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    Inhaltsverzeichnis

    ETF-Strategien

    Beta-Steuerung von ETFs

    Emotionen spielen bei der Anlageentscheidung oft eine wichtige Rolle. Gerade in Schockszenarien lässt sich unverhältnismäßiges Handeln der Marktteilnehmer nachweisen. So können Anleger ihre ETF Investment für solche Ergebnisse kostengünstige absichern. Die Beta-Steuerungs-Modell ist speziell im diesem Marktumfeld erfolgreich und kann über entsprechende long/short Positionen im jeweiligen Futures entweder den Ertrag des ETFs steigern oder mögliche Verluste lindern.

    In fallenden Märkten wird das Portfolio Beta frühzeitig durch das Modell auf ein individuelle zu vereinbarendes Niveau gesenkt, während bei steigenden Märkten das Beta auf ein vorher festzulegendes Niveau erhöht wird.

    ETFs als Futures-Ersatz

    ETFs bilden eine äußerst interessante Alternative zu Futures-Positionen. Ein wesentlicher Unterschied dieser beiden Investments besteht in der Kostenstruktur: ETFs werden mit einer Verwaltungsgebühr belastet, beim Futures-Handel entstehen Roll-over-Kosten. ETFs sind zudem direkter und hinsichtlich Finanzbuchhaltung, Überwachung und Performancemessung den Aktien ähnlich. Beim Handel mit ETFs ist kein gesondertes Futures-Konto notwendig. Darüber hinaus gibt es für ETFs keine Mindestkontraktgröße, was wiederum den Vorteil hat, dass kleinere Cashflows leichter und präziser gehandelt werden können.

    ETFs sind vor allem für Anleger interessant, denen durch bestimmte Reglements die Verwendung von Futures-Positionen nicht gestattet ist. Oft ist es auch der Fall, dass Investoren in bestimmte Märkte investieren wollen, in denen keine handelbaren Futures verfügbar sind. Hier stellen ETFs wertvolle Alternativen dar.

    Market Neutral Strategie

    Bei der "Market Neutral Strategie" wird die Langzeitposition eines Marktes, zum Beispiel des DJ EURO STOXX 50, DAX, Dow Jones Industrial Average, DJ STOXX 600 Banks oder MSCI Europe, neutralisiert, indem ETFs verkauft werden (shorting). Gleichzeitig kauft der Anleger einen bestimmten Sektor oder einzelne Aktien, um sich eine Outperformance zu erarbeiten. Der Erfolg der Strategie hängt von der Entwicklung des Spreads zwischen Index und Sektor beziehungsweise einzelner Aktie ab, weniger von der absoluten Index-Entwicklung.

    Long-/Short-Strategie

    Die Long-/Short-Strategie (Kauf- und Verkauf verschiedener Branchen-ETFs) ist der Market Neutral Strategie sehr ähnlich. Hier wird die Long-Position durch eine Short-Position finanziert. Während jedoch die Market Neutral Strategie versucht, eine gewisse Performance in Bezug zur Benchmark zu erreichen und das Marktrisiko abgesichert ist, zielt die Long-/Short-Strategie darauf ab, den absoluten Return zu verdienen.

    Der absolute Return ist die Summe aus der positiven Entwicklung der Long-Positionen und der negativen Entwicklung der Short-Positionen in den entsprechenden zugrunde liegenden Indizes. Beispielsweise sind seit Mitte April 2003 der STOXX 600 Retail-Index gestiegen und der STOXX 600 Food & Beverage-Index gefallen. Investoren, die den DJ STOXX 600 Food & Beverage-Index verkauften und mit dem erhaltenen Kapital den DJ STOXX 600 Retail-Index kauften, konnten von dieser Situation profitieren.

    Absicherung/Hedging

    Nicht nur für Handelsstrategien, sondern auch für Hedging-Zwecke sind ETFs ein ideales Instrument. Wenn Sie beispielsweise eine Long-Position im Bestand halten, möchten Sie Ihr Portfolio gegen fallende Kurse absichern, ohne aber dabei Ihre Aktien verkaufen zu müssen. Hauptbeweggrund für Hedge-Transaktionen ist das Vermeiden von Markteinflüssen und anderer Transaktionskosten, die durch den Verkauf der Bestände initiiert werden. Sie können Ihre Position auf einfache Weise dadurch absichern, dass Sie eine Gegenposition eröffnen und damit Ihr "Delta exposure" neutralisieren. Der Leerverkauf (short-selling) von ETFs ist eine attraktive Alternative zur Implementierung von Futures. Die relativ kleine Stückelung der ETF-Anteile erlaubt eine weitaus präzisere Portfolioabsicherung, als dies mit Futures der Fall ist.

