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    Inhaltsverzeichnis

    ETF-Futures

    Am 18. November 2002 hat die EUREX als erste europäische Börse Futures und Optionen auf Exchange Traded Funds eingeführt. Ausgewählt wurden dabei die liquidesten Index-ETFs auf Xetra, wie beispielsweise der DAX EX und der DJ EuroStoxx 50 SMEX.

    Dies bestätigt nicht nur den Wachstumstrend der ETFs in Europa sondern komplettiert zugleich das Spektrum an börsengehandelten Indexinstrumenten. Damit bedient die Börse proaktiv die Nachfrage ihrer Handelsteilnehmer nach präzisen Instrumenten zur Risikosteuerung in einem Wachstumsmarkt. Infolge des starken Wachstums beim Handel von ETFs im Kassamarkt steigt auch der Bedarf an maßgeschneiderten Absicherungsinstrumenten, die optimal auf die Besonderheiten börsengehandelter Fonds abgestimmt sind. Internationale Handelshäuser betreiben seit Start der Produkte aktives Market-Making, um die Liquidität von Beginn an sicherzustellen. Wo liegen die Vorteile für die Investoren?

    1. Mit Futures und Optionen auf ETFs lassen sich maßgeschneiderte Risikomanagement- und Absicherungsstrategien implementieren, da bei diesen neuen Vehikeln der Kontraktwert deutlich geringer ist (100 ETF-Anteile) als bei bereits bestehenden Indexfutures und –optionen. Durch den kleineren Kontraktgegenwert sinkt die Kapitalbindung signifikant und es können auch kleinere Kapitalbestände optimal abgesichert werden.
    2. Ein weiterer Vorteil von Futures und Optionen auf ETFs gegenüber herkömmlichen Indexderivaten liegt in der physischen Belieferung bei Endfälligkeit der Kontrakte. Diese Produkteigenschaft ist für Investoren interessant, die nach dem Ende der Laufzeit in die jeweiligen ETFs reinvestieren wollen.
    3. Weiterhin wird erstmals zwischen Exchange Traded Funds und Indexderivaten ein so genannter "perfect match" darstellbar, um dadurch ein hochpräzises Risikomanagement zu etablieren.

    Verhältnis Kassamarkt – ETF-Markt – Derivatemarkt

    Zwischen dem Kassamarkt, dem ETF-Markt und dem Derivatemarkt ergeben sich vielfältige Handels-, Hedging- und Arbitragestrategien, die über die bisherigen Möglichkeiten hinausgehen. Nachfolgende Grafik stellt dieses Verhältnis dar:

    ETF

    Im Gegensatz zu den bestehenden Indexprodukten werden Futures und Optionen auf ETFs – analog zu den existierenden Aktienoptionen – physisch beliefert. Damit werden diese Produkte besonders für diejenigen Marktanteilnehmer interessant, die am Ende der Kontraktzeit eine Direktanlage in die entsprechenden ETF tätigen oder bestehende Positionen über ETF-Derivate glattstellen.

    Zielgruppen und Handelstrategien

    Futures und Optionen auf ETFs sprechen sowohl private als auch institutionelle Investoren an. Überwiegend sind das auch die Akteure des Kassamarktes: Vermögensverwalter, Hedge-Fonds, Versicherer, Pensions- und andere Investmentfonds.

    Für professionelle Anlageverwalter kommt die Einführung zusätzlicher Präzisionsinstrumente zur Risikosteuerung in diesem schnell wachsenden Marktsegment genau zur rechten Zeit. Diese Marktteilnehmer sind bereits mit Futures und Optionen vertraut und nutzen sie als effiziente Absicherungsinstrumente.

    Im wettbewerbsintensiven Markt der Anlageverwaltung für professionelle Investoren ist es entscheidend, die gesetzten Ertragsziele zu erreichen und – wenn möglich – sogar zu übertreffen. Instrumente, mit denen der Tracking-Error reduziert, gar völlig eliminiert werden kann, sind dabei äußerst hilfreich.

    Durch die physische Zulieferung schließt sich der in der Grafik beschriebene Kreis aus Sicht professioneller Handelsteilnehmer. Diese bietet neue Arbitragechancen. Über Futures können sie schnell und kostengünstig ETFs handeln und noch einfacher Short-Positionen in Indizes aufbauen.

