Begriffe zum Thema Finanzkrise
Boni
Streng genommen sind Boni Gewinnbeteiligungen oder Erfolgsbeteiligungen für eine Gruppe von Mitarbeitern. In aller Regel sind sie Sonderzahlungen am Ende eines Geschäftsjahres für besonders erfolgreiche Tätigkeit. Das System der Boni gibt es in verschiedenen Berufen. Durch die Kreditkrise sind wegen ihrer enormen Dimensionen jüngst vor allem die Bonuszahlungen an Bankvorstände und Bankmanager ins Gerede gekommen.
Wie genau der Anteil am Erfolg gemessen wird regeln die Banken unterschiedlich. Dabei ist eine prozentuale Beteiligung an irgendeiner Erfolgsgröße üblich. Bei normalen Mitarbeitern ist das Bonussystem standardisiert. Umso wichtiger der Manager aber ist, umso höher und flexibler fällt das Bonussystem aus. Boni werden auf unterschiedliche Weise ausbezahlt – zum Teil in bar, zum Teil als Aktien.
Die Hauptkritik der Bonuszahlungen zielt darauf ab, dass sie Mitarbeiter zu kurzfristigem Denken animieren. Da Bonuszahlungen meist am Jahresende für Erfolgsgrößen bezahlt werden, die im zurückliegenden Jahr erwirtschaftet wurden, werden oft kurzfristige Gewinne bevorzugt, ohne Nachhaltigkeit und Vernunft walten zu lassen.
Das bedeutet: ein Geschäft mit hohem Risiko bringt einen hohen Ertrag und damit einen guten Bonus. Wenn das Risiko später sichtbar wird, ist der Bonus gezahlt – wie bei all den Anlagen, die auf amerikanischen Hauskrediten fußten und nun die Finanzmärkte erschüttern.
Der Internationale Bankenverband schlägt daher vor, Bonuszahlungen an langfristigen Erfolgsgrößen zu messen.
IKB
Die IKB Deutsche Industriebank ist ein Kreditinstitut, das sich auf langfristige Finanzierung von Unternehmen in Deutschland spezialisiert hat. Im Sommer 2007 geriet die IKB als Folge der Krise am US-amerikanischen Subprime-Markt in eine Schieflage.
Der Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, sprach – wohl auch wegen der Bedeutung der IKB für den deutschen Mittelstand – in diesem Zusammenhang sogar von der größten deutschen Bankenkrise seit 1931.
Für die KfW Bankengruppe stellte sich das Engagement bei der IKB als Desaster heraus. Um die Insolvenz abzuwenden, waren bis August 2008 7,2 Mrd. Euro aufgebracht worden. Der erzielte Verkaufspreis, angeblich 100 Mill. Euro, liegt deutlich unter den veranschlagten 800 Mill. Zudem nahm die KfW 600 Mill. risikobehaftete IKB-Wertpapiere in ihren Bestand. Weitere Risikopapiere in Höhe von 1,5 Mrd. werden in eine Zweckgesellschaft ausgelagert, für die eventuell die KfW einspringen muss. Der Gesamtverlust, den die staatliche KfW letztlich aus Steuergeldern finanziert, kann in der Summe über 10 Mrd. Euro betragen.
Die KfW hat am 21. August ihre Anteile an der IKB an die US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star verkauft. Sie übernimmt 90,8 Prozent der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB - für angeblich nur 100 Mio. Euro. Die Bundesregierung verkauft das als Erfolg, die Opposition schäumt. Denn: Der Bund muss mit 600 Mio. Euro geradestehen.
Fannie Mae
Fannie Mae (ursprünglich Federal National Mortgage Association, FNMA) ist ein staatlich gefördertes Unternehmen, welches 1938 im Rahmen des New Deal als staatseigene Bank gegründet und 1968 privatisiert wurde.
Sie ist eine reine Hypothekenbank und das weltweit größte Institut in dieser Sparte.
Am 13. Juli 2008 kündigte die US-Regierung an, Fannie Mae und Freddie Mac mit Krediten und Aktienkäufen in Milliardenhöhe zu stützen, um einen Bankrott zu verhindern. Bald darauf, am 7. September 2008, übernahm die zuständige Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) die Kontrolle über Fannie Mae und löste den bisherigen CEO Daniel Mudd ab.
Freddie Mac
Freddie Mac (Federal Home Loan Mortgage Corporation) ist eine börsennotierte US-amerikanische Hypothekenbank mit Firmensitz in McLean, Virginia. Freddie Mac kauft Hypothekenkredite von Banken, fasst diese Kredite zusammen und bringt sie als Mortgage Backed Securities auf den Kapitalmarkt.
Am 13. Juli 2008 kündigte die US-Regierung an, Fannie Mae und Freddie Mac mit Krediten und Aktienkäufen in Milliardenhöhe zu stützen, um einen Bankrott zu verhindern. Bald darauf, am 7. September 2008, übernahm die zuständige Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) die Kontrolle über Fannie Mae und löste den bisherigen CEO Daniel Mudd ab.
Lehman Brothers
Lehman Brothers war eine amerikanische Investmentbank mit Hauptsitz in New York. Im Jahr 2007 beschäftigte die Bank weltweit 28.600 Angestellte. Am 15. September 2008 musste sie im Zuge der Finanzkrise 2007/2008 Insolvenz anmelden. Eine Sicherung durch die US-Regierung, die an der Wall Street erwartet wurde, fand nicht statt.
Am 16.09.2008 erließ das Insolvenzgericht des Gerichtsbezirks Südliches New York den folgenden, für Kunden und geschädigte Anleger bedeutsamen Beschluss:
"Lehman Brothers Inc. genießt extraterritorialen Verfolgungs- und Vollstreckungsschutz, d.h. weltweit darf kein Gläubiger gegen Lehman Brothers Inc. vorgehen, solange das Insolvenzverfahren rechtshängig ist."
Als Insolvenzverwalter wurde die Buchprüfungsgesellschaft PriceWaterhouse-Coopers bestellt.
Die Insolvenz von Lehman Brothers betraf auch deutsche Sparer. Erklärung der Bafin hierzu: http://www.bank-undkapitalmarkt.undrecht.info/Pleite_bei_Lehman_Brothers.html
Das erste Mal seit der Erfindung von Anlagezertifikaten kam mit Lehman Brothers'Insolvenz das Thema Emittentenrisiko ins Gerede. Zahlreiche Sparer, die Lehman Brothers-Zertifikate gekauft hatten, erlitten einen Totalverlust.
Chapter 11
Chapter 11 ist ein Abschnitt des Insolvenzrechts der Vereinigten Staaten (US bankruptcy code). Der Begriff bezeichnet in der angelsächsischen Finanz- und Rechtssprache die Insolvenz eines Unternehmens. Ein Verfahren gemäß Chapter 11 führt zu einer beaufsichtigten Insolvenz. Während der Dauer der Insolvenz dürfen Gläubiger ihre Forderungen nicht geltend machen, es sei denn über das Insolvenzgericht. Bei dieser Regelung versucht das Unternehmen, weiterhin geschäftstätig zu bleiben und sich dadurch aus der Insolvenz „zu retten“. Ein Unternehmen, das nach Chapter 11 Insolvenz beantragt, strebt eine Reorganisierung und Restrukturierung seiner Schulden, Leasingvereinbarungen, Kontrakte sowie seines Kapitals und anderweitiger finanzieller Verpflichtungen an. Mit diesem Insolvenzantrag sollen bis zum Abschluss der Reorganisation rechtliche Schritte der Gläubiger gegen den Schuldner unterbunden werden.
Emittentenrisiko
Zertifikatekäufer tragen das sogenannte Emittentenrisiko. Das bedeutet, dass bei Insolvenz der Emittentin das Risiko des Totalverlusts Ihrer Geldanlage besteht. Im Gegensatz etwa zu Spareinlagen sind Zertifikate als Inhaberschuldverschreibungen nicht durch einen Einlagensicherungsfonds, wie z.B. den Einlagenfonds des Bundesverbandes deutscher Banken, abgesichert.
