr Risiko in hohem Maße weiter diversifizieren.
Landwirtschafts-ETFs
Mit dem Landwirtschafts-ETF wurde im September 2006 den Anlegern die Tür in eine völlig neue Anlageklasse geöffnet – der Agrarwirtschaft. Der neue Easy ETF GSAL (WKN: A0KEV0) von der AXA-Tocher Easy ETF bildet den Goldman Sachs Agriculture and Livestock Total Return Index (GSAL TR) ab. Dieser Index besteht zu 31,4 Prozent aus Lebendvieh und 68,6 Prozent aus pflanzlichen Agrarprodukten. Genauer: der Index wird zu 16,7 Prozent von den Preisen für Lebendrinder und zu 10 Prozent für magere Schweine bestimmt. 4,7 Prozent sind Mastvieh. Der vegetarische Teil besteht zu 17 Prozent aus Weizen, zu 15 Prozent aus Mais und zu 9 Prozent aus Zucker. Insgesamt sind acht verschiedene Ernteprodukte enthalten.
Goldman Sachs passt die Gewichtung der einzelnen Produkte an die weltweite Produktion an. Je mehr erzeugt wird, desto stärker bestimmt der Rohstoffpreis den Index.
Der neue ETF wird an der Deutschen Börse in Frankfurt im XTF-Segment gehandelt. Ein Ausgabeaufschlag wird bei ETFs generell nicht berechnet. Dafür gibt es eine Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs (sog. Spread) und die üblichen Gebühren für den Börsenhandel. Die Verwaltungsvergütung liegt bei 0,45 Prozent im Jahr.