    Auch Spread-Engagements zwischen geografischen Regionen oder unterschiedlichen Branchen lassen sich einfach und schnell umsetzen. Durch den Einsatz von Optionen erweitert sich das Spektrum an Handelsstrategien nochmals. Mit Straddles und Strangles lassen sich Erwartungen hinsichtlich der Bandbreite und Volatilität der Kursentwicklung konkretisieren. Andere Kombinationen – wie unter anderem so genannte Ladders, Put-Spreads, Call-Spreads – werden zur gezielten Eingrenzung von Risiken oder Maximierung von Ertragspotenzialen genutzt. Optionen ermöglichen den Aufbau präziser und anspruchsvoller, auf Zeitkomponenten und/oder bestimmten Ereignisse ausgelegter Strategien. Wie sich in den USA bereits gezeigt hat, steigern die durch Optionen eröffneten zusätzlichen Handelsfacetten die Attraktivität des gesamten ETF-Marktes.

    Es gibt für Fondsmanager unzählige Möglichkeiten, ETF-Derivate sinnvoll einzusetzen. So können sie beispielsweise für traditionelle Absicherungsstrategien herangezogen werden. Als Beispiel wäre ein Aktienportfolio bei erwartenden Kursrückgängen zu nennen. In diesem Fall ließe sich der Portfoliobestand über den Kauf von Put-Optionen auf ETFs oder den Verkauf von Futures entsprechend absichern, ohne diese zu veräußern. Dies stellt eine wichtige Alternative dar, denn in vielen Ländern sind Aktien im Kassamarkt schwierig oder nur unter hohen Kosten zu verkaufen. Derivate bieten hier eine einfache Umsetzungsalternative.

    Auf ähnliche Weise lassen sich mit Hilfe derivater Produkte problemlos neue Long-Postionen aufbauen. Insbesondere in Zeiten extremer Marktvolatilität. Ein Fondsmanager könnte zu der Ansicht kommen, dass der beobachtete Markt schon mehr als genug gefallen sei. Die Entdeckung mit den für ein Portfolio zahlreichen erforderlichen Einzeltiteln kann sich dabei- je nach Volatilität- durchaus als schwierig erweisen. Unter Verwendung von ETF-Derivaten oder den direkten Kauf von ETF-Anteilen lässt sich ein derartiges Engagement leicht mit einer einzigen Transaktion aufbauen. Der Fondsmanager hat dann genügend Zeit, aus der entsprechenden Derivate- beziehungsweise ETF-Position auszusteigen und die einzelnen Aktien zu erwerben, sobald sich die Marktlage wieder entspannt hat.

    Schließlich gibt es noch unzählige Strategien, mit deren Hilfe ein Fondsmanager die effektiven Erträge auf das von ihm verwaltete Vermögen erhöhen kann. Zu den gängigen Varianten gehört der Verkauf „gedeckter“ Call-Optionen aus dem Geld, die durch einen entsprechenden Bestand des Basiswertes unterlegt sind – auch als „Covered Call Writing“ bezeichnet. Die Marktentwicklung wird für diesen Fall neutral bis pessimistisch eingeschätzt.

    Das bei dieser Strategie bestehende Risiko ist verhältnismäßig gering. Der Ausübungspreis der Option liegt in diesem Fall über dem aktuellen Marktniveau. Fallen die Preise oder bleiben sie unverändert, wovon der Manager ausgeht, profitiert der Fonds vom Einstreichen der Optionsprämie. Sollte der Markt wider Erwarten doch steigen und die Option entsprechend ausgeübt werden, kann der Fondsmanager zur Erfüllung seiner Lieferverpflichtung auf den von ihm gehaltenen Bestand des Basiswertes zurückgreifen. Unter Verwendung von Put-Optionen oder Kombinationen verschiedener Call- und/oder Put-Optionen lassen sich ähnliche Strategien verfolgen.