Bei DWS GO wird für jedes neue Zertifikat ein sogenanntes Compartment gegründet, das eine Art Sondervermögen darstellt und rechtlich wie wirtschaftlich von anderen Compartments der Emittentin unabhängig ist, d.h. jedes Zertifikat ist von den Risiken eines anderen Zertifikates komplett unabhängig. Die Absicherung bzw. das Hedging wird dabei von einer dritten Partei, einer Bank, übernommen. Als Restrisiko bleibt hier zwar der Ausfall des Vertragspartners (Kontrahentenrisiko) bestehen, allerdings wird dieses durch eine spezielle Sicherheitsvereinbarung stark reduziert, indem bei einem Absinken des Ratings des jeweiligen Kontrahenten unter die Bonitätsnote A- von der dritten Partei umgehend hochwertige Sicherheiten hinterlegt werden müssen, an denen die Compartments ein Pfandrecht besitzen. DWS GO Zertifikate sollen damit von einem Bonitätsverlust des Vertragspartners möglichst unberührt bleiben.
Washington Mutual
Washington Mutual (kurz WaMu) war eines der größten US-amerikanischen Finanzunternehmen im Bankenbereich mit Sitz in Seattle. Das Unternehmen war im S&P 500 gelistet. Washington Mutual war im Bereich der Vermögensverwaltung die sechstgrößte Bank der USA mit einem Wert von rund 350,7 Milliarden Dollar.
Washington Mutual bot seinen Kunden verschiedene Finanzdienstleistungen an, darunter Hypotheken, Kreditkartenservice, Investmentfinanzierungen und Darlehen.
Am 25. September 2008 brach Washington Mutal unter der Last der Finanzkrise zusammen. Sie wurde in einem Notverkauf zu weiten Teilen vom Finanzkonzern J.P. Morgan Chase übernommen.
Wachovia
Die Wachovia Corporation ist eine der größten Bankenketten der Vereinigten Staaten. Sie wurde 1879 in Winston (jetzt Winston-Salem), North Carolina, also im Gebiet der Wachau, lateinisch Wachovia, gegründet. Die Wachovia Corporation hat 120.000 Beschäftigte (Anlagevermögen 808,9 Mrd. US-Dollar).
Im Mai 2007 übernahm Wachovia die große amerikanische Börsenmaklerfirma A. G. Edwards für 6,8 Mrd. Dollar (5,0 Mrd. Euro).
Am 14. April 2008 wurde bekannt, dass Wachovia im Zuge der Finanzkrise 2007/2008 einen Quartalsverlust von ca. zwei Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. Vorstandschef Ken Thompson begründet dies mit „beispiellosen wirtschaftlichen Bedingungen“. Besonders betroffen von der US-Immobilienkrise war Wachovia durch den 2006 erfolgten Kauf der Hypothekenbank Golden West Financial Corp. Damit übernahm sie auch ein 122 Milliarden Dollar schweres Portfolio von Krediten, die 2008 abgewertet werden mussten.
Am 18. September 2008 wurde in der Presse berichtet, dass die angeschlagene Investmentbank Morgan Stanley mit Wachovia Gespräche über eine Fusion führte. Zwei Wochenenden später wurde Wachovia selbst Opfer der US-Immobilienkrise. Am 29. September 2008 wurde mitgeteilt, dass das Bankgeschäft von Wachovia verkauft werden soll.
Am 3. Oktober 2008 übernahm die US-Großbank Wells Fargo Wachovia für 13 Milliarden US-Dollar. Wells Fargo setzte sich damit gegen ein konkurrierendes Gebot von Citigroup durch, die Wachovia für 2,16 Milliarden US-Dollar kaufen wollten.
Gold
Auch die Goldnachfrage wurde durch die Finanzkrise beeinflusst. Zum einen stärkte sich der US-Dollar, was die Käufe von Gold in US-Dollar verteuerte. Zum anderen fiel die Kaufkraft der Schmucknachfrager, die vor allem im Nahen Osten und den Schwellenländern Asiens sitzen. Dazu passen auch die Nachfragedaten des World Gold Council. Der Weltverband der Goldminen hat herausgefunden, dass im zweiten Quartal dieses Jahres die Nachfrage nach Gold um 19 Prozent auf 736 Tonnen gefallen ist. Am stärksten ging dabei die Schmucknachfrage zurück. Sie fiel um 24 Prozent, während die Industrie 5 Prozent weniger Gold nachfragte. Das Angebot des gelben Edelmetalls wuchs hingegen im gleichen Zeitraum um 1 Prozent auf 802 Tonnen.
Die Münznachfrage, die schätzungsweise in den USA in 2008 bei 25 Tonnen liegen wird, sowie die ETF-Nachfrage (Sicherungshinterlegungen weltweit: 1100 Tonnen Gold) können die Rückgänge der sonstigen Nachfragergruppen bei Gold nicht ausgleichen. Unter dem Strich führte die Finanzkrise also zu einer Senkung der Goldnachfrage und zu einer Abschwächung des Goldpreises. Siehe hierzu das Profil von Gold unter: http://www.godmode-trader.de/de/rohstoff/Gold-XC0009655157,i133979.html
Ben Bernanke
Ben Shalom Bernanke ist ein US-amerikanischer Ökonom. Am 1. Februar 2006 folgte er Alan Greenspan im Amt des Präsidenten des Federal Reserve Boards (Notenbankchef). Seine Familie väterlicherseits stammt aus Österreich und wanderte nach dem 1. Weltkrieg in die USA ein.
Der 51jährige Bernanke war bis dahin der Vorsitzende des Präsidenten-Beratungsgremiums Council of Economic Advisers. Seit 2002 gehört er auch dem Offenmarktausschuss der FED an. Zuvor lehrte er Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University. Bernanke gilt als lösungsorientierter Pragmatiker, der sich in der Vergangenheit vielfach offen und sehr direkt zu wirtschaftlichen Problemen geäußert hat und dabei auch mit Kritik an Fachkollegen nicht hinter dem Berg hielt. Politisch steht er den Republikanern nahe.
Die Forschungsschwerpunkte seiner akademischen Laufbahn waren die Zeit der großen Depression in den 30er Jahren und Themen zur Inflationsentwicklung. Auch als FED-Gouverneur drang er immer wieder darauf, die Inflation mehr in den Mittelpunkt der geldpolitischen Entwicklung zu rücken.
Island
Die isländische Regierung beschloss Ende September 2008 Glitnir, die drittgrößte Bank des Landes, zu verstaatlichen. Ein Anteil von 75 Prozent wurde für umgerechnet 600 Millionen Euro übernommen. Am 6. Oktober 2008 kündigt der isländische Ministerpräsident Geir Haarde ein Notstandsgesetz zur Verstaatlichung der drei großen isländischen Banken an. Betroffen hiervon sind die Kaupthing Bank, Landsbanki und Glitnir.[53] Haarde will mit diesen Maßnahmen nach eigenen Angaben einen drohenden Staatsbankrott abwenden. Zuvor hatte die Isländische Krone Anfang Oktober 2008 innerhalb einer Woche rund ein Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren, seit Oktober 2007 ist der Kurs um mehr als 70 % gesunken.[54] Am 16. Oktober 2008 gab die Regierung Islands an, eine fällige Anleihe der verstaatlichten Glitnir-Bank in Höhe von 750 Millionen US-Dollar nicht zurückzuzahlen, womit Island de facto zahlungsunfähig ist. Am 30. Oktober hat die isländische Einlagensicherungsbehörde indes den Entschädigungsfall für die Kaupthing Bank festgestellt.