    Aktives Cash-/Zinsmanagement mit Anleihe-ETFs

    Anleger, die Rentenpapiere in ihrem Portfolio bevorzugen, hatten bisher keine Möglichkeit, diese Anlageklasse mit einem transparenten ETF abzudecken. Nach den erfolgreich platzierten Aktien-ETFs lag es deshalb auf der Hand, auch börsengehandelte Fonds ins Leben zu rufen, welche die Entwicklung der Rentenmärkte exakt nachvollziehen. Im Februar 2003 wurde dann der erste börsengehandelte Rentenfonds am Markt platziert. Möglich machte dies die eb.rexx-Familie, eine neue Art von Indizes. Sie wurde von der Deutschen Börse gemeinsam mit der INDEXCHANGE Investment AG aus München entwickelt und umfasst die 25 liquidesten deutschen Staatsanleihen mit einem Volumen von derzeit rund dreizehn Milliarden Euro und einer Restlaufzeit zwischen 1,5 und 10,5 Jahren.

    Dass Renten-ETFs erst etwa zweieinhalb Jahre nach dem Start des ETF-Segmentes angeboten werden, liegt hauptsächlich daran, dass die Abbildung eines Rentenindex schwieriger ist als die eines Aktienindex. So basieren herkömmliche Rentenindizes oft auf nicht handelbaren Kursen eines Anbieters, sondern auf so genannten indikativen Kursen. Beispielsweise wird der Rentenindex „Lehmann Brothers Aggregate Bond“ nur mit Hilfe der Anleihenkurse der Investmentbank Lehmann Brothers berechnet. Lehmann Brothers und andere Rentenindex-Anbieter sind aber nicht verpflichtet, eine Anleihe auch zu dem Kurs anzubieten, der in die Berechnung ihrer Indizes einfließt. Die Folge sind mögliche Bewertungsunterschiede zwischen dem Index und dem ETF. Das Ziel, mit einem ETF den zugrunde liegenden Index möglichst 1:1 nachzubilden, wird dadurch erheblich erschwert.

    Die Indexchange AG hat gemeinsam mit der Deutschen Börse AG dieses Problem gelöst, indem mit dem Index "eb.rexx Government Germany" eine neue Indexfamilie in Leben gerufen wurde. Das Innovative an dieser eb.rexx-Familie ist, dass die Grundlage der Berechnung des Indexstandes die tatsächlich zustande gekommenen Kurse auf der Handelsplattform Eurex Bonds ist. Die Liquidität der den eb.rexx-Indizes zugrunde liegenden Anleihen wird durch 14 Market Maker auf der Handelsplattform Eurex Bonds gewährleistet. Die Market Maker stellen fortlaufend An- und Verkaufskurse zur Verfügung. Auf alle Quotierungen bestehen Liefer- und Abnahmeverpflichtungen. Dies macht den besonderen Unterschied zu bereits existierenden Rentenindizes aus, denn diese beruhen auf Kursen institutioneller Häuser und enthalten keine Handels- oder Lieferverpflichtung. Sie haben damit lediglich indikativen Charakter.

    Bisher war der REX als Rentenindex gebräuchlich. Er bietet aber lediglich einen repräsentativen Ausschnitt des deutschen Rentenmarktes, da er anhand von 30 idealtypischen Anleihen einmal täglich auf Basis der Kassakurse an der Frankfurter Wertpapierbörse berechnet wird. Zudem bieten die eb.rexx-Indizes durch die Preisrelationen zwischen Anleihen, Indizes und den ETFs die Möglichkeit zur Arbitrage. Dies wiederum führt zu einer fairen Preisgestaltung.

    Mit den börsengehandelten Rentenfonds auf Basis der eb.rexx-Indizes konnte somit eine zweite Generation der ETFs starten. Mittlerweile sind von der INDEXCHANGE sechs solcher Renten-ETFs aufgelegt worden, die sich lediglich durch verschiedene Laufzeiten voneinander unterscheiden.

    Die Berechnung und Veröffentlichung von Indexanlagen der Deutschen Börse AG ermöglicht einen transparenten Vergleich von Portfolios und Indizes. Ein äußerst interessanter Vergleich lässt sich beispielsweise mit dem Kurzläufer-Rentenindex eb.rexx Government Germany 1.5 bis 2.5 und Geldmarktfonds vornehmen. Der Index enthält aktuell zehn festverzinsliche Anleihen der Bundesrepublik Deutschland mit einer Restlaufzeit von 1,5 bis 2,5 Jahren.

      eb.rexx Government Germany
    1.5 bis 2.5 Index
    Geldmarktfonds
    Restlaufzeit in Jahren 1,5 bis 2,5 Jahre max. 1 Jahr (bei festverzinslichen)
    Alle Laufzeiten (bei variabel verzinslichen Papieren, wenn mindestens einmal jährlich Anpassung an Marktzins stattfindet)
    Art der Wertpapiere AAA-Rating Diverse, auch Unternehmensanleihen
    Staatsanleihen
    Bundesobligationen
    Schatzanweisungen
    Risiko Zinsänderungsrisiko Zinsänderungsrisiko
    Kontrahentenrisiko (credit risk) bei Unternehmensanleihen