    Kontraktspezifikationen ETF-Futures und –Optionen

    Kontraktspezifikationen der neuen EXTF-Futures
    Basiswert Die liquidesten paneuropäischen Index-ETFs
    Kontraktgröße 100 Indexfondsanteile des jeweils zugrunde liegenden ETF
    Minimale Preisänderung EUR 0,01
    Erfüllung Physische Lieferung von 100 Indexfondanteilen (ETFs)
    Erfüllungstag 2 Börsentage nach der Ausübung (bzw. drei Tage bei der SWX gehandelten ETFs)
    Letzter Handelstag Der dritte Freitag eines Verfallmonats, sofern dieser ein Börsentag ist, andernfalls der davor liegende Börsentag
    Täglicher Abrechnungspreis Letztbezahlter Kontraktpreis; falls dieser älter als 15 Minuten ist oder nicht den aktuellen Marktverhältnissen entspricht, wird dieser von der Eurex festgelegt
    Schlussabrechnungspreis Der im elektronischen Handelssystem des Kassamarktes festgestellte Schlussauktionspreis des jeweiligen Basiswertes. Wenn kein Schlussauktionspreis zustande kommt, wird der volumengewichtete Durchschnitt der drei für den jeweiligen Basiswert im elektronischen Handelssystem des Heimatkassamarktes letztbezahlten Preise herangezogen.
    Fälligkeitsmonate Die jeweils nächsten Quartalsmonate des Zyklus März, Juni, September und Dezember
    Handelszeit in Deutschland: 9.00 bis 17.30 Uhr
     
    Kontraktspezifikationen der neuen EXTF-Optionen
    Basiswert Die liquidesten paneuropäischen Index-ETFs
    Kontraktgröße 100 Indexfondsanteile des jeweils zugrunde liegenden ETF
    Minimale Preisänderung EUR 0,01
    Erfüllung Physische Lieferung von 100 Indexfondanteilen (ETFs)
    Erfüllungstag 2 Börsentage nach der Ausübung (bzw. drei Tage bei der SWX gehandelten ETFs)
    Letzter Handelstag Der dritte Freitag eines Verfallmonats, sofern dieser ein Börsentag ist, andernfalls der davor liegende Börsentag
    Täglicher Abrechnungspreis Letztbezahlter Kontraktpreis; falls dieser älter als 15 Minuten ist oder nicht den aktuellen Marktverhältnissen entspricht, wird dieser von der Eurex festgelegt
    Ausübungszeit Ausübungen sind an jedem Börsentag während der gesamten Laufzeit (9.00 bis 17.30 Uhr)
    Verfallsmonate Die drei nächsten aufeinander folgenden Monate und die drei darauf folgenden Monate aus demZyklus März, Juni, September und Dezember sowie den darauf folgenden zwei Monaten aus dem Zyklus Juni und Dezember (das heißt, Laufzeiten bis zu 24 Monaten)
    Handelszeit in Deutschland: 9.00 bis 17.30 Uhr

    Fazit

    Liquidität ist bei neuen Futures- und Optionskontrakten oftmals das zentrale Problem. Die Hauptgründe für das Scheitern neuer Produkte liegen meist in der unzureichenden Strukturierung, mangelnder Nachfrage für den jeweiligen Basiswert bei privaten und institutionellen Anlegern. Aber auch die Einführung so genannter „Me-too“-Produkte in einem bereits ausreichend versorgten Markt kann dazu führen. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die proaktive Einführung sinnvoller Futures und Optionen in einem Wachstumsmarkt als Auslöser für steigende Liquidität und weiteres Wachstum dient. In diesem Fall passen sich professionelle Marktteilnehmer schnell an. Sie nehmen die neuen Möglichkeiten an und erweitern ihr Produktangebot für ihre Kunden – nicht zuletzt auch zu ihrem eigenen Nutzen. Dank der aktiven Beteiligung von Market-Makern in den neuen Eurex-Produkten ist die Liquidität dabei für alle Beteiligten gesichert.

    Derivate erleichtern Anlageverwaltern somit erheblich die präzise Steuerung der Mittelzu- und Abflüsse ihrer Fonds, die Absicherung von Portfolios und die Erhöhung der Erträge auf das von ihnen verwaltete Vermögen.

    Für Privatanleger bieten Futures und Optionen auf ETFs eine kostengünstigere Einstiegsmöglichkeit dank standardisierter Produktspezifikationen, elektronischem Marktzugang und niedrigen Handelskosten.

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