Hedgefonds
Hedgefonds sind kapitalstarke Fonds, die im Zuge der Finanzkrise 2007/08 stark unter Druck gerieten. Laut offiziellen Schätzungen lag die durchschnittliche Performance aller Hedgefonds zum Stichtag Ende Oktober bei -20 bis -25%. Dies lag vor allem daran, dass Hedgefonds durch den schnellen Trendwechsel an den Finanzmärkten überrascht wurden. Sie hatten im Sommer 2008 noch auf einen fallenden US-Dollar und steigende Rohstoffe gesetzt, zwei Trends, die am 15. Juli schnell kippten. Außerdem verbaten die USA und später auch Europa den Leerverkauf von Aktien, womit ein wichtiges Sicherungsinstrument für Hedgefonds entfiel. Im Zuge der rückläufigen Performance haben Hedgefonds Zwangsliqudidierungen ihrer Positionen durchführen müssen, da Kunden ihr Geld zurückforderten. Diese Verkaufswelle aus Zwangsliquidierungen hat zu massiven Kursverlusten an den Märkten weltweit geführt.
Hedgefonds besitzen eine 45 Tage Regel gibt. Wenn Sie als Investor Ihr Geld zum Jahresende abziehen möchten habe ich also bis 15. November Zeit dies zu tun. Wie groß sind also die Auswirkungen dieses Kapitalabzugs und sind diese bereits vorweggenommen durch die massiven Verkäufe der letzten Woche? Aus Hedgeondskreisen ist zu hören, dass im letzten Quartal des Jahres knapp 20% der Assets abgezogen wurden. Dies entspricht ungefähr 400Mrd. Der momentane Leverage Faktor liegt bei 1.5 (ist schon sehr stark zurückgekommen in den letzten Monaten), so dass ca. 600Mrd$ in verschiedenen Asset Klassen verkauft werden mussten. HF warten in der Regel nicht bis zum letzten Tag der Redemption Frist (sprich 15.11.) sondern antizipieren die Abflüsse. Die letzten Research Berichte zu HFs Funds of Funds geben Anlass zur Erkenntnis, dass diese ca. 600Mrd$ an Cash Postionen halten, 100Mrd davon in Geldmarktfonds. Ein absolutes Rekordniveau.
Vertrauenskrise
Vertrauen ist ein Derivat, das sich auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit bezieht. Der Wert des Derivats Vertrauen ist im Zuge der Finanzkrise unter die Räder gekommen. Das Ansehen der Banker hat mit der Finanzkrise gelitten. Wie eine Umfrage im Auftrag des Magazins «Playboy» ergab, will fast jeder vierte Bundesbürger keinen Investmentbanker in seinem Freundeskreis haben. Unbeliebter sind nur noch Prostituierte und Vorbestrafte. Auf die Frage: «Wen könnten Sie am wenigsten in Ihrem Freundeskreis akzeptieren?» nannten 22 Prozent die Beschäftigten des Kreditgewerbes. Prostituierte und Vorbestrafte stießen bei 28 beziehungsweise 25 Prozent auf Ablehnung.
Das größte Problem der Finanzkrise ist nun auch nach der Aussprache von Bürgschaften und Stützprogrammen der Regierungen und Leitzinssenkungen der Zentralbanken, dass sich die Banken gegenseitig nicht mehr vertrauen. Die Kreditvergabe ist so fast vollständig zum Erliegen gekommen. Der Schmierstoff der Volkswirtschaften - das Geld - hört damit auf sich zu bewegen. Unternehmen, die ausstehende Kredite haben, fürchten, diese nach ihrer Fälligkeit nicht mehr refinanzieren zu können. Daher sparen Sie bei den Ausgaben, um liquide Mittel freizumachen. Sie denken darüber hinaus darüber nach, den oft größten Kostenblock, die Lohnkosten, einzustreichen. Entlassungen sind die Folge. Makroökonomisch betrachtet schlittern die Volkswirtschaften in Nordamerika in eine Rezession, auch Deutschland und zahlreiche europäische Länder erleben einen Rückgang ihres Wirtschaftswachstums. In Asien, die auf den Konsum in den Industrieländern und auf ihren Exportmarkt angewiesen sind, schwächt sich das Wachstum ebenfalls ab.
Rezession
Die Lehrbuchdefinition einer Rezession sind zwei aufeinander folgende Quartale mit schrumpfender Wirtschaft. Im Volksmund spricht man von einer Rezession, wenn sich die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen abschwächt.
Dollar-Rallye
Wider Erwartungen stärkte sich der US-Dollar im Zuge der Finanzkrise. Anleger erwarteten im Zuge der Finanzkrise eher eine Schwächung des US-Dollars und eine damit einhergehende Stärkung des Goldpreises. Dies trat jedoch nicht ein. Dies liegt an drei Gründen. Investoren, die mit Fremdkapital an den Märkten investiert waren, haben hohe Verluste erlitten und mussten so genannte Margin Calls, also Nachschussforderungen ihrer Broker erfüllen. Sie haben daher ihre Anlagen verkauft und diese in US-Dollar-Cash getauscht. Daher stieg die Nachfrage nach US-Dollars an - die Währung wurde gestärkt. Anleger in den USA zogen zudem ihr Kapital aus dem Ausland ab und überwiesen es auf US-Dollar-Konten im eigenen Land. Zudem verkauften Anleger risikobehaftete Anlageklassen und schichteten das frei gewordene Geld in US-Staatsanleihen um, die einen starken Zuwachs an Nachfrage erlebten. Diese drei Entwicklungen stärken den US-Dollar.
AIG
Die American International Group, Inc. (AIG) ist ein großer international tätiger Versicherungskonzern mit Hauptsitz in New York City. Das Unternehmen war lange Zeit der größte Erstversicherungs-Konzern der Welt; heute steht es nach der Allianz SE und der ING Groep an dritter Stelle.
AIG hat am 14. September 2008 die US-amerikanische Notenbank Fed um einen Überbrückungskredit von rund 40 Milliarden Dollar gebeten, um eine Abstufung ihres Ratings zu verhindern. Am 16. September 2008 gewährte die Fed dem Konzern einen Kredit von 85 Milliarden US-Dollar, übernahm aber im Gegenzug 79,9 Prozent der Anteile. Der Staat erhielt gleichzeitig auch ein Vetorecht bei der Dividendenauschüttung. Die US-amerikanische Regierung unterstützt Anfang November 2008 American International Group, an der die Regierung mittlerweile 80 Prozent hält, mit rund 150 Milliarden Dollar; dies ist die größte finanzielle, staatliche Unterstützung für ein privates Unternehmen in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Warren Buffett
Der antizyklisch denkende und für sein Gespür für Börsengeschäfte bekannte Multimilliardär Warren Buffett hat am 17. Oktober zugegeben, inmitten der Finanzkrise auf Einkaufstour bei attraktiven Unternehmen zu sein.
Viele hören auf Warren Buffett. Der Guru schrieb heute einen Meinungsartikel in der New York Times. Hier seine Grundthesen in Auszügen:
„Die Finanzwelt steckt in einem Schlamassel. Die Probleme sickern auf die breite Wirtschaft durch, die Arbeitslosigkeit steigt, die Wirtschaftsaktivität schwächt sich ab. Und es werden noch mehr erschreckende Wirtschaftsnachrichten kommen.“
Dennoch, ich kaufe amerikanische Aktien. Vor kurzen hatte ich in meinen persönlichen Depot noch ausschließlich US-Staatsanleihen gehalten. Jetzt steige ich in amerikanische Aktien ein, bald wird mein Depot zu 100 Prozent auf US-Aktien bestehen.
Warum? Mich bewegt eine simple Regel: Habe Frucht, wenn die anderen gierig sind, sei gierig, wenn die anderen sich fürchten. Jetzt geht die Furcht um, zu Recht. Immerhin stecken viele hochverschuldete (und damit beträchtlich gehebelte) Finanzkonzerne (einschließlich Hedgefonds) in beträchtlichen Schwierigkeiten und viele Unternehmen haben derzeit Probleme. Es macht aber keinen Sinn, sich über die langfristigen Aussichten der Wirtschaft zu fürchten. Die meisten der großen Unternehmen werden in 5, 10 oder 20 Jahren neue Rekordgewinne einfahren.