    Risiko-Ertragsprofil am Beispiel des eb.rexx Government Germany 1.5 bis 2.5 Index im Vergleich zum Geldmarkt

    ETF

    Risiko-Ertragsprofil des eb.rexx Government Germany 1.5 bis 2.5 vs. Geldmarktfonds Euro, Quelle: Deutsche Börse AG, Feri Trust, INDEXCHANGE, Rödl & Partner Köln

    Datengrundlage:

       * Volatilität: annualisierte Standardabweichung von monatlichen Erträgen;
       * Jahres-Performance (Total Return): ein Jahr per 30. April 2003;
       * Geldmarktzins: Tagesgeld (Euro) unter Banken: 2,55 Prozent, Stand: 16. Mai 2003.
    

    Der Kurzläufer-Rentenindex schneidet im Vergleich zu Geldmarktfonds nach Ertrags- und Risikogesichtspunkten sehr erfolgreich ab. Mit einer etwas höheren Restlaufzeit und Schwankungsbreite konnten innerhalb eines Jahres knapp sieben Prozent Performance erzielt werden. Ähnlich der Sharp Ratio – allerdings unter Vernachlässigung der Volatilität, da nahe beziehungsweise kleiner 1 und somit nicht aussagekräftig – wird die Überschussrendite über dem Geldmarktzins (Tagesgeld unter Banken) herangezogen. Diese lag am 16. Mai 2003 bei 4,37 Prozent und wies somit die beste Rendite aus – unter dem Blickwinkel des Total Return ein exzellentes Ergebnis.

    Es wird deutlich, dass der Kurzläufer-Rentenindex eb.rexx Government Germany 1.5 bis 2.5 eine veritable und, bezogen auf das Risiko, relativ risikoarme Alternative darstellt. Es spricht vieles dafür, diese Benchmark mit einem handelbaren Produkt in Form eines ETFs nachzubilden, das im Vergleich zu Geldmarktfonds keinem Kontrahentenrisiko (credit risk) im Sondervermögen ausgesetzt ist, sondern nur Triple-A-Wertpapiere (AAA-Rating) enthält. Wie die obige Grafik zeigt, sind durchaus auch negative Erträge bei Geldmarktfonds möglich.

    ETF

    Aktives Duration-Management mit passiven Renten-ETFs auf deutsche Staatsanleihen

    ETF

    Wertentwicklung Renten ETFs 12/2003 bis 12/2005

    Core-/Satellite-Strategie bei Anleihen

    Dass ETFs liquide und kosteneffektiv handelbar sind, macht sie zu effizienten Hedging- und Diversifikations-Werkzeugen. Beispiel: Wenn ein Portfoliomanager eine kurzzeitig negative Erwartung an den Kreditmarkt hegt oder ein Portfolio absichern muss, kann er einen ETF verkaufen, um das Kreditengagement zu reduzieren. Dies ist wesentlich einfacher und kostengünstiger als der Abbau eines sorgfältig geplanten Industrieanleihen-Portfolios mit anschließendem Rückkauf der Anleihe, wenn die Absicherung aufgehoben wird. Bei Portfolios, in denen Short-selling nicht erlaubt ist und man ein Paket haben muss, das man verkaufen kann, kann eine teilweise Streuung in ETFs langfristig Transaktionskosten und Zeit sparen helfen.

    ETFs vs. direkt gehaltene Industrieanleihen

    ETFs auf festverzinsliche Wertpapiere haben verschiedene Vorteile. Hierzu folgendes Beispiel: ein Anleger versucht, 15 Millionen Euro in unterschiedliche Anleihen zu investieren, und handelt mit relativ kleinen Beträgen. Dies erhöht die Transaktionskosten. Mit dem Kauf eines ETFs würde sie dies vermeiden, weil sie nur in ein einziges Wertpapier mit breiter Diversifizierung investiert.

    Hinzu kommt, dass beispielsweise ein institutioneller Anleger, der ein großes Investitions-Engagement eingehen will, nicht immer die Liquidität findet, die dies unterstützt – besonders dann, wenn keine Neuemission auf dem Markt ist. Anleihen-ETFs haben die Kapazität, sehr große Transaktionen schnell, leicht, effizient und konsistent zu unterstützen. Das ETF-Portfolio wird so gemanagt, dass es dem Index 1:1 folgt. Je nach Größe der Investitionssumme könnte die Nachbildung des Index mit Einzelwerten sehr teuer werden. Das Gleiche gilt mit Blick auf die Zeit, die erforderlich wäre, um das Portfolio zu managen, sowie auf die Angebots-/Nachfragespanne, die wahrscheinlich niemand übernehmen würde.

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