Ich kann zwar nicht die kurzfristigen Schwankungen des Aktienmarktes voraussagen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass der Markt sich deutlich in die Höhe arbeitet, bereits schon bevor sich die Stimmung und die Wirtschaft gebessert haben“.
Warren Buffet verweist in seinem Artikel auf die historische Erfahrung. Mitten in der Weltwirtschaftskrise fand der Dow Jones seinen Tiefpunkt, nämlich 41 Punkte am 8. Juli 1932. Die wirtschaftlichen Bedingungen haben sich danach aber noch verschlechtert. Die Wirtschaft wendete erst im März 1933, als Franklin D. Roosevelt US-Präsident wurde. Mitten im 2. Weltkrieg, im April 1942, als die Karten für die Amerikaner noch schlecht standen, erreichte der US-Aktienmarkt bereits den Boden.
„Langfristig betrachtet, werden die Nachrichten für den Aktienmarkt gut ausfallen. Im 20. Jahrhundert hat die USA viele Krisen durchstanden, 2 Weltkriege, die große Depression, Rezessionen, Finanzpaniken, Ölschocks, Virenepidemien, der Sturz eines US-Präsidenten (Nixon), die Ermordung eines anderen (Kennedy). Dennoch stieg der Dow von 66 Punkte auf 11.497 Punkte.“
Alan Greenspan
Der frühere Notenbankchef Alan Greenspan hat die Möglichkeit eines Endes der globalen Finanzkrise ausgerufen. Dies schreibt Alan Greenspan in einem Kommentar, der heute Morgen im Emerging Markets-Magazin in den USA veröffentlicht wurde.
Der US-Immobilienmarkt, der die Krise erst auslöste, werde sich seiner Meinung nach in der ersten Jahreshälfte 2009 beginnen zu erholen.
In einem bemerkenswert optimistischen Kommentar schreibt der ehemalige Notenbanker, dass er weltweit ein „baldiges Tauen“ der eingefrorenen Kreditmärkte sehe, die Maßnahmen der Regierungen zur Stützung des weltweiten Kreditsystems befürworte er.
Die Verlangsamung der Hauspreisrückgänge sei „das erste positive Zeichen in einem langen Trauma“. „Verlässlichere Zeichen über die Entwicklung der Hausverkäufe werden in der ersten Jahreshälfte 2009 sichtbar werden“, so Greenspan. Der Anstieg der amerikanischen Bevölkerung um eine Million in diesem Jahr werde gemeinsam mit dem dramatischen Fall der Neubauaktivitäten zu einem Rückgang der Bestände an verkaufsfertigen Häusern um 250,000 führen.
Dies werde dem Hauspreisverfall ein Ende setzen und all jene Unternehmen stützen, die mit Immobilien ihr Geld verdienen, glaubt Greenspan. Damit würden auch die Kreditderivate, die sich auf den Hauspreisen stützen, wieder an Wert gewinnen. „Verluste werden damit nicht mehr in die Zukunft fortgeschrieben.“
Die Erholung des Immobilienmarktes in den USA sei eine nötige, aber nicht ausreichende Bedingung, um die Finanzkrise zu beenden. Ausreichend sei erst eine Rückkehr des Vertrauens in die Gesundheit der Banken und Finanzinstitutionen. Ein Ende des Hauspreisverfalls werde den Banken und Finanzinstitutionen aber ermöglichen, hunderttausende Transaktionen wieder richtig zu bewerten.
Greenspans optimistische Worte kommen zu einer Zeit, wo eine wachsende Zahl von Kommentatoren seine Niedrigzinspolitik als die Ursache der Kreditblase sehen. In seiner Amtszeit als Notenbanker, die vor mehr als einem Jahrzehnt begann, senkte er den US-Leitzins bis auf 1 Prozent und stützte fast jedwede Deregulierung des Finanzsystems. Dies habe ermöglicht, dass zuviel Geld in den Kreditkreislauf eintrat und Banken und Finanzinstitutionen auf der Suche nach immer höheren Renditen auch immer größere Risiken eingingen.
Die aktuelle Krise werde genau dann enden, wenn Investoren die von den Regierungen und Notenbanken unternommenen Schritte als ausreichend dahingehend bewerten, die Banken weltweit zu sichern. „Die fundamentale Ursache ist (…) wie viel Deleveraging ist von Nöten, um globale Investoren wieder davon zu überzeugen, wieder neue Positionen aufzubauen, zu moderaten Zinssätzen, die ihnen weltweit agierende Finanzintermediäre garantieren“, so Greenspan.
Dabei sei die kritische Frage, wie viel Kapital benötigt werde, um weltweit die Banken zu stabilisieren. Greenspan definiert die Summe mit jener, die es vermag, den LIBOR/OIS-Spread zu stabilisieren. Das ist die Differenz zwischen dem Londoner Referenzzinssatz im Interbankengeschäft und der Index Swap Rate. Wenn sich diese Differenz wieder auf ein Niveau vor der Krise von 15 Punkten gegenüber gestern gehandelten 300 Punkten normalisiere, sei das Vertrauen wieder als hergestellt zu bewerten, so Greenspan.
„Das ist die wichtigste Frage, die sich Politiker in der aktuellen Krise stellen müssen. Die Beharrlichkeit des weltweiten Rückgangs an den Aktienmärkten zeigt, dass eine Normalisierung nicht eintreten wird, bevor nicht weitere große Sicherheiten gegeben werden.“
Sollten die Sicherheiten seitens der Regierungen nicht ausreichend erhöht werden, werden größere Risikoprämien im Markt zu einem weiteren Abverkauf und zu weiterem Deleveraging führen. Ein stabiles Niveau von Hauspreisen und von Assetpreisen sei erst zu erreichen, wenn ein neues stabiles Niveau für Kapital und Fremdkapital gefunden werden kann. „Schließlich wird das Eis im Markt tauen, da Investoren erste zögerliche Schritte unternehmen werden, wieder erste Risiken einzugehen. Die gebrochenen Verbindungen innerhalb der Banken, Pensions- und Hedgefonds werden dann wiederhergestellt und unsere globale Weltwirtschaft wird dann wieder voranschreiten.“
== Crash
Ein Crash ist ein schneller Kursverfall an den Börsen. Ganz im Gegenteil zur landläufigen Meinung finden Crashs fast nie dann statt, wenn sie von der breiten Anlegerschaft prognostiziert werden. Im Gegenteil: Crashs sind eine Reaktion auf unvorhersehbare Ereignisse, welche die Masse in Panik zu Verkäufen zwingt.
Immobilienboom
Der Ursprung der Finanzkrise liegt viele Jahre zurück und beginnt mit den US-Immobilien. In großem Umfang kaufen sich seit dem Jahr 2000 Amerikaner mit geringer Bonität Eigenheime und finanzieren diese mit zinsgünstigen, aber auch zinsflexiblen, Darlehen.
Solange der Wert der Immobilien steigt und die Zinsen stabil bleiben, kann sich dieser Kreislauf ungehindert weiterentwickeln. Der so genannte Subprime-Markt, früher nur ein recht kleiner Bereich in der Immobilienfinanzierung, vervielfacht sein Volumen innerhalb von wenigen Jahren.
Seit dem Jahr 2005 fielen die Hauspreise in den USA aber zurück, erst allmählich, dann immer schneller. Anfang des Jahres 2007 kam es dann zu ersten größeren Zahlungsausfällen, die sich im Jahresverlauf häuften. Nun kam es zu ersten großen Verlusten bei Bankhäusern, die in Subprimekreditderivate investiert hatten. So nahm die Krise ihren Lauf.
Subprime
Die Anschaffung von Häusern war in den USA ohne Hinterlegung von Eigenkapital Gang und Gäbe. Dieses Programm diente der Zukunftssicherung von Familien und einkommensschwachen US-Bürgern, quasi also eine Art Sozialprogramm.
Home Depot
In den USA ist es üblich, eine komplette Inneneinrichtung für ein Haus bei Möbelgeschäften wie Home Depot zu kaufen, die ersten Raten für die Rechnung aber erst 3 oder 4 Jahre nach dem Kauf zu bezahlen.
Kreditkartenschulden
In den USA dürfte es nach dem Platzen der Immobilienblase wegen der zunehmenden Krise im Kreditkartenbereich zu einem weiteren Desaster kommen. Demnach haben die Amerikaner über Jahre hindurch mittels Kreditkartenkredite weit über ihre eigenen Verhältnisse gelebt. Einem Bericht der “Financial Times Deutschland” am 13. November 2008 zufolge ist jeder US-Haushalt bei Kreditkartengesellschaften mit durchschnittlich mehr als 10.000 Dollar verschuldet. Die gesamte Schuldenlast der Kreditkartenbesitzer umfasse rund 1 Billion Dollar. Der Branche dürften daher ähnliche Schockwellen bevorstehen wie es vor einem Jahr den Hypothekenfinanzierern mit dem Platzen der Immobilienblase widerfahren ist.
In den USA ist den Bürgern eine Verschiebung der Begleichung von Kreditkartenschulden auf das nachfolgende Monat gestattet. Tatsächlich müsse jedoch nur ein kleiner Teil beglichen werden. Die Möglichkeit der Verschiebung werde von rund 60 Prozent der Kreditkartenbezieher genutzt. Aufgrund der Auswirkungen durch die Hypotheken-und Kreditkrise nehme unter den Kreditkartengesellschaften die Furcht vor Kreditausfällen zu. Bei immer mehr Kunden komme die Möglichkeiten zur Schuldentilgung abhanden. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich die Kreditkartenbezieher infolge der Finanzkrise im Bereich der Refinanzierung mit ständig teurer werdenden Konditionen konfroniert sehen.
General Motors
General Motors wurde am 13. November von J.P. Morgan von “overweight” auf “neutral” herabgestuft. Die Analysten sehen für den angeschlagenen Automobilhersteller die unverzügliche Dringlichkeit des Erhalts von Finanzspritzen in Höhe von mindestens 15 Milliarden Dollar, um das Geschäft im nächsten Jahr aufrecht zu erhalten. “Wir haben jedoch Zweifel, dass ein derzeit zur Diskussion stehendes Rettungspaket des Staates für eine ausreichende Überbrückung bis in das Jahr 2010 sorgen wird. So weit sollte jedoch nicht gedacht werden. Für GM ist gemäß unserer Sichtweise vor allem das Erfordernis einer kurzfristigen Liquiditätshilfe in Verbindung mit einer unfassenden Kürzung der operativen Kosten und sonstigen finanziellen Lasten gegeben“, heißt es weiter von den Experten.
Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, will laut ihrer Aussage vom 13. November 2008 ein staatliches Hilfsprogramm für die vor dem Kollaps stehende US-Autoindustrie beschleunigen. Bereits in den nächsten Tagen soll ein Hilfspaket dem Kongress vorgestellt werden. Allerdings könnte das Rettungspaket nur dann in Kraft treten, falls der noch amtierende US-Präsident George W.Bush seine Zustimmung gibt.
Immobilien-Zwangsversteigerungen
Gemäß dem Informationsdienstleister RealtyTrac am 13. November 2008 wurden in den USA im Oktober insgesamt 279.500 Anträge auf Haus-Hypotheken-Zwangsvollstreckungen gestellt. Gegenüber der Vergleichsperiode 2007 ergibt sich ein Plus von 25 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat stellte sich ein Anstieg von 5 Prozent ein.
Die höchste Rate an Zwangsvollstreckungen weist wieder einmal Nevada aus. In diesem Bundesstaat sah sich im abgelaufenen Monat jeder 74. Haushalt von Exekution bedroht. Die zweithöchste Antragsrate erreichte Arizona. Hier erhielt jeder 149. Haushalt eine Exekutionserklärung. Dahinter reiht sich Florida, wo jeder 157. Haushalt eine Exekutionserklärung erhalten hat. Unter den weiteren Bundesstaaten mit den landesweit höchsten Antragsraten finden sich Kalifornien, Colorado, Georgia, Michigan, New Jersey, Illinois und Ohio.
Die höchste Zahl an Zwangsvollstreckungsansträgen weist landesweit Kalifornien auf. In diesem Bundesstaat schwächte sich jedoch die Rate gegenüber dem Vormonat um 18 Prozent ab.
Im gesamten Bundesgebiet der USA sah sich im Oktober jeder 452. Haushalt mit einem Exekutionsantrag konfrontiert. Von Banken wurden landesweit mehr als 84.000 Immobilien in Besitz genommenen.
Unter den 230 größten US-Metropolen ragte im Oktober Las Vegas mit der höchsten Rate an Zwangsvollstreckungen hervor. In der Spielstadt wurde jeder 62. Haushalt mit einem Exekutionsantrag bedacht.
RealtyTrac macht durch CEO J. Saccacio weiters darauf aufmerksam, dass sich das Volumen der Anträge aufgrund neuer Regeln über die erforderliche Einhaltung eines Aufschubs bei Zwangsvollstreckungen in einigen Bundesstaaten reduzierte. So gilt nun in Kalifornien die Auflage, wonach die Gläubiger zur Verständigung eines in Zahlungsverzug geratenen Hausbesitzers mindestens 30 Tage vor Einleitung eines Zwangsvollstreckungsverfahrens verpflichtet ist. In North Carolina sehen sich die Kreditgeber mit einer entsprechenden Frist von 45 Tagen konfrontiert. Zwar bemühe sich der Gesetzgeber, Zwangsvollstreckungen abzuwenden, aber ohne ein gleichzeitiges Herantreten an den Schuldner und dessen Einbindung in wesentliche Kreditmodifizierungen dürfte ein durch derartige Regeln geschaffener Effekt nur eine geringe Bedeutung nach sich ziehen. So dürften sich die Beschlagnahmungen nach Ablauf der Fristen nicht vermeiden lassen. Mittlerweile habe sich auch herausgestellt, dass die offenkundige Verlangsamung der Zwangsvollstreckungsaktivitäten in einigen Bundesstaaten nur die Schwere des Problems in den dortigen Regionen unterstreicht, heißt es weiter von Saccacio.
Jim Rogers
Der bekannte Investor und Fondsmanager Jim Rogers hält am 13. November 2008 den derzeitigen Abwärtstrend an den weltweiten Märkten noch für lange nicht beendet. Die Bewertungen seien noch viel zu hoch und Anleihen seien für die nächsten 10-20 Jahre ein entsetzliches Investment. Dies liege vor allem daran, dass Regierungen rund um den Globus große Summen emittieren, um ihre hochgefahrenen Ausgaben zu finanzieren. Wegen dem damit verbundenen Anstieg der Geldmengen sei mit einer Inflationsbeschleunigung zu rechnen. Zudem dürften die konjunkturellen Probleme bis 2010 anhalten.
Aktien in den USA und Europa seien im Vergleich zu historischen Bewertungsmaßstäben noch immer teuer. “Wir dürften irgendwann auf einen Boden stoßen. Ich weiß aber nicht wo der Boden ist. Ich habe bereits begonnen in die Märkte zurückzukehren. Dies heißt aber nicht, dass der Boden bereits gefunden ist”, so Rogers im Rahmen einer Konferenz in Singapur.
Infolge der weltweiten Liquidierung von Vermögenswerten spricht sich Rogers nach wie vor für Rohstoffinvestments aus. Das von China angekündigte Konjunkturpaket habe Auswirkungen auf einige Industriezweige wie Elektrizität und Wasser. Andere Bereiche dürften wegen der Entwicklungen in den USA verwundbar bleiben. Einige Teile der chinesischen Wirtschaft würden von der Rezession in den Industrieländern negativ tangiert. Andere Sektoren in China seien jedoch dabei weiter gut zu laufen. Das Problem für die chinesische Wirtschaft bestehe darin, dass diese mit dem Westen verbunden ist.
Gewinnprognosen
Zur Gewinnentwicklung der US-Unternehmen des Standard & Poors`s-Index im vierten Quartal und im nächsten Jahr haben Analysten ihre Schätzungen am 13. November deutlich gesenkt. Nachdem die Unternehmen im dritten Quartal die Erwartungen mit der höchsten Rate seit fast 11 Jahren verfehlten sei für das vierte Quartal mit einem allgemeinen Gewinnzuwachs von 15 Prozent zu rechnen. Ende August gingen die Experten gemäß Bloomberg noch von einem Gewinnzuwachs von 42 Prozent aus. In 2009 sollen die Gewinne der Unternehmen um 13 Prozent wachsen. Hier sah der Konsens ursprünglich einen Gewinnzuwachs von 24 Prozent vor.
Für das dritte Quartal legten mittlerweile 415 Unternehmen des S&P 500 ihre Zahlen vor. Dabei fielen die Gewinne um durchschnittlich 9,6 Prozent. Der Abschwung wurde durch die Ertragseinbrüche im Automobil-und Finanzsektor geschürt. Mehr als 30 Prozent der Unternehmen verfehlten bislang die Schätzungen der Analysten.
MAN Hedgefonds
Geradezu skurril erscheint, dass der weltgrößte Anbieter von Hedgefonds, die MAN Group, die Finanzdienstleistungsaufsicht gebeten hat, den Leerverkauf der eigenen Aktien zu verbieten. Diese Forderung wurde erhoben, nachdem Leerverkäufer die Valoren der MAN Group massiv nach unten gedrückt haben. Der Jäger wurde zum Gejagten.
Russland
Der ehemals reichste Russe Oleg Deripaska verliert durch die Kreditkrise große Summen. Durch den Kurssturz an der russischen Börse hat er allein rund 16 Milliarden US-Dollar verloren.
Das Industrieimperium des ehemals reichsten Russen gerät durch die Kreditkrise unter Druck? Kaum eine bEteiligung von Oleg Deripaska wackelt nicht. "Forbes" schätzt sein Vermögen noch auf 13,3 Milliarden US-Dollar. Reichster Russe ist wieder Roman Abramowitsch mit 18,7 Milliarden US-Dollar.
US-Staatsschulden
Die US-Regierung hat unter Führung von George W. Bush seit dessen Amtsantritt am am 20. Januar 2001 gewaltige 4,85 Billionen Dollar neue Staatsschulden kumuliert. Der neue Stand der gesamtstaatlichen expliziten (heute zahlungswirksamen) Verschuldung liegt im Oktober 2008 bei 10,574 Billionen Dollar!
Rohstoffkrise
Die Finanzkrise wird evtl. in Zukunft verantwortlich gemacht für eine Verknappung bei den Rohstoffen und dementsprechend hohe Preise? Durch die fehlende Kreditvergabe könne viele Minen und auch größere Rohstoff-Unternehmen Ihren Finanzbedarf für neue Explorationsprojekte nicht oder nur schlecht decken. In der gleichen Situation befinden sich viele Farmer z.B. in den USA, welche sich keinen Dünger etc. mehr leisten können, wenn nicht die jährliche Finanzierung bereitgestellt wird. Hier wird oft gleich die anstehende Ernte als Sicherheit angegeben, was zukünftig oftmals nicht mehr ausreichen dürfte.
Yen
Der japanische Yen hat im Zuge der Kreditkrise aufgewertet, da Carry-Trades rückabgewickelt wurden.
Carry Trade
Ein Carry Trade beschreibt die Aufnahme eines Kredits in einem Land mit niedrigem Zins und die Veranlagung dieses Kapitals in höheren Renditen. Typische Carry-Trade-Währungen sind der schweizer Franken sowie der japanische Yen. Dadurch, dass Anlagen weltweit im Zuge der Kreditkrise verkauft wurden, zahlten Fonds wieder ihre Kredite zurück. Dies stärkte die zuvor verkauften Carry-Trade-Währungen.
Bank of America
Bank of America (BofA, BoA) ist der Name des seit Juli 2006 größten Kreditinstituts der Vereinigten Staaten, dessen Hauptsitz in Charlotte, North Carolina, liegt. Im Zuge der Finanzkrise 2007/2008 kaufte die Bank of America für vier Milliarden Dollar das angeschlagene Unternehmen Countrywide Financial. Am 15. September 2008 wurde bekannt, dass Merrill Lynch, die zu dieser Zeit drittgrößte Investmentbank der Vereinigten Staaten, übernommen wird. Die Übernahme werde mit Aktien im Wert von 50 Milliarden US-Dollar bezahlt. Der Kauf von Lehman Brothers, der viertgrößten Investmentbank der USA, wurde von der Bank of America abgesagt. Am selben Tag hat Lehman Brothers Insolvenz angemeldet.
Rettungspaket
In Deutschland wollen offenbar wesentlich mehr Banken auf das Rettungspaket des Bundes zugreifen als bislang bekannt. Derzeit lägen rund 20 Anträge vor, sagte Staatssekretär Walther Otremba vom Bundeswirtschaftsministerium Nach Angaben der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Donnerstag bei einer Tagung des Bayerischen Bankenverbandes in München. Dabei gebe es keinen Schwerpunkt auf öffentliche oder private Banken. "Das ist eine bunte Mischung", zitiert die dpa-AFX am 13. November 2008.
Abschreibung
Als Abschreibung wird der Wertverlust von Unternehmensvermögen (Anlagevermögen und Umlaufvermögen) bezeichnet. Dabei kann der Wertverlust durch allgemeine Gründe wie Alterung und Verschleiß oder durch spezielle Gründe wie einen Unfallschaden oder Preisverfall veranlasst sein.
Rezession
Wer von Rezession spricht, glaubt, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes in verschiedenen Phasen ereignet: Aufschwung, Boom, Abschwächung und schließlich der tiefste Punkt: die Rezession oder der Abschwung. Die Lehrbuchdefinition einer Rezession beschreibt zwei aufeinander folgende Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung. Letztere wird gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Eine einheitliche Definition der Rezession gibt es allerdings nicht.
Einige Volkswirte vergleichen die Veränderung des Wachstums mit dem jeweils vorangehenden Quartal, andere hingegen mit dem entsprechenden Quartal des Vorjahres. Manche Ökonomen reden auch schon von Rezession, wenn die Wirtschaft nicht mehr weiter wächst.
Allgemein wird der Begriff Rezession auf benutzt, wenn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen nicht mehr weiter wächst. Dabei muss nicht zwingend auch das Wirtschaftswachstum zurückgehen. Es kann also sein, dass es einer Volkswirtschaft, der es vor einer Rezession gut ging, noch weiter wächst, auch wenn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen nachlässt.
Ein Indikator für die vorzeitige Bestimmung einer Rezession, ein so genannter Frühindikator, ist für Deutschland der Ifo-Geschäftsklimaindex, in den USA ist neben dem Geschäftsklima auch das Vertrauen der Konsumenten ein wichtiges Vorzeichen.
Bilanzregeln
Bilanzregeln rücken erneut ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Dies liegt vor allem an Derivaten.
Derivate sind Finanzinstrumente, die sich auf den Wert eines anderen Gutes beziehen. In den USA wurden Derivate auf Hypothekenkredite entworfen, welche wiederum mit anderen, hochspekulativen Produkten vermischt wurden. Als dann erste Hypothekenkreditnehmer ihre Schulden nicht mehr zahlen konnten, waren die Derivate wertlos, weil niemand mehr wusste, was sich eigentlich im Einzelnen darin befindet. Die Derivate wurden wertlos, obwohl es die Häuser und Kredite immer noch gibt.
Dabei gilt es zu beachten, dass die Derivate nicht dauerhaft an Wert verloren haben. Es kann durchaus sein, dass die Derivate in einigen Jahren sogar noch einen positiven Rückfluss bieten. Da Banken die Verluste aus dem Derivategeschäft jedoch nicht mehr alleine tragen konnten, da sie für die Höhe dieser Verluste nicht ausreichend kapitalisiert sind, mussten Zentralbanken und die Politik einspringen und umfangreiche Bürgschaften und Stützungspakete erlassen.
Um zurück zum Thema Bilanzregeln zu kommen: Seit Jahresbeginn gelten auch in Deutschland internationale Bilanzregeln, die ein so genanntes Mark-to-Market-Verfahren anwenden.
Siehe hierzu eine Stellungnahme der Bafin:
Auf der Habenseite dürfen Wertpapiere nur mit ihrem tatsächlichen Marktwert zum Bilanzstichtag verrechnet werden. Da die Wertpapiere jedoch gerade nichts wert sind, sind auch die Verluste entsprechend hoch. Nach Meinung vieler Experten haben sie die Krise aber massiv verschärft. Deshalb wird nun ihre Änderung diskutiert.
Garantie und Bürgschaft
Die Politik weltweit hat umfangreiche Garantien für Banken ausgesprochen. Dabei gibt es verschiedene Formen der Garantie, je nachdem, wie weit sich die dritte Partei in Haftung nehmen lässt. Zu den verbindlichen Formen der Garantie gehört die Bürgschaft. Sie ist ein einseitig verpflichtender Vertrag, durch den sich der Bürge gegenüber dem Gläubiger eines Dritten (des so genannten Hauptschuldners) verpflichtet, für die Erfüllung der Verbindlichkeiten des Dritten einzustehen.
Bei der Hypo Real Estate hat der deutsche Staat die Bürgschaft übernommen und bietet sie über einen Fonds nun auch anderen Banken an. Ziel ist das Schaffen von Vertrauen, es soll bewirken, dass Banken sich gegenseitig wieder Geld leihen. Dieses so genannte Interbankengeschäft ist im Zuge der Kreditkrise komplett zum Erliegen gekommen. Dadurch besteht die Gefahr, dass einzelne Banken nicht mehr liquide sind. Sie können ihren Kunden kein Geld mehr auszahlen, aber auch Kredite für andere Banken nicht mehr begleichen. Damit gefährden sich die Banken gegenseitig. Und sie stellen der Wirtschaft nicht mehr genug Kredite bereit. Damit wird auch die Realwirtschaft gelähmt.
Der Bürgschaftsfonds des Staats soll helfen, dieses System des Interbankenhandels wieder in Gang zu setzen.
Bankenaufsicht
Die Banken werden in Deutschland über zwei Stellen beaufsichtigt: Zum einen durch die Bundesbank, zum anderen über die Bafin, also die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Bafin reguliert dabei nicht nur die Banken, sondern auch den ganzen Finanzmarkt, also auch den Versicherungsmarkt. Der Bundesbank kommt dabei die Sammlung von Daten zu, beispielsweise über die Zahlungsfähigkeit eines Instituts. Die Bundesbank leitet alle Informationen an die BaFin weiter. Die muss dann – in enger Absprache mit der Bundesbank - die notwendigen Schritte einleiten. Die Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht ist berechtigt, bei Schieflagen Kreditinstitute zu schließen und auch Versicherungsunternehmen vom Markt auszuschließen.
Die Bafin kontrolliert damit insgesamt 2.000 Banken noch 630 Versicherungen, 6.000 Fonds und einige Unternehmen, die mit Wertpapieren handeln. Der Doppelkopf der Bankenaufsicht, Bundesbank und BaFin, teilt sich die Aufgabe, diese Institute zu kontrollieren.
Einlagensicherung
Falls ein Institut nicht in der Lage ist, Einlagen seiner Kunden zurückzuzahlen, sind die Rückzahlungsansprüche in gewissem Umfang durch die Einlagensicherung abgesichert.
Die Einlagensicherung in Deutschland ruht auf zwei Säulen:
- Der gesetzlichen Einlagensicherung, der jedes private Kreditinstitut oder Wertpapierhandelsunternehmen angehören muss, sofern es nicht Pflichtmitglied in einer institutssichernden Einrichtung ist, und
- den darüber hinaus gehenden freiwilligen Einlagensicherungseinrichtungen der Bankenverbände.
Sollte ein Institut nicht mehr in der Lage sein, seine Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften zu erfüllen, sind die Erfüllungsansprüche der Kunden in gewissem Umfang durch die Anlegerentschädigung abgesichert.
Alle öffentlich-rechtlichen Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen sowie Genossenschaftsbanken gehören institutssichernden Einrichtungen an. Ziel dieser Einrichtungen ist, die ihnen angeschlossenen Institute vor Insolvenz und Liquidation zu bewahren. Deren Kunden werden hierdurch mittelbar vor Verlust ihrer Einlagen geschützt.
Aufgrund dessen sind Banken, die einer institutssichernden Einrichtung angehören, von der Pflichtmitgliedschaft in einer gesetzlichen Entschädigungseinrichtung befreit (§ 12 Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz).
Geschützt werden Kundeneinlagen und Kundenforderungen aus Wertpapiergeschäften.
Einlagen sind im Wesentlichen Kontoguthaben (Giroeinlagen, Sparguthaben, Tages- oder Termingelder, auf den Namen lautende Sparbriefe und ähnliches) sowie Forderungen, die das Institut durch Ausstellung einer Urkunde verbrieft hat (Namensschuldverschreibungen und ähnliches), jedoch z.B. nicht Inhaber- und Orderschuldverschreibungen, Genussrechtsverbindlichkeiten oder Verbindlichkeiten aus eigenen Wechseln.
Kundenforderungen aus Wertpapiergeschäften sind Gelder, die Anlegern im Zusammenhang mit Wertpapiergeschäften geschuldet werden (z.B. Dividenden, Ausschüttungen, Verkaufserlöse).
Alle Banken (mit Ausnahme der Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen und Genossenschaftsbanken) sind seit August 1998 durch das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG) verpflichtet, ihre Einlagen durch Zugehörigkeit zu einer gesetzlichen Entschädigungseinrichtung zu sichern. Die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Entschädigungseinrichtung ist Voraussetzung dafür, dass ein Institut zum Geschäftsbetrieb zugelassen wird.
Die gesetzliche Einlagensicherung kann jedoch nicht alle Ansprüche absichern. Sie garantiert dem Kunden, dass 90% seiner Einlagen geschützt sind (§ 4 Abs. 2 EAEG). Er muss also in jedem Fall 10% des Verlustes selber tragen. Darüber hinaus ist jeder Entschädigungsanspruch auf maximal 20.000 € begrenzt.
Quelle: Bafin
Daniel Kühn, Chefredakteur des Traders-Journal (Kostenlose Anmeldung: [http://www.traders-journal.de Traders-Journal.de) äußert sich in einem Leserbrief zum Thema Einlagensicherung:
Warum muss Frau Merkel unsere Einlagen garantieren? Was ist denn aus dem Einlagensicherungsfonds geworden, laut meinem Bänker garantiert der quasi in unbegrenzter Höhe?
Ich nehme an Sie meinen den so genannten „Feuerwehrfonds“ des Bundesverbandes Deutscher Bank (BdB). Theoretisch haftet der Fonds pro Anleger mit 30% des haftenden Eigenkapitals, das wiederum pro Bank bei mindestens 5 Mio. EUR liegt. Selbst bei der kleinsten Bank, die dem BdB angehört, wären demnach 1,5 Mio. EUR pro Anleger gesichert (zuerst greift allerdings die EU-weite staatliche Einlagensicherung, die 20 TSD EUR bei 10% Selbstbehalt beträgt – diese Größe soll auf 50 TSD EUR angehoben werden). Die Mittel des Fonds werden von Beiträgen der Teilnehmer gespeist, im Zweifelsfall besteht Nachschusspflicht, allerdings nur soweit wie die eigene Existenz der Teilnehmer nicht gefährdet ist – hier ist der Haken, gepaart mit einem fehlenden rechtlichen Anspruch gegen den Fonds – er MUSS nicht zahlen, er KANN. Der Fonds wurde für Einzelpleiten konzipiert. Und da funktioniert er auch. Für einen Systemcrash ist dieser ebenso wie jede andere Sicherungseinrichtung nicht geeignet. Auch die Staatsgarantie würde im Extremfall nicht helfen. Gehen Groß-Banken reihenweise pleite, dann kann die Regierung vermutlich auch keine Anleihen mehr platzieren (an wen denn auch?) um die Einlagengarantie auch zu finanzieren. Die jetzt gefundene Lösung über eine Beteiligung des Staates an den wichtigsten Banken ist vermutlich die sinnvollste, zumindest vorübergehend.
US-Rettungspaket
Das Geld für das Rettungspaket der US-Regierung kommt NICHT von der Fed! Jedenfalls nicht offiziell. Finanziert werden soll es über die Ausgabe von Staatsanleihen. Ob sich die US-Geldmenge dadurch erhöht hängt davon ab, wer diese Anleihen zeichnet. Insoweit das Geld aus dem Ausland kommt ja. Die Fed kann natürlich ihrerseits auch ständig Anleihen am Markt kaufen, auch dies erhöht die Geldmenge. Sofern das Geld von US-Investoren kommt jedoch nicht – dann ist es einfach nur eine Umverteilung des Geldes.
Wer hat das Geld, das verloren ging?
Inwieweit das „Geld jemand anderes“ hat, das in der Kreditkrise verloren ging, hängt z.B. auch davon ab, wie viel Papiere auf welchen Kursniveaus die Besitzer gewechselt haben. Für die US-Geldmenge auch hier entscheidend, inwiefern das Ausland involviert ist. Der Spruch „Das Geld hat jemand anderes“ gilt aber auf jeden Fall z.B. bei den Subprimeanleihen: Die Verkäufer haben das Geld, und diejenigen die die Papiere „strukturiert“ haben kassierten die Provisionen. Wie zweistellige Milliardenzahlungen flossen an die Investmentbanker an Boni…
Sind Garantiezertifikate wirklich sicher?
Anleger fühlen sich zu Recht nicht sicher. Das Wort „Garantieprodukt“ impliziert eine Sicherheit, die es gar nicht gibt. Zertifikate sind Schuldverschreibungen der Banken. Wenn die Bank Pleite geht, kann die zugrunde liegende Konstruktion des Zertifikats noch so sicher sein, es hilft nichts. Der Einlagensicherungsfonds springt auch nicht ein, da es keine Kundeneinlagen sind. Wirklich sicher sind Sie nur bei Fonds, da die Anlegergelder dort Sondervermögen sind, die von der Insolvenz der Fondsgesellschaft unberührt bleiben. Aber auch dort kann es haarig werden: Wen n auf einmal viele Gelder abgezogen werden, muss der Fonds seine Positionen liquidieren…und wenn die grad kaum verkäuflich sind, dann geht der Preis runter…
Kreditderivate
Kreditderivate sind eigenständig handelbare Finanzinstrumente deren Wert von einem Kredit abgeleitet wird. Sie können als Termin- Options- oder Swapgeschäft konstruiert sein. Ursprünglich wurden sie als Absicherungsinstrumente erdacht um Kreditrisiken zu transferieren, dabei soll der Wertverlust bei einem notleidenden Kredit durch das Kreditderivat ausgeglichen werden. Allerdings können und wurden die Kreditderivate auch gegenteilig das heißt zur Spekulation auf überproportionale Kursgewinne oder Verluste eingesetzt.
ABS (Asset Backed Securities)
Unter Asset Backed Securities versteht man Wertpapiere, die einen Forderungspool an sonst nicht liquiden Vermögenswerten verbriefen. Der Forderungspool kann Forderungen aus Leasingverträgen, Kreditkartenverträgen, Konsumentenkrediten oder anderen Forderungsarten enthalten.
MBS (Mortgage Backed Securities)
Unter Mortgage Backed Securities versteht man Wertpapiere die einen Forderungspool an sonst nicht liquiden Vermögenswerten verbriefen. Der Forderungspool enthält ein gebündeltes Portfolio an hypothekenbesicherten Wertpapieren..
CDO (Collateralised Debt Obligations)
Damit werden Wertpapiere bezeichnet die mit einem gebündelten Vermögensportfolio besichert sind. Dieses gebündelte Portfolio wiederum kann eine Mischung eines Portfolios von Forderungen als fest oder variabel verzinsliche Anleihen sein, aus verbrieften Kreditforderungen, aus verbrieften Kreditversicherungen oder aus einer Mischung aus allem bestehen. Diese CDOs können auch wieder zu neuen anders zusammengesetzten CDOs gebündelt werden, das führte dazu dass am Ende der mehrmals zusammengeschnürten Pakete niemand wusste welche Werte und Risiken tatsächlich enthalten waren. Somit wurden die Risiken als zu gering eingeschätzt.
CLO (Collateralised Loan Obligations)
Ein Wertpapier das mit einem gebündelten Forderungsportfolio besichert ist. Diese Forderungen bestehen in der Regel in Form von Unternehmenskrediten. bestehend aus Anleihen die fest oder variabel verzinst werden.
CDS (Credit Default Swaps)
CDS sind Kreditversicherungen und damit das meistgenutzte Kreditderivat gegen Ausfallrisiken. Der Sicherungsnehmer bezahlt eine Prämie für einen festgelegten Zeitraum und überträgt damit das Ausfallrisiko für diesen Zeitraum an den Sicherungsgeber. Die Art der Ausfallrisiken wird im Vorfeld definiert (Zahlungsverzug oder Ausfalle, Insolvenz, etc.).
Basket CDS
Basket CDS sind ebenso Kreditversicherungen und funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie CDS. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ein ganzes Portfolio von Krediten als Risikoaktivum zugrunde gelegt wird. Um eine günstigere Prämiengestaltung zu erreichen, gibt es unterschiedliche Varianten der Basket CDS, beispielsweise wird nur der erste Kreditausfall des Portfolios oder nur ein gewisser Prozentsatz abgesichert.
CSP (Credit Spread Put)
Credit Spread Puts sind Optionen mit denen das Risiko einer Zinsaufschlags gegenüber dem Libor abgesichert werden kann. Überschreitet der Aufschlag den vereinbarten Strike kann die Option ausgeübt und der Referenzwert geliefert werden. Im Gegenzug dafür zahlt der Käufer der Option am Anfang des Geschäfts die Optionsprämie.
CLN (Credit Linked Notes)
Unter Credit Linked Notes versteht man Geldmarktanleihen, die fest- oder variabel verzinsliche Standardwertpapiere mit Kreditderivaten kombinieren. Der Investor erhält dabei einen periodisch (in der Regel jährlich) wiederkehrenden Kupon, der höher als der Kupon eines Standardwertpapiers ist. Der höhere Kupon beinhaltet eine Prämie für das übernommene Kreditrisiko. Tritt das Kreditrisiko ein, kann je nach Konstruktion des CLNs der Kupon ganz oder teilweise ausfallen und sogar der Nennwert nur teilweise zurückbezahlt werden müssen. Tritt kein Kreditereignis ein, erhält der Inhaber die regulären Kuponzahlungen und am Ende der Laufzeit den vollständigen Nennwert zurückbezahlt.
Credit Spread
Darunter versteht man die Renditedifferenz einer Anleihe eines Landes oder Unternehmens zu einer risikolosen Referenzanleihe (z.B. eine deutsche Staatsanleihe). Anhand dieses Spreads lässt sich die Risikoeinschätzung der Marktteilnehmer in bezug auf die Zahlungsfähigkeit des Anleiheemittenten ablesen. Je höher die Credit Spreads desto höher das Ausfallrisiko.
MBS
Mortgage Backed Securities sind hypothekarisch besicherte Anleihen, also durch Vermögenswerte gesicherte Wertpapiere, deren Bargeldflüsse durch die Zins- und Tilgungszahlungen eines Pools von Hypotheken getragen werden. Es ist also ein ABS (asset backed security